Dienstag, 4.April

Heute haben
Gabriele Tergit * 1894
Giorgio Bassani * 1926
Alan Silitoe * 1928
James Ellroy * 1948
Khaled Hosseini * 1965
Geburtstag
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Eduard Mörike
Es ist doch im April fürwahr

Es ist doch im April fürwahr,
der Frühling weder halb noch gar!
Komm Rosenbringer, süßer Mai,
komm du herbei!
So weiß ich, daß es Frühling sei.
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Und wieder ist das marbacher magazin eine literarische Wundertüte.


„Exilbriefe aus dem Deutschen Literaturarchiv“
Herausgegeben von Nikola Herweg
288 Seiten, zahlr. farb. Abb., fadengeheftete Broschur mit Schutzumschlag
marbacher magazin 177/178/179 € 20,00

Das Thema „Exil“ ist dem Deutschen Literaturarchiv seit seiner Gründung ein Anliegen. Während es damals vor allem um die ab 1933 aus Deutschland vertriebene Literatur ging, prägen im späten 20. und im 21. Jahrhundert auch die Zeugnisse von Menschen, die aus anderen Ländern kommend hier Schutz suchen, die Marbacher Sammlungen. Für diesen Band haben Mitarbeiter/-innen aus unterschiedlichen Bereichen des DLA Exil-Korrespondenzen versammelt: von Schillers 1782 nach seiner Flucht aus Württemberg verfasstem Brief über Schreiben aus der NS-Zeit und den Jahren danach bis hin zu einer 2022 nicht mehr auf Papier, sondern via Internet übermittelten Botschaft eines aus der Türkei stammenden Dissidenten. Gleich zweimal taucht die Schriftstellerin Gabriele Tergit auf, die heute Geburtstag hat. Bekannte und unbekannte, nüchterne, manchmal komische, oft verzweifelte und berührende Nachrichten sowie ein sehr bewegendes Essay, aus dem April 2022, der aus der Ukraine geflohenen Schriftstellerin Natalka Sniadanko geben Einblick in 240 Jahre Exilgeschichte.
Eine fesselnde Lektüre, die mich schon beim ersten Durchblättern nicht mehr losgelassen hat und auf aufzeigt, wie politische Willkür Menschen am Leben verzweifeln lässt.
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Heute Abend gibt es wieder eine „Erste Seite“ mit neuen Büchern,
aus denen Clemens Grote vorliest:
Wir beginnen, wie immer, pünktlich um 19 Uhr.
Dieses Mal sind es sogar fünf Bücher.

Carolina Schutti: „Meeresbrise“
Markus Orths: „Mary & Claire“
Judith Hermann: „Wir hätten uns alles gesagt“
Tarjei Vesaas: „Der Keim“
Laurent Mauvignier: „Von Menschen“

Der Eintritt ist frei.

Freitag, 30.Dezember


Nina Simone
Feel Good


It’s a new dawn
It’s a new day
It’s a new life
For me
And I’m feeling good
I’m feeling good
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Heute haben
Betty Paoli * 1814
Theodor Fontane * 1819
Rudyard Kipling * 1865
Georg v.d.Vring * 1889
Paul Bowles * 1910
Douglas Coupland * 1961
Lukas Bärfuss * 1971
Geburtstag
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Unser Buchtipp:

Andrea Wulff: „Fabelhafte Rebellen“
Die frühen Romantiker und die Erfindung des Ich
Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn
C.Bertelsmann Verlag € 30,00

