Donnerstag, 22.Februar

Heute haben
Johannes Reuchlin * 1355
Arthur Schopenhauer * 1788
Hugo Ball * 1886
Sean O’Faolain * 199
Jane Bowles * 1917
Danilo Kis * 1935
Arnon Grünberg* 1971
Geburtstag
____________________________

Theodor Storm
Februar

Im Winde wehn die Lindenzweige,
von roten Knospen übersäumt;
Die Wiegen sind’s, worin der Frühling
die schlimme Winterzeit verträumt.

O wär im Februar doch auch
wie’s andrer Orten ist es Brauch,
bei uns die Narrheit zünftig!

Denn wer, solang das Jahr sich misst,
nicht einmal herzlich närrisch ist,
wie wäre der zu andrer Frist
wohl jemals ganz vernünftig!
______________________________

Frisch ausgepackt:


Ann-Sophie Henne, Robin Jüngling, Annika Le Large: „Miese Krise
Alles, was du über den Klimawandel wissen musst
Katapult Verlag € 22,00

Die Auswirkungen des Klimawandels werden das Leben auf der ganzen Erde verändern, auch bei uns. Wie konnte es dazu kommen? Und was bringt die Zukunft? In Miese Krise fassen Ann-Sophie Henne und Robin Jüngling kompakt zusammen, was wir alle über diese Krise wissen müssen. Ihr Buch, liebevoll illustriert von Annika Le Large, macht Mut, für Veränderung und Zusammenhalt einzustehen. Denn auch wenn es sich oft nicht so anfühlt: Wir alle können Einfluss auf den Ausgang dieser Geschichte nehmen.
Dazu teilen die AutorInnen ihr Buch in einzelne Kapitel auf und fassen darin passende Themen in kleine, handliche Artikel auf.
z.B.: Heute – Wir heute, Ursachen, Biodiversität, Mensch, Boden, Wasser, Luft, Landwirtschaft, Tierhaltung
Morgen – Wir 2030, Kipppunkte, Co2-Budget, 1,5 Grad versus 2 Grad, Wir 2100
Weitere Kapitelüberschriften lauten: Ungleichheit, Kommunikation, Klimagefühle, Mythen, Wandel.
In der jetzigen Wochen-taz gibt es zwei Seiten mit der Überschrift: Erneuerbare Emotionen während der Klimakatastrophe. Darauf wird auch hier eingegangen mit den Stichworten: Abwehr, Angst, Schuld, Trauer, Wut, Hoffnung.
Ein handliches Buch, das nochmals verucht uns aus der Komfortzone zu locken, für unsere Erde zu kämpfen, aber dabei nicht den Mut zu verlieren.

Ann-Sophie Henne, Robin Jüngling und Annika Le Large machen mit @nachhaltig.kritisch seit 2019 jungen und unabhängigen Klimajournalismus. Auf Instagram und allen gängigen Podcast-Plattformen beschäftigen sie sich mit Klimathemen und hinterfragen den Status Quo der grünen Filterblase.
________________________________

Heute abend geht es raus aus der Buchhandlung und rein ins Haus der Begegnung und dann mit Elena Fischers Debüt: „Paradise Garden“ u.a. in den 17. Stock, in dem sich Autobahngeräusche in Meeresrauschen verwandeln können.


Lesung mit Elena Fischer
19 Uhr im Haus der Begegnung
Eintritt € 10,00

Freitag, 10.November


Heute haben
Oliver Goldsmith * 1728
Friedrich Schiller * 1759
Arnold Zweig * 1887
Jiri Grusa * 1938
Werner Söllner * 1951
Neil Gaiman * 1960
Geburtstag
____________________________________

„Die Verteidigung des Friedens ist identisch mit der Verteidigung der Kultur.“
Arnold Zweig
_____________________________________


Jahreszeitengedichte“ € 24,00
Jeder Band einzeln je € 7,00
Reclam Verlag

Jeden Monat stellen wir die passenden Gedichtbände aus dem Reclam Verlag vor. Dieser verwertet seine Anthologien weiter und Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell haben aus 12 nun 4 Ausgaben zusammengestellt. Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
Jedes Heft kostet € 7,00. Zusammen nur € 24,00.

Aus dem Herbstbändchen hier zwei Gedichte:

Nikolaus Lenau
Der Kranich

Stoppelfeld, die Wälder leer.
Und es irrt der Wind verlassen,
Weil kein Laub zu finden mehr,
Rauschend seinen Gruß zu fassen.

Kranich scheidet von der Flur,
Von der kühlen, lebensmüden.
Freudig ruft ers, daß die Spur
Er gefunden nach dem Süden.

Mitten durch den Herbstesfrost
Schickt der Lenz aus fernen Landen
Dem Zugvogel seinen Trost,
Heimlich mit ihm einverstanden.

O wie mag dem Vogel sein,
Wenn ihm durch das Nebeldüster
Zückt ins Herz der warme Schein
Und das ferne Waldgeflüster!

Hoch im Fluge übers Meer
Stärket ihn der Duft der Auen;
O wie süß empfindet er
Ahndung, Sehnsucht und Vertrauen!

Nebel auf die Stoppeln taut;
Dürr der Wald; – ich duld es gerne.
Seit gegeben seinen Laut
Kranich, wandernd in die Ferne.

Hab ich gleich, als ich so sacht
Durch die Stoppeln hingeschritten.
Aller Sensen auch gedacht,
Die ins Leben mir geschnitten;

Hab ich gleich am dürren Strauch
Andres Welk bedauern müssen,
Als das Laub, vom Windeshauch
Aufgewirbelt mir zu Füßen:

Aber ohne Gram und Groll
Blick ich nach den Freudengrüften,
Denn das Herz im Busen scholl,
Wie der Vogel in den Lüften;

Ja, das Herz in meiner Brust
Ist dem Kranich gleich geartet,
Und ihm ist das Land bewußt,
Wo mein Frühling mich erwartet.

