Mittwoch, 10.August

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Heute haben
Alfred Döblin * 1878
Milena Jesenská * 1896
Jorge Amado * 1912
Geburtstag
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Anja Reiprich empfiehlt:

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Natasha Farrant:Die Geschwister Gadsby im Sommerchaos
Übersetzt von Annette von der Weppen
Carlsen Verlag € 16,99

Ruhige Sommergeschichte mit den Gadsbys … wer diese Familie wirklich kennt,
weiss, dass das nie funktioniert. Bei den Gadsbys gehts immer rund, so auch
wieder im neuen Band “ Die Geschwister Gadsby im Sommerchaos“. Alle Geschwister
ausser Flora (die ist mit ihrem Vater in Neuseeland, um einen Film zu drehen)
dürfen diesen Sommer zu Grandma auf den Reiterhof, um dort ihre Ferien zu
verbringen.
Eigentlich war es doch immer so schön dort, doch irgendwie ist dieses Jahr
einiges anders, das merken die drei sofort. Ihre Mam ist wegen dem neuen Baby
nicht mitgefahren und auch ihre Grandma, die letztes Jahr noch so fit war, ist
dieses Jahr irgendwie schnell müde und kaputt.
Die Geschwister helfen der Großmutter wo sie können, aber auch der Sommerspass
kommt bei ihnen nicht zu kurz. Ollie und Skye sind die beiden „Pferdeburschen“
von Grandma und Twig hat sich in den Kopf gesetzt ohne Sattel reiten zu lernen.
Bluebell, die immer noch viel an Ihre tote Schwester denkt, begleitet Twig zu
ihren Reitstunden und verliebt sich in Ollie und dann in Skye….
Dann geht alles Schlag auf Schlag. Grossmutter bekommt einen Schwächeanfall und
muss ins Krankenhaus, Zoran, der Retter in der Not reist an und auch Flora, die
in Neuseeland sitzt ist immer mittendrin dabei und hat mal mehr, mal weniger
alles im Griff.

Kunterbunte Sommerchaos Geschichte, wie wir es von den Gadsbys gewöhnt sind.
Liebenswert, lebendig und lesenswert, hat mir wieder großen Spass gemacht 280
Seiten die Familie Gadsby zu begleiten.

Für alle ab 12 Jahren
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Ab morgen noch ein Versuch mit dem Süden.
Ich melde mich nächste Woche wieder.
Nicht vergessen: Am Sonntag gibt es wieder Reiseskizzen von Detlef Surrey.

Montag

Heute haben
Verner von Heidenstam * 1859 (Nobelpreis 1916)
Emil Barth * 1900
Unica Zürn * 1916
Hans-Jürgen Heise * 1930
Bernhard Schlink * 1944
Bodo Kirchhoff * 1948
Hilary Mantel * 1952
Marck Bienczyk * 1959
Geburtstag
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Unser Buchtipp des Tages:

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Natasha Farrant: „Die Geschwister Gadsby und die Liebe“
Aus dem Englischen übersetzt von Annette von der Weppen
Carlsen Verlag € 15,99
als E-Book € 10,99
Jugendbuch ab 11 Jahren