Wir leiden im Moment ja sehr unter einer Ich-bezogenen Gesellschaft. Ich ich ich, in Verbindung mit einer Selbstoptimierung, steht im Mittelpunkt. Nichtmehr das Wissen der Anderen, der Fachleute zählt, sondern das eigene Ich steht im Mittelpunkt und entscheidet. Durch soziale Medien kann das ganz schön Fahrt aufnehmen.
Aber woher kommt unser Denken und Handeln um das eigene Ich?
Und warum ist das so wichtig?
Ende der 1790er Jahre gibt es in Jena eine Gruppe von Denkern und Dichtern, die das Ich in ihr Arbeiten aufnehmen. Goethe, Schiller, Novalis, Fichte, Schelling, Hegel, die Schlegel-Brüder und natürlich Alexander von Humboldt (über den Andrea Wulff ihren Bestseller geschrieben hat) und natürlich Caroline Schlegel, zählen dazu.
Andrea Wulff schreibt aber nicht nur über diesen Zirkel, sondern erklärt auch, warum wir bis heute zwischen den Gefahren der starken Ichbezogenheit und den aufregenden Möglichkeiten des freien Willens schwanken. Denn die Entscheidung zwischen persönlicher Erfüllung und zerstörerischem Egoismus, zwischen den Rechten des Einzelnen und unserer Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft und künftigen Generationen ist heute so schwierig wie damals.

Leseprobe

Dienstag, 9.Juli

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Albrecht Ludwig Berblinger, der Schneider von Ulm

Heute haben
Jean de La Fontaine * 1621
Walter Hasenclever * 1890
Geburtstag.
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Eventuell von Friedrich Schiller
Es tönen die Hörner von ferne herüber

Es tönen die Hörner von ferne herüber,
Die Düfte des Abends umwehen mich mild!
Der Himmel verschleiert sich trüber und trüber,
Bald decket nun Dämmrung das ganze Gefild.

Des Tages Verwirrungen, Wünsche und Sorgen,
Sie lösen sich leise im wechselnden Raum;
Doch bleibet, was tief in der Seele verborgen,
Die Liebe, geheiligt im seligsten Traum.

Verhallen auch jenseits die Töne der Freude;
Uns bleibet der Liebe beglückender Ton,
Sie sei es, woran meine Seele sich weide,
Bis einst mit dem Leben die Liebe entfloh’n.
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Géraldine Schwarz: „Die Gedächtnislosen“
Erinnerungen einer Europäerin

Aus dem Französischen von Christian Ruzicska
Secession Verlag  Sonderausgabe  € 20,00

Géraldine Schwarz wurde 1974 in Straßburg als Tochter einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren. In ihrem ersten Roman „Die Gedächtnislosen“, der den Europäischen Buchpreis in Brüssel bekommen hat, gräbt sie in ihrer Familienver-gangenheit. Drei Generationen sind es, auf die sie ihren Fokus richtet. Ihr Mannheimer Großvater war als Mitläufer in der NSDAP und kaufte 1938 ein Mineralölunternehmen von einer jüdischen Familie weit unter Preis. Dies war nichts Ungewöhnliches zu dieser Zeit. Die jüdische Familie kann, bis auf einen Mann, nicht fliehen und wird in Auschwitz ermordet. Nach dem Krieg meldet sich Julius Löbmann, der Überlebende, und fordert sein Eigentum wieder. Der Briefwechsel der beiden Männer taucht im Keller der Familie Schwarz auf und Géraldine ist erschüttert über den Ton ihres Großvaters, der sich immer mehr als Opfer, statt als Täter sieht. Wohl ein oft vorkommendes Vorgehen in der neuen BRD. Erst die Studentenbewegung, der sich ihr Vater anschließt, bringt viel ans Tageslicht. Aber auch in Frankreich wird mit dem Mythos aufgeräumt, dass alle Franzosen in der Resistance waren.
Géraldine bleibt aber nicht in der Vergangenheit haften, sondern nimmt bezug auf Entwicklungen in Italien, Österreich, der DDR und Osteuropa.
Ein sehr kluges, zurückhaltendes Buch, das auf den Verdrängungsmechanismus in der Geschichte hinweist. Erinnerungsarbeit im Gegensatz zum Erstarken rechter Populisten ist, was zwischen den Zeilen steht.
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Mittwoch, 10. Juli 2019 um 19 Uhr
Kulturbuchhandlung Jastram
Herzschmerz in Azur – Italienische Erzählungen

Ist das mit der Liebe im Süden ganz anders als zum Beispiel in Deutschland? Wahrscheinlich ist es ein Mythos, dass unter dem azurblauen Himmel alles temperamentvoller zugeht – das Kennenlernen, die romantische Annäherung und der Zwist. Die Sehnsüchte, Träume, die Konflikte, die Schmerzen und manchmal auch das Liebesglück ähneln sich hier wie da. Und doch klingen die mediterranen Geschichten über Liebesdinge anders, eben typisch italienisch: intensiv, melancholisch, selbstironisch und manchmal alles gleichzeitig. In der letzten Ausgabe der Lesereihe vor den Sommerferien des Theaters stellen wir italienische Beziehungsgeschichten vor und sorgen passend zu den jahreszeitlichen Gefühlen für einen kleinen Kursus in Sachen Liebesfreud und Liebesleid alla italiana.