Theodor Storm
Das ist der Herbst

Das ist der Herbst; die Blätter fliegen,
Durch nackte Zweige fährt der Wind;
Es schwankt das Schiff, die Segel schwellen –
Leb wohl, du reizend Schifferkind! —

Sie schaute mit den klaren Augen
Vom Bord des Schiffes unverwandt,
Und Grüße einer fremden Sprache
Schickte sie wieder und wieder ans Land.

Am Ufer standen wir und hielten
Den Segler mit den Augen fest –
Das ist der Herbst! wo alles Leben
Und alle Schönheit uns verläßt.

Donnerstag, 14.September


Heute haben
Theodor Storm * 1817
Michel Butor * 1926
Ivan Klima * 1931
Gerd Fuchs * 1932
Eckhard Henscheid * 1941
Uli Becker * 1953
Geburtstag
_______________________________

„Hübsch allerdings auch wiederum, daß ein berühmter Erzählerwettbewerb ausgerechnet nach der benannt wurde, die am wenigsten erzählen konnte; und letztlich auch nichts zu erzählen hatte.“
Eckhard Henscheid über Ingeborg Bachmann in „Sudelblätter“, Zürich 1987
________________________________

Noch ein besonderes Debut:


Birgit Mattausch: „Bis wir Wald werden
Klett-Cotta Verlag € 20,00

„Das Bleiben. Das Gehen. Ununterscheidbar, wo es beginnt, wo es endet.“

Birgit Mattausch erzählt in diesem schmalen Bändchen eine zarte, liebeswerte Erinnerungsgeschichte, die einen harten geschichtlichten Hintergrund hat.
Nanusch wohnt mit ihrer Urgroßmutter Babulya in einer Hochhaushaussiedlung an einem Waldrand. Einst hat Babulya sie aus Sibirien nach Deutschland getragen. Mit dabei nur ein Koffer. Über Friedland ging es dann weiter an diesen unbenannten Ort. Als Russlanddeutsche leben sie dort, an dem es Menschen aus vielen anderen Nationen gibt. Mit Felek, Vitali und Gregorij trifft sich Nanusch am Spielplatz, am Teich und früher in der Küche der Urgroßmutter. Jetzt besteht ihr Leben aus Kassieren an der Supermarktkasse und der Betreuung der Urgroßmutter, die nicht mehr genau weiss, ob sie in Sibirien ist, oder in Deutschland. Die einen Bären neben sich sieht, von dem sie behauptet, es sei der Urgroßvater, der in dieser Verkleidung aus Sibirien fliehen konnte.
Es vermischen sich der triste Alltag inmitten von Beton und den Erinnerungen der alten Frau.
Birgit Mattausch hat dafür einen ganz besonderen Ton getroffen, der anrührend ist und doch nie rührselig. Sie hat eine Geschichte geschrieben über Familie, über Vergangenes und lässt Bilder erscheinen, die so intensiv sind, dass wir sie direkt vor Augen sehen.
Eine Lektüre, die mich sehr angerührt hat und die mir noch im Kopf herumschwirrt.

„Das Haus verliert nichts. So sagt man. Und die Seelen auch nicht. Die liebe geht nicht verloren. Nie. Und wenn, dann hinterläßt sie eine Lücke in form eines Bären in Form eines wilden wilden wilden Rehs. In Form einer Frau, von der ich nur weiß, dass ihre Augen dunkel sind und ihr Haar hell. Und das ist besser als nichts.“

Leseprobe
______________________________


Repair4U

Ab Herbst 2023 gibt es in Neu-Ulm Repair4U, eine Reparaturwerkstatt für Waschmaschinen, Spülmaschinen und Trockner. Unter dem Motto: „Reparieren statt Wegwerfen“ will das Team von Repair4U in der Augsburger Str. 23-25, dem ehemaligen Sport Sohn, unter dem Dach des „Haus der Nachhaltigkeit“ eine Werkstatt eröffnen.
Unser Team sucht noch Verstärkung für verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten wie Organisation/Büro, Hol- und Bringdienst und Reparaturarbeiten. Eine Anstellung ist ggf. möglich.
Die Aufgabe ist groß. Allein in Deutschland werden jährlich ca. 2,4 Millionen Wasch- und Spülmaschinen verschrottet. Aneinandergestellt entspricht das etwa der Strecke Ulm – Madrid, rund 1400 km Elektroschrott. Allein in Ulm werden auf dem Recyclinghof in Grimmelfingen wöchentlich 2 Container voll mit Waschmaschinen, Trocknern und Spülmaschinen angeliefert. Das entspricht 3 Tonnen Elektroschrott. Der Rohstoffabbau (Kobalt und Kupfer) wie auch die Entsorgung der Geräte machen immense Probleme.

Dagegen haben wir einen Plan:
Repair4U „Reparieren statt Wegwerfen!“ Es gibt viel zu tun. Hilf mit und melde Dich unter: kreislaufwirtschaft@h-d-n.org

Montag, 3.Juli

Foto: Julia
______________________________________

Heute haben
Franz Kafka * 1883
Elizabeth Taylor * 1912 (nicht die Schauspielerin)
Günter Bruno Fuchs * 1928
Manfred Bieler * 1934
Tom Stoppard* 1937
Jana Hensel * 1976
Geburtstag
_______________________________________

„Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub.“
Franz Kafka
_______________________________________

Schon wieder hat ein neuer Monat angefangen.