Endlich! Teil 2 der Tagebücher von Bluebell Gadsby. Ob das gutgeht? Nach dem sehr pfiffigen, frechen, witzigen ersten Teil, hatte ich meine Zweifel. Aber: Das Warten und Lesen hat sich gelohnt „Flora in Love“, wie der Titel im Original heisst, ist in der Wortwahl und in den Handlungssträngen noch ausgereifter.
Wie gesagt, die große Schwester Flora ist verliebt. Und wie! Blue(bell) hat auch zum ersten mal einen Freund, aber der erste Kuss fühlt sich gar nicht so dolle an. Und überhaupt, sie hat keine solche Gefühlsausbrüche, wie Flora und versteht deren Getue nicht so recht. Auch bei den jüngeren Geschwister geht wieder sehr viel durcheinander. Twig ist ausser sich, da die Haustiere der Gadsbys nicht mehr da sind. Der schusselige Papá die Käfigtüre der Ratten nicht geschlossen hat und die sind nun über alle Berge. Und Jas(min)? Die möchte bei einem öffentlichen Gedichtwettbewerb mitmachen, der allerdings nur für Erwachsene ist. Also braucht sie einen Strohmann.
Was macht das au-pair Zoran? Na, der hat studiert, ist ausgezogen, gibt Musikunterricht, ist jedoch dauernd Anlaufstelle für für alle Probleme der Kinder und kommt überhaupt nicht zur Ruhe.
Und die Eltern? Sie waren doch im ersten Teil total durchgeknallt und haben für die größte Verwirrung gesorgt. Vater Gadsby ist freier Schriftsteller geworden und arbeitet zuhause (nicht ganz einfach bei diesem Tollhaus) und die Mutter jettet nicht mehr um die Welt, sondern arbeitet für ein lokales Unternehmen und ist auch viel mehr daheim, als früher. Aber warum streiten die beiden sich schon wieder? Sie hatten sich doch kleine Flitterwochen gegönnt und kamen glücklich aus dem Urlaub zurück. Warum hat die Mutter immer Heisshunger und ist die Erdnussbutter mit dem Finger direkt aus dem Glas?
Sie merken schon: Einfach wird dies nicht.
Gekonnt frech, witzig nimmt uns die Autorin mit auf die Reise durch die Gefühlswelten der Gadsbys. Dass auch die Grossmuter das Durcheinander nicht lösen kann, ist eh klar. Einigermaßen den Durchblick hat noch Ex-au-pair Zoran, aber der bekommt von jedem seine Sorgen zu hören, nimmt ein „Waisenkind“ auf und verliebt sich im Endspurt des Romanes auch nicht.
Natasha Farrant hat wieder voll in die Trickkiste gefasst, verwickelt ihre Handlungsstränge immer mehr und schafft es dann im letzten Augenblick das Wirrwarr zu entknoten. Diese Mischung aus Tagebucheintragungen und den erzählten Filmsequenzen von Blue (die mit ihrer neuen Kamera immer wieder direkt draufhält) machen diesen Mädchenroman zu einer perfekten Unterhaltung. Dass dann auch noch etwas Ernstes mit verbacken worden ist. Na gut. Muss wohl so sein und ist auch stimmig eingebttet.
Ideale Reinziehlektüre.
Großer Fehler: Das Buch ist viel zu dünn und hat nicht mal 250 Seiten.
Lieber Natasha Farrant: Wir brauchen mehr. Wir warten auf Teil 3.
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Nach dem unglaublichen schönen Fest zum 25jährigen Jubiläum geht es morgen, Dienstag gleich wieder weiter.
Ab 19 Uhr liest Clemens Grote wieder aus vier neuen Büchern, wie an jedem ersten Dienstag im Monat.
Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Mit dabei diesmal:

– Carl Nixon: Rocking Horse Road
– Davide Longo: Der Fall Bramard
– Kristine Bilkau: Die Glücklichen
– Laurie Lee: Cider mit Rosie
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Freitag

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Heute haben
Hans Hellmut Kirst * 1914
Joan Didion * 1934
Alois Brandstetter * 1938
Geburtstag.
Aber auch Fritz Lang, Werner Heisenberg, Walt Disney, Johannes Heesters, José Carreras und Patricia Kaas.
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„Sinn und Form
Heft 6/2014 November/Dezember
Einzelheft € 9,00

Was für eine Fundgrube. So unscheinbar, wie das Heft im 66.Jahr daherkommt. Fast könnte man meinen, essei noch DDR-Papier. Aber der Inhalt hat wieder Zundstoff,  gute Texte, Gedichte, Essays und drei Reden am Ende des Heftes, die sich gewaschen haben. Ein Loblied auf Ann Cotten von Ina Hartwig, deren Buch mit gesammelten Buchkritiken wir im Laden zu stehen haben. Danach noch die Laudatio von Sebastian Kleinschmidt auf den Uwe Johnson Preis für Lutz Seiler und die Dankesrede des Autoren. Unglaublich gut und wahnsinnig erhellend. Für die, die „Kruso“ gelesen haben, ist es ein grandioses Nachwort zu diesem besonderen Buches. Für alle, die die Lektüre noch nicht geschafft, gewagt haben, eine erhellende Einführung in Werk und die Arbeit von Lutz Seiler. Und für uns, die wir im Sommer unseren „Jahrestage-Marathon“ hinter uns gebracht haben, ergeben sich Bezüge und Hinweise von „Kruso“ auf die „Jahrestage“ und von Johnson zurück auf Seiler, dass es eine wahre Freude ist. Man möchte gerade einen Johnson-Seiler-Abend organisieren. (Eigentlich keine schlechte Idee).
Aber neben dem „Ort wo die Toten sind“, so der Titel der Dankesrede, zurück in die Wirklichkeit mit dem Text von Sadakichi Hartmann:Im Land der Düfte„. Genießen Sie die Leseprobe. Den gesamten Text finden Sie auf Seite 750 des aktuellen Heftes.