Eintritt € 8,00

Donnerstag, 7.März

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Heute haben
Alessandro Manzoni * 1786
Paul Ernst * 1866
Milo Dor * 1923
George Perec * 1936
Robert Harris * 1957
Breat Easton Ellis * 1964
Joanne Harris * 1964
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Friedrich Schiller
Der spielende Knabe

Spiele, Kind, in der Mutter Schoß! auf der heiligen Insel
Findet der trübe Gram, findet die Sorge dich nicht.
Liebend halten die Arme der Mutter dich über dem Abgrund,
Und in das fluthende Grab lächelst du schuldlos hinab.
Spiele, liebliche Unschuld! Noch ist Arkadien um dich,
Und die freie Natur folgt nur dem fröhlichen Trieb;
Noch erschafft sich die üppige Kraft erdichtete Schranken,
Und dem willigen Mut fehlt noch die Pflicht und der Zweck.
Spiele! Bald wird die Arbeit kommen, die hagre, die ernste,
Und der gebietenden Pflicht mangeln die Lust und der Mut.
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Alyssa Hollingsworth: „Einmal Pech und elfmal Glück“
Illustriert von Cornelia Haas
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Ann Lecker
Jugendbuch ab 11 Jahren

Samis Großvater spielt in der UBahn von Boston auf seiner Rubab, einer Art afghanischen Gitarre, um sich etwas Geld zu verdienen. Als dieser kurz auf der Toilette verschwinmdet und Sami auf dem Instrument herumzupft, wird es ihm entrissen. Dieb und Gitarre verschwinden im UBahn-Getümmel. Diese Rubab war das Einzige, was die beiden auf ihrer Flucht retten konnten. In Afghanistan spielte Samis Großvater als Profimusiker auf Festen und gab Konzerte. In Boston arbeitet er als Küchenhilfe.
Sami geht zur Schule und verhält sich dort sehr unauffällig. Durch diesen Vorfall ändert sich dies jedoch sehr schnell. Häuptsächlich Dan unterstützt ihn auf der Suche nach der Rubab. Sie finden sie über ebay bei einem Musikalienhändler, der jedoch $ 700 dafür haben will. Sami hat aber keinen Cent. Der Händler verspricht das Instrument eine Woche lang zurückzuhalten. Dann will er aber das Geld sehen.
„Einmal Pech und elfmal Glück“ heisst der Debütroman der us-amerikanischen Schriftstellerin und nachdem Sami die Gitarre gestohlen worden ist, hat er mindestens elfmal Glück. Er kann nämlich seinen Schlüsselanhänger von Manchster United gegen einen iPod tauschen, den Dan wieder zum Laufen bringt. Und so weiter, bis er seinem Ziel immer näher kommt. Dies geht jedoch nur mit Unterstützung seiner Schulkameraden, die zu Freunden werden. Am Ende wird es doch noch sehr spannend und Samis Plan scheint zu scheitern.
Nebenbei erfahren wir immer mehr, warum Sami und sein Großvater aus Afghanistan geflüchtet sind, was ihnen dort passiert ist und was sie auf ihrer langen Flucht erlebt haben.
Jetzt hat Sami ein neues Zuhause, denn dort wo Freunde sind, ist auch Heimat.