Juli
Gedichte herausgegeben von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 6,00

Der heisse Juni ist vorbei und jetzt beginnt erst der richtige Sommer.
Mit dieser Gedichtesammlung kommen wir sicherlich gut durch die nächsten Wochen.

Der Sommer hat schon lang eröffnet
Sommergewitter
Sommernächte und Gartenfreuden
Endlich Ferien
Sommerfreuden
Hochsommer
heißen die Überschriften und zeigen uns, wo es hier lang geht.

Leseprobe

Theodor Storm
Sommermittag

Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mühle ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.

Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk‘,
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.

Der Müller schnarcht und das Gesinde,
Und nur die Tochter wacht im Haus;
Die lachet still und zieht sich heimlich
Fürsichtig die Pantoffeln aus.

Sie geht und weckt den Müllerburschen,
Der kaum den schweren Augen traut:
„Nun küsse mich, verliebter Junge;
Doch sauber, sauber! nicht zu laut.“

Christian Morgenstern
Sommermittag

Wiese, lass mich ganz in dein
Wohlgefühl versinken,
dein legionenfältig Sein
als mein eignes trinken.

Deine breite Sonnenbrust
lass die meine werden,
meine Lust die feine Lust
deiner Gräserherden.

Mächtig schwelle mein Gesang
dann aus solchem Grunde,
künde Glückesüberschwang
höchster Sommerstunde.

Kurt Tucholsky
Feldfrüchte

Sinnend geh ich durch den Garten,
still gedeiht er hinterm Haus;
Suppenkräuter, hundert Arten,
Bauernblumen, bunter Strauß.

Petersilie und Tomaten,
eine Bohnengalerie,
ganz besonders ist geraten
der beliebte Sellerie.

Ja, und hier –? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen, rot und innen weiß.

Sinnend geh ich durch den Garten
unsrer deutschen Politik;
Suppenkohl in allen Arten
im Kompost der Republik.
Bonzen, Brillen, Gehberockte,
Parlamentsroutinendreh …
Ja, und hier –? Die ganz verbockte
liebe gute SPD.
Hermann Müller, Hilferlieschen
blühn so harmlos, doof und leis
wie bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.
____________________________________

„Die erste Seite“ bei uns in der Buchhandlung



Clemens Grote liest morgen Abend aus diesen vier Büchern.
Wir erzählen noch etwas dazu und freuen uns über Ihr/Euer Kommen.
Wir beginnen pünktlich um 19 Uhr.
Eintritt frei.
Für Getränke und Knabbereien ist gesorgt.

Montag, 19.Juni


Heute haben
Blaise Pascal * 1623
Gustav Schwab * 1792
Salman Rushdie * 1947
Geburtstag
______________________________________

Theodor Storm
Meeresstrand

Ans Haff nun fliegt die Möwe,
und Dämmrung bricht herein;
über die feuchten Watten
spiegelt der Abendschein.

Graues Geflügel huschet
neben dem Wasser her;
wie Träume liegen die Inseln
im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
geheimnisvollen Ton,
einsames Vogelrufen –
so war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
und schweiget dann der Wind;
vernehmlich werden die Stimmen,
die über der Tiefe sind.
__________________________________

Wir schauen in die Buchwerkstatt des Maro Verlages in Augsburg


Diane Seuss: „Frank: Sonette
Maro Verlag € 28,00

Einblicke in die Herstellung von »Frank: Sonette / frank: sonnets«

In unserem Augsburger Verlagsbüro – das auch eine Druck- und Buchbindewerkstatt ist – herrscht ein unüberhörbares Treiben: Die Druckmaschine läuft kontinuierlich. Gegenüber teilt die Schneidemaschine die Papierstapel. Im Klebebinder rotiert die Leimwalze. Bogenweise Papier wandert von A nach B zu C und D, wird bedruckt, gewendet, geschnitten, gefalzt, gebunden. Ist die Verarbeitung abgeschlossen, liegt sie vor uns – die Klappenbroschur »Frank: Sonette / frank: sonnets« der Pulitzer-Preisträgerin Diane Seuss mit 280 Seiten – inklusive dreier Ausklappseiten. 

Wie oft wir während der Produktion des Gedichtbands mit dem Papier in Berührung kamen, haben wir für Euch nachgezählt: Ganze 13 Mal. Die Zahlen in Klammern zählen im Folgenden mit.

Schneiden, Falzen, Einlegen 

Wir stehen vor mehreren Stapeln weißer Druckbögen, dem Ausgangsmaterial unserer Produktion. Vor dem Bedrucken werden alle Bögen auf dasselbe Format geschnitten. Wir nehmen einen etwa 7 bis 9 cm dicken Papierstapel und legen ihn in die Schneidemaschine (1). Je nachdem, ob alle vier Seiten begradigt werden müssen, geht das Papier bereits hier mehrfach durch unsere Hände. Nun kann die Schublade der Xerox gefüllt und der Innenteil der Broschur mit Diane Seuss’ Gedichten bedruckt werden: zunächst die Vorderseiten der Bogen (2) und nach dem Wenden deren Rückseiten (3). Acht Seiten befinden sich auf jedem Bogen: vorne 4 und hinten 4. Die bedruckten Bogen werden anschließend halbiert, sodass 4-Seiter entstehen, also jeweils 2 Seiten vorne, 2 hinten, die in der richtigen Seitenfolge aufeinandergelegt werden (4). 

Die 4-Seiter werden jetzt in der Falzmaschine einmal zur Mitte gefaltet (5). Nun ist schon leichter erkennbar, dass hier ein Buch entstehen wird. Die zwei schmalen Seiten eines jeden Buchblocks werden bereits jetzt auf Endformat geschnitten. Der Grund hierfür ist, dass es eine Klappenbroschur werden soll, also nach dem Binden kein Frontbeschnitt mehr gemacht werden kann (da sonst die Klappen abgeschnitten werden würden). Auch den Falz entfernt die Schneidemaschine bereits wieder – aber Dank dieses Arbeitsschritts liegen die Papierbögen nun schön plan aufeinander.


