Samstag, 9.April

Heute haben
Charles Baudelaire * 1821
Ludwig Hohl * 1904
Lew Kopelew * 1912
Johannes Bobrowski * 1917
Carl Améry * 1922
Arnold Stadler * 1954
Geburtstag
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Erich Mühsam (* 6.4.1878)
Ich weiß von allem Leid

Ich weiß von allem Leid, fühl alle Scham
und möchte helfen aller Kreatur.
Der Liebe such ich aus dem Haß die Spur,
dem Menschenglück den Weg aus Not und Gram.
Den Trostbedürftigen geb ich Wort und Rat,
den Haltbedürftigen reich ich meine Hand.
Doch keiner war noch, der mein Wort verstand,
und keiner, der die Hand ergriffen hat.
Ich weiß vom Leide nur, fühl nur die Scham –
und kann doch selber nicht Erlöser sein,
wie jener Jesus, der die ganze Pein
der Welt auf seine schwachen Schultern nahm.
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Unser Buchtipp:


Jean-Marc Jancovici, Christophe Blain: „Welt ohne Ende
Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock
Handlettering von Michael Hau
Reprodukt Verlag € 39,00

Die großformatige Graphic Novel “Welt ohne Ende” ist das Ergebnis der Zusammenarbeit eines bedeutenden Comiczeichners mit einem renommierten Experten für Energiefragen und Klimawandel. Gemeinsam widmen sich Christophe Blain, den wir hier schon mit seiner Graphic Novel „Quai d’Orsay – Hinter den Kulissen der Macht“ vorgestellt haben und Jean-Marc Jancovici dem wohl drängendsten Problem unserer Tage: Die Klimakatastrophe. Es ist kein Weltende, aber ein eine Welt ohne Ende. Oder wie es Maja Göpel ausgedrückt hat: Es ist nicht das Ende der Welt, aber das Ende einer Welt.“
Intelligent, klar und humorvoll machen sie die Gründe für den Klimawandel verständlich und zeigen Möglichkeiten auf, die zur Verlangsamung der globalen Erwärmung führen können.
So können wir die beiden durch das Buch verfolgen und lesen, wie Janovici komplizierte Sachverhalte aus den verschiedensten Gebieten versucht einfach zu erklären und in wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge stellt. Blain anderseits ist nicht nur der Zeichner, sondern auch der Zweifler und Nachfrager.
Es entstand ein informatives Bilderbuch, das wir als Comic, als auch als Sachbuch zur Energiewende lesen können, wobei beide nicht ideologisch argumentieren und auch viel Humor durchblitzt.

Montag, 10.Mai

Gestern hatte Sophie Scholl ihren 100.Geburtstag.
Das Banner hängt am ehemaligen Wohnhaus der Familie Scholl am Ulmer Münsterplatz.
Davor die Stehlen zur Erinnerung an die Weiße Rose.
(Foto: Uwe)

Heute haben
Johann Peter Hebel * 1760
Friedrich Gerstäcker * 1816
Fritz von Unruh * 1885
Petra Hammesfahr * 19561
Ralf Rothmann * 1953
Geburtstag
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Johan Peter Hebel
Abendlied wenn man aus dem Wirtshaus geht

Jetzt schwingen wir den Hut.
Der Wein, der war so gut.
Der Kaiser trinkt Burgunder Wein,
Sein schönster Junker schenkt ihm ein,
Und schmeckt ihm doch nicht besser,
Nicht besser.
Der Wirt, der ist bezahlt,
Und keine Kreide malt
Den Namen an die Kammertür
Und hintendran die Schuldgebühr.
Der Gast darf wiederkommen,
Ja kommen.
Und wer sein Gläslein trinkt,
Ein lustig Liedlein singt
Im Frieden und mit Sittsamkeit
Und geht nach Haus zu rechter Zeit,
Der Gast darf wiederkehren,
Mit Ehren.
Des Wirts sein Töchterlein
Ist züchtig, schlank und fein,
Die Mutter hält’s in treuer Hut,
Und hat sie keins, das ist nicht gut,
Musst’ eins in Strassburg kaufen,
Ja kaufen.
Jetzt, Brüder, gute Nacht!
Der Mond am Himmel wacht;
Und wacht er nicht, so schläft er noch.
Wir finden Weg und Haustür doch
Und schlafen aus im Frieden,
Ja Frieden.
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Unser Tipp:


Judith Vanistendael: „Penelopes zwei Leben
Graphic Novel
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Reprodukt € 20,00

