Samstag

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Heute haben
Lawrence von Arabien * 1888
Charles Bukowski * 1920
Reiner Kunze * 1933
Petra Oelker * 1947
Geburtstag.
Und halt auch Madonna, die mir immer ein knappes halbes Jahr voraus ist.
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Aber jetzt zu ganz anderer Musik:

Jarrett

Keith Jarrett / Charlie Haden: „Last Dance“
ECM CD € 19,99

Keith Jarrett:
„Wenn wir zusammenspielen, dann ist es, wie wenn zwei Menschen miteinander singen“

Charlie Haden:
„Keith hört wirklich hin, und ich höre auch hin. Das ist das Geheimnis. Es geht um das Hören.“

In schöner Regelmäßigkeit erscheinen neue CDs von Keith Jarrett. Wobei neu vielleicht nicht ganz der richtige Ausruck ist. Da tauchen dann schon mal uralte Platten in Neuauflage auf, damit die Freunde des Klavierspielers beruhigt werden können. Mit Charlie Haden, der vor ein paar Monaten verstorben ist (vielleicht auch deshalb diese Veröffentlichung) hat er vor etlichen Jahren das Duo-Album „Jasmine“ aufgenommen. Ruhig, gelassen, ohne schnickschnack und ohne Jarretts Gestöhne an den Tasten, spielten die beiden uralten Partner eigene Kompositionen und natürlich Standards ein. Sie haben nicht viel an der Musik verändert, aber den Stücken ihre eigen Note aufgedrückt. Charlie Haden war ein Bassist, der sehr reduziert und ohne Effekte gespielt hat und das tat dem Tastenvirtuosen sicherlich gut. „Ich habe mein Spiel in meinem Studio hier zu Hause regelrecht entgiftet“, sagte Jarrett, nachdem sie 2007 in seinem Studio diese CD aufgenommen haben. „Ich ließ überflüssige Noten weg und konzentrierte mich aufs Wesentliche.“
Die Einspielungen von „Last Dance“ besteht aus Standards und Liebesliedern. Diesmal interpretieren Jarrett und Haden u.a. Thelonious Monks „Round Midnight“, Kurt Weills „My Ship“, Bud Powells „Dance Of The Infidels“ und Cole Porters „Ev’ry Time We Say Goodbye“, und lassen uns beim Zuhören zurücklehnen und genießen.
Eine CD, die nicht mit Fingerfertigkeiten an den Instrumenten glänzen will, sondern in der Harmonie zwischen den beiden Musikern eine sehr besondere Stimmung erzeugt.
Und halt auch eine Ehrung des großen Bassisten, der nach langer Krankheit nicht mehr am Bass steht. Zumindest nicht auf diesen irdischen Bühnen.

https://www.youtube.com/watch?v=1dZ0Ytf9NBI
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Gestern haben wir Steine geschleppt und vier unserer Fenster mit der Installation des Ulmer Künstlers Thomas Witzke gefüllt. 365 Steine hat Thomas Witzke vor Jahren gesammelt, jeden Stein aufgebrochen und die Bruchstellen mit Blattgold ausgelegt. 365 Steine, für jeden Tag der „Jahrestage“ einen. Einen Teil dieser Steine liegen nun bei uns in der Buchhandlung aus. Ich denke, dass sie hauptsächlich nachts mit der Deckenbeleuchtung strahlen werden, wie wenn sie von innen beleuchtet sind.
Vielen Dank an Thomas Witzke, der uns auch noch drei Porträt von Uwe Johnson zur Verfügung gestellt hat, die schon vor vielen vielen Jahren entstanden sind.

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Marathonlesung aus den „Jahrestagen“ von Uwe Johnson am Donnerstag, den 21.8. ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung. An diesem 21.8. beginnen die „Jahrestage“ und enden ein Jahr später am 20.8.