Gefalzte Bogen vor dem Schneiden in der Schneidemaschine 


Falzen der Bögen in der Falzmaschine

Vor uns liegen auch jetzt noch nicht die gesamten »Buchblöcke«, sondern es fehlen 6 Seiten. Der Grund hierfür ist, dass zwei der 14-zeiligen Sonette von Diane Seuss so lange Zeilen haben, dass sie den Satzspiegel, ja das Papierformat sprengen. Diese werden separat auf Ausklappseiten gedruckt. Da die Maro-Ausgabe zweisprachig ist und auf den linken Seiten die englischen, auf den rechten Seiten die deutschen Übersetzungen von Franz Hofner stehen, benötigen wir insgesamt 3 Ausklappbögen, die beidseitig bedruckt dann 6 Seiten des Buches entsprechen.

Auch das Falzen der Ausklappbögen übernimmt unsere Falzmaschine (6). Diesmal ist der Falz nicht mittig, sondern so versetzt, dass die längere Seite mitgebunden wird und die kürzere einen Abstand zum Bund hat. Das ist eine ziemliche Tüftelei, da die drei Falze an der Vorderkante des Buches nicht rausstehen sollen. In der Schneidemaschine werden die drei gefalzten Bogen auf das gewünschte Format geschnitten (7). Nun haben wir auf dem Tisch vor uns zwei Stapel liegen: rechts die Buchblocks mit den sortierten Einzelseiten und links die ebenfalls sortierten 3 Ausklappbögen. Wir suchen die richtige Stelle im Buch, um sie einzusortieren, legen dann sorgfältig jeweils drei der Ausklapper ein und vergewissern uns noch einmal, dass die Reihenfolge stimmt. Fertig ist der Loseblatt-Buchblock (8).


Ausklappbögen (links) und Einzelseiten (rechts)


Gestapelte Buchblocks vor dem Klebebinden 

Binden

Eine Broschur ohne Hülle – da sähe der Gedichtband nackig aus. Die Umschläge wurden bereits auf einer Offsetmaschine bedruckt – bei einer befreundeten Druckerei in Augsburg – und zugeschnitten und werden nun zweimal für den Buchrücken genutet (9). Jetzt kommt der Klebebinder zum Einsatz. In den Schlitten links wird ein Buchblock eingespannt, rechts wird ein Exemplar des genuteten Umschlags mit der Innenseite nach oben bereitgelegt (10). Der Schlitten wird nun per Knopfdruck auf seine Reise nach rechts geschickt. Dabei passiert der Buchblock zunächst das Fräsmesser – die Papierbögen werden zur besseren Haftung leicht aufgeraut – und dann das Leimbecken. Hier trägt sich nun eine feine Schicht des Dispersionsleim auf das Papier auf. Ist der Schlitten über dem Umschlagbogen angekommen, wird der Buchblock unter Druck gegen den Umschlag gepresst. Der Schlitten wird geöffnet, die Broschur herausgenommen und mit dem Finger erneut der Rücken fest – aber gefühlvoll – angedrückt (11). Nun heißt es geduldig warten, bis der Leim getrocknet ist und die Broschur weiterverarbeitet werden kann. Das Buch steht dabei zunächst für eine Zeit auf der Wärmeplatte, damit der Leim optimal trocknet und haftet, dann noch für einige Stunden – am besten über Nacht – auf einem Tisch neben der Bindemaschine.  


Klebebinder mit der Wärmeplatte rechts daneben 


Wärmeplatte, auf der die gebundenen Broschuren trocknen


Stapelung der Broschuren zur Trocknung

Nuten und Endbeschnitt

Am nächsten Tag schnappen wir uns die erste Broschur und nuten den Umschlag an einer definierten Stelle vorn und hinten für die Klappen (12). Hier ist sehr wichtig, die rechteckig Broschur sehr gerade zu nuten, damit die Klappen nicht krumm werden. Den Umschlagkarton falten wir an den beiden Nutungen sorgfältig ein. 

Abschließend erfolgt in der Schneidemaschine der Kopf- und Fußbeschnitt des Buches. Es ist nun bereit, gelesen zu werden (13). 


Nuten der Umschlagsklappen


Klappen einschlagen 

Stickern und Verpacken 

Jetzt wird noch ein Sticker auf das Cover geklebt und dann wartet das Buch in unserem Lager darauf, an Buchhandlungen oder direkt an Leser:innen versendet zu werden. 

Wie ihr seht, handelt es sich um einen aufwendigen Herstellungsprozess, aus dem auch immer neue und wertvolle Erkenntnisse resultieren. Doch nicht alle Titel aus unserem Verlag werden aus eigener Hand produziert. Hardcover zum Beispiel werden in gemeinsamer Arbeit mit externen Druckereien und weiterverarbeitenden Firmen aus unserer Region realisiert. 

Ihr seid neugierig auf den Gedichtband von Diane Seuss geworden? Hier! findet ihr nähere Informationen zum Lyrikband.