Penelope ist nicht die Frau von Odysseus, die jahrelang auf ihren Ehemann wartet und die Freier abwert. Sie ist hier in dieser Graphic Novel eine Ärztin, die im Bürgerkrieg in Syrien versucht Menschenleben zu retten. Gleich zu Beginn, zu sehen auf der Diaschau oben, versucht die das Leben eines Mädchens zu erhalten. Was ihr aber nicht geliegt. Im oberen Teil des Bildes bekommt ihre eigene Tochter daheim zum ersten Mal ihre Tage. Beides hat mit Blut zu tun und doch ist es himmelweit verschieden. Sie hat ihre Tochter vier Jahre nicht gesehen.
Judith Vanistendael hat in ihrer neuen Graphic Novel ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen und erzählt und zeichnet es sehr intim und direkt. Die Ärztin ist auch Mutter und Ehefrau und auf ihrem Heimatbesuch wird sie im Kopf begleitet von dem Mädchen, deren Leben sie nicht retten konnte. Gleichzeitig hat ihre Tochter ganz andere Probleme, wie zum Beispiel die Lateinprüfung in der nächsten Woche. Und Odysseus? Ja, ihr Ehemann ist ein einfühlsamer Lyriker und liebevoller Ehemann, der Leben der gemeinsamen Tochter in den richtigen Bahnen hält.
Leicht haben es alle Personen in diesem Buch nicht. Aber wie soll es auch sein in dieser verrückten Welt.
Judith Vanistendael erzählt diese Episode mit so einer Empathie und Liebenswürdigkeit, dass wir das Buch, trotz all der Traumata, genießen können und auch unseren Blick weiten für die Probleme mir den Menschen in nah und fern.
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Über 2.000 TeilnehmerInnen beim Ulmer Stadtradeln haben bis jetzt fast 200.000 geradelt.
Hammer.
Das „Team Jastram“ hat schon über 1.000 km erradelt. Super. Danke. Toll.

Dienstag, 31.Mai

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Foto: Detlef Surrey

Heute haben
Ludwig Tieck * 1773
Georg Herwegh * 1817
James Krüss * 1926
Swetlana Alexijewitsch * 1948
Gabriel Barylli * 1957
Frank Goosen * 1966
Geburtstag.
Aber auch Rainer Werner Fassbinder.

Georg Herwegh
Morgenruf

Die Lerche war’s, nicht die Nachtigall,
Die eben am Himmel geschlagen:
Schon schwingt er sich auf, der Sonnenball,
Vom Winde des Morgens getragen.
Der Tag, der Tag ist erwacht!
Die Nacht,
Die Nacht soll blutig verenden. –
Heraus, wer ans ewige Licht noch glaubt!
Ihr Schläfer, die Rosen der Liebe vom Haupt,
Und ein flammendes Schwert um die Lenden!

Unser heutiger Buchtipp

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Sandra Brandstätter:Paula: Liebesbrief des Schreckens
Reprodukt Verlag € 18,00
Graphic Novel ab 6 Jahren und für alle Erwachsenen

Sommer, Urlaub, Campingplatz. Noch so ein tolles Buch wie „Endlich zelten“ von Philip Waechter und „Anton taucht ab“ von Milena Baisch. Jetzt die Variante als Comic. Beste Unterhaltung auf 116 Seiten.
Jedes Jahr macht Paula Urlaub im Wohnwagen. Die Eltern spielen Karten (Mamá schummelt wie immer), die große Schwester pubertiert schon schwer rum, liest Foto-Liebesgeschichten und Paula hat ihre beste Freundin Suse. Gemeinsam besetzen sie die Schaukeln und denken sich neue Geschäftsmodelle aus. Dieses Jahr wollen sie Rätsel an die Campingnachbarn verkaufen und damit ihr Ferienkasse aufbessern. Als Toni, ein Neuer, ein Junge, auftaucht, watschen die beiden Mädels ihn erstmal als Hosenschisser ab. Doch er lässt sich nicht beirren und beeindruckt mit besseren Rätseln, als Paula und Suse auf ihrem Plan haben. Dass seine Oma, mit der er hier auf dem Campingplatz ist, früher einmal Messerwerferin war, ist ein weiterer Pluspunkt für ihn.
Als ein geheimnisvoller Liebesbrief auftaucht, ist die Stunde für Paula gekommen, um zu beweisen, welch kluge Detektivin sie ist. Gemeinsam mit ihrem Gehilfen Toni, macht sie sich mit Feuereifer ans Werk. Das ist jedoch alles nicht so einfach, zumal Suse, die den Brief entdeckt hat, auch mitmachen will, Paula jedoch schon ein Auge auf Toni geworfen hat. Komplizert wird es dann richtig, als Paula bemerkt, dass es ihr eigener Brief ist, den sie eigentlich an Toni geschrieben hat.
Sandra Brandstätter hat eine liebenswerte, freche, lustige, lebensnahe Sommergeschichte gemalt,in der sich Mädchen sicherlich wiederfinden werden. Und das nicht nur wegen der sehr zarten Kinder-Liebesgeschichte, bei der Paula immer so schöne rote Backen bekommt.

Sandra Brandstätter ist Illustratorin, Comiczeichnerin und Concept Artist für Animationsfilme (u.a. “Sendung mit der Maus” und “Siebenstein”). “Paula – Liebesbrief des Schreckens” ist ihr erster Comic für Kinder.

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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche:

Enteen im See

Im frisch gebrühten Aufgusssee
schwimmt die kleine Blasentee.
Paddelnd kreuzt den Wasserweg
die Nierentee vom Badesteg.
Auch die Kamillentee mischt mit,
so schwimmen sie im See zu dritt.

In ihrer Rolle als Zuschauer,
die Zitronentee wirkt sauer!