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Das Beste vom Besten von 2014.
Heute unser Jugendbuchtipp aus dem Ferbuar.
Das Buch habe ich diese Woche in unserer „Ersten Seite“ bei „Bücher im Sekundentakt“ hochgehalten und nachdrücklich gelobt.

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Natasha Farrant: „Die Geschwister Gadsby“
Aus dem Englischen von Annette von der Weppen
Im Original: „After Iris. The Diaries of Bluebell Gadsby“
Carlsen Verlag € 15,90
Jugendbuch ab 12 Jahren

Die englische Familie Gadsby ist etwas anders als andere Familien und sie wird immer verrückter. Die Eltern sind meist ausser Haus. Der Vater verkriecht sich immer mehr und die Mutter reist um die Welt und kommt von einem Stau in New York zum nächsten Jetlag vom Rückflug aus Asien.
Zuhause sitzt Bluebell (genannt Blue) mit ihrer großen Schwester Flora und den kleinen Geschwistern Jasmin und Twig, sich rasant vermehrenden Ratten (Achtung: Geliebte Haustiere!) und dem Aupair-Studenten Zoran, der nebenher an einer großen Arbeit sitzt. Blue ist diejenige, die dieses Chaos erzählt. Dieser Erählstrang wird jedoch immer wieder von Blues Kurzfilmen unterbrochen. Diese sind aufnotiert, wie ein Drehbuch. Durch diesen Kamerasucher blicken wir auf die Familie, die Ereignisse rund um das Haus. Hinter dieser Kamera kann sich Blue verstecken. Sie kann Filme löschen, oder einfach auch mal abschalten. Sie fragen sich nun, was soll das Durcheinander? Warum sind die so? Darauf gibt es zumindest eine Antwort. Vor drei Jahren ist Bluebells Zwillingsschwester tödlich verunglückt und am 24.12. gestorben. Dieses Verlust hat niemand in der Familie überwunden. Blue sieht ihre Schwester immer wieder als Schatten und fühlt sich ohne sie weniger als eine halbe Portion. Das erkennt sie selbst, da sie nie aufbegehrt, den Mund nicht aufmacht und keine Freunde in der Schule hat, obwohl das doch früher ganz anders war. Iris, so heisst die Zwillingsschwester war die kleinere von beiden Zwillingsschwestern, kam aber als erste auf die Welt. Hat sich praktisch vorgedrängelt und kam so schnell, dass die Hebamme sie fast fallen ließ. Auch im Leben war sie immer diejenige, die etwas machte, die organisierte, Geld sammelte für die Armen und unbedingt eine Fuchsfamilie im Stadtwald anschauen wollte. Dabei kam es dann zum tödlichen Unfall. Und diese Iris fehlt nun der ganzen Familie, obwohl es niemand wahrhaben will. Veränderungen ergeben sich, als aus dem Nachbarhaus ein Junge auftaucht, der Schwung in Blues Leben bringt, der sich jedoch auf nichts festlegen will und festlegen lässt. Zoran verzwifelt mittlerweile, die Eltern bleiben immer öfter weg und die Großmutter muss auch noch eingesetzt werden.
Sie denken sicherlich: Was für eine unglaubwürdige, wilde Geschichte. Nein, gar nicht. Es ist zwar sehr turbulent, aber die Autorin Natasha Farrant hält die Fäden locker in den Händen um ganz am Ende, also wirklich ganz am Schluß einen Knoten dran zu binden. Der Schluss ist so liebenswert und schlüssig und schön und gut. Auf so ein Ende haben wir das ganze Buch hindurch gewartet. Und es passiert tatsächlich.
Vielen Dank Frau Farrant für dieses tolle Buch, das neben dem Delly-Buch, das ich vor einen paar Tagen hier auf dem Blog beschrieben habe, zu meinen Lieblingsjugend-büchern dieses Frühjahrs gehören. Beide schreiben über Freundschaft, Verluste, Zuhausesein, Familie und das Größerwerden. Und beide Bücher sind auch für Erwachsene eine lohnenswerte Lektüre.