__________________________________________

Umweltwoche Ulm

Heute, Montag, 19.Juni, 19 Uhr
M25, Münsterplatz 25

Vortrag: „Handlungs­hemmnisse und -ansätze in der Klimakrise“
Psychologists for Future Ulm

Nachhaltigkeit und Klimaschutz – zwei Themen, über die zunehmend gesprochen wird. Beim Blick auf tatsächliche Veränderungen beim individuellen Verhalten und auf gesellschaftlicher Ebene wird jedoch deutlich, dass diese bisher nicht ausreichen, um angemessen auf das Ausmaß und die Dringlichkeit der ökologischen Krise zu reagieren. 
Aber woran liegt es, dass Menschen einerseits wissen, dass wir uns in einer globalen ökologischen Krise befinden und sie es andererseits nicht schaffen zu handeln? Wie lässt sich diese Diskrepanz psychologisch erklären? 
Der Vortrag versucht, theoretisch und praxisnah Antworten auf diese Fragen zu liefern und zeitgleich Handlungsansätze aufzuzeigen, die uns helfen können, vom Wissen ins Handeln zu kommen.

Hier geht es zum kompletten Programm: https://ulmweltwoche.de/

Donnerstag, 16.März

Heute haben
César Vallejo * 1892
Sybille Bedford * 1911
Tiziano Scarpa * 1963
Zoe Jenny * 1974
Geburtstag
____________________________________

Theodor Storm
März

Und aus der Erde schauet nur
Alleine noch Schneeglöckchen;
So kalt, so kalt ist noch die Flur,
Es friert im weißen Röckchen.
______________________________________

Unser Buchtipp:

Toni Morrison: „Rezitativ
Aus dem Amerikanischen von Tanja Handels
Mit einem langen Nachwort von Zadie Smith
Rowohlt Verlag € 20,00
Random House € 14,90

1983 veröffentlichte Toni Morrison diese Erzählung. „Rezitativ“ bleibt ihre einzige in ihrem umfangreichen Werk. In deutsch steht sie uns jetzt jetzt zum ersten Mal zur Verfügung.
Wie ein Experiment mutet die Lektüre im Nachklang an. Eine Versuchanordnung, über die wir lange gemeinsam diskutieren könnten.
Twyla und Roberta trafen sich in einem Kinderheim. Ihre alleinerziehende Mütter konnten sich nicht ausreichend um die beiden Mädchen kümmern. Twylas Mutter hatte die Nächte durchgetanzt und ihr Kind allein gelassen. Robertas Mutter war ständig krank. Vier Monate lebten sie dort zusammen.
„Schlimm genug, früh am Morgen aus dem eigenen Bett geholt zu werden – aber dann noch an einem fremden Ort festzusitzen, zusammen mit einem Mädchen von ganz anderer Hautfarbe. Und Mary, so heißt meine Mutter, hatte ja recht. Von Zeit zu Zeit hörte sie nämlich gerade so lange mit dem Tanzen auf, um mir was Wichtiges zu erklären, und unter anderem hat sie mir erklärt, dass die sich nie die Haare waschen und komisch riechen.“
Eines der beiden Mädchen ist schwarz, das andere weiss. Nach diesem Zitat ist klar, wer. Aber stimmt das? Toni Morrison lässt das, ganz bewusst, offen. Bis zum Schluss, wissen wir es nicht, erahnen, verwerfen.
Dieses raffinierte Spiel mit den verschiedenen Wahrnehmungen zieht sich durch den kompletten Text. Dazu kommen noch die Fallstricke mit unseren Erinnerungen, an denen wir ein halbes Leben festhalten, obwohl es sich vielleicht/wahrscheinlich ganz anders ereignet hat. Denn Jahre später treffen sich die beiden Frauen mehrfach wieder. Irgendwie sind die Rollen, die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben, wie auf den Kopf gedreht, wenn wir uns an die beiden Mädchen zu Beginn der Erzählung erinnern.
Die Rassentrennung ist seit den 60er Jahren in den USA abgeschafft, aber weder 1983, noch 2023 hat die Gewalt gegen die schwarze Bevölkerung nachgelassen. Erst vor zwei Tagen haben wir das in den Texten von Mumia Abu-Jamal zu hören bekommen.

Wichtig an dieser Ausgabe ist das sehr lange Nachwort (im Original heisst es: Einführung) von Zadie Smith, das unglaublich klug, erhellend ist und uns die Erzählung nochmals aufdröselt, in das Werk der Nobelpreisträgerin einführt und die Bezüge zum täglichen Rassismus herstellt.

Eine kleine Sensation.

Leseprobe
_______________________________________________

Mittwoch, 1.März


Heute haben
Giorgos Seferis * 1900
Ralph Ellison * 1914
Franz Hohler * 1943
Delphine de Vigan * 1966
Franzobel * 1967
Geburtstag
________________________________________

Theodor Storm
rz

Und aus der Erde schauet nur
Alleine noch Schneeglöckchen;
So kalt, so kalt ist noch die Flur,
Es friert im weißen Röckchen.
________________________________________


Bruno Monsaingeon: Ich denke in Tönen
Gespräche mit Nadia Boulanger
Aus dem Französischen von Joachim Kalka
Berenberg Verlag € 28,00

Nadia Boulanger war Lehrerin und Ideengeberin vieler ­berühmter Komponisten, Pianisten, Musiker und Intellektueller im 20. Jahrhundert. Die Liste ihrer Schüler ist lang und prominent: ­Leonard Bernstein und Igor Strawinsky blieben ihr zeitlebens mit ihr befreundet. Ravel, Philip Glass und Quincy Jones hatten ihr viel zu verdanken. Aaron Copland, Grażyna Bacewicz, Elliott Carter, sogar Quincy Jones gingen in ihrer kleinen Wohnung aus und ein. Paul Valéry sagte über seine Freundin: „Sie atmet, was wir hören.“
Sie war Komponistin, Dirigentin, Lehrerin, hasste in ihrer Kindheit Musik und kam erst durch die Töne eines Krankenwagens zu ihrer Berufung. Gleichzeitig hat sie zeitlebens unter der Last ihrer Mutter gelitten.
Das Buch mit Gesprächsnotizen zeigt die Zerissenheit der Person, von der ich vorher noch nie etwas gehört habe. Interessant wäre nun eine „unabhängige“ Biografie über Nadia Boulanger, die dieses Leben von weiteren Blickwinkeln betrachtet.

