Freitag

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Attenberg

Attenberg
Ein Film von Athina Rachel Tsangari
DVD € 16,95

Die 23jährige Marina lebt mit ihrem Vater in einer Industriestadt am Meer. Es ist das Griechenland in der Krise. Ihr Vater ist Architekt, hat wohl diese Wohnsiedlung gebaut und erkennt jetzt im Alter, dass dies alles nicht für die Menschen konstruiert worden ist. So finden wir auch keine Menschen dort. Er ist ein sehr großer Skeptiker, Atheist, wortkarg und muss sich einer Krebstherapie unterziehen. Marina (die dafür 2010 in Venedig den Preis für die beste Hauptrolle bekommen hat) ist in diesem Sinne erzogen worden. Ohne Mutter, ohne Gefühle. Von ihrer besten Freundin möchte sie sich die Sexualität einführen lassen, da die doch mit Allen rummacht. So beginnt der Film auch mit dem Üben eines Zungenkusses.
Es geht also um Sexualität, um die Angst davor, um die Gefühle dabei (dabei kommt Marina ein Ingenieur gerade recht) und es geht um’s Sterben. Auch hier um das Herauslassen der Gefühle (die Szene mit den meisten Emotionen im Film) und um eine Weiterentwicklung der jungen Frau.
„Attenberg“ heisst der Film, da sich Marina sich ihr Wissen über das Zusammenleben aus den Tierfilmen von Sir David Attenborough holt, die wir auch mitschauen dürfen (sehr schön: diese Szenen sind original in englisch gesprochen, mit griechischen Untertiteln im Fersehgerät des Filmes und mit unseren deutschen Untertiteln).
Athina Rachel Tsangar, die Regisseurin, setzt harte Schnitte, kaum Kamerabewegung. Eine statische Kameraeinstellung, aus der die Personen zum Teil herausgehen und wieder zurückkommen. Musik meist nur im Autoradio. Gespräche sind kurz, stakatoartig, mit vielen Symbolen und Sprachspielen. Unterbrochen wird dies durch die beiden Freundinnen, die in einem Hinterhof der Wohnsiedlung Hand in Hand sich verschiedenartig fortbewegen. Dies hat dann schon etwas skuriles von Monty Python an sich.
Sie merken: Es ist kein normaler Film, den sie sich zum Wohlfühlen abends nach der Arbeit reinziehen. Die Regisseurin lässt Vieles offen. Und das ist gut so. Sie bietet keine Lösungen an, hilft uns nicht mit Musikuntermalung, Hinweisen und ihren Ideen. Gleichzeitig ist dies aber keiner dieser Filme, die mich verstört zurrücklassen. Er ist voller Witz und sicherlich eine Mischung aus schwarzem Komödie und einer griechischen Tragödie.
Der Film ist ab 12 Jahren. Wobei das wirklich kein Film für dieses Alter ist. Ich denke, das hängt von einigen Nacktszenen ab, die wir zu sehen bekommen.
Fazit: Der Film lohnt sich. Es ist ein anderes Erlebnis, als die sonstige Massenware und wir vergessen ihn nicht so schnell wieder.
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Buchhandlung Jastram gemalt von Mimi (7 Jahre)