Freitag

Heute haben
Matthias Claudius * 1740
Walter Scott * 1771
Garry Disher * 1949
Stieg Larsson * 1954
Roger Willemsen * 1955
Ines Pedrosa * 1962
Geburtstag
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Matthias Ckaudius
Die Henne

Es war mal eine Henne fein,
Die legte fleißig Eier;
Und pflegte denn ganz ungemein Wenn sie ein Ei gelegt zu schrein,
Als wär im Hause Feuer.
Ein alter Truthahn in dem Stall,
Der Fait vom Denken machte,
Ward bös darob, und Knall und Fall Trat er zur Henn und sagte:
„Das Schrein, Frau Nachbarin, war eben nicht vonnöten;
Und weil es doch zum Ei nichts tut,
So legt das Ei, und damit gut!
Hört, seid darum gebeten!
Ihr wisset nicht, wie’s durch den Kopf mir geht.“
„Hm!“ sprach die Nachbarin, und tät
Mit einem Fuß vortreten,
„Ihr wißt wohl schön, was heuer
Die Mode mit sich bringt, Ihr ungezognes Vieh!
Erst leg ich meine Eier,
Denn rezensier ich sie.“


Fuchs und Bär

Kam einst ein Fuchs vom Dorfe her,
Früh in der Morgenstunde,
Und trug ein Huhn im Munde;
Und es begegnet‘ ihm ein Bär.
„Ah! guten Morgen, gnäd’ger Herr!
Ich bringe hier ein Huhn für Sie;
Ihr Gnaden promenieren ziemlich früh,
Wo geht die Reise hin?“
„Was heißest du mich gnädig, Vieh!
Wer sagt dir, daß ich’s bin?“
„Sah Dero Zahn, wenn ich es sagen darf,
Und Dero Zahn ist lang und scharf.“
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Kindeerwagen

Rosemarie Stöffel: „Wanderungen mit Kinderwagen“
im Allgäu
J.Berg Verlag € 14,99

Ein weiteres Buch der sehr pfiffigen Reihe, aus der wir schon einmal ein Buch vorgestellt hatten. Ich glaube es war das mit den Touren für Langschläfer in den Allgäuer Alpen.
Es gibt noch: „Das große Familienwanderbuch Allgäu“, „Hits für Kids im Allgäu“, „Mit Kindern ins Allgäu“, „Die schönsten Wanderungen mit Kindern im Allgäu“, „Tagesausflüge im Allgäu“ und viele andere Wander- und Radlführer. Eigentlich gibt es diese Wanderwege schon längst und sind in diversen Führer veröffentlicht, aber sie so nach diesen Themen zusammenzufassen, ist schon ein kluger Gedanke. Wandern ist in. Lange Strecken über Wochen, aber auch die kurzen Ausflüge am Sonntag für ein paar wenige Stunden. Nun haben wir hier um Ulm den Vorteil, dass wir sehr schnell im Allgäu sind und die Touren sehr kurzfristig anpacken können. Etwas Gutes muss es ja geben, in Ulm zu wohnen.
Rosemarie Stöffel, geboren in Memmingen, war schon von Kindesbeinen an mit ihren Eltern in den Bergen unterwegs. Ob auf Skiern, zu Fuß, mit dem Mountainbike oder im Fels – die gelernte Grundschullehrerin hält sich bis heute sehr gerne im Gebirge auf. Seit 2009 sind sie und ihr Mann mit ihrer kleinen Tochter im Voralpenland unterwegs und sammeln auf zahlreichen Touren nützliche Erfahrungen für Ausflüge mit Kind, Kinderwagen und Laufrad. Sie hat dies alles wohl im Blut und das bekommt sie auch gut rüber. Zu Beginn gibt es einführende Worte zu Gehzeiten, Verpflegung, Ausrüstung, Transportmittel und Verghaltensregeln in den Bergen, bevor es auf knapp 100 Seiten zu den 38 besprochene Touren geht. Tourcharakter, Ausgangspunkt, Anfahrt, Gehzeit, Höhenmeter, Laufradtauglichkeit, Orte zum Einkehren, allgemeine Informationen, wie Tourismusbüros werden zu Beginn jeder Tour beschrieben, so dass wir auf einen Blick einschätzen können, ob es etwas für die Kleinen ist. Eine kleine Karte und weitere Tipps in der Nähe runden das Bild ab, bevor es zur leicht verständlichen Tourbeschreibung kommt. So erwähnt die Autorin den gemütlichen Spaziergang am Großen Alpsee entlang, den kurzen Aufstieg zum Ziel, den schönen Rundblick auf der Terrasse der Alpe Schönesgreut und natürlich die großartigen Kuchenstücke, die es dort gibt. Auch wenn es Tiere zum Streicheln gibt, Bademöglichkeiten, oder sonst etwas Besonderes für Kinderwagenkinder, findet es Erwähnung in diesem Tourenbuch.
Von Kempten im Norden bis Obersdorf im Süden, von Oberstaufen bis Füssen im Osten reichen so ungefähr die Wanderungen und decken ein sehr schönes Teil des Allgäus ab, die auch sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind.

Googlemapskarte
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Foto

Es werden immer mehr, die mitlesen wollen beim Jahrestage-Marathon. So können wir vielleicht die 3:30 Stunden nicht halten und lesen halt so lange, bis wir vom Hocker kippen. Ich freue mich riesig und bin wirklich sehr gespannt, wie wir diese Marathonpremiere über die Bühne bekommen.
Donnerstag, 21.8. ab 19 Uhr.
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Mittwoch

Heute haben
Nikolaus Lenau * 1802
Mikael Niemi * 1959
Amélie Nothomb * 1966
Geburtstag.
Aber auch
Karl Liebknecht * 1871
Alfred Hitchcock * 1899
und Fidel Castro * 1926
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Nikolaus Lenau
Der nächtliche Gang

Tieft Nacht; — der stille Vollmond
Hebt sich jenseits von den Auen,
Und die Wellen der Durann
Sind ein Silberstrom zu schauen.

Flüchtig eilen sie vorüber
An den mondbeglänzten Nissen,
Und von rätselhafter Wehmut
Fühlt der Wandrer sich ergriffen;

Denn er hört im ruhelosen,
Immergleichen Wellenschlage
Ewig an die Sterne tönen
Seines Herzens bange Frage:

Ein Verrauschen, ein Verschwinden
Alles Leben! — doch von wannen? —
Doch wohin? — die Sterne schweigen,
Und die Welle rauscht von dannen.

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Wie es der Zufall mal wieder so will.
Ich wollte das untenstehende Buch eigentlich schon vor ein paar Tagen vorstellen, habe es aber auf heute verschoben. Oscar Niemeyer erwähnt darin seine Freundschaft mit Fidel Castro und genau der hat heute Geburtstag.

Niemeyer

Oscar Niemeyer: „Wir müssen die Welt verändern“
Kunstmann Verlag  € 12,95

„Die Architektur ist nur ein Vorwand. Wichtig ist das Leben, wichtig ist der Mensch, dieses merkwürdige Wesen mit Seele und Gefühl, das nach Gerechtigkeit und Schönheit hungert.“
Im Alter von 104 Jahren ist der wohl berühmteste Architekt unserer Zeit im Dezember 2012 gestorben. Oscar Niemeyer spricht in diesem schmalen Bändchen über Freundschaften, die er sehr intensiv pflegte. So zum Beispiel mit dem Autoren Jorge Amada, aber auch mit Fidel Castro und Jean-Paul Sartre. Er spricht somit auch über Politik und Kunst und warum gerade Architektur auch dabei eine wichtige Rolle spielt.
„Jeder muss seinen Teil beitragen, Neues wagen, Ideen in die Welt setzen.“
Er spricht über die ungerechte Verteilung von Geld und Ressourcen. Von falschen Ansätzen in der Politik und möchte dies mit seiner Art der Architektur etwas geradebiegen.

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Daraus ist aber keine Anklage gegen die reichen Staaten der Welt geworden, sondern ein Buch voller Hoffnung, Lebensmut und Leidenschaft.
Oscar Niemeyer ist wahrscheinlich der einzige Architekt, der eine ganze Hauptstadt konzipiert und gebaut hat. Er hat sich genauso an Kirchenbauten, wie auch an Museen herangetraut. Für ihn steht immer der Mensch im Mittelpunkt und diese Einstellung durchzieht das ganze Büchlein.

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Alberto Riva, der Herausgeber des Bandes, hat noch ein ausführliches und erläuterndes  Nachwort hinzugefügt und überschreibt seinen Text mit dem Titel: Der Junge, der in die Luft zeichnete.“ Denn genau das tat Niemeyer als Kind, als er kein Papier und keine Stifte hatte. Dieses leichte Zeichnen ohne Raster und Vorgaben finden wir auch wieder in seinen Skizzen und Entwürfen, von denen einige hier abgebildet sind.

Leseprobe
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Die „Jahrestage“ rücken näher.
Am Donnerstag in einer Woche starten wir um 19 Uhr unsere Marathonlesung.
Das heisst, dass eine stattliche Anzahl von VorleserInnen jeweils einige Seiten von Beginn des Romanes von Uwe Johnson lesen werden. Gedacht ist an eine Endzeit von 3:30 Stunden, sprich ca. 22:30. Ob wir das halten können, oder doch noch etwas länger lesen, …. wer weiss. Lassen Sie sich überraschen, hören Sie zu beim ersten Ulmer Marathon des Jahres 2014, bevor der Laufmarathon einen Monat später über die Straßen geht.
Ort: Kulturbuchhandlung Jastram.
Keine Startgebühr.
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Dienstag

Vorwort und Richtigstellung:
Das geht ja gut los!
Die Geburtstagseinträge von heute sind natürlich die Geburtstage von gestern und vorgestern.
Ich bin wohl mit einem Bein noch im Urlaub.
Also ab morgen dann wieder im Takt. So hoffe ich!
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Nach einer langen Blogpause, geht es heute wieder los. Eigentlich dachte ich, dass ich mich von unterwegs ab und an mal auf dieser Seite melde, habe es dann doch nur geschafft einige Bücherfotos auf unseren Bilderblog jastram.tumblr.com zu stellen. Diese freien Tage waren so ausgefüllt, dass ich kaum zu meiner eigenen Leküre gekommen bin und weit hinter meinem vorgenommenen Lesepensum geblieben bin. Dafür bin ich jetzt Experte in Sachen Lakritzbande. Aber dazu später.
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Heute haben Geburtstag:

Hans Fallada * 1893
Ernest Hemingway * 1899
Mohammed Dib * 1920
Brigitte Reinmann * 1933
Michael Kumpfmüller *1961
Franka Potente * 1974

Gestern hatte Uwe Johnson seinen 80.Geburtstag. Er wurde am 20.7.1934 geboren und starb am 14.2.1984. Aus diesem Grund wollen wir am Donnerstag, den 21.August ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung eine Marathonlesung aus seinem Buch „Jahrestage“ veranstalten. Das heisst, wir wollen in einer guten Marathonzeit von 3:30 von Beginn des Buches lesen und schauen, wie weit wir kommen. Es haben sich schon einige Menschen bereiterklärt, ein 10-Seiten-Stück zu übernehmen. Vielen Dank dafür! Wenn Sie auch Lust haben, mitzumachen – bitte melden.
Wie das dann alles genau ablaufen soll, weiss ich auch noch nicht, da wir so etwas noch nie gemacht haben.
Ich bin gespannt.
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Mein Buchtipp zum Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg, die demnächst beginnen werden:

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Julian Press:Finde den Täter
Die kniffligsten Ratekrimis
Verlag cbj € 10,00

Der Verlag schreibt „ab 10 Jahren“, ich habe es mit meiner 8 jährigen Enkelin gelesen und es hat wunderbar geklappt.

Julian Press hat das „Erbe“ seines Vaters übernommen, der mit den „Abenteuer der Schwarzen Hand“, das es immer noch im Ravensburger Verlag gibt und dem ich schon aufgewachsen bin, der Erfinder dieser Art von Buch war, und führt mit anderen Personen diese  Ratekrimis fort.
Jeder Fall ist auf mehrere Seiten aufgeteillt und besteht aus einem Leseteil auf der linken Seite und einem Bilderrateteil auf der rechten Seite. Der Text endet mit einer Frage, die gelöst werden kann, in dem man auf dem Wimmelbild das Gesuchte findet. Die Lösung gibt es dann auf der nächsten Textseite. Usw usw. Sie werden schnell merken, dass darin ein großes Suchtpotential steckt und gleichzeitig haben die kleinen LeserInnen eine schöne Abwechslung von Lesen, Suchen, Finden. Zum Vorlesen eignen sich diese Bücher ausgezeichnet und uns Erwachsenen hat es immer einen riesigen Spaß gemacht, die versteckten Dinge auf den Bildern zu finden.

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Der hier vorgestellte Band enthält die beiden Einzelbände „Der Fluch des schwarzen Schützen“ und „Geheimbund Rote Koralle“, ist ein schönes Großformat mit 120 Bildern.

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Die Lakritzbande – Wer ist das?
Jeden Tag kamen Philipp, Flo und Carolin auf dem Weg zur Schule am Süßwarengeschäft in der Taubengasse Nr. 23 vorbei, um hier bei Leo ihre Leckereien für die Schulpausen zu kaufen. Auch Kriminalkommissar Lars teilte die Vorliebe für die Lakritzstangen. Außerdem hatten alle eine Vorliebe für die Schnüffelei, für ungelöste Detektivfälle. So beschlossen sie im Lagerraum über Leos Lakritzladen ein Detektivbüro einzurichten. Es war das Taubenatelier im ersten Stock, direkt unter dem ausgebauten Dachboden gelegen.
Und es geht Schlag auf Schlag. Kaum ist ein Fall gelöst, stolpern die drei schon über etwas neues Mysteriöses und lassen uns bei ihren Entdeckungen teilhaben.

Carolin, kurz Caro, ist sportlich ein Ass und sie kombiniert blitzschnell.
Florentin ist der Kleinste von allen. Deshalb wird er Flo genannt.
Philipp beherrscht die Vogellaute. Sein treuester Begleiter ist Coco, der Kakadu.
Dies sind die drei Schüler, die mit den beiden Erwachsenen Leo und Lars die Lakritzbande vervollständigen.

Ein großer Spaß für alle, ein Stück Leseförderung für lesefaule Jungs und Lesefutter für lange Autofahrten. Nur gut, dass Herr Press schon einige Bände veröffentlicht hat.

Hier geht es zu einer Leseprobe.

Freitag

Heute haben
Harry Graf Kessler * 1868
Max Hermann-Neiße * 1886
Pär Lager Lagerkvist * 1891
Annemarie Schwarzenbach * 1908
Dieter Hildebrandt * 1927

http://www.youtube.com/watch?v=dnqKwGetjz4
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Unser heutiger Buchtipp:

Woolf

Virginia Woolf: „Granit und Regenbogen
Essays
Herausgeber: Klaus Reichert
S.Fischer Verlag € 19,99

Solche kluge Sätze und Bemerkungen zur Literatur habe ich selten gelesen. Die Texte sind zwar sehr an den Werken englisch sprachiger AutorInnen angelehnt, trotzdem kennen wir die meisten Romane, Erzählungen, oder Theaterstücke, die Virginia Woolf hier zitiert. Geschrieben hat sie einen Großteil ihres essayistischen Werken für das „Times Literary Supplement“ und für den „New York Tribune“ und sie sind im deutschsprachigen Raum wohl erst noch zu entdecken.
Seit 1989 ist Klaus Reichert der Herausgeber der Werke von Virgina Woolf und mit den beiden Essay-Bänden, die gestern zeitgleich erschienen sind, sind die gesammelten Werke von Virginia Woolf im S.Fischer Verlag nun abgeschlossen.
Aber nicht nur über Literatur geht es in „Granit und Regenbogen“ und dem anderen Band „Das Totenbett des Kapitäns“, sondern auch Kunst und das Leben, Ihr Leben, sind Themen, die sie darin anspricht.

Das erste Oberkapitel heisst „Die Kunst des Romans„, danach kommen
Die schmale Brücke der Kunst
Steunden in einer Bibliothek
Leidenschaftliche Prosa
Das Leben und der Schriftsteller
Die Schauerromanze
Ein schrecklich empfindsames Gemüt
und Phasen der Romankunst mit sechs Unterkapiteln.

Allein diese Titel hören sich interessant an, wenn Virginia Woolf aber dann auf den Unterschied zwischen einem Menschen, der die Gelehrsamkeit liebt und einem, der das Lesen liebt, kommt, dann merken wir, welche Seite sie verteidigt. Und dies so klug und glasklar und mit viel Empathie. Sie zitiert natürlich die englischen „Heiligen“ Jane Austen und die Bronte-Schwestern, in deren Romanen immer gelesen wird. Sie nimmt uns mit in eine große Buchhandlung, die vollgestopft mit Büchern ist. Und genau dieses Wissen, das in den Büchern steckt, ist das, was uns LeserInnen interessiert. Nicht das lexikale Wissen, das Abfragbare. Nein es ist ein anderes sehr persönliche Wissen, das uns dazu bringt, immer mehr Bücher lesen (zu wollen). Sie schreibt über Literatur der Gegenwart (ihrer Gegenwart) und über die Literatur, die schon vor Jahrhunderten geschrieben worden ist. Und wie schwer sich Gegenwartsautoren tun, wo doch alles schon geschrieben worden ist.
Sie merken schon, ich komme von einem zum anderen Thema und das ist es auch, was mir bei dieser Lektüre hängengeblieben ist: eine große Lust aufs Lesen, auf Bücher und alles, was damit zusammenhängt.
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jahrestage

Gerade eben kam von Raimund Fellinger vom Suhrkamp Verlag die Genehmigung, dass wir zu Uwe Johnsons 80.Geburtstag eine Marathonlesung veranstalten dürfen.
Am 20. Juli 1934 wurde er geboren (und starb am 23.Februar 1984) und aus diesem Anlass erzählt Herr Seidel an unserer nächsten „Ersten Seite“ (Di. 3.Juni) neues aus seiner Johnson Forschung und wir wollen am Donnerstag, den 21.August eine „Jahrestage“-Marathonlesung veranstalten. Am 21.August 1967 beginnt der vierteilige Roman von Uwe Johnson und endet am 20.August 1968.
Das heisst für uns: Wir lesen ab 19 Uhr vom Anfang des Romanes an und schauen wie weit wir nach einer akzeptablen Marathonzeit von 3:30 Std. kommen.
Dazu benötigen wir natürlich noch viele MitleserInnen, die bereit sind jeweils eine halbe Stunde zu übernehmen.
So etwas haben wir noch nie versucht und ich bin gespannt, ob wir das alles unter Dach und Fach bekommen. Bitte kommen Sie auf uns zu. Danke.
Also vormerken: Donnerstag, 21.August ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung.
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Montag

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Gesten hatten
Tome Wolfe * 1931
John Irving * 192
Tilman Spengler * 1947
Geburtstag
und heute
Charles Seafield * 1793
Gudrun Pausewang * 1928
Josef Winkler * 1953

Gesine Crespahl wird heute 80 Jahre alt und Uwe Johnson erwähnt es seinen „Jahrestagen“ überhaupt nicht. Der Eintrag vom 3.März 1968 ist ein Brief von D.E., der ihr damit indirekt einen Heiratsantrag macht.

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Ob sie als alte Dame noch am Riverside Drive wohnt, ob sie überhaupt noch lebt?

Dabei fällt mir ein, dass wir um den 21.Agust herum (da beginnen die „Jahrestage“) eine Marathonlesung im Buchladen veranstalten wollen und noch Vorleser suchen, damit wir 3:30 Stunden aus dem Buch lesen können.
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Für einen  guten Start in die Woche:

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Ariadne von Schirach:Du sollst nicht funktionieren
Für eine neue Lebenskunst
Tropen Verlag € 17,95

Attraktiv, jung, dynamisch, erfolgreich sollen wir sein. Die 50jährigen sind die früheren 30jährigen, die Industrie hat den Begriff dafür „Bestager“erfunden. Die Suche nach Glück, Gesundheit und Erfolg schreiben wir uns ganz oben auf die Fahne. Dabei verlieren wir die Lust in vielen Bereichen. Also die wirkliche Lust und nicht den Konsum. Die Lust auf essen, trinken, rauchen, Sex und einiges mehr. Diese Dinge werden verpöhnt, rauchen verboten und wer heute noch Fleisch isst, dem soll man nicht mehr trauen. Dabei vergessen wir, dass unser aller Leben endlich ist, auch wenn sich Mörtel Luger auf dem Wiener Opernball noch 8 Botox-Spritzen gegeben hat. Der Abend war für ein trotzdem ein Desaster. Genau wie das Leben vieler Menschen, die von Termin zu Termin hetzen und die wirklichen wichtigen Dinge des Lebens vergessen haben. Ariadne von Schirach, Publizistin und Philosophin an der Berliner Universität der Künste, hat ihr zweites Buch veröffentlicht und greift dabei weit zurück in die Philsophenkiste. Sie erfindet uns ein Personal aus Stereotypen, die wir auf den Straßen, auf Stehempfängen und hinter den Schreibtischen finden können. Sie gibt ihnen eine Kurzbiografie und versucht uns damit ihr Anliegen näher zu bringen: Wir sollen das Leben wagen, anstatt es zu verwalten. Das Leben an sich ist schon schwer genug und wenn wir nun auch noch den Tod (den sie öfter auf dem Sofa sitzend vorkommenlässt) verdrängen, wir es ganz schwierig. Dazu zitiert sie nicht nur die aktuellen Philosphen und Publizisten wie Byung-Chul Han (der übrigens auch der gleichen Universität unterrichtet) und Rober Pfaller mit seinem Buch „Wofür es sich zu leben lohnt“. Michael Sandel („Was man für Geld nicht kaufen kann“) und Slavoj Zizek sind genauso mit dabei wie Seneca, Epikur, Epitekt, Kant und Adorno. Gut, das ist nun nix besonderes, um die Namen kommt man wohl drumherum, wenn man sich auf dieses Gebiet begibt. Und vieles in dem Buch haben wir auch schon hundert mal gehört, genauso wie die Plattituden, die auf den Parties fallen. Aber erstens ist es gut, sich ein weiteres Mal mit dem Leben auseinanderzusetzen und wenn auch nur ein paar Ansätze neu sind, lohnt sich so eine Lektüre.
Ariadne von Schirach schreibt über „Ein Unbehagen, oder von der Allgegenwart der Märkte und der Frage, was passiert, wenn (das) Leben selbst zur Ware sird“. Wenn wir unser Leben in facebook posten, nichts mehr an unserem Körper schön finden, wenn wir Modemagazine durchblättern, oder wenn uns Stilikonen zeigen, wie es sein soll. Sie geht weiter zu den Hungermädchen, die sich um keinen Preis der Schwere des Leben stellen. Und sie endet im 5.Kapitel mit dem Verschwinden. Es verschwindet die Traurigkeit, die Melancholie und das Bangen und die Angst. Der Tod verschwindet und aus Angst vor ihm, sterben immer mehr Menchen schon zu Lebzeiten und wandeln einbalsamiert durch die Tage. Das Denken verschwindet, weil des die Dinge ordnet, bevor es sie erfasst, Denken ist aktiv, nicht reaktiv. Es verschwindet auch die Spontanität und der Zufall. Das Innehalten und die Stille verschwindet. Die Treue und Loyalität verschwindet. Es bleibt jedoch der Konsum, die Pornografie, das zur Schaustellen, der Markt, der Wettbewerb bleibt. Die gute Laune bleibt, genauso wie Wellness und Gesundheit. Sehnsucht, Hoffnung und Sorge bleibt, die Ausbetung bleibt und die Erschöpfung bleibt.
„In einer lebenswerten Welt leben zu wollen heißt, selbst dafür geradezustehen. Es heißt, wach zu sein, Mitfühlend zu sein und anwesend an hellen und dunklen Tagen. Die Zukunft geht uns was an. Wir sind doch keibe bloßen Zuschauer. Wir sind nicht blöd und wir sind nicht selbstsüchtig. Und vor allem sind wir nicht machtlos.“

Interview im WDR
Leseprobe