Leseprobe
________________________________________________


Dürre in Italien und Frankreich
„Wesentlich trockener als in normalen Jahren“

Frankreich und Italien leiden aktuell unter großer Dürre. Im Interview erklärt Klimaforscher Marx, was die Gründe sind, warum ein paar Tage Regen nicht reichen – und was vor dem Sommer getan werden sollte.

tagesschau.de: Was ist da im Moment im Süden Europas los? Zu wenig Regen, zu wenig Schnee. Was ist passiert?

Andreas Marx: Eigentlich ist es im Winterhalbjahr ja so, dass es relativ nass sein sollte. Das heißt, wir haben eigentlich das Niederschlagsmaximum in den Wintermonaten im Winterhalbjahr. Der Schneespeicher baut sich auf und kann dann im nächsten Jahr ins Frühjahr bis in den Sommer hinein vor allem den Flüssen Wasser zur Verfügung stellen.
Gleichzeitig sorgt der Regen aber eben auch großflächig dafür, dass die Grundwasserstände sich in Europa wieder erholen und wieder ansteigen. Die Situation aktuell ist aber so, dass es durch die ausbleibenden Niederschläge der letzten Wochen ein Defizit gibt. Gleichzeitig stellen aber nicht nur die letzten Wochen ein Problem dar, sondern auch die Tatsache, dass die Niederschlagsdefizite und die Hitze der letzten Jahre dazu geführt haben, dass sich langsam ein großes Wasserdefizit aufgebaut hat. …

Das komplette Interview gibt es hier auf tagesschau.de
______________________________________

Samstag, 18.Februar

Heute haben
Stéphane Mallarmé * 1842
Christa Wolf * 1929
John Updike * 1932
Sergio Pitol * 1933
Joy Fielding * 1945
Geburtstag
__________________________________________

Theodor Storm

O wär im Februar doch auch,
Wie’s ander Orten ist der Brauch
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich mißt,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.
____________________________________________

Unser Sachbuchtipp:


Uwe Neumahr: „Das Schloss der Schriftsteller“
Nürnberg ’46 / Treffen am Abgrund
C.H.beck Verlag € 26,00

Die Nürnberger Prozesse einmal aus einer anderen Sicht, aus einem anderen Blickwinkel erzählt.
Noch nie waren wohl soviel berühmte Schriftsteller:innen und Journalist:innen aus aller Welt an einem Ort, unter einem Dach versammelt. Erich Kästner war in Nürnberg und Erika Mann, John Dos Passos und Martha Gellhorn, Willy Brandt und Markus Wolf. Augusto Roa Bastos kam aus Paraguay, Xiao Qian aus China und noch einige mehr. Sie alle wohnten im Schloß Faber-Castell (der von den Bleistiften), schrieben dort, diskutierten, stritten sich, tanzten, tranken und verzweifelten zum Teil. Nürnberg war zerstört, so dass dieses Schloß außerhalb der Stadt als Herberge herhalten musste.
Tagsüber saßen sie im Gerichtssaal und hörten den Berichten zu, blickten in den Abgrund der Geschichte und abends und nachts schrieben sie darüber. Diese Erfahrungen veränderte nicht sie als Personen, sondern auch ihre Art zu schreiben.
Uwe Neumahr hat sich ein paar dieser Berühmtheiten herausgezogen und schreibt über deren Leben, ihre Erlebnissse in Deutschland und zitiert aus ihren Texten und Briefen, so dass wir einen einzigartigen Zugang zu diesem Prozess, zu den Tätern und Opfer, den Deutschen vor Ort bekommen.

Die Überschriften der einzelnen Kapitel sagen schon mal sehr viel:

  • Das Presselager im Bleistiftschloss
  • Amerikanische Niederlagen
    oder die Melancholie des John Dos Passos
  • Gräfin Katharina und der Gestapochef Rudolf Diels
  • Erich Kästners gebrochenes Versprechen
  • Erika Mann, ihre «liebe Irrenhäuslerin» und ein unangenehmes Wiedersehen
  • William Shirer und der gute Wehrmachtsgeneral
  • Alfred Döblins Verschleierung:
    Von vermeintlichen Gästen auf Schloss Faber-Castell
  • Janet Flanners provokante Kritik an Hermann Görings Verhör
  • Stalinismus auf Französisch: Elsa Triolet
  • Willy Brandt, Markus Wolf und der Massenmord von Katyn
  • Rebecca Wests Affäre mit dem Richter
  • Martha Gellhorn, Hemingways Schatten und der Schock von Dachau
  • Malen, um dem Grauen zu entfliehen:
    Wolfgang Hildesheimer beim Einsatzgruppenprozess
  • Eine Art Nachwort:
    Golo Manns Einsatz für den inhaftierten Rudolf Heß

Donnerstag, 22. September


Heute haben
Hans Leip * 1893
Rosemunde Pilcher * 1924
Fay Weldon * 1931
Lutz Rathenow * 1952
Peter Prange * 1955
Geburtstag.
Und auch Hans Scholl * 1918 (Weiße Rose)
_________________________________

Theodor Storm
Ein grünes Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf dass es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.
____________________________________

Unser Buchtipp:

Dylan Thomas: „Unterm Milchwald
Ein Stück für Stimmen
Zweisprachige Ausgabe, aus dem Englischen und einem Nachwort von Jan Wagner
Plus einer Lageskizze von Llareggub von Dylan Thomas
Hanser Verlag € 27,00

„Von diesem grandiosen Klassiker des Wortweltmeisters Dylan Thomas waren sie alle begeistert- die Stones, die Beatles, Anthony Hopkins, Richard Burton, Igor Strwainsky – und ich auch!“
Elke Heidenreich

„To begin at the beginning:

It is spring, moonless night in the small town, starless
and bible-black, the cobblestreets silent and the hunched,
courters’-and-rabbits’ wood limping invisible down to the
sloeblack, slow, black, crowblack, fishingboatbobbing sea.
The houses are blind as moles (though moles see fine to-night
in the snouting, velvet dingles) or blind as Captain Cat
there in the muffled middle by the pump and the town clock,
the shops in mourning, the Welfare Hall in widows’ weeds.
And all the people of the lulled and dumbfound town are
sleeping now.

