Mittwoch, 27.Dezember

Heute haben
Louis Bromfield * 1896
Carl Zuckmayer * 1896
Sebastian Haffner * 1907
Ossip Mandelstam * 1938
Geburtstag
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„Schon im Wort Müßiggang liegt Weisheit, denn echte Muße gibt es nur beim Gehen.“
Carl Zuckmayer
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Unser Buchtipp:

Jarosław Kuisz und Karolina Wigura: „Posttraumatische Souveränität
Ein Essay
Aus dem Englischen von Stephan Gebauer

„[Ein Trauma ist] nicht nur die Geschichte von etwas, das damals geschah, sondern der vorhandene Eindruck des Schmerzes, des Schreckens und der Furcht, die auf Geist, Gehirn und Körper wirkt und bleibende Folgen für die gegenwärtige Sicherung des Überlebens des menschlichen Organismus hat“, zitieren sie den Psychiater und Traumatherapeuten Bessel van der Kolk.

Der polnische Journalist Jaroslaw Kuisz und die polnische Soziologin Karolina Wigura versuchen sich mit dem Bergiff des Traumas der gegenwärtigen Situation in Mittelosteuropa zu nähern.
Warum haben westeuropäische Staaten die Situation um den Angriffkrieges Russlands gegen die Ukraine falsch eingeschätzt? Warum haben sie nicht schon bei der Annexion der Krim und des Donbas ihre Einstellung zu Putins Politik geändert? Die Staaten um Polen, Rumänien, des Baltikums haben sich immer wieder laut gemeldet, stießen aber auf taube Ohren. Erst als der Krieg in Ukraine tobte, kam es u.a. zu Entschuldigungen von Ursula von der Leyen.
Durch das Trauma der wiederkehrenden territorialen Verlustes der mittelosteuropäischen Staaten haben sich diese Länder zusammengeschlossen und früh erkannt, was auf dem Spiel steht. Polen wurde mehrfach überfallen und aufgeteilt. Die baltischen Staaten haben tiefschürfende Erfahrungen mit russischer Besetzung gemacht.
Auch das Thema der Natoosterweiterung erklären die beiden Autoren sehr detailliert. Es waren die neuen unabhängigen Staaten, die händeringend um Beitritte zur Nato gebeten haben, da sie sich, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, der Gefahr einer neuerlichen Einverleibung durch Russland, ausgesetzt gesehen haben.
Ein hochinteressantes, aktuelles Thema, das mit dieser besonderen Herangehensweise sehr viel erklärt, was so nicht in den Nachrichten auftaucht.

Jarosław Kuisz ist Chefredakteur des polnischen Online-Wochenblatts Kultura Liberalna und Assistenzprofessor an der Universität Warschau.

Karolina Wigura ist Vorstandsmitglied der Stiftung Kultura Liberalna und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sonderforschungsbereich Affective Societies, Freie Universität Berlin. Gemeinsam schreiben sie für die Kolumne »Fernsicht« der taz.

Leseprobe

Dienstag

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Heute haben
Dante Gabriel Rossetti * 1828
Eva Demski * 1944
Geburtstag

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Dan Kieran & Tom Hodgkinson: „Das Buch der hundert Vergnügungen“
Illustriert von Stephanie F. Scholz
Aus dem Englischen von Michael Hein
Insel Verlag € 8,99

„Die besten Dinge im Leben sind kostenlos zu haben.“

Tom Hodgkinson hat uns einen heimlichen Best- und Longseller beschert. Sein Buch „Anleitung zum Müßiggang“ ist gleich verkauft, wenn wir einen kleinen Stapel auf den Tisch legen. Irgendwie scheinen wir zuviel zu arbeiten und uns immer mehr Arbeit aufzubürden, damit wir uns den gewünschten Luxus leisten können. Wobei doch die besten Sachen umsonst sind. Das sagt man so leicht, wenn wir von der Werbung zugeballert werden, bis wir nicht mehr wissen, ob es unsere eigene Entscheidung war, das neue Handy unbedingt haben zu müssen. Umso teurer, umso besser. So wird es uns vorgesagt. Wenn wir in das Müßiggang-Buch geschaut und uns den Tagesablauf genauer betrachtet haben, dann merken wir schon, wo der Hund begraben liegt. Und jetzt legen die beiden britischen Müßiggänger nach. Einhundert kostenlose Vergnügungen schlagen sie uns vor. Das wollen wir gleich mal testen.
„Ein Bad nehmen“ heisst der erste Tipp. Gute Idee. Aber das kostet doch heisses Wasser und Badezusatz.
„Das Feuer schüren“. Schon viel besser. Aber sie schlagen dann einen guten Wiskey dazu vor. Also auch nicht ganz umsonst.
„Herumlümmeln“. Ja, das kostet nun wirklich gar nichts. Ausser die Nerven der Zuschauenden. „Lümmel nicht so rum!“. Den Spruch kennen wir sehr gut.
„Blätter fangen“. Das ist gut. Merk ich mir für den Herbst.
„Warten, dass der Tee zieht“. Genauso so soll es sein. Und wenn ich meinen Kaffee aufbrühe und zuerst heisses Wasser durch den Filter lasse, damit der Papiergeschmack weggeht und die Kanne heiss wird. Und wenn ich die frisch gemahlenen Kaffeebohnen kurz mit Wasser aufquellen lasse, bevor ich den Rest nachgieße, dann versteh ich die beiden Briten.
Sie merken schon, wir können die Tipps für uns umdrehen und müssen sie nicht 1:1 umsetzen. Sterngucken, radfahren, Papier falten, sich nass regnen lassen und Luftpolsterfolie platt drücken, lächeln, mit dem Postboten plaudern, sind doch gute Tipps, die wir leicht nachmachen können. „Gedichte lesen“ finde ich hervorragend und einen Brief, statt einer Email schreiben, könnten wir uns wieder angewöhnen. Philosophieren gehört zu unserem Buchhandelsalltag, genauso wie lästern und in guter Gesellschaft sein. Und damit haben wir noch lange nicht die hundert Tipps und Vergnügungen aufgezählt, die uns dieses Taschenbuch anbietet.
Was die beiden Jungs allerdings vergessen haben, ist abspülen. Kostet auch nichts und beruhigt ungemein, wenn die letzten Gäste aus dem Haus sind. Und auch sonst.
Es war mir ein Vergnügen, Ihnen das Buch vorzustellen. Kostet auch nichts. Wenn Sie es allerdings kaufen wollen, dann müssen Sie € 8,99 bezahlen.

Leseprobe

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Morgen abend (Mittwoch, 13.Mai) um 19 Uhr.
Barbara Treu stellt ihr Buch über den Alten Friedhof in Ulm vor.

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Eintritt frei