Leseprobe

Freitag, 10.November

Heute haben
Martin Luther * 1483
Oliver Goldsmith * 1728
Friedrich Schiller * 1759
Arnold Zweig * 1887
Jiri Grusa * 1938
Werner Söllner * 1951
Neil Gaiman * 1960
Geburtstag
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Friedrich Schiller
An einen Weltverbesserer

„Alles opfert‘ ich hin“, sprichst du, „der Menscheit zu helfen,
Eitel war der Erfolg, Haß und Verfolgung der Lohn.“ –
Soll ich dir sagen, Freund, wie ich mit Menschen es halte?
Traue dem Spruche! noch nie hat mich der Führer getäuscht,
Von der Menschheit – du kannst von ihr nie groß genug denken,
Wie du im Busen sie trägst, prägst du in Taten sie aus.
Auch dem Menschen, der dir im engen Leben begegnet,
Reich ihm, wenn er sie mag, freundlich die helfende Hand.
Nur für Regen und Tau und fürs Wohl der Menschengeschlechter
Laß du den Himmel, Freund, sorgen wie gestern so heut.
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Heute vor einem Jahr: Trump wird Präsident
„Mann Mann Mann“ würde Rico sagen.
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David Böhm, Ondřej Chrobák, Rostislav Koryčánek und Martin Vaněk:
Wie kommt die Kunst ins Museum?
Ein Wimmelsachbuch über die Kunst
Aus dem Tschechischen von Lena Dorn, die schon als ganz Kleine durch unsere Buchhandlung krabbelte.
Rauch Verlag € 20,00
Großbildersachbuch ab 8 Jahren

Was ist eigentlich ein Museum? Seit wann gibt es Museen? Wieso hingen früher Bilder bis unter die Decke und warum reicht heute ein ausgestelltes, ungemachtes Bett in einem leeren Raum, dass wir dafür Eintritt bezahlen und ehrfürchtig davorstehen?
Die Art und Weise, wie uns Bilder, Kunstwerke präsentiert werden hat sich geändert. Mittlerweile sind Museumsbauten schon Kunstwerke, wenn wir z.B. das Guggenheim in Bilbao anschauen.
Was ist eigentlich ein Kurator und was macht er denn? Reicht es nicht einfach Bilder an die Wand zu hängen? Was ist eigentlich Kunst und ab wann wird sie im Museum ausgestellt?
In dieser Bilderbuch-, Comic-Form bekommen schon Grundschulkinder einen Einblick hinter die Kulissen der Kunsttempel. Zu den Wimmelbilder gibt es fundierte Texte, die das Buchkunstwerk abrunden.
Viel Spaß damit und unbedingt in die Leseprobe schauen.

Leseprobe

Dienstag, 9.Mai

Heute haben
José Ortega y Gasset * 1883
Walter Dehmel * 1903
Richard Adams * 1920
Geburtstag.
Aber auch Sophie Scholl * 1921 und
Anne Sofie von Otter * 1955.
Und es ist der Todestag von
Friedrich Schiller + 1805
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Friedrich Schiller
Spruch des Konfuzius

Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit.

Keine Ungeduld beflügelt
Ihren Schritt, wenn sie verweilt.
Keine Furcht, kein Zweifeln zügelt
Ihren Lauf, wenn sie enteilt.
Keine Reu, kein Zaubersegen
Kann die Stehende bewegen.

Möchtest du beglückt und weise
Endigen des Lebens Reise,
Nimm die Zögernde zum Rat,
Nicht zum Werkzeug deiner Tat.
Wähle nicht die Fliehende zum Freund,
Nicht die Bleibende zum Feind.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Jan Birck:Zarah und Zottel
Ein Pony auf vier Pfoten
Sauerländer Verlag € 9,99
ab 6 Jahren