Hush, the babies are sleeping, the farmers, the fishers,
the tradesmen and pensioners, cobbler, schoolteacher,
postman and publican, the undertaker and the fancy woman,
drunkard, dressmaker, preacher, policeman, the webfoot
cocklewomen and the tidy wives. Young girls lie bedded soft
or glide in their dreams, with rings and trousseaux,
bridesmaided by glowworms down the aisles of the
organplaying wood. The boys are dreaming wicked or of the
bucking ranches of the night and the jollyrodgered sea. And
the anthracite statues of the horses sleep in the fields,
and the cows in the byres, and the dogs in the wetnosed
yards; and the cats nap in the slant corners or lope sly,
streaking and needling, on the one cloud of the roofs.“

Das legendäre Werk des walisischen Dichters Dylan Thomas in einer neuen Übersetzung von Jan Wagner, der „Unterm Milchwald“ als das schönste Stück Literatur bezeichnet, „das jemals über den Äther lief“.
Der Morgen beginnt in dem kleinen Fischerdorf Llareggub an der walisischen Küste und das, was Dylan Thomas und seiner kleinen Seestadt macht, ist so einzigartig, dass ich richtig süchtig geworden bin. Voller Wortwitz, mit verrückten Wortketten und Wortassoziationen lässt er die Einwohner der kleinen Stadt einen Tag lang zu Wort kommen. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht geht der Reigen an der wallisischen Küste. Es wird gelacht, geweint, gesungen und gebrüllt. Es werden Kartoffeln poliert und Bier gesoffen, der Teufel im Wald vertrieben und Orgel gespielt. Die Toten werden wieder lebendig und der Briefträger erzählt den Empfängern der Post gleich an der Türschwelle, was es alles Neues gibt auf den zugestellten Postkarten. Ich kann hier keine Inhaltsangabe schreiben, da das Stück voller überbordender Ideen ist. Was aber Gossamer Beynon, Orgel-Morgan, Mrs Ogmore-Pritchard, Mrs Willy-Nilly, Kapitan Cat, Mr Waldo, Mary Ann Seefahrer, Eli Jenkins, Lily Smalls, Boyo, Mrs Cherry Owen und Sinbad, auf den Straßen, in den Häusern, auf dem Friedhof und in der Kneipe treiben, ist einfach großartig.
Und damit auch der Autor Dylan Thomas.

Leseprobe

Dylan Thomas, 1914 in Swansea geboren, 1953 in New York gestorben, arbeitete ab 1934 für Zeitschriften und die BBC in London. 1949 zog er sich in den kleinen walisischen Fischerort Laugharne zurück. Er schrieb Gedichte, Essays, Briefe, Drehbücher, autobiographische Erzählungen und das Stück „Unterm Milchwald“, das postum mit dem Prix Italia 1954 ausgezeichnet wurde.
______________________________________

Der Maro Verlag hat uns eine Kiste voll mit seiner unglaublichen schönen Anthologie „Marotte“ zugeschickt, die wir im Laden verschenken.
Wenn Sie ein Exemplar haben wollen – bitte melden.

____________________________________________

Wir haben während des Klimastreiks unseren Buchladen von 15 bis 17 Uhr geschlossen.
Danach ist bis 18 Uhr wieder geöffnet.

Mittwoch, 14.September

Der große Wagen mit Spezialbeleuchtung (Foto: Michel Wiltschek)

Heute haben
Theodor Storm * 1817
Michel Butor * 1926
Ivan Klima * 1931
Gerd Fuchs * 1932
Eckhard Henscheid * 1941
Martin Sperr * 1944
Uli Becker * 1953
Geburtstag
__________________________________

Theodor Storm
Meeresstrand

Ans Haff nun fliegt die Möwe,
und Dämmrung bricht herein;
über die feuchten Watten
spiegelt der Abendschein.

Graues Geflügel huschet
neben dem Wasser her;
wie Träume liegen die Inseln
im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
geheimnisvollen Ton,
einsames Vogelrufen –
so war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
und schweiget dann der Wind;
vernehmlich werden die Stimmen,
die über der Tiefe sind.

___________________________________

Zum 90. Geburtstag der Autorin am 27.Oktober 1932


Sylvia Plath: „Das Herz steht nicht still
Späte Gedichte 1960-1963
Zweisprachige Ausgabe. Herausgegeben, aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Judith Zander
Suhrkamp Verlag € 25,00

1960 zieht Sylvia Plath nach England und schreibt unermüdlich weiter. Es erscheint ihr Gedichtband Der Koloss. Kurz vor ihrem Tod, 1963, folgt ihr einziger Roman: Die Glasglocke. In diesen Jahren wird sie zweimal Mutter.
„Es ist, als setzte mein Herz ein Gesicht auf und ginge hinaus in die Welt.“
Sylvia Plath schwankt zwischen Mutter sein und sich das Leben nehmen, zwischen Glücksgefühl und Verzweiflung.
Großes Lob an Judith Zander für diese Übersetzungsarbeit und das sehr informative Nachwort.