Freitag, 6.Mai

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Heute haben
Ludwig Börne * 1786
Rabindranath Tagore * 1862 (Nobelpreis 1913)
Christian Morgenstern * 1871
Erich Fried * 1921
Franz Mon * 1926
Geburtstag.
Aber auch Sigmund Freud, Ernst Ludwig Kirchner, Orson Welles, Hanns Dieter Hüsch, Tony Blair, George Clooney und Till Brönner.
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Christian Morgenstern
Es war ein solcher Vormittag

Es war ein solcher Vormittag,
wo man die Fische singen hörte,
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis‘
dicht unter dem durchsonntenSpiegel.
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Unser Buchtipp für die ganze Familie:

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Didier Lévy und Marc Boutavant:Der Popo von Hippopo
Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock
Satz und Gestaltung: Arne Bellstorf
Reprodukt Verlag € 12,00
ab 6 Jahren

Den Illustrator Marc Boutavant kennen wir von den hier schon vorgestellten Bilderbüchern „Niemals wilde Katzen kitzeln“ und „Edmund

“Ich habe einen dicken Hintern”, sagt das Nilpferd. “Zeig mal!”, rufen gleich die anderen Tiere. Schnell ist eine hitzige Diskussion entbrannt: Ist Hippopos Popo nun klein oder groß? Oder doch eher so mittel? Die Tiere werden sich einfach nicht einig, bis gar die ersten faulen Früchte fliegen. Auweia! Glücklicherweise stellt sich der Frieden schnell wieder ein, als ein jeder auf seinem Töpfchen sitzt. Passt, wackelt und hat Luft! Genau die richtige Größe hat er, dieser Popo!
Ich musste aus vollem Halse lachen. Diese Geschichte ist so wahr, ernst und gleichzeitig auch so witzig. Oh meine Nase ist krumm, meine Ohren zu groß, die Hände zu klein, der Po zu dick. Die Lippen zu dünn und die Haare zu ströpselig.
Genau um das geht es im wahren Leben und in hier in diesem kleinformatigen Bilderbuch. Und dass dann jeder Po doch passt und genau so sein soll, wie er ist, zeigen uns Text und Bilder dieses sehr treffenden Buches.

Hier ein paar Leseproben:

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Die Literaturwoche Donau 2016 geht, obwohl sie deutlich länger geht als ne Woche, nun doch auch mal zu Ende.

Samstag, 7. Mai ab 18 Uhr (Quereinstieg jederzeit möglich…)
Schluss mit Hesse und ganz viel Musik
Literaturfest mit dem Verlag Klöpfer & Meyer, Autorin Felicitas Andresen
und der Band KNULP (Hamburg)
Eintritt: 8,00 €

Feiern wir den Abschluss der Literaturwoche Donau 2016 – und zwar
richtig: Verleger Hubert Klöpfer erzählt kurzweilig aus über 30
Verlagsjahren, Autorin Felicitas Andresen liest aus ihrem Erfolgsroman
„Sex mit Hermann Hesse“.
Ab 21 Uhr spielt die junge Kultband KNULP. Knulp, der sympathische
Landstreicher aus Hermann Hesses gleichnamigen Roman, ist der Pate und
Namensgeber der Singer-Songwriterkooperation, von Marco Moritz und
Marcus Molière. Folk und Seefahrtromantik zwischen Lemmy Kilmister und
Bing Crosby.

Donnerstag, 21.April

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Heute haben
Charlotte Bronte * 1816
Peter Schneider * 1940
Geburtstag
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Tove Jansson:Mumin und das Meer
Aus dem Englischen von Annette von der Weppen, Michael Groenewald & Matthias Wieland
Handlettering von Michael Hau
Reprodukt Verlag € 10,00
Ab 6 Jahre

Muminpapa fühlt sich zu Höherem berufen, als er in der Zeitung liest, daß eine Stelle als Leuchtturmwärter frei wird. Er hat doch eine Schreibmaschine geschenkt bekommen und möchte nun einen großen, vielmehr den großen Roman über die Erhabenheit des Meeres schreiben. Das Licht, die Wellen, der Geruch, all das fehlt ihm hier in seinem Zuhause. Und obwohl Muminmama sagt, dass sie doch direkt am Meer wohnen würden, mit einer riesigen Terrasse, einem einzigartigem Blick, ist er nicht zu bremsen. Somit wird der Umzug organisiert. Besser gesagt, er lässt organisieren. Muminmama packt das geforderte Material für die zu erwartende Einöde ein, während er schon über sein Meisterwerk nachdenkt. Allerdings packt seine Frau weit mehr ein, als im Überlebenshandbuch vorgeschlagen wird und aus einer überschaubaren Ausrüstung wird ein veritabler Berg an Zeugs, das es gilt zum Leuchtturm zu schippern.
So beginnt dieses Muminabenteuer und das Durcheinander nimmt kein Ende. Der Turm ist sehr unwirtlich, um ihn herum gibt es nur ein paar Felsbrocken. Den Muminkindern fällt auf, dass sie nicht alleine sind. Nachts sehen sie nämlich Füße durchs Zimmer spazieren, ohne einen Körper daran zu erkennen. Sie erhalten Hilfe von Tooticki, der eines Tages unerwartet auftaucht und nicht mehr verschwindet. Sie bemalen die Innenwände ihrer Zimmer und die Lampe des Leuchturms mit bunten Farben, sie legen ein Blumenbeet an, müssen hunderte von Vögel beerdigen, sich der großen Flut erwehren und schauen, daß die Minen, die angeschwemmt werden kein großes Unheil anrichten. Eine war ja nützlich. Denn als sie hochging, entstand ein Krater mit einem kleinen Sandstrand für Muminmama, die endlich ihren Strandbikini auspacken kann.
Was für ein Durcheinander und in diesem ganzen Trubel haben die Mumins vergessen, sich um das Leuchtfeuer zu kümmern. Dies kann natürlich nicht gut ausgehen. Als Mumimpapa dann auch noch merkt, dass ihm die Leuchturm-Insel-Inspiration nicht anfällt und er hingegen in einer langen Nacht eine Lobeshymne auf die Terrasse am Meer schreibt, auf der sie gewohnt haben, sind die Würfel gefallen.