Zarah ist wütend und traurig und allein. Mama und sie sind umgezogen, in eine neue Wohnung, in einem neuen Viertel. Mama hat keine Zeit für sie, sie hämmert, putzt und bohrt Löcher in die Wände. Wenn sie das nicht tut, muss sie am Tag schlafen, weil sie oft in der Nacht als Notärztin Dienst hat. Da passt dann die Nachbarin Frau Heuschkel auf sie auf, die aber dann so laut schnarcht, dass Zara nicht schlafen kann.
Sarah geht raus auf den Hof, wo schon einige Kinder sind und stellt sich ganz mutig: „Hallo, ich heiße Zarah und bin neu hier“ vor, bekommt aber prompt die Antwort von Hubert: „Geh wieder dahin, wo Du hergekommen bist.“
Tja, das macht wenig Mut und Zarah tritt den Rückzug an, nimmt ihre Indianerbücher zur Hand und weiss nun wiees ihr besser gehen würde: Ein Pferd muss her! Mama ist über diese Lösung wenig begeistert. So zieht Zarah alleine los, landet in einem Laden für Alles und der nette Herr hat tatsächlich ein Pony für Zarah, das er ihr zum Ausprobieren mitgibt. Sarah steigt begeistert auf, das Pony wedelt mit dem Schwanz und hebt das Bein zum Pinkeln. Stolz stellt sie ihr Pony den Kindern im Hof vor, aber alle lachen sie aus, weil das Pony Hundefüße hat……
Zarah aber ist glücklich mit ihrem Pony, Mama etwas irritiert und das Blatt im Hof wendet sich, nachdem Hubert von seinem Skateboard stürzt, heulend und schreiend im Hof liegt, denn Mama ist ja Notärztin!

Eine erfrischende, zauberhafte Geschichte, von kindlichen Sehnsüchten nach Freundschaft und Geborgenheit, mit Illustrationen, die vor Witz nur so sprühen und auch den Großen riesig Spaß beim Anschauen bereiten.
Perfekt zum Vorlesen und auch zum ersten Selberlesen.

Dienstag

Heute haben
Henry Fielding * 1707
Immanuel Kant * 1724
Ludwig Renn * 1889
Paula Fox * 1923
Guillermo Cabrera Infante * 1929
Peter Weber * 1968
Geburtstag
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Immer wieder diese Zufälle, oder diese Verknüpfungen, die mir im Alltag passieren. Es ist wie das Salz in der Suppe.
Ein Kunde bestellte sich ein schmales Büchlein über die Schönheit und ich dachte: Prima, das bestelle ich mir auch und schau da mal rein. Abends hörte ich in einer Lesung von Wielands: „Aristipp“ ein wunderbares Kapitel über die wahre Schönheit. Ein Model solle sich doch ganz ausziehen, meinte dort der Künstler, damit er auch die ganze Schönheit abbilden könne. So war der Ostersonntag der richtige Tag, um mich der Schönheit anzunehmen. Und heute hat nun Kant Geburtstag, der natürlich in diesem Buch mehrfach zitiert wird.

Liessmann

Konrad Paul Liessmann: „Schönheit
UTB € 9,90

Hier wird in kurzer Form dem Begriff der Schönheit nachgegangen. Durch die Menschheitsgeschichte und durch die verschiedenen Richtungen, wie Kunst, Philosophie, Tierwelt, bis hin zum heutigen Design und den jetzt möglichen chirurgischen Tricks.
Liessmann beginnt damit, dass unsere europäische Kultur durchzogen ist, mit dem Begriff schön. Irgendwie kann alles schön sein. Das Wetter, ein Fussballspiel, ein Haus, ein Sonnenuntergang. Stendhal schrieb über den Begriff der Liebe, dass sie „lediglich eine Verheissung von Schönheit“ ist. Also ein Versprechung von Schönheit. Dieser Begriff setzte sich nun fest. Was aber verspricht die Schönheit? Die Schönheit ist nur ein Versprechen von Glück, nicht seine Erfüllung. Da diese Schönheit viele Facetten hat, möchte Liessmann zumindest ein paar hier vorstellen.
So fragte Sokrates den Hippias, was denn Schönheit sei und der antwortete darauf: Ein schönes Mädchen natürlich. Worauf er natürlich beim alten Philophenmeister voll in die Falle getappt ist, der diesen Begriff natürlich viel weiter fasst. Bei Homer entstand aus einer Liebschaft zwischen Ares (Krieg) und Aphrodite (Schönheit) ein Kind namens Harmonia. So sieht es auch mit der Schönheit aus. Sie ist ein Sammelbecken der verschiedensten Dinge und wird von jedem anders gesehen. Kant versuchte sich mehrfach an diesem Begriff und schreib, dass Geschmack ein Urteil ganz ohne alles Interesse sei. So auch die Schönheit. Sie solle wertfrei einfach sein. Schiller hat diese Kantsche Zweckmäßigkeit ohne Zweck anders gesehen und schrieb: „Wenn weder das Kleid durch den Körper, noch der Körper durch das Kleid an seiner Freiheit etwas leidet.“ Eine Kleidung, die den Körper nicht einengt, und ein Körper, der seine Kleidung nicht erniedrigt: das ist die Fromel für die Schönheit des Menschen in seiner modischen Erscheinung. Liessmann geht mit uns weiter bis in die Gegenwart und bezieht diese Kleidung mit ein, bis hin zu Uniformen von Stewardessen. Er schreibt über die Mode durch die Jahrtausende, er schreibt über die Rubensfrauen, die heute keine Chance mehr auf ein Foto in einer Frauenzeitschrift hätten. Somit sind wir auch schon bei der oben erwähnten Schönheitschirurgie. Und da wir heute in einer Bilderwelt leben, um uns herum eine wahre Flut von schönen Menschen ist, haben wir auch viel größere Vergleichsmöglichkeiten, als Menschen im Mittelalter, die weder lesen und noch schreiben konnten und vielleicht Schönheit nur bei ihren Herren, in der Kirche, oder auf ein paar wenigen Bildern sehen konnten, stehen wir heute dauernd unter Stress diesem Ideal nahezukommen. So auch Männer, die bis vor kurzem einfach nur männlich sein mussten (markantes Kinn!). Heute hat sich dies jedoch auch gewandelt und sie beugen sich auch dem Druck der Medien, wobei Umfragen ergeben haben, dass schöne Gesichter dann doch die sind, die unauffällig ohne Ecken und Kanten sind. Also irgendwie Mittelmaß.
Dies sollte genügen, um Ihnen einen kleinen Einblick in das schmale Büchlein zu geben.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in die neue Woche. Das Wetter scheint schön zu werden.

Montag

Vergessene und übergangene Geburtstage vom vergangenen Wochenende:
Am Samstag hatte Jochen Schmidt,
am Sonntag
Friedrich Schiller * 1759
und
Arnold Zweig * 1887
Geburtstag.
Heute gibt es folgende Namen zu feiern:
Dostojewski * 1821
Kurt Vonnegut * 1922
Luigi Malerba * 1927
Carlos Fuentes * 1928
HM Enzensberger * 1929
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Friedrich Schiller
Macht des Weibes

Mächtig seid ihr, ihr seids durch der Gegenwart ruhigen Zauber,
Was die stille nicht wirkt, wirket die rauschende nie.
Kraft erwart ich vom Mann, des Gesetzes Würde behaupt er,
Aber durch Anmut allein herrschet und herrsche das Weib.
Manche zwar haben geherrscht durch des Geistes Macht und der Taten,
Aber dann haben sie dich, höchste der Kronen, entbehrt.
Wahre Königin ist nur des Weibes weibliche Schönheit,
Wo sie sich zeige, sie herrscht, herrschet bloß, weil sie sich zeigt.
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Seethaler

Robert Seethaler: „Der Trafikant
Kein & Aber Verlag € 9,90

Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik – einem Tabak-und Zeitungsgeschäft – sein Glück zu suchen. Bisher hat er im Salzkammergut glücklich gelebt, da er, dank einer Liebschaft seiner Mutter, keine Geldsorgen hatte. Der reiche Liebhaber ertrinkt bei einem Gewitter im See und er wird nach Wien zu einem Bekannten (ehemaligen Liebhaber) der Mutter geschickt. Das Eintreffen dort ist, nach dem Schock der Grossstadt, sehr ernüchternd. Beim Trafikanten Otto Trsnjek ist alles alt, eng und muffig und dann soll er auch noch alle Tageszeitung durchlesen, so möchte es der Besitzer. So langsam bekommt Franz immer mehr Sicherheit und lernt die Stammkunden kennen. Dabei ist auch ein wirklicher Herr Doktor, ein „Deppendoktor“, der Herr Dr. Freud.
Bis dahin hat Seethaler einen luftig leichten, mit Sparchwitz gefütterten Roman geschrieben. Als aber das Thema „Juden“ aus Tablett kommt, der Nachbar, ein Metzger, die Trafik vollschmiert, ändert sich auch der Ton. Parallel dazu ändert sich auch Franz. Er hat sich nämlich in ein Mädchen verliebt, mit dem er ein paar Bier getrunken hat, deren Namen und Adresse er nicht kennt. So ist ein gang zum Herrn Doktor unvermeidlich, da er ihn im Rat bitten will. Den bekommt er auch und Franz ist ein guter Frager, was wiederum Freud angenehm auffällt.

