Dienstag

Heute haben
John Donne * 1572
G.R.Lessing * 1792
Lord Byron * 1788
August Strindberg * 1849
Francis Picabia * 1879
Wilhelm Genazino * 1943

* Ein kleiner Nachtrag zu Lessing:
Heute bin ich tatsächlich im Neu-Ulmer Lessing Gymnasium gewesen und haben Bücher gabracht. Was für ein Zufall. Und dabei denke ich, dass keiner der tausenden Insassen und deren Betreuer wissen, dass heute ihr Namensgeber Geburtstag hat.
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Vom Geburtstagskind John Donne kommt hier das passende Morgen-Arbeit-Gedicht:

Break of Day

Tis true, ‚tis day; what though it be?
O wilt thou therefore rise from me?
Why should we rise, because ‚tis light?
Did we lie down, because ‚twas night?
Love, which in spite of darkness brought us hither,
Should in despite of light keep us together.

Light hath no tongue, but is all eye;
If it could speak as well as spy,
This were the worst that it could say,
That being well, I fain would stay,
And that I loved my heart and honor so,
That I would not from him, that had them, go.

Must business thee from hence remove?
O, that’s the worst disease of love.
The poor, the foul, the false, love can
Admit, but not the busied man.
He which hath business, and makes love, doth do
Such wrong, as when a married man doth woo.
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Galeano

Eduardo Galeano: „Kinder der Tage
Aus dem Spanischen von Lutz Kliche
Hammer Verlag € 24,00
Das Buch erscheint am 18.2.2013

Eduardo Galeano ist besessen von dem Wunsch, Geschichte zu erinnern.
Und immer tut er dies auf besondere Art: In sprachlich eleganten Miniaturen,
kaum mehr als eine halbe Seite lang, erzählt er von kuriosen, empörenden,
bemerkenswerten Begebenheiten. Sie spielen auf allen Kontinenten und handeln
von allerlei Dingen. Doch immer geraten sie zu einer Anklage all derer,
die die Welt in ihrem Sinne zu lenken wussten. Und zur Bekundung tiefempfundener Solidarität mit den Unterdrückten.
Kinder der Tage ordnet seine 365 pointierten Geschichten an der Chronologie
des Kalenders vom 1. Januar bis zum 31. Dezember, wobei jede Geschichte
mit dem jeweiligen Datum in Verbindung steht. Springend durch die Jahrhunderte
und fortschreitend durch das Jahr zeigt Eduardo Galeano das immerwährende
Prinzip von Oben und Unten, Macht und Ohnmacht.
Die Leichtigkeit und der feine Humor nehmen den Geschichten nie die
Schärfe, machen sie aber zum großen Lesevergnügen.

Und ich stelle Ihnen eine kleine Auswahl seiner Texte hier vor.
Jeden Tag ein neues Geschichten.
Und wenn Sie die Texte auch auf Papier wollen, dann bekommen Sie im Buchladen kostenlos eine Leseprobe davon.
Und die Krönung ist dann natürlich der Erwerb des ganzen Buches ab dem 18.Februar.

Januar
3
Die wandelnde Erinnerung

Am dritten Tag des Jahres 47 vor Christus brannte die berühmteste Bibliothek des Altertums.
Die römischen Legionen marschierten in Ägypten ein, und während einer der Schlachten zwischen Julius Cäsar und Kleopatras Bruder verschlang das Feuer den größten Teil der Tausenden und Abertausenden von Papyrusrollen der Bibliothek von Alexandrien.
Ein paar Jahrtausende später marschierten die nordamerikanischen Legionen im Irak ein, und während des Kreuzzugs von George W. Bush gegen den Feind, den er selbst erfunden hatte, wurde der größte Teil der Tausenden und Abertausenden von Büchern der Bibliothek von Bagdad zu Asche.
In der gesamten Geschichte der Menschheit gab es nur einen Zufluchtsort für Bücher, der vor Kriegen und Bränden sicher war: Die wandelnde Bibliothek war eine Idee, die der Großwesir von Persien, Abdul Kassem Ismael, am Ende des 10. Jahrhunderts hatte.
Als vorausschauender Mann nahm dieser unermüdliche Reisende seine Bibliothek immer mit sich. Vierhundert Kamele trugen einhundertsiebzehntausend Bücher, in einer Karawane von zwei Kilometern Länge. Die Kamele dienten auch als Werkskatalog: Jede Kamelgruppe trug die Bücher, deren Titel mit einem der zweiunddreißig Buchstaben des persischen Alphabets begannen.
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image(neu)

Die Alten unter uns wissen bescheid.
Es ist und bleibt der berühmteste Zebrastreifen der Welt.
Leider konnte ich nicht das Gehupe der wartenden Autos und das Gelächter der fotografierenden Menschen aufnehmen.
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Franzen

Jonathan Franzen: „Weiter weg
Rowohlt Verlag € 19,95

Ende letzter Woche erschien der neue Essay-Band von Jonathan Franzen. Wieder ist es eine Sammlung von Schriften, Reden und Zeitungsbeiträgen, wie schon in seinen anderen veröffentlichen Essay-Bänden.
Es geht um ferne Inseln, um Vögel (was sonst), seinen toten Toten David Foster Wallace, um vergessene oder nicht genügend gewürdigte Autoren (z.B. Alice Munro). Franzen schreibt über das Schreiben, die schnelle Computerwelt und dass in Kalifornien die wahren Amerikaner wohnen, die cool und voller Erfinderdrang dem Leben Neues abgewinnen können und wollen. Franzen schreibt klug über seine Themen und reist damit rund um die Welt. Aber eigentlich schreibt er doch über sich. Um sein Schreiben und Denken. Und so lohnt sich diese Textsammlung allemal, wenn Sie endlich einen seiner dicken Romane lesen wollen, oder wenn Sie nach der Lektüre mehr über den Autoren wissen wollen.