Ein typischer Muminspaß mit all seiner Überdrehtheit, so wie wir es von dieser Familie gewohnt sind.

Weitere Titel in der gleichen Aufmachung:

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14.Türchen vom Besten das Beste

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Wann wird es endlich wieder Sommer?

Heute haben
Nostradamus * 1503
und Wolf Hass * 1960
Geburtstag.
(Was ne Mischung)
Und es ist der Todestag von Dürrenmatt und Sebald.
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Das 14.Türchen ist geöffnet: Heute ist Lehmriesentag!
(Gefunden im März 2015 auf dem Jastramblog)

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Anke Kuhl:Lehmriese lebt!
Reprodukt Verlag € 18,00
ab 6 Jahren

So beginnt die Graphic Novel für Kinder.

1

Und was zuerst als Spiel gedacht ist, wird Wirklichkeit.
Olli und Ulla finden am Fluss richtig schön viel Lehm. Damit bauen die beiden auf der Wiese einen wunderbaren Lehmriesen. Womit die beiden Kinder allerdings nicht gerechnet haben – ihr Riese erwacht über Nacht, steht auf und läuft in Richtung Stadt. In dieser Welt kennt er sich natürlich überhaupt nicht aus und stiftet großes Chaos und eine Strecke von kleinen Verwüstungen. Allerdings muss ich hinzufügen, dass uns Anke Kuhl auch nicht eine stink normale Welt gezeichnet hat. Irgendwie ist auch dort nicht alles so, wie wir es kennen. Da verkauft ne Kuh Eis. Und zwar Sorten, die wir gar nicht kennen. Aber Anke Kuhl hilft uns hier weiter und malt uns die Eistafel ab, damit wir wissen wie das Eis “Schokker”, oder “Coole Gurke”, “Fruchtiger Fuß”, oder auch “Wölkchen” aussieht.
Dort, auf dem Marktplatz,treffen sie auch zum ersten Mal auf den Lehmriesen, der zuvor Stress mit dem Förster hatte, der in als Gehilfen einstellen wollte, er aber statt des “Unkrautes”, richtige Bäume aus der Erde rupfte.
Lehmriese findet seinen Platz in dieser Gesellschaft nicht. Was soll er bloß mit der Eiswaffel in der Hand machen? Wie kann er beim Frisör helfen, wenn ihm doch die Finger unter dem warmen Wasser davonlaufen. So wird er immer zorniger, da die Menschen ihn nicht verstehen, und er sie nicht. Als sich dann noch ein cooler Kriminalbeamter einschaltet, nimmt die Geschichte so richtig an Fahrt auf. Die Feuerwehr kommt, Lehmriese sitzt wie King Kong auf dem Dach, alle brüllen und schreien, bis die beiden Kinder sich durchsetzen können und Lehmriese wieder herunterkommt und den dödeligen Feuerwehrleuten hilt, die ihre Drehleiter nicht richtig bedienen können.
Lehmriese ist nämlich ein Guter und im Nachklapp sehen wir ihn mit Olli und Ulla spielen. Was nicht immer einfach ist. Wenn er im Tor steht, gibt es keinen Platz mehr, um den Ball über die Linie zu schiessen.
Sie merken: Ein verdrehte Geschichte. Aber sollen Geschichten nicht ein wenig überdreht sein, die Phantasie anregen? Anke Kuhl schreibt im Nachwort, dass es solche Lehmriesen in der Literatur öfters gegeben hat und dass diese Golems allermeist sehr freundliche Wesen waren, die aber von uns nicht als solche gesehen worden sind.
Anke Kuhl hat hier ein ein Comicbuch gestaltet, das wahnsinnig viel Spaß macht, unserer Wirklichkeit sehr nahe kommt und uns Erwachsenen ordentlich den Spiegel vorhält.

Hier kommen noch ein paar Bilder, die der Verlag veröffentlichte, als das Buch noch gar nicht ganz fertig war und nur als digitaler Vorabdruck kursierte.

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p.s. In György Dragománs: „Der Scheiterhaufen“ (übrigens eines der besten Romane des Herbstes, des Jahres) kommt auch ein Lehmmensch vor.
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Werner Färbers Ungereimtheiten der Woche
Grandiose Bescherung

Schon längst sind alle Lichter aus,
da schleicht behänd‘ ein Weihnachtsmann
des Nachts mit Jutesack ums Haus,
setzt an der Tür den Kuhfuß an.

Das Schloss zerbricht mit leisem Knack,
doch scheinbar hat’s niemand gehört.
In fremder Wohnung füllt den Sack
der Weihnachtsmann ganz ungestört.

Bei sich zu Haus packt er dann ein
in Papier die schönen Sachen.
Grandios wird die Bescherung sein
und den Liebsten Freude machen.

Das Rentier sich nicht

„Weihnachten? Rentiert sich nicht!“,
behauptet ablehnend die Gans.
Betrachtet man’s aus ihrer Sicht,
spricht sie die Wahrheit voll und ganz.

