Dienstag, 5.September

Heute haben
Christoph Martin Wieland * 1733
August Wilhelm von Schlegel * 1767
Heimito von Doderer * 1896
Arthur Koestler *1905
Lily Brett 1946
Geburtstag
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„Der Wein gibt Witz und stärkt den Magen.“
Christop Martin Wieland
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Unser Buchtipp:


Jami Attenberg: „Bis hierher war’s ein weiter Weg

Mein ach so grandioses Leben als Autorin
Aus dem Amerikanischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 26,00
All the Way to Meet You
Writing Myself Home
Amerikanische Ausgabe € 14,90

Seit ihrem ersten Buch in deutscher Übersetzung, „Die Middlesteins“, haben wir alle folgenden Neuerscheinungen der us-amerikanischen Autorin bei uns auf dem Neuerscheinungstisch. Als sie noch in Brooklyn lebte, fuhr sie jährlich für ein paar Monate nach New Orleans, um einen weiteren Roman zu schreiben. Mittlerweile lebt sie dort fest.
Mit Bis hierher war’s ein weiter Weg hat sie einen weiteren Höhepunkt in ihrem Schaffen erreicht.
Das Reisen steckt Jami Attenberg wohl in den Genen, denn ihr Vater war schon Handlungsreisender. Und so zieht sich dieses Thema durch ihr autobiographisches Buch. Stundenlange, tagelange Fahrten auf ihren Lesereisen und zu Veranstaltungen mit ein paar handvoll ZuhörerInnen, präg(t)en ihren Alltag. Reise ich oder laufe ich weg, kann man im Buch lesen. Aber es ist auch eine Reise durch ihr Werk, durch Literatur allgemein und eine Reise durch ihr bewegtes Leben als Frau, das sie mit unglaublichem Humor beschreibt, sich selbst auf die Schippe nimmt, obwohl es einige Aufs und Abs gibt.
Jami Attenberg erzählt dies nicht chronologisch, sondern mäandert mal hier- mal dorthin und hüpft durch die Zeiten. Ihr ist mit diesem Roman-Essay eine wunderbare Liebeserklärung an die Kunst des Schreibens gelungen.
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Haben Sie Lust auf einen Vater-Sohn Roadtrip in einem ollen Camper durch das vereiste Niemandsland in den USA? Auf die Geschichte der alten Mutter als Schwimmerin, die ins Vergessen hinübergleitet? Oder auf das Porträt zweier Frauen aus verschiedensten Jahrhunderten in den Marschlande bei Hamburg? Oder auf das Buch des Jahres in Schweden?
Dann kommen Sie doch heute abend zu uns in die Buchhandlung.

Clemens Grote liest, im Rahmen unserer 1.Seite, aus vier neuen Romanen.
Der Eintritt ist wie immer frei.
Wir beginnen pünktlich.
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Afrika und der Klimawandel
Mit voller Wucht

Von Sandra Biegger, SWR auf tagesschau.de

Die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent verursachen einen Bruchteil der klimaschädlichen Treibhausgase – bekommen die Folgen der Erderwärmung aber mit voller Härte zu spüren. Das zeigt ein Bericht der Weltwetterorganisation.
Die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf feiert in diesen Tagen Geburtstag. Vor 150 Jahren wurde sie gegründet, um die weltweite Zusammenarbeit der meteorologischen Dienste voranzutreiben. Immer häufiger beschäftigt sich die UN-Organisation auch mit den globalen Auswirkungen des Klimawandels, die bereits auf der ganzen Welt zu spüren sind.
Afrika habe aber besonders darunter zu leiden, sagt Chris Hewitt von der WMO. Es sei zwar nicht Aufgabe seiner Organisation, Fragen globaler Gerechtigkeit zu klären, die Fakten seien jedoch klar. „Die afrikanischen Länder stoßen weniger CO2 aus als andere Regionen der Welt. Dennoch sind sie gleich stark vom Klimawandel betroffen – wenn nicht noch mehr“, erklärt er.

Den kompletten Artikel finden Sie hier.

Donnerstag, 11.Mai


Heute haben
Gerhart Hauptmann * 1858
Rose Ausländer * 1901
Camilo José Cela * 1916
Ruben Fonseca * 1925
Henning Boetius * 1939
Geburtstag
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Max Herrmann-Neiße (1886 – 1941)
Die Eisheiligen

Die Eisheiligen stehen mit steif gefrorenen Bärten,
aus denen der kalte Wind Schneekörner kämmt,
früh plötzlich in den blühenden Frühlingsgärten,
Nachzügler, Troß vom Winter, einsam, fremd.