Dienstag

Heute haben
Carlo Goldoni * 1707
Karl May * 1842
Anthony Burgess * 1917
Erice Pedretti * 1930
George Harrison * 1943
Franz Xaver Kroetz * 1946
Geburtstag
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Und dies hier war mein Sonntagsbuch:

Gadsby

Natasha Farrant: „Die Geschwister Gadsby
Aus dem Englischen von Annette von der Weppen
Im Original: „After Iris. The Diaries of Bluebell Gadsby“
Carlsen Verlag € 15,90
Jugendbuch ab 12 Jahren
Reservieren

Die englische Familie Gadsby ist etwas anders als andere Familien und sie wird immer verrückter. Die Eltern sind meist ausser Haus. Der Vater verkriecht sich immer mehr und die Mutter reist um die Welt und kommt von einem Stau in New York zum nächsten jetlag vom Rückflug aus Asien.
Zuhause sitzt Bluebell (genannt Blue) mit ihrer großen Schwester Flora und kleinen Geschwistern Jasmin und Twig, sich rasant vermehrenden Ratten (Achtung: Geliebte Haustiere!) und dem Aupair-Studenten Zoran, der nebenher an einer großen Arbeit sitzt. Blue ist diejenige, die dieses Chaos erzählt. Dieser Erählstrang wird jedoch immer wieder von Blues Kurzfilmen unterbrochen. Diese sind aufnotiert, wie ein Drehbuch. Durch diesen Kamerasucher blicken wir auf die Familie, die Ereignisse rund um das Haus. Hinter dieser Kamera kann sich Blue verstecken. Sie kann Filme löschen, oder einfach auch mal abschalten. Sie fragen sich nun, was soll das Durcheinander? Warum sind die so? Darauf gibt es zumindest eine Antwort. Vor drei Jahren ist Bluebells Zwillingsschwester tödlich verunglückt und am 24.12. gestorben. Dieses Verlust hat niemand in der Familie überwunden. Blue sieht ihre Schwester immer wieder als Schatten und fühlt sich ohne sie weniger als eine halbe Portion. Das erkennt sie selbst, da sie nie aufbegehrt, den Mund nicht aufmacht und keine Freunde in der Schule hat, obwohl das doch früher ganz anders war. Iris, so heisst die Zwillingsschwester war die kleinere von beiden Zwillings-schwestern, kam aber als erste auf die Welt. Hat sich praktisch vorgedrängelt und kam so schnell, dass die Hebamme sie fast fallen ließ. Auch im Leben war sie immer diejenige, die etwas machte, die organisierte, Geld sammelte für die Armen und unbedingt eine Fuchsfamilie im Stadtwald anschauen wollte. Dabei kam es dann zum tödlichen Unfall. Und diese Iris fehlt nun der ganzen Familie, obwohl es niemand wahrhaben will. Veränderungen ergeben sich, als aus dem Nachbarhaus ein Junge auftaucht, der Schwung in Blues Leben bringt, der sich jedoch auf nichts festlegen will und festlegen lässt. Zoran verzwifelt mittlerweile, die Eltern bleiben immer öfter weg und die Großmutter muss auch noch eingesetzt werden.
Sie denken sicherlich: Was für eine unglaubwürdige, wilde Geschichte. Nein, gar nicht. Es ist zwar sehr turbulent, aber die Autorin Natasha Farrant hält die Fäden locker in den Händen um ganz am Ende, also wirklich ganz am Schluß einen Knoten dran zu binden. Der Schluss ist so liebenswert und schlüssig und schön und gut. Auf so ein Ende haben wir das ganze Buch hindurch gewartet. Und es passiert tatsächlich.
Vielen Dank Frau Farrant für dieses tolle Buch, das neben dem Delly-Buch, das ich vor einen paar Tagen hier auf dem Blog beschrieben habe, zu meinen Lieblingsjugendbüchern dieses Frühjahrs gehören. Beide schreiben über Freundschaft, Verluste, Zuhausesein, Familie und das Größerwerden. Und beide Bücher sind auch für Erwachsene eine lohnenswerte Lektüre.
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Hier noch ein kleiner Nachklapp zu George Harrison. Eine Liveversion von „Something“

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=UKAp-jRUp2o]