Und weil das kluge Federtier
auch nach dem feisten Festtagsschmaus
verweilen will im Jetzt und Hier,
nimmt es rechtzeitig Reißaus.

Samstag

Heute haben
William Blake * 1757
Alexander Blok * 1880
Stefan Zweig * 1881
Alberto Moravia * 1907
Geburtstag

William Blake

Never seek to tell thy love,
Love that never told can be;
For the gentle wind does move
Silently, invisibly.

I told my love, I told my love,
I told her all my heart;
Trembling, cold, in ghastly fears,
Ah! she did depart!

Soon as she was gone from me,
A traveler came by,
Silently, invisibly
He took her with a sigh.
______________________

EinSommer am See“ wurde von einer ausgewählten Fachjury des Tagesspiegels als bester Comic des Jahres gekührt.

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Jillian Tamaki, Mariko Tamaki: „Ein Sommer am See
Aus dem Englischen von Tina Hohl
Handlettering von Michael Hau
Reprodukt Verlag € 29,00

Rose verbringt jeden Sommer mit ihren Eltern die Ferien am See. Dort steht ein kleines Holzhaus, die Zimmer sind hergerichtet vom letzten Jahr und Rose freut sich auf das Treffen mit Windy, ihre eineinhalb Jahre jüngere Freundin. Alles soll wie immer werden. Baden im See, grillen am Strand, faulsein, lesen, rumhängen.
Doch in diesem Sommer wird es anders. Rose ist kein Kind mehr, aber auch noch lange keine Frau. Ihre Mutter hat sich immer mehr in sich zurückgezogen, die Eltern streiten sich. Sie trägt die Trauer um ein weiteres Kind in sich, das sie nie bekommen wird. Dies ist Rose jedoch noch nicht klar und so ist Windy für sie wie ein kleine Schwester. Aber so unbedarft ist die Kleine auch nicht mehr. Als die Beiden am Strand liegen, unterhalten sie sich über ihre Brüste, Titten, Möpse. Wie gross sie wohl werden und ab wann sie einen BH brauchen. Sie sind große Kinder und doch schnuppern sie in die Welt der Erwachsenen, die sie aber noch nicht verstehen. Warum ist Roses Mutter so traurig, warum die Grossmutter von Windy so komisch? Doch dies alles belastet die Beiden nicht. Sie genießen ihre Tage, schwimmen, gehen einkaufen und leihen sich DVDs aus, die eigentlich nichts für sind. In diesem Tante Emma Laden, bekommen sie von einem Jungen, der dort im Sommer arbeitet, Filme ausgeliehen, die erst ab 16 oder 18 sind. Kettensägenmasacker und andere Horrofilme gilt es gemeinsam anzuschauen. Es ist ein Zeichen von Erwachsenensein, dies auszuhalten.
Rose verliebt sich in diesen Jungen, der sie jedoch nicht bemerkt. Die Beiden tauchen immer wieder in diesem Laden auf, registrieren das Gerede dieser älteren Jungs und deren Verhältnis zu Mädchen. Das Worte Schlampe taucht auf, das die beiden Mädchen auch sofort übernehmen. Sie bemerken, dass es um eine ungewollte Schwangerschaft in dieser Clique geht. Um Liebe, Sex, Verzweiflung.
Verzweifelt sind auch die Eltern von Rose, da sie sich nicht mehr nahekommen können. Zu groß ist der Verlust des nicht gekommenen Kindes.
Mariko Tamaki und ihre Cousine Jilian Tamaki haben einen großartigen Coming of Age Roman geschrieben und gezeichnet. Die Bilder ergänzen den Text, erweitern ihn und führen Details aus, die in der knappen Sprache nicht vorkommen. Gedanken, Erinnerungen und Träume tauchen auf, die im Text nicht zu finden sind.
Das dicke Buch ist für alle Leser und Leserinnen, auch wenn sie sich bisher nicht mit Graphic Novels beschäftigt haben. Sie werden das Buch sicherlich immer wieder in die Hand nehmen, darin blättern und Dinge entdecken, die Ihnen beim ersten Durchlesen nicht aufgefallen sind. Zu recht wird er mit Preisen überhäuft.

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Interview mit Mariko Tamaki
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Morgen gibt es den 12.Teil der Sonntagsskizzen von Detlef Surrey.
Skizzen vom Aktsalon am Montagabend

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Donnerstag

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Heute hat
Pier Paolo Pasolini * 1922
Geburtstag
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Der Preis der Leipziger Buchmesse wird nächste Woche verliehen, wir haben uns aus den fünf nominierten Bücher vorlesen lassen. Gestern kam in der FAZ ein großer Artikel über Norbert Scheuers: „Die Sprache der Vögel“ und dass die Literatur von der Wirklichkeit eingeholt wird. Es gibt tatsächlich einen deutschen Soldaten, der in Afghanistan Vögel beobachtet und aufgezeichnet hat, wie es im Roman geschildert wird. Norbert Scheuer erfuhr erst davon, als das Manuskript abgegeben worden war. In der Süddeutschen wird Ursulas Ackrills nominierter Buch: „Zeiden, im Januar“ hochgelobt. Und heute hat Pasolini Geburtstag, der in Michael Wildenhains Buch: „Das Lächeln der Alligatoren“ vorkommt. Im zweiten Teil des Buch kommt die Hauptperson Matthias in Kontakt mit einer linken WG, die die Filme von Pasolini verehren.
Das also neues zum Leipziger Buchpreis.
Es bleibt spannend.
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Heute ist Lehmriesentag!