Eine kurze Weile nur sind sie hilflos, betroffen,
dann stürzt die Meute auf den Blumenpfad.
Sie können nicht, sich lang zu halten, hoffen;
so wüsten sie in sinnlos böser Tat.

Von den Kastanien reißen sie die Kerzen
und trampeln tot der Beete bunten Kranz,
dem zarten, unschuldsvollen Knospenglück
bereiten sie hohnlachend Schmerzen,
zerstampfen junges Grün
in geisterhaft verbissenem Kriegestanz.

Plötzlich mitten in all dem Toben und Rasen
ist ihre Kraft vertan,
und die ersten warmen Winde blasen
aus der Welt den kurzen Wahn.
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Ein sommerlicher kleiner Roman inmitten des Dauerregens.


Vita Sackville-West: „Das Erbe
Aus dem Englischen von Irmela Erckenbrecht
Schöffling Verlag € 18,00

Vita Sackville-West, bekannt durch ihre Romane und Gartenbücher und natürlich durch ihren selbstangelegten Garten Sissinghurst, hat in jungen Jahren, Anfang der 20er Jahre diesen schmalen Text geschrieben, aber er zwanzig Jahre später wiederentdeckt und veröffentlicht.
Wir können diese 100 Seiten jetzt als Neuerscheinung im Schöffling Verlag genießen. Während es vor der Türe regnet und die Eisheiligen ihrem Namen alle Ehre machen, wird es in diesem Buch immer sommerlicher und es ist die Sprache von Gartenpartys im Park des zu verkaufenden Anwesens.
Der alleinstehende Mr Chase wird plötzlich Erbe dieser vielen Ländereien und des alten Herrenhauses im elisabethanischen Stils ohne Strom, Wasser und Heizung. Sein Geld verdient er als Versicherungsangestelter in Wolverhampton und weiss zu Beginn nichts mit dieser neuen Tatsache anzufangen. Aber irgendwie erliegt er dem Charme des alten Gemäuers und den Menschen drum herum.
Der Makler hat jedoch schon eine große Auktion im Haus organisiert und es wird heftig für die Ländereien geboten, als Chase sich plötzlich unter den Bietenden befindet.
Ein liebenswerter, amüsanter, spannender Roman, bei dem zu erkennen ist, wie sehr die Autorin diese Häuser und Parks geliebt hat und gleichzeitig ein leicht ironischer Blick auf die Veränderungen der Zeiten. Vorbei sind die die herrschaftlichen Anwesen und im Anmarsch die Neureichen aus Londen, die auf ganz anderen Wegen zu viel Geld gekommen sind und nicht mehr von adliger Geburt sind.
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Eine Buchpräsentation in Kooperation mit dem HfG-Archiv Ulm bei uns in der Buchhandlung.
Montag, 15.Mai, 19 Uhr

Dorthin gehen, wo die Parallelen sich schneiden
Hotel Kleber Post, Die Gruppe 47 in Saulgau
Texte & Resonanzen

Herausgeberin: Katrin Seglitz
osbert+spenza Verlag € 24,00

Die Geschichte der Ulmer Hochschule für Gestaltung und der Gruppe 47 ist anfangs eng, später locker miteinander verzahnt: Als die Schriftsteller im November 1947 in Herrlingen bei Ulm tagten, lud der damalige Ulmer Oberbürgermeister Robert Scholl die Autoren zu einem Empfang im Rathaus ein. Bei dieser Gelegenheit dürften sich der Gründer der Gruppe 47, Hans Werner Richter, und die HfG-Mitbegründerin Inge Scholl zum ersten Mal begegnet sein. Gemeinsam diskutierten sie in den kommenden Monaten die Idee zu einer neuen, ganz besonderen Hochschule, die in Ulm entstehen und deren Gründungsrektor Hans Werner Richter sein sollte. Zu dieser Zusammenarbeit kam es nicht, doch blieb die Verbindung zwischen der HfG und der Gruppe 47 auch in den folgenden Jahren bestehen.  

In dem Buch „Dorthin gehen, wo die Parallelen sich schneiden“ stellt die Herausgeberin Katrin Seglitz Texte von Mitgliedern der Gruppe 47 vor und lässt heutige SchriftstellerInnen darauf antworten: Nora Gomringer auf Günter Grass, Zsuzsanna Gahse auf Helmut Heißenbüttel, Thommie Bayer auf Otl Aicher und andere mehr. Die Lektüre ermöglicht die Wiederentdeckung von Texten der Gruppe 47, aber auch Einsichten in die unterschiedliche Art und Weise, zu ihnen in Resonanz zu gehen.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von HfG-Archiv Ulm und der Kulturbuchhandlung Jastram.