„‚Hm‘, meinte Franz und legte eine Hand an seine Stirn, um das wilde Durcheinander seiner Gedanken dahinter ein wenig einzudämmen. ‚Könnte es vielleicht sein, dass Ihre Couchmethode nichts anderes macht, als die Leute von ihren ausgelatschten, aber gemütlichen Wegen abzudrängeln, um sie auf einen völlig unbekannten Steinacker zu schicken, wo sie sich mühselig ihren Weg suchen müssen, von dem sie nicht die geringste Ahnung haben, wie er aussieht, wie weit er geht und ob er überhaupt zu irgendeinem Ziel führt?‘ Freud hob die Augenbrauen und öffnete langsam den Mund. ‚Könnte das sein? Habe ich etwas unglaublich Blödsinniges gesagt?‘ wiederholte Franz. Freud schluckte. ‚Nein, das hast du nicht. Das hast du ganz und gar nicht.'“

Er bekommt Ratschläge, die er nach und nach umsetzt. Sogar den, dass er seine Träume aufschreiben soll. Franz ändert das gegen später in sofern, dass er die Zettelchen mit diesen Aufschreiben täglich ins Fenster hängt.
Franz trifft seine gesuchte, geliebte Frau wieder und es entwickelt sich eine wilde Liebesgeschichte, die aber nur sporadisch anhält, da sie ihm immer wieder aus den Händen gleitet. Gleichzeitig ändert sich die Stimmung in der Stadt drastisch. Das Aufkommen der Nazis ist nicht mehr zu übersehen, die Schikanen gegenüber den Juden und Sozialisten nicht mehr zu übersehen. Dies merken auch die beiden Trafikler Otto und Franz.

„Die Stadt brodelte wie der Gemüsetopf auf Mutters Herd. Alles war in ununterbrochener Bewegung, selbst die Mauern und die Straßen schienen zu leben, atmeten, wölbten sich. Es war, als könnte man das Ächzen der Pflastersteine und das Knirschen der Ziegel hören. Überhaupt der Lärm: Ein unaufhörliches Brausen lag in der Luft, ein unfassbares Durcheinander von Tönen, Klängen und Rhythmen, die sich ablösten ineinander flossen, sich gegenseitig übertönten, überschien. Dazu das Licht. Überall ein Flimmern, Glänzen, Blitzen und Leuchten. Eine Frau kreischte wie ein Schlachthuhn.“

Hier ändert sich auch der Ton im Roman. Er hat trotz allem immer noch eine große Leichtigkeit, bald wie ein Tagtraum, aber es ist alles brutale Realität. Vielleicht passt das auch geade jetzt wieder, da der 9.11. und das Andenken an die Programnacht gerade vorbei ist.
Bevor ich Ihnen jetzt den ganzen Roman nacherzähle, höre ich hier auf und hoffe, Sie ein wenig angefixt zu haben, damit Sie Lust bekommen die 250 Seiten zu lesen. Es lohnt sich.

Robert Seethaler liest aus „Der Trafikant“

http://www.zeit.de/video/2012-12/2029624672001/videolesung-robert-seethaler-liest-aus-der-trafikant

„Der Trafikant“ im Schweizer Literaturclub vom 29.01.2013

http://www.srf.ch/player/tv/literaturclub/video/der-trafikant-von-robert-seethaler?id=94b549a0-ebee-466a-8b54-9f3d54c5b37f