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Anke Kuhl: „Lehmriese lebt!“
Reprodukt Verlag € 8,00
ab 6 Jahren

So beginnt die Graphic Novel für Kinder.

1

Und was zuerst als Spiel gedacht ist, wird Wirklichkeit.
Olli und Ulla finden am Fluss richtig schön viel Lehm. Damit bauen die beiden auf der Wiese einen wunderbaren Lehmriesen. Womit die beiden Kinder allerdings nicht gerechnet haben – ihr Riese erwacht über nacht, steht auf und läuft in Richtung Stadt. In dieser Welt kennt er sich natürlich überhaupt nicht aus und stiftet großes Chaos und eine Strecke von kleinen Verwüstungen. Allerdings muss ich hinzufügen, dass uns Anke Kuhl auch nicht eine stink normale Welt gezeichnet hat. Irgendwie ist auch dort nicht alles so, wie wir es kennen. Da verkauft ne Kuh Eis. Und zwar Sorten, die wir gar nicht kennen. Aber Anke Kuhl hilft uns hier weiter und malt uns die Eistafel ab, damit wir wissen wie das Eis „Schokker“, oder „Coole Gurke“, „Fruchtiger Fuß“, oder auch „Wölkchen“ aussieht.
Dort, auf dem Marktplatz,treffen sie auch zum ersten Mal auf den Lehmriesen, der zuvor Stress mit dem Förster hatte, der in als Gehilfen einstellen wollte, er aber statt des „Unkrautes“, richtige Bäume aus der Erde rupfte.
Lehmriese findet seinen Platz in dieser Gesellschaft nicht. Was soll er bloß mit der Eiswaffel in der Hand machen? Wie kann er beim Frisör helfen, wenn ihm doch die Finger unter dem warmen Wasser davonlaufen. So wird er immer zorniger, da die Menschen ihn nicht verstehen, und er sie nicht. Als sich dann noch ein cooler Kriminalbeamter einschaltet, nimmt die Geschichte so richtig an Fahrt auf. Die Feuerwehr kommt, Lehmriese sitzt wie King Kong auf dem Dach, alle brüllen und schreien, bis die beiden Kinder sich durchsetzen können und Lehmriese wieder herunterkommt und den dödeligen Feuerwehrleuten hilt, die ihre Drehleiter nicht richtig bedienen können.
Lehmriese ist nämlich ein Guter und im Nachklapp sehen wir ihn mit Olli und Ulla spielen. Was nicht immer einfach ist. Wenn er im Tor steht, gibt es keinen Platz mehr, um den Ball über die Linie zu schiessen.
Sie merken: Ein verdrehte Geschichte. Aber sollen Geschichten nicht ein wenig überdreht sein, die Phantasie anregen? Anke Kuhl schreibt im Nachwort, dass es solche Lehmriesen in der Literatur öfters gegeben hat und dass diese Golems allermeist sehr freundliche Wesen waren, die aber von uns nicht als solche gesehen worden sind.
Anke Kuhl hat hier ein ein Comicbuch gestaltet, das wahnsinnig viel Spaß macht, unserer Wirklichkeit sehr nahe kommt und uns Erwachsenen ordentlich den Spiegel vorhält.

Hier kommen noch ein paar Bilder, die der Verlag veröffentlichte, als das Buch noch gar nicht ganz fertig war und nur als digitaler Vorabdruck kursierte.

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Mehr aus der Welt der Bücher finden Sie auch auf unseren Fotoblogs:
Jastram.tumblr.com
und
Wiebuecherleben.tumblr.com

Samstag

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Jetzt steht schon ne 20 auf dem Kalender und die Ziellinie ist in Sicht.

Heute wird
Friederike Mayröcker 90 Jahre alt.
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[youtube=http://youtu.be/HZrD007yVAo]

Liebe Birte Müller und Familie. Vielen Dank für das jährliche Weihnachtsvideo
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Das Beste vom Besten von 2014:

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Mawil: “Kinderland”
Reprodukt € 29,00

Einfach grossartig was Mawil hier in dieses dicke Buch gepackt hat. Über 290 Seiten, voll mit Comic-Bildchen. Wie er den kleinen, vorbildlichen Schüler Mirco (“Mirgo”, wie ihn seine sehr kleine Schwester nennt) darstellt, ist einfach toll.

