Samstag

Gestern war der Welttag der Poesie und ich habe das erst nachmittags von einer Kundin erfahren. Passend und unwissend dazu haben wir einen Tag zuvor ein
Lyrikfenster dekoriert.
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Heute ist es so weit.
Eine Liste der unabhängigen Verlage gab es gestern auf dem Blog.

Sogar das Fernsehen zieht mit:
Sat1 bringt zur besten Sendezeit: „Independence Day“
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Heute haben
Albrecht Goes * 1908
Gabrielle Roy * 1909
Michael Hamburger * 1924
Wolfgang Bächler * 1925
Eveline Hasler * 1933
Erik Orsenna * 1947
Geburtstag
und es ist Goethes Todestag (+ 1832)
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J.W.v.Goethe
Frühling über’s Jahr

Das Beet schon lockert
Sich’s in die Höh‘
Da wanken Glöckchen
So weiß wie Schnee;
Safran entfaltet
Gewaltg’e Glut,
Smaragden keimt es
Und keimt wie Glut.
Primeln stolzieren
So naseweis,
Schalkhafte Veilchen
Versteckt mit Fleiß;
Was auch noch alles
Da regt und webt,
Genug, der Frühling
Er wirkt und lebt.
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Unser Buchtipp bevor Sie für’s Wochenende einkaufen:

Kalman

Michael Pollan: „Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht
als Essen erkannt hätte

Goldene Regeln für gute Ernährung
Mit vielen Illustrationen von Maira Kalman
Aus dem Englischen von Rita Höner
Kunstmann Verlag € 18,00

Essen ist heutzutage zu einer komplizierten Angelegenheit gewordenschreibt Michael Pollan als ersten Satz in seinem Vorwort zur Originalausgabe 2009. Ja das stimmt. Etwas später kam das Buch unter dem deutschen Titel: „64 Grundregeln Essen“ heraus und jetzt neu mit Illustrationen von Maira Kalman. Kalmans Bilder kennen wir von dem genialen Jugendbuch: „43 Gründe, warum es AUS ist“ im Hanser Verlag. Sie hatte in der MoMA eine eigene Ausstellung bekommen und zählt zu den ganz großen Namen im Kunstgeschäft. Aber nun wieder zurück zum Buch, das ich eigentlich schon ganz lange hier vorstellen wollte, weil es einzigartig gut und schön ist. Handlich und informativ sowieso.
Essen Sie nur Lebensmittel, die verderben können. Meiden Sie Nahrungsmittel, für die im Fernsehen geworben wird. Essen Sie Tiere, die selbst gut gegessen haben. Trinken Sie das Spinatwasser mit. Meiden Sie Nahrungsprodukte mit Zutaten, die ein Drittklässler nicht aussprechen kann. Essen Sie möglichst vieles, was wild wächst und lebt. Essen Sie möglichst nicht allein.
Solche Sätze hat Pollan seinen einzelnen Kapiteln vorneweggesetzt und führt uns damit durch seine Sicht für ein gesundes Leben, für eine gesunde Art, sich zu ernähren; auch mit dem Hintergedanken, woher denn unser Essen kommt. Auch das schöne Wort Lebens-Mittel, statt Lebensmittel ist passend für seine Aussagen und er findet insgesamt drei Sätze, die für ihn einen festen Boden unter den Füssen bedeuten.
Essen Sie Lebens-Mittel.
Nicht zu viel.
Und vorwiegend Pflanzen.
Polland ist nun aber keiner dieser Spaßverderber, sondern er liebt das Essen und Trinken. Gerade in gemeinschaft. Und halt gerade nicht allein auf der Straße. Wir können uns einen Blumenstrauß auf den Tisch stellen und schon schmeckt das Essen besser. Und dass ein Essen mit Freunden eh lustiger ist, als allein vor der Glotze, ist jedem klar.
Essen Sie nur Lebensmittel, die verderben können.
Was für ein Satz! Aber vielleicht gar nicht so abwegig, wenn wir schauen, wie lange Essen in Packungen halten können. Somit sind wir natürlich gleich beim nächsten Schritt und genießen den Einkauf auf dem Markt, dem einem oder anderen Schwätzle und lustigem Hinundher.
Polland schreibt auch, dass wir nun nicht alle seine Punkte abhaken sollen. Nein, genau das nicht. Aber Sie können sich von seinen Thesen (die er jeweils in seinen Kapiteln genauer ausführt und wissenschaftklich belegt) inspirieren lassen und vielleicht passt die eine oder andere Regel auch für Sie.
Lieben Sie ihre Gewürze finde ich auch schön und natürlich am Ende: Brechen Sie immer wieder Regeln.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit der Leseprobe, beim Schmökern in der Buchhandlung. Morgen ist Indiebookday und die passende Gelegenheit, sich dieses Buch zu kaufen.

Leseprobe

Michael Pollan, 1955 auf Long Island geboren, ist preisgekrönter Journalist, Aktivist und Autor mehrerer Bücher zum Thema Ernährung, u.a. »Lebens-Mittel« und zuletzt »Das Omnivoren-Dilemma«, auf dem der erfolgreiche Dokumentarfilm »Food Inc.« basiert. Pollan ist einer der Vorreiter der kritischen Auseinandersetzung mit der Nahrungsmittelindustrie und unterrichtet als Professor für Wissenschafts- und Umweltjournalismus an der University of California in Berkeley. Mehr auf www.michaelpollan.com

Maira Kalman, 1949 in Tel Aviv geboren und mit vier Jahren nach New York übersiedelt, ist eine der bekanntesten und besten Illustratorinnen Amerikas. Sie ist Autorin und Illustratorin zahlreicher Bücher für Kinder und Erwachsene. Mehr auf www.mairakalman.com

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=qaqhKYdhSu8]

Freitag

Heute haben
Alfred Lichtenstein * 1889
Arthur Adamov
und Ephraim Kishon * 1924
Geburtstag.

Alfred Lichtenstein wurde leider nicht sehr alt und starb im Ersten Weltkrieg 1914.
Hinterlassen hat er viele expressionistische Gedichte, aber auch folgendes:

Bin gerad nicht blöd

Bin gerad’ nicht blöd, bin gerad’ nicht hell
Ich bin ein lustiger Gesell
Und trinke Wasser, trinke Wein
Und lasse fünfe gerade sein.
Erst stopf ich mir mein Pfeifchen
Dann pfeif ich mir ein Lied
Vormittag’s hab’ ich Hunger
Nachmittags Appetit.

Ich wandre durch die weite Welt
Die mir ausnehmend gut gefällt
Und schlaf im Bette, schlaf im Stroh
Denn sterben tut sich’s so wