Dienstag, 27.September


Heute haben
Grazia Deledda * (Nobelpreis 1926)
Franz Hodjak * 1944
Irvine Welsh * 1958
Wolfgang Hermann * 1961
Tanja Kinkel * 1969
____________________________________

Max Dauthendey
Regen

Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.

Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.
______________________________________

Neues aus der Insel-Bücherei:


„Freundinnen“

Ein Lesebuch
Herausgegeben von Marie Bernhard
Illustriert von Annabelle von Sperber
Insel-Bücherei € 14,00


„Wie schade, dass wir uns so spät erst gefunden haben“
Rosa Luxemburg

Ist es nicht schön, eine beste Freundin zu haben, oder zu sein? Oder etwa auch geniale Freundinnen, wie in den Romanen von Elena Ferrante? Freundinnen, die aus ihrem Alltag berichten, von schönen und schrecklichen Momenten schreiben, über ihren Kummer und ihre Sehnsucht. Und Anne Frank denkt sich eine beste Freundin aus.
Marie Bernhard hat aus der Weltliteratur Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Gedichten, Teile von Erzählungen und Romanen zusammengetragen und so finden wir hier u.a. Sappho, Nelly Sachs, Rosa Luxemburg, Isabel Allende, Charlotte Bronte, Sarah Kirsch, Rahel Varnhagen, Elke Heidenreich, Erika Mann, Hanna Arendt, Karoline Günderrode und Alice B.Toklas, die Gertrude Stein ein Plätzchenrezept schickt, das hier abgedruckt ist.
Zusammen mit den herrlichen Illustrationen ist das Buch wieder ein kleines Kunstwerk geworden.


Leseprobe
___________________________________

Unsere nächsten Veranstaltungen:

Freitag, 30.September , 19 Uhr
Ralph Hammerthaler: „Kurzer Roman über Hooligan Til
Eintritt € 8,00

Hooligan Til gibt es wirklich und Ralph Hammerthaler hat über ihn, seine Clique, sein Leben im Privaten und im Stadion einen sehr intensiven Roman geschrieben. Til ist nicht nur ein Großkotz und Wochenendschläger, sondern hat auch seine angenehmen und sympatischen Züge. Dies ist kein Enthüllungsroman, sondern beschreibt sehr angenehm über einen Menschen, der in zwei Welten lebt und nach einer Nacht, nach der im Krankenhaus landet, eine Entscheidung trifft.
___________________________________________

Dienstag, 4.Oktober, 19 Uhr
„Die erste Seite“
Diesmal mit einem Shortlistlesen aus den nominerten Büchern zum Deutschen Buchpreis.
Es liest Clemens Grote
Eintritt frei

Freitag, 19.August

Kräutergarten in Einkaufswagen am Judenhof
______________________________________

Heute haben
Samuel Richardson * 1689
Arnolt Bronnen * 1895
Jerzy Andrzejewski * 1909
Frank McCourt * 1930
Barbara Bronnen * 1938
Geburtstag
_______________________________________

Max Dauthendey
Sommer, der so fröhlich war

Sommer der so fröhlich war,
Er entlässt der Vögel Schaar,
Tausend Stare weiter ziehn,
Tausend Lieder jetzt entfliehn.

Auf der Wiese, die verblüht,
Noch der Himmel einsam glüht,
Wie die Sehnsucht, die nie stirbt
Und um neue Lieder wirbt.

Sitzt das Herz am rechten Fleck,
Fällt’s nicht wie ein Herbstblatt weg.
Wechselt auch der Baum sein Kleid,
Lieb kennt keine Jahreszeit.
______________________________________

Exakt vor einem Jahr auf unserem Blog und jetzt als Taschenbuch:


Alex Schulman: „Die Überlebenden
Aus dem Schwedischen übersetzt von Hanna Granz
dtv Verlag € 13,00

Ein Sommerhaus in Schweden. Hier treffen sich die drei Brüder Benjamin, Pierre und Nils nach Langem wieder zum ersten Mal gemeinsam. Viele Sommer haben Sie hier mit ihren Eltern verbracht. Sommer voller langer Tage, Gemeinsamkeiten und immer wieder der Kampf um die Liebe der Mutter, die abweisend und grob und dann doch wieder voller Zärtlichkeit war. Nach ihrem Tod kehren sie hierher zurück, um ihren letzten Wunsch zu erfüllen, die Asche im See zu verstreuen. Fremd sind sie sich geworden, viel Unausgesprochenes schwebt in der Luft und alte Erinnerungen holen Sie ein. Ein Unfall, der nie richtig aufgeklärt wurde, lässt Benjamin bis heute nicht los. Jeder von ihnen trägt eine andere Erinnerung hiervon mit sich. Dieser Ort, der immer noch so verwunschen und unberührbar von der Außenwelt scheint, wirft sie zurück in die Kindheit. Alles ist so nah, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Leseprobe

Mittwoch, 28.Juli

Heute haben
Beatrix Potter *1866
Malcolm Lowry * 1909
John Asbery * 1927
Remco Campert * 1929
Beat Brechbühl * 1939
Geburtstag
______________________________________

Max Dauthendey
Ein großer Nußbaum

Ein großer Nußbaum stand wie eine grüne Laube,
Ein Weg ging drunter hin im Staube,
Fern lag ein Dorf, ein Fluß mit Berggeländen.
Der große Baum hielt in den grünen Blätterhänden
Landschaften gleich wie farbige Gedanken,
Die bald voll Wolken standen, bald im Licht versanken.
Und Du und ich, wir lehnten in dem Schatten
Und teilten mit dem Baum was wir im Herzen hatten.
_____________________________________

Unser Buchtipp:

Daniela Krien: „Der Brand
Diogenes Verlag € 22,00

Den neuen Roman von Daniela Krien habe ich gestern auf unseren Neuerscheinungstisch gestapelt. Wahrscheinlich rauschen in den nächsten Tagen in allen Zeitungen Besprechungen darüber rein. Mich hat das Buch überrascht, fasziniert und nicht mehr losgelassen.
Der Diogenes Vertreter drückte mir bei seinem Besuch ein Exemplar in die Hand, als es noch nicht erschienen war, und am selben Abend begann ich, aus reiner Neugier, zu lesen. Das, was ich aber dann entdeckte und auch zwischen den Zeilen zu lesen bekommen habe, hat mich sehr beeindruckt.
Daniela Krien versteht es mit ihrer knappen Sprache viel auszudrücken. Sie sagte in einem Interview in der NZZ, dass sie so viel rausstreicht, dass in dem Wenigen was übrigbleibt, alles noch drinsteckt. Bei ihr klappt das. Und wie.
Wieder erzählt sie über die Liebe, über Paarbeziehungen, über das Verhältnis zu den jungen, erwachsenen Kindern, über ein Leben mit einem Partner nach 30 Jahren. Das ist alles nicht einfach für Rahel, die mit ihrer Psychotherapiepraxis extrem gefordert wird. Ihr Mann Peter, hat sich zurückgezogen, bekam schwere Probleme an seiner Universität, da er mit einer Studentin angeeckt ist und sich der Zwischenfall überregional hochschaukelt hat. Ihre Tochter fordert und fordert und der Sohn steckt eine ganze Energie in seine Ausbildung als Gebirgsjäger.
So ist das Angebot von alten Freunden, deren Haus in der Uckermark für drei Wochen zu hüten, bestens geeignet, etwas Ruhe und Ordnung in die Beziehungen zu bringen.
Aber auch gerade dort entdeckt Rahel Neues aus ihrem Leben, was sie nicht vermutet hätte.
Daniele Krien versteht es meisterlich unsere Gefühlswelt, unsere Befindlichkeiten aufzuschreiben. Nebenbei, ganz beiläufig, Klima-Politisches einfließenzulassen, so wie wir es aus unserem Alltag kennen, und zu einem starken Roman zu komponieren.
Im NNZ Interview erklärt sich Vieles, was sie privat empfindet und dann im Buch auftaucht. So zum Beispiel, dass sie nach einer Äusserung von ihr in die Nähe der AfD gerückt wird, obwohl das überhaupt nicht in ihrem Sinn ist und auch der Link dort ins Leere läuft. Aber gerade diese heimlichen Tretminen in unserem Alltag sind es, die Rahel in dem Roman zu schaffen machen.
Lesen Sie das Buch, das sommerlich leicht daherkommt und im Nachklapp viel im Kopf bewegt.

Hier geht es zur Leseprobe.