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Wir befinden uns in der DDR des Jahres 1989. Micro lebt einer Familie, die christlich orientiert ist. In der Kirche ministriert er auch ab und an. Gleichzeitig ist er natürlich im ganz normalen DDR-Alltag integriert. FDJler in der Schule prägen den Alltag um ihn herum. Bis eines Tages ein Mitschüler auftaucht, der in die Parallelklasse kommt. Er ist anders. trägt auch keine Uniform bei Festtagen, benimmt sich anders. Obwohl er einen Kopf größer als Mirco ist, hilft er ihm, als Mirco sich mit dem Bus verfahren hat und er zu spät in die Schule kommt. Mawil packt immer wieder witzige Momente, berlinerische Sprüche in seine Bilder. Und gerade der neue Mitschüler hat einen wilden Slang drauf. Zwischen den beiden entwickelt sich eine schöne Freundschaft und als Mirco Probleme mit den älteren Schülern bekommt, steht ihm immer wieder der Neue bei.
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Mawil malt für uns diese Wochen und Monate vor dem Mauerfall wie ein normaler Sommer. Mirco hört zwar immer wieder von “Rübermachen”, Schüler tauchen nicht mehr auf und sogar Lehrer bleiben vom Unterricht fern. Als Mirco seine Russischlehrerin besucht (eine ganz harte in der Schule), sehen wir, wie sie gerade noch rechtzeitig das Westfernsehen ausschaltet und den “Spiegel” versteckt. Doch all dies bekommt er gar nicht mit. Für ihn entwickelt sichdas Tischtennisspielen zu seinem Lebensmittelpunkt. Hier kann er es den Großen zeigen. Das geht sogar so weit, dass seine Mitschüler ihn dazu auswählen, ein Turnier zu organisieren. Alles gar nicht so einfach, wenn in der Schule nur eine Platte, aber keine Netz vorhanden ist und wenn Bälle Mangelware und “Kellen” durch Bücher ersetzt werden. Aber es kommt mal wieder anders. Wie so oft im Leben. Die Mauer fällt und Mircos Eltern fahren für einen Tag nach Westberlin. Mirco ist sauer, gekränkt – kann er doch am Turnier nicht teilnehmen. Er findet jedoch in einem Kaufhaus einen Tischtennisschläger und kauft sie seinem Freund.

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Mawil schafft es in seinen vielen Bildern eine warmherzige, freundliche, freche und ehrliche Geschichte zu erzählen, die vor 25 Jahren hier in Deutschland passiert ist. Eine Jungenfreundschaft, eine Entwicklungsgeschichte und eine entscheidende Situation in der deutschen Geschichte, die von den Schülern gar nicht, oder nur am Rande bemerkt worden ist.

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Robert Seethaler: “Ein ganzes Leben”
Hanser Berlin Verlag € 17,90
als eBook € 13,99

Robert Seethaler hat uns das bestverkaufte Buch des Jahres beschert. “Der Trafikant”, den es als Taschenbuch für € 9,90 im Verlag “Kein und Aber” gibt, überholt bei uns alle anderen Bestseller um Längen. Dies kann aber nur so funktionieren, dass die KundInnen, die das Buch gelesen haben so begeistert sind, dass sie es gleich mehrfach für ihre FreundInnen brauchen.
Jetzt hat Seethaler den Verlag gewechselt, lebt in Berlin und nicht mehr in Wien, aber kann vielleicht seinen Erfolg mit diesem neuen Buch wiederholen: Wir werden ihn darin unterstützen.
Seethaler bleibt Österreich treu, zumindest in der literarischen Welt. Es ist nicht mehr der junge Franz, wie im “Trafikant”, der im Mittelpunkt steht, sondern Andreas Egger. Er wird genauso ins Leben geworfen, wie unser Franz, jedoch auf eine deutlich härtere Gangart. Als vierjähriger Waise landet er bei seinem Onkel auf dem Land. Ein schönes Leben hat er dort nicht, da der Onkel ihn oft verprügelt und sogar zum Krüppel prügelt. Andreas erträgt dies alles. Er wird kräftig, arbeitet überall, wo es etwas zu tun gibt, bleibt jedoch wortkarg in sich verschlossen. Er fügt sich seinem Schicksal, kennt sich mittlerweile in der Bergwelt sehr gut aus und sieht eine Zukunft als Bauarbeiter beim Seilbahnbau. Hier kommt der Fortschritt in die Bergwelt und die Struktur der ländlichen Welt ändert sich dadurch. Er erlangt dadurch etwas Freiheit und kann sich eine kleine Hütte hoch über dem Dorf herrichten. Als er noch Marie, die in einem Wirtshaus arbeitet, kennenlernt, scheint doch etwas wie Glück in sein Leben zu kommen. Doch dies dauert nicht allzulange, da eine Schneelawine sowohl seine Frau, als auch seine Hütte wegreisst. Seethaler schafft es in seiner ruhigen Sprache das auszudrücken, wie es Andreas im Inneren geht. Er klagt nicht an, nimmt sein Schicksal so wie es kommt. Er kann sowieso nichts daran ändern. Als er im zweiten Durchgang doch noch zu den Soldaten und gleich nach Russland muss, erträgt er seine jahrelange Gefangenschaft stoisch und mit einer großen Gelassenheit. Zurück im Dorf nimmt er sein altes Leben wieder auf.
Robert Seethaler ist in diesem schmalen Roman die Biografie eines einfaches Mannes gelungen, wie ich sie selten gelesen habe. Einfach in der Sprache, einfühlsam und warmherzig und hart in den Tatsachen, lesen wir wie gebannt bis ans Ende in denen Andreas auf seine letzten Herztöne wartet und als keiner mehr kommt, lässt er los und geht.
Seethaler vergisst aber nicht sein großes Angebot von besonderen Typen, wie wir sie aus all seinen Romanen kennen. Es gibt den Ziegenhirten, der versucht vor dem Tod, der “kalten Frau” zu fliehen, oder seinen Mitarbeiter, der einen Arm verliert und wie dieser von seinen Kollegen beerdigt wird (also der Arm, nicht der Mann, der lebt ja noch) und viele andere Personen. Genauso wie viele kleinere Episoden aus dem Leben von Andreas, die Seethaler immer wieder einflicht und so dem Roman das Besondere verleiht. Wir können uns die einzige Busfahrt aus dem Dorf so gut vorstellen, die der alte Andreas unternimmt und an der Endhaltestelle wieder umdreht und wieder dort aussteigt, wo er fast sein ganzes Leben gewohnt und gearbeitet hat.
Seethaler hat mit Andreas Egger eine Person geschaffen, die wir nicht mehr schnell vergessen werden und mit ein wenig Glück kassiert Seethaler mit diesem Roman noch ein paar große Preise ab.

