Samstag

Heute haben
Brendan Behan * 1923
Thomas Bernhardt * 1931
Alice Walker * 1944
Geburtstag
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Dieser Film steht bei mir Laden schon länger, Kunden haben mich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe ihn jetzt in der Bibliothek ausgeliehen und tagelang mit mir herumgetragen. Kurz vor Abgabetermin habe ich ihn mir angeschaut und war fasziniert. Nach meinem eher lauen Filmgenuss bei „Hannah Arendt“, ist dies volles Kino. Hier wird wirklich mit filmischen Mitteln gearbeitet. Film im Film, Vergangenheit und Gegenwart und tolle Schnitte und Kameraeinstellungen. Kein Wunder hat der Film sehr viele Preise abkassiert.

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Und dann der Regen
Tambien la lluvia
Spanien/Frankreich/Mexiko 2010

Ich füge Ihnen unten die Links zu der Website des Filmes und zu einer sehr ausführlichen Filmbesprechung an, in der sie auch Informationen über Schauspieler, die Regisseuerin und den Kameramann erhalten.
So gut kann ich das natürlich nicht.
Wie gesagt, der Film wurde mir empfohlen und da ich tatsächlich schon in Cochabamba in Bolivien war, stand er eh schon auf meiner Warteliste.
Schon der Beginn, wie ein Hubschrauber ein großes Kreuz durch die Luft transportiert, ist grossartig und wahrscheinlich eine Homage an Fellini. Wir sind also mitten in Cochabamba und das Filmteam sucht nucht Laiendarsteller unter den Indios. Es melden sich jedoch 5 x soviel, wie benötigt wird. Hier wird schon die Not dieser Menschen klar.
Sie suchen sich Leute zusammmen, unter anderem auch einen sehr besondernen jungen Mann, von der der Produzent meint, dass er nur Schwierigkeiten machen werde. Womit er recht hat.
Der junge, engagierte Regisseur möchte einen Film über Kolumbus (und die spanische Krone dahinter) machen, der die Indios vor 500 Jahren verskalvt hat. Ein weitere wichtige Person ist ein Mönch, der sich auf die Seite der Einheimischen schlägt und sich für Menschenrechte einsetzt. Während der Dreharbeiten kommt es zu diesem berühmten Aufstand in der Stadt, da das Wasser privatisiert wird und sich somit die Preise um 300 Prozent erhöhen. Der Anführer dort ist auch der Anführer der Indios im Film. Und somit schließt sich der Kreis. Und es ist verblüffend, wie damals und heute mit diesen Menschen umgegangen wird, wie sie behandelt und erniedrigt werden.
Was mich am meisten fasziniert hat, war die Zerissenheit der einzelnen Personen und die verschiedenen Ebenen, wie der Film erzählt wird.
Wir befinden uns im Film im Film und Schnitt, wieder in der Gegenwart. Wir sehen Proben zu, die so echt sind, wie die Gespräche der Schauspieler beim Abendessen.
Die Gefühle und Taten der einzelnen Personen sind so unter Spannung durch die Veränderungen in der Wirklichkeit, dass sie oft nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht.
Einerseits wollen sie einen engagierten Film drehen, reden dann aber mit den Indios nicht anders, als wie vor 500 Jahren. Die Personen wandeln sich im Laufe des Filmes. Die größten Ekel werden immer menschlicher und die Engagierten immer verzweifelter.
Wie gesagt, hinter den Links verstecken sich viel Informationen, Trailer, Fotos, die diesen Film viel genauer beschreiben können.
Von mir gab es nur so einen kleinen, emotionalen Tipp.

Filmseite
Besprechung auf kino.de
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Und wieder ein Textschnippsel von Eduardo Galeano:

September
16
Maskenball

Um zwei Uhr morgens am heutigen Tag im Jahre 1810 stieß Miguel Hidalgo den Schrei aus, welcher der Unabhängigkeit Mexikos den Weg bahnte.
Als der Schrei ein Jahrhundert zurück lag, im Jahre 1910, verlegte der Diktator Porfirio Díaz die Feiern einen Tag vor, damit sie auf seinen Geburtstag fielen, und die Hundertjahrfeier wurde zum rauschenden Fest.
Mexiko-Stadt empfing, gewienert und herausgeputzt, die illustren Gäste aus mehr als dreißig Ländern, Zylinderhüte, federgeschmückte Hüte, Fächer, Handschuhe, Gold, Seide, Reden … Das Festkomitee der Damen der feinen Gesellschaft versteckte die Bettler und zog den Straßenkindern Schuhe an die Füße. Die Indios wurden in Hosen gesteckt, die gratis verteilt wurden, während denjenigen der Zutritt verwehrt wurde, die die traditionellen Dreiviertelhosen aus roher Baumwolle trugen. Don Porfirio legte den Grundstein des Lecumberri-Gefängnisses und weihte feierlich das Städtische Irrenhaus ein, das tausend Verrückten Platz bot.
Ein eindrucksvoller Festzug stellte die Geschichte des Landes dar. Ein Schüler der Zahntechnikerschule schlüpfte in die Rolle von Hernán Cortés, des ersten Freiwilligen, der gekommen war, um die Rasse zu veredeln, und ein trauriger Indio marschierte als Aztekenkaiser Moctezuma verkleidet. Ein Umzugswagen mit einer Darstellung des Hofstaats von Ludwig XVI. bekam den meisten Beifall.

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