Stillborn
These poems do not live: it’s a sad diagnosis.
They grew their toes and fingers well enough,
Their little foreheads bulged with concentration.
If they missed out on walking about like people
It wasn’t for any lack of mother-love.
O I cannot understand what happened to them!
They are proper in shape and number and every part.
They sit so nicely in the pickling fluid!
They smile and smile and smile and smile at me.
And still the lungs won’t fill and the heart won’t start.
They are not pigs, they are not even fish,
Though they have a piggy and a fishy air –
It would be better if they were alive, and that’s what they were.
But they are dead, and their mother near dead with distraction,
And they stupidly stare, and do not speak of her.

Totgeboren
Diese Gedichte leben nicht: eine traurige Diagnose.
Dabei wuchsen sie gut, alle Zehen- und Fingertriebe.
Ihre kleinen Stirnen schwollen vor Konzentration.
Wenn sie es versäumten herumzulaufen wie Menschen,
Lag’s nicht an einem Mangel an Mutterliebe.
Ach, ich begreife gar nicht, was mit ihnen passiert ist!
Sie sind proper in Form und Anzahl und allem Drumrum.
Sie hocken so nett in der konservierenden Lake!
Sie lächeln und lächeln und lächeln und lächeln mir zu.
Und doch füllen die Lungen sich nicht und das Herz bleibt stumm.
Sie sind keine Schweine, sie sind noch nicht einmal Fische,
Obwohl sie eine schweinige, fischige Anmutung haben –
Besser wäre, sie wären lebendig, und das ist’s, was sie waren.
Doch sie sind tot, und die Mutter fast tot vor Verzweiflung,
Und sie starren blöde und wollen nichts über sie sagen.


Sleep in the Mojave Desert
Out here there are no hearthstones,
Hot grains, simply. It is dry, dry.
And the air dangerous. Noonday acts queerly
On the mind’s eye, erecting a line
Of poplars in the middle distance, the only
Object beside the mad, straight road
One can remember men and houses by.
A cool wind should inhabit those leaves
And a dew collect on them, dearer than money,
In the blue hour before sunup.
Yet they recede, untouchable as tomorrow,
Or those glittery fictions of spilt water
That glide ahead of the very thirsty.
I think of the lizards airing their tongues
In the crevice of an extremely small shadow
And the toad guarding his heart’s droplet.
The desert is white as a blind man’s eye,
Comfortless as salt. Snake and bird
Doze behind the old masks of fury.
We swelter like firedogs in the wind.
The sun puts its cinder out. Where we lie
The heat-cracked crickets congregate
In their black armourplate and cry.
The day-moon lights up like a sorry mother,
And the crickets come creeping into our hair
To fiddle the short night away.

Übernachten in der Mojave-Wüste
Hier draußen gibt es keine Herdstellen,
Nur heiße Körnchen. Es ist trocken, trocken.
Und die Luft gefährlich. Mittag spielt seltsam
Mit dem inneren Auge, stellt eine Reihe
Pappeln in mittlerer Entfernung auf, die einzigen
Objekte neben der irren, schnurgeraden Straße,
Die einen an Menschen und Häuser erinnern kann.
Ein kühler Wind sollte in diesen Blättern wohnen
Und ein Tau, wertvoller als Geld, sich auf ihnen sammeln
In der blauen Stunde vor Sonnenaufgang.
Doch weichen sie zurück, unnahbar wie morgen
Oder jene glitzernden Einbildungen von vergossenem Wasser,
Die vor den sehr Durstigen herschweben.
Ich denke an die Eidechsen, die ihre Zungen kühlen
Im Spalt eines äußerst schmalen Schattens,
Und die Kröte, die das Tröpfchen ihres Herzens beschirmt.
Die Wüste ist weiß wie das Auge eines Blinden,
Trostlos wie Salz. Schlange und Vogel
Dösen hinter den alten Masken des Zorns.
Wir verschmachten wie Feuerböcke im Wind.
Die Sonne löscht ihre Schlacke aus. Wo wir liegen,
Versammeln sich hitzerissige Heuschrecken
Mit ihren schwarzen Panzern und klagen.
Der Tagmond leuchtet auf wie eine bedauernde Mutter,
Und die Heuschrecken kriechen uns ins Haar,
Um die kurze Nacht zu vergeigen.
____________________________________

Jetzt unterschreiben beim Fuß- und Radentscheid Ulm

Aktive Mobilität, wie das Zufußgehen und Radfahren, haben einen großen Einfluss auf die Lebensqualität in einer Stadt.

Fuß- und Fahrradverkehr sind die umwelt- und stadtfreundlichsten Fortbewegungsarten. Platzsparend stehen sie allen Menschen zur Verfügung, sind günstig, klimaneutral, feinstaub- und schadstofffrei, leise, gesund und fördern nachweislich das individuelle Wohlbefinden. Zudem begünstigen sie die soziale Interaktion und sind die einzigen Fortbewegungsarten mit einem positiven volkswirtschaftliche Nutzen.

Zusammengefasst: Fuß- und Fahrradverkehr sind DIE Grundlage von „Städte für Menschen“.

Wir wollen den Ausbau von attraktiver Fuß- und Radinfrastruktur in unserer Stadt voranbringen. Damit sich Zu Fußgehende und Radfahrende subjektiv sicher und wohl fühlen, egal ob sie 8 oder 88 Jahre alt sind. FuR Ulm, für ein lebenswerteres Ulm für Alle!

Deshalb benötigen wir einen Fuß- und Radentscheid.

Unterschriftenlisten gibt es bei uns in der Buchhandlung.