Donnerstag, 23.März


Heute haben
GF Unger * 1921
Federica De Cesco * 1938
Ama Ata Aidoo * 1942
Geburtstag
und es ist der Todestag von Hans Werner Richter
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Drei neue Lyrik-Bände im Schöffling Verlag


Jahrbuch der Lyrik 2023
Herausgegeben von Matthias Kniep & Sonja vom Brocke
€ 24,00

Der Herausgeber Matthias Kniep hat mit Sonja vom Brocke, als Mitherausgeberin, gemeinsam aus über 6000 Gedichten von Lyriker:innen, jungen und älteren, bekannten und unbekannten, ihre Auswahl zusammengestellt. Erstmalig wurde das Verfahren anonymisiert. D.h. die Herausgeber:innnen kannten nicht die Namen der Verfasser:innen. Auch im Buch stehen über den Gedichten keine Namen. Allerdings sind sie im Anhang alle aufgelistet.

Julia Trompeter: „Versprengtes Herz € 22,00

Ein Fluss fließt von der Quelle ins Meer. Ein Paar trennt sich. Menschen werden beerdigt und andere neu geboren. In Julia Trompeters Gedichten geht es um das große Ganze: um Beziehungen, Landschaften, Alltag und Philosophie. Mal humorvoll, mal melancholisch führt die Autorin vor, dass Sprachspiel und Formstrenge sich nicht widersprechen müssen.

Leseprobe

Carolin Callies: „teilchenzoo € 22,00

Was wäre, wenn die kleinsten Teilchen der Welt, die unsichtbaren Bausteine des Lebens zu uns sprechen könnten? Was hört man, wenn man ihr Wachsen zu körnigen Konstellationen und ihren Zerfall bis hin zur atomaren Spaltung literarisch umkreist? Dieser Frage geht Carolin Callies in ihrem Poem nach. In einer lyrischen Versuchsanordnung blickt sie statt durchs Mikroskop mit den Instrumenten der Sprache auf Einzeller, Kerne, Spreißel und erkundet ihre vielfältigen Verbindungen im menschlichen Körper wie in der Natur. Hallo, hallo, ruft es da manchmal, wir winken dir durchs vergrößerungsglas zu!
Für ihre Arbeit daran wurde sie vorab mit einem Stipendium des Deutschen Literaturfonds sowie mit dem Förderpreis des Deutschen Preises für Nature Writing ausgezeichnet.

Leseprobe
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Buchpräsentation heute Abend in der Stadtbibiothek ab 19.30 Uhr


Thomas Seitereich: „Letzte Wege in die Freiheit“
Sechs Pfadfinderinnen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
S.Hirzel Verlag € 24,00

Sommer 1940. Nazideutschland annektiert das Elsaß, aber es regt sich Widerstand: In der Straßburger katholischen Pfarrei St. Jean, ganz in der Nähe der Großen Synagoge, gründen sechs französische Pfadfinderinnen eine Untergrundfluchthilfe für Regimegegner, Jüdinnen, Juden, Kommunisten, Militärs. Sie erkunden und finden geheime Wege über die Vogesen in den Westen und im Süden in die Schweiz. Bevor die Gestapo sie 1942 aufgreift, bringen sie ungefähr 500 Menschen in Sicherheit. Freisler macht ihnen 1943 den Prozeß, spricht sechs Todesurteile durch die Guillotine. Papst Pius der XII. fordert das Leben der Frauen. Und Hitler begnadigt sie tatsächlich, mit der Auflage, dass sie davon nichts wissen dürfen. Sie überleben.

Donnerstag, 13.Oktober


Heute haben
Christine Nöstlinger * 1936
D.B.Blettenberg * 1949
Geburtstag
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Selma Meerbaum-Eisinger
Kristall

Ganz still. Und viele welke Blätter liegen
wie braunes Gold, in Sonne eingetaucht.
Der Himmel ist sehr blau,
und weiße Wolken wiegen.
Ein heller Frost den Reif auf Bäume haucht.

Die Tannen stehen frisch und grün,
und ihre Wipfel zeigen in die Luft.
Und rote Buchen schlank und kühn
hör’n auf den Adler, dessen Flug sie ruft,
und steigen immer höher himmelan.
Einsame Bänke stehen dann und wann
und auch ein bißchen Gras, schon halb erfroren –
die Sonne hat’s zu ihrem Liebling auserkoren.