Leseprobe

 

Samstag

Heute haben
Wilhelm Hauff * 1802
Carlo Levi * 1902
Gerti Tetzner * 1936
Geburtstag
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Anarchie und wildes Durcheinander im Bilderbuch.
Die Mumins gehen Skifahren, Frank Viva schickt einen Radler auf eine lange Straße und bei uns in der Buchhandlung stand ein Weihnachtsrad.

Mumin

Tove Jansson: „Mumins Winterfreuden“
Aus dem Englischen von Michael Groenewald, Annette von der Weppen und Matthias Wieland
Handlettering von Michael Hau
Reprodukt Verlag € 10,00
Grahic Novel für alle Alter

Der Winterschlaf steht an. Alles geschieht, wie die Vorfahren es schon immer gemacht haben und wie es auch die Mumins jedes Jahr tun. Doch dieses Mal scheint der Wurm drin zu sein. Der Winterschlaf wird hinterfragt und kritisiert. Doch die letzten Vorbereitungen laufen, alle schlüpfen ins Heu und wünschen sich einen guten Winter und bis in drei Monaten. Leider piekst das Heu, Muminpapa ist es langweilig, er steht auf und fragt sich, warum man alles den Ahnen nachmachen muss. Also weckt er seine Familie auf und meint, dass sie dieses Jahr auf den Winterschlaf pfeifen werden, öffnet die Dachluke und ab geht es in den tiefen Schnee. Doch das ist alles nicht so einfach. Das mit dem Skifahren, Schlittschuhlaufen, usw. Es taucht natürlich auch ein neuer Schönling auf: Herr Frisch, der Sportfanatiker, dem Snorkfräulein sofort hinterherläuft (ja hat die denn gar nichts gelernt an der Riviera?). Es beginnt ein heilloses Durcheinander mit Wettspielen, Eifersüchteleien, Schneelawinen und einem Selbstmordversuch. Ein anarchisches Winterfest, das mit dem Hereinbrechen des Frühlings endet.

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Doch nicht genug:
Im Diogenes Verlag ist ein wirklich irres, tolles, freches Bilderbuch erschienen, dem ein 6 Meter langes, gefaltetes Poster begelegt ist.

viva

Frank Viva: „Eine lange Straße lang“
Diogenes Verlag € 24,90

Hier rast ein Radler eine Straße entlang, hoch und runter, durch einen Tunnel und am Meer vorbei. Er fährt über eine lange Brücke („eins, zwei drei“) und schnell am Eiswagen und Franks Kiosk vorbei. Er stolpert fast am Schuhgeschäft, macht einen Halt an der Bibliothek und rast immer weiter, immer schneller, so dass er sich auf einer Doppelseite dehnt. Er wird lang wie ein Kaugummi, macht eine Schleife und ist wieder am Start.
Ein grafisches Kunstwerk, auf dem sich die orangene Straße nicht nur farblich, sondern auch haptisch abhebt.
Dazu noch das Plakat, das für die Zimmerwand gedacht ist.
Wunderbar. Und vielleicht ist das Poster, das keinen Text enthält, nicht nur für’s Kinderzimmer, sondern auch für das nüchterne Büro der Erwachsenen, damit die sich mal richtig wegträumen können und nicht heimlich im Netz surfen müssen.
Hier gibt es die ersten zwei Meter im Miniformt:

01176_leporello_2Meter
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Doch nicht genug mit Radeln.
Gestern stand plötzlich Ole Pedaleur im Laden und hatte „Noelle“ dabei – die neue Kreation aus dem Radladen in der Rabengasse.

Design aus Ulm, gebaut in Deutschland
Klassische Stahlrahmen als Schwan oder Diamantrahmen – je 4 Größen – mehr als 200 Farben zur Auswahl.
7-Gang Shimano Nexus – LED-Beleuchtung mit Nabendynamo – Schwalbe Ballonreifen – Hebie Zweibeinständer und viele Specials mehr …
Das Weihnachtsrad gibt es auch als Herrenmodell „Nic
für € 888,- anstatt Listenpreis € 993,-

Pedaleur-Noelle-Jastram

Pedaleur

Pedaleur – Fachgeschäft für Fahrradkultur
Rabengasse 14 – 89073 Ulm
Tel. 0731/7085226
info@pedaleur-ulm.de
www.pedaleur-ulm.de
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Nach so viel Durcheinander, endet es am kommenden Dienstag bei unserer „Ersten Seite“ besinnlich mit einer besonderen Weihnachtsgeschichte, die Clemens Grote vorliest. Nicht jedoch bevor wir ein paar Buchtipps abgegeben haben.
Dienstag, 2.12.2014 ab 19 Uhr.
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Im Dezember gibt es hier auf dem Blog das Beste aus dem Jahr 2014. Die tollsten Bücher, die gelungensten CDs und DVDs und vieles mehr, die im Archiv des Blogs schlummern und nicht vergessen werden dürfen.