8.12.1940
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Unser Kalendertipp:

taschenGARTEN 2023
Gerausgegeben von Anja Banzhaf, Ann Kathrin Bohner und der GartenWerkStadt Marburg

Obst- und Gemüsevielfalt im Garten
Hardcover, 192 Seiten mit Lesebändchen und Gummiband
oekom Verlag € 20,00

Der taschenGARTEN sticht heraus aus den vielen Gartenkalendern. Allein schon die Aufmachung mit dem stabilen Umschlag mit Pappe und dem grünen Leinenrücken, dem roten Lesebändchen und dem roten Gummi. Keine Fotos, kein Glanzpapier, sondern, neben dem Kalendarium, mit Platz für persönliche Notizen, gibt es eine Vielzahl von Tipps zum Gemüse- und Obstanbau. Praxiswissen wird hier kurz zusammengefasst, Adresslisten sind für eine Vertiefung angefügt, diverse Kalendarien führen uns durch das Gartenjahr und helfen uns bei Anbau und Ernte. Gleichzeitig ist es auch ein politischer Kalender, der auf die Wichtigkeit von Biodiversität hinweist und zeigt, dass auch ein kleiner Garten für ein gesundes Ökosystem beiträgt.

Einfach mal in die Leseprobe schauen.
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Heute Abend um 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung:
Rudi Deuble, seit 1990 für die Herausgabe der Werke von Peter Kurzeck zuständig, stellt dessen neuen Roman: „Und wo mein Haus?“ vor.
Einer der wichtigsten deutschen Autoren, vielfach ausgezeichnet, dem deutlich mehr Beachtung geschenkt werden sollte, steht am heutigen Abend im Mittelpunkt.


In der Buchhandlung, Beginn: 19 Uhr, Eintritt: € 8,00

Mittwoch, 12.Oktober

Heute haben
Eugenio Montale * 1896
Ding Ling * 1904
Wilhelm Muster * 1916
Alice Childress * 1916
Vladimír Körner * 1939
Geburtstag
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Klabund
Fluch des Krieges

Im Schnee des Tienschan grast das dürre Roß.
Drei Heere sanken vor dem wilden Troß.
Die gelbe Wüste liegt von weißen Knochen voll.
Der Pferde Schrei wie schrille Flöte scholl.

Es schlingen Eingeweide sich von Baum zu Baum in Schnüren,
Die Raben krächzend auf die Zweige führen.
Soldaten liegen tot auf des Palastes Stufen.
Es mag der tote General die Toten rufen.

So sei verflucht der Krieg! Verflucht das Werk der Waffen!
Es hat der Weise nichts mit ihrem Wahn zu schaffen.
Er wird die Waffe nur als letzte Rettung schwingen,
Um durch den Tod der Welt das Leben zu bezwingen.
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Unser Kinderbuch-Bilderbuch-Erwachsenen-Mutmachbuch:

Kobi Yamada (Text), Charles Santoso (Illustrationen): „Das Glück in dir
Wie du dein Leben lebendiger machst
Adrian Verlag € 14,95

Vielleicht ist es einfach mal gut in dieses Buch hineinzublättern.
In unseren Zeiten voller Zweifel, Trauer, Unsicherheit ist eine Geschichte über das Glück gar nicht so schlecht.
Eine Geschichte voller Weisheit und Wunder und eine zeitlose Einladung, mutig zu leben, sich fürsorglich zu kümmern und das Beste aus jedem einzelnen Moment zu machen.
Ein Buch für die Kleinen, die noch so viel vor sich haben, die Großen, die in der Verantwortung stehen und die Alten, die schon so viel erlebt haben.
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Morgen, am Donnerstag, den 13.Oktober ist Rudi Deuble bei uns in der Buchhandlung zu Gast und stellt Band 8 von Peter Kurzecks auf 12 Bände angelegtes Werk „Das alte Jahrhundert“ vor.
Peter Kurzeck, mit unzähligen Preisen geehrt, konnte sein Werk nicht vollenden. Seine Hinterlassenschaft ist jedoch enorm, so dass alle 12 Bände erscheinen werden.
Er ist der Meister des biografischen Romanes, des genauen Beobachtens und Archivierens und ein begnadeter Erzähler, wie seine Hörbucheinspielen beweisen.


Peter Kurzeck: „Und wo mein Haus?
Schöffling Verlag € 24,00

Bei uns in der Buchhandlung
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: € 8,00

Sonntag, 9.Oktober

Am kommenden Donnerstag, den 13.Oktober, haben wir ab 19 Uhr Rudi Deuble zu Gast, der seit Jahren das Werk von Peter Kurzeck betreut.


Peter Kurzeck: „Und wo mein Haus?

Band 8 von 12 aus : Das alte Jahrhundert
Schöffling Verlag € 24,00

Frankfurter Hauptbahnhof, Bahnsteige, Gleise, die Eisenbahn nach Gießen. Wie immer in Peter Kurzecks fließender Erinnerungsprosa lässt der Anblick der Züge innere Bilder aufsteigen. Hier nimmt er uns mit auf Bahnfahrten mit der Mutter in das zerstörte Gießen, noch vor der Währungsreform. Der Fünfjährige kommt vom Dorf und ist dort das Flüchtlingskind. Gießen, das heißt Trümmerlandschaften und Schwarzmarkt, beängstigend und aufregend zugleich. Zu Hause lernt die Schwester schreiben, liest der Vater Faust, näht die Mutter ununterbrochen. Die Familie immer nur geduldet, angewiesen auf das Wohlwollen der Hauswirte, böhmische Lieder im Ohr. Später geht der Erzähler bei der US Army zusammen mit Osteuropäern absurden Tätigkeiten nach, und so beginnt ein ganz anderes Leben.
In diesem von Rudi Deuble mit Originalnotizen aus dem Nachlass herausgegebenen, als Band 8 des »Alten Jahrhunderts« vorgesehenen Roman erzählt Peter Kurzeck aufregend und mit Witz aus dem Gießen der Nachkriegszeit und den Displaced Persons bei der US Army.

Rezensionen

»Eine Welt ohne Kurzeck ist, nachdem man ihn kennt, nicht mehr denkbar. Die Welt bekommt seinen Ton.«
Andreas Maier

»Was Kurzeck hier an Erinnerungsarbeit leistet, ist einmal mehr grandios, […] all das in seinem bekannt kurzatmigen Prosasound mit den vielen elliptischen Sätzen.«
Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel

»In den [ersten] hundert Seiten steckt alles, was Kurzecks Sonderstellung in der deutschen Literaturgeschichte ausmacht: sein unnachahmlicher Gedanken- und Assoziationsfluss […] und eine […] rücksichtslose […] Selbstanalyse.«
Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Auch in diesem Band [gibt es] jene sanfte Melancholie, die dem Erinnernden eigen ist. So wird Kurzeck zum Bewahrer des Schwindenden, zum Chronisten.«
Ulrich Rüdenauer, Deutschlandfunk Büchermarkt

»Von den Überlebenden, von der Heimatlosigkeit: Peter Kurzecks Romanfragment Und wo mein Haus? ist ergreifend und sehr aktuell.«
Claus-Jürgen Göpfert, Frankfurter Rundschau

»Der Band sollte zur Pflichtlektüre in Schulen werden, hier erfährt man mehr zur Lebenswelt von Vertriebenen und ›Displaced Persons‹, als es der Unterricht je vermitteln kann.«
Dagmar Klein, Gießener Allgemeine

Hier gibt es ein paar Links u.a. zu Besprechnungen zum Buch und einem Dossier zu Peter Kurzeck:

Dossier

Frankfurter Rundschau: Die Gespenster, die der Krieg hinterlässt

Die Zeit: Unter der Hand herausgewachsen

NDR: „Und wo mein Haus?“: Ein nuer Roman vom Meister der Erinnerung


Donnerstag, 14.April

Heute haben
Martin Kessel * 1901
Landolf Scherzer * 1941
Felix Kamphausen * 1944
Valerie Martin * 1948
Peter Esterházy * 1950
Geburtstag
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„Es ist recht müssig zu fragen, ob das Leben einen Sinn hat oder nicht. Es hat den Sinn, den wir ihm geben.“
Martin Kessel
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Unser Lyriktipp:


Ulrike Almut Sandig: „Leuchtende Schafe
Gedichte
Schöffling Verlag € 26,00

Zippelonika heisst die Überschrift zu einer Reihe von Gedichten und jedes hat einen Buchstaben zugeordnet bekommen. Von Z bis A.
Zipp Zippelipp Zippelonika!
Es beginnt mit einer kleinen Sammlung von „heut Nacht bin ich aufgewacht„-Strophen, in denen die Autorin auf der Suche nach … ist. Ja, nach was?
Ich denke, dass bei ihr die Suche deutlich mehr wiegt, als das Finden. Und so spielt sie mit Worten, mit Silben, Gedanken. Sie erfindet Neues und verändert die Konstruktion in der nächsten Zeile. Sie sortiert um, stellt die Worterfindungen in einen neune Zusammenhang und lässt den Reimen ihren Lauf.
Der Verlag schreibt von Loops im Ohr, von filmischen Bildexplosionen für alle Sinne.
Yeah!


Montag 4.April

Heute haben
Bettine von Arnim * 1785
Tristan Tzara* 1896
Marguerite Duras * 1914
Helme Heine * 1941
Geburtstag.
Es ist der Todestag von Max Frisch + 1991
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Ernest Wichner
In den Rolläden die Eifersucht

In den Rolläden die Eifersucht als gelozia quergestreift
und Jalousie, das »Monte Ma o Monte Zu«, sie rasselte beim
Niederfahren und knirschte, zog man sie hoch. Die Wespen-

nester in dem Kasten hatten Großvater schon überlebt samt
seinen Reisen an den noch lange nicht bekannten Rand der
kleinsten aller Welten. Als ich sie in Händen hielt, die

Wand war nackt, der Kasten offen, zerriss unter der
Mittagssonne der Tag, ein Kampfjet spaltete den Himmel
ich ließ die beinah kugelrunde Wabe fallen und floh

in meine Schattenzonen, wo ich als Kind schon meine
Striemen deponierte, Schmerz genoss, als wäre er mit mir
erst unter diesen Leuten aufgetaucht. Später winkte uns

bevor von innen sie verdarb, noch Minkas Tanne über
den Dächern der Stadt, bevor auch du gestorben bist, bevor
ich sterben werde, gib mir, allein steh ich jetzt vor der

Baumscheibe der Tanne, gib mir die Rechnung von heute
gib mir den Junikäfer, den Schiwwer, wenn ich einmal
groß bin, gib mir die Zugspitze und das Abendlied. So

magst du von mir alles haben, was eben noch verschlüsselt
war: Konstantinopel, wie es uns heute noch bewegt, und
Wien hoch drei, auch Brünn, dann Lipova, den kleinen Platz

dort und die Wäscheleinen, komplizenhaft das Lächeln
der immergleichen Nachbarin: Ich werd ich und du wirst du
sag zum Abschied leise Marabu, wenn du zurückkehrst.

(aus: Jahrbuch der Lyrik 2022,
Hrsg. von Matthias Kniep und Nadja Küchenmeister.
Schöffling Verlag, Frankfurt/M 2022)
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Unser Buchtipp:


Maja Göpel und Eva von Redecker: „Schöpfen und Erschöpfen

im Gespräch mit Maximilian Haas und Margarita Tsomou
Matthes & Seitz Verlag € 12,00

In einem Gespräch mit Maximilian Haas und Margarita Tsomou stellen sich die Politökonomin Maja Göpel und die Philosophin Eva von Redecker den Fragen zu Ökonomie, dauerndem Wirtschaftswachstum, dem Umgang mit Ressourcen, um ökologischer und sozialer Erschöpfung entgegenzuwirken.
Ist es möglich, dass Gesellschaften tatsächlich mehr Reichtum, Wohlstand und Wohlbefinden für alle erzeugen können, wenn sie nicht mehr an Profit orientiert sind?
Ein schwieriges Unterfangen, das fast unmöglich scheint in Zeiten der verschiedensten Krisen, wie z.B. Klima, Corona, Krieg. Und doch sollen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Ein wichtiges Mittel, um dies zu erreichen, ist die Solidarität zwischen den Menschen und Nationen, damit wir die radikalen Veränderungen, die auf uns zukommen irgendwie bewältigen können.

Maja Göpel ist Mitbegründerin der Scientists for Future, Politökonomin, Rednerin, Professorin für Nachhaltigkeitstransformationen und Mitglied des Club of Rome. Zuletzt erschien ihr Bestseller „Unsere Welt neu denken“ (2020).

Eva von Redecker ist Philosophin und verbindet in ihrem Denken queerfeministische, dekoloniale und ökologische Ansätze mit der kritischen Philosophie in Marx’scher Tradition, zuletzt erschien ihr Buch „Revolution für das Leben“ (2020).

Maximilian Haas, geboren 1982 und aufgewachsen in Heppenheim, ist Theaterwissenschaftler und Dramaturg. Zuletzt erschien How to Relate: Wissen Künste Praktiken (transcript 2021), seit 2019 kuratiert er gemeinsam mit Margarita Tsomou für das HAU Hebbel am Ufer die Reihe »Burning Futures: On Ecologies of Existence«, in deren Rahmen die Grundlage für den Gesprächsband Schöpfen und Erschöpfen entstanden ist.

Margarita Tsomou, 1977 in Thessaloniki geboren, ist Professorin für Zeitgenössische Theaterpraxis an der Hochschule Osnabrück und Kuratorin am HAU Hebbel am Ufer, wo sie seit 2019 mit Maximilian Haas die Reihe »Burning Futures: On Ecologies of Existence« kuratiert, in deren Rahmen das Gespräch für den Band »Schöpfen und Erschöpfen« stattgefunden hat.

Freitag, 1.April

Heute haben
Nikolai Gogol * 1809
A.Kollontai * 1872
Edgar Wallace * 1875
Carl Sternheim * 1878
Milan Kundera * 1929
Rolf Hochhuth * 1931
Geburtstag
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Ulrike Almut Sandig
Friedrich Hölderlin, überarbeitet


Wie wenn am Feiertage, das Feld zu sehn
hinterm Haus er stand, so stehn wir überall.

Aus heißer Nacht die k hlenden Blitze elen
auch über diese Heide, Lichterketten, fremden Felder.

In sein Gestade wieder tritt der Strom
und ich fall auch mit einem Schlag ins Bett zurück.

Und von des Himmels erfreuendem Regen
trief ich noch, wenn ich schon wieder eingeschlafen bin.

In stiller Sonne stehn die Bäume des Haines:
deutlich hörbar das Trocknen der Dinge in uns.

So stehn sie unter günstiger Witterung
wie wir stehen und vergessen, wie’s sich verblutet.

Allgegenwärtig erzieht in leichtem Umfangen
die Vergesslichkeit uns zu Idioten, die wir sind.

Drum wenn zu schlafen sie scheint zu Zeiten des Jahrs
schläft sie eigentlich nicht, sondern schlägt​

So trauert der Dichter Angesicht auch – heult nur!
uns die Faust in den Hals, wie man Schafe schlägt bei der Schur.

(aus: Matthias Kniep & Nadja Küchenmeister: „Jahrbuch der Lyrik 2022
Schöffling Verlag, Frankfurt/M, 2022)
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Otl Aicher : 100 Jahre 100 Plakate
26.März 2022—8. Januar 2023
In der HfG
Am Hochsträß 8, 89081 Ulm


Öffnungszeiten Ausstellungen
Dienstag – Freitag: 11 – 17 Uhr
Samstag – Sonntag: 11 – 18 Uhr
Feiertage: 11 – 18 Uhr
Telefon 0731 161-4370
Telefon Kasse 161-4381

Otl Aicher (1922–1991) war einer der führenden Gestalter in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit den Plakaten für die Volkshochschule Ulm (vh ulm) oder für die Olympischen Spiele 1972 in München schuf Otl Aicher bis heute prägende Entwürfe. Als Mitbegründer der legendären Hochschule für Gestaltung Ulm (1953–1968), an der er zeitweise die Abteilung „Visuelle Kommunikation“ leitete, setzte er noch immer nachwirkende Impulse in der Gestaltungsausbildung. Seine Werke wurden international ausgestellt und sind bis heute Vorbild für Generationen angehender Gestalterinnen und Gestalter.

Seit 1997 pflegt das HfG-Archiv / Museum Ulm den Nachlass. Aus diesem reichhaltigen Schatz präsentiert das HfG-Archiv aus Anlass des 100. Geburtstages von Otl Aicher eine für sein Werk kennzeichnende Auswahl von 100 Plakaten. Im Laufe seines Lebens entwarf Otl Aicher unzählige Plakate, die für Vorträge, Veranstaltungen, Produkte oder politische Parteien warben. Das Plakat kann als Leitmedium in seinem Werk angesehen werden.

Zu sehen sind Plakate, die für die Volkshochschule Ulm (vh ulm), Großereignisse wie die Olympischen Spiele 1972 in München, kulturelle Veranstaltungen, die Politik oder für Unternehmen entstanden sind. Sie belegen eindrücklich die Vielfältigkeit seines grafischen Schaffens.

Ein umfassendes Buch zur Geschichte der HfG:


Christiane Wachsmann: „Vom Bauhaus beflügelt
Menschen und Ideen an der Hochschule für Gestaltung Ulm
av edition € 29,00

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Hochschule erstmals aus dem Blickwinkel der Persönlichkeiten, die sie bevölkerten und sich mit ihren Ideen auseinandersetzten – ihrer Gründer, der Studenten und Dozenten, von Besuchern, Fans und Kritikern. Es erzählt von den Hoffnungen und Visionen der Beteiligten, von der Prägung der Menschen dieser Zeit durch den Faschismus und von den Schwierigkeiten, ihre Ideen im Alltag umzusetzen.

FREITAG; 20.August

Heute haben
Salvatore Quasimodo * 1901
Robert Merle * 1908
Arno Surminski * 1934
Geburtstag
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Ferdinand von Saar
Nun ist das Korn geschnitten

Nun ist das Korn geschnitten,
Die Felder leuchten fahl;
Ringsum ein tiefes Schweigen
Im heißen Sonnenstrahl.

Verblüht ist und verklungen,
Was duftete und sang,
Nur sanft tönt von den Triften
Der Herde Glockenklang.

Das ist, o Menschenseele,
Des Sommers heil’ger Ernst,
Daß du, noch eh er scheidet,
Dich still besinnen lernst.
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Ein starker Roman zur aktuellen Lage in Afghanistan:


Amy Waldman: „Das ferne Feuer
Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek
Schöffling Verlag € 26,00

Amy Waldmans Roman „Der amerikanische Architekt“, um eine Gedenkstätte auf dem Ground Zero in New York, war vor Jahren ein packender Roman, der die politische Situation in den USA nach den Anschlägen vom 11.September, aufzeigt.
Hier verlegt sie ihren Standort nach Afghanistan und wieder befinden wir uns in diesem Konflikt, zwischen dem, was wir in den westlichen Medien präsentiert bekommen und dem, was tatsächlich vor Ort geschieht. War es im „Architekt“ die Panik, wenn ein us-amerikanischer Staatsbürger einen arabischen klingenden Namen trägt, befinden wir uns jetzt im heutigen Afghanistan, einem Land, von der wir seit Jahrzehnten lesen können und doch so wenig wissen.
Parvin Schams ist eine junge Berkley-Studentin, die zwischen der liberalen Welt der Universtät und ihrem konservativen afghanisch-amerikanischen Elterhaus, hin und her gerissen ist.
Sie macht sich tatsächlich auf nach Afghanistan, um in einer Geburtsklinik zu helfen und gleichzeitig ihre eigene Wurzeln zu suchen. Was sie jedoch vor Ort vorfindet, entspricht überhaupt nicht dem, was sie bisher über dieses Land weiss.
Amy Waldman zeigt uns die Welt der normalen Menschen, Familien auf dem Land, weit ab von der großen Weltpolitik. Was bestimmt, wer wir sind und wo wir hingehören? Wie formen die Medien unseren Blick auf die Welt? Und können wir unsere Vorurteile je ablegen?
Das, was jetzt im Moment geschieht, lässt sich vielleicht ein wenig besser durch dieses Buch verstehen. Auch wenn es nur ein Roman und kein Sachbuch ist. Aber vielleicht ist gerade das der richtige Ansatzpunkt.

»Amy Waldman kennt Afghanistan aus eigenem Erleben. Ihr Roman Das ferne Feuer zeigt ein Land, dem mit westlichen Vorstellungen nicht beizukommen ist.«
Hannes Hintermeier, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Mich hat Amy Waldman damit umgehauen.«
Thea Dorn, Das Literarische Quartett

»Ein sehr spannender Roman. (…) Sehr mitreißend geschrieben, mit viel Klar- und Weitsicht.«
Juli Zeh, Das Literarische Quartett

»Ein lesenswerter Roman.«
Jagoda Marinić, Das Literarische Quartett

Leseprobe
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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen

Nicole Deurer (Verlagsvertreterin) empfiehlt:

1.Garry Disher: „Barrier Highway
2.Eva Menasse: „Dunkelblum
3.Henry David Thoreau: „Walden

Danke!!!
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Bericht des Umweltministeriums
Klimaziele 2030 dürften verfehlt werden

tagesschau.de: 19.08.2021 17:46 Uhr

Laut einem Bericht des Umweltministeriums wird Deutschland seine Klimaziele deutlich verfehlen. Ohne weitere Maßnahmen gehen die CO2-Emissionen bis 2030 nur um 49 statt um 65 Prozent zurück. Auch die Klimaneutralität bis 2045 steht auf der Kippe.

Hier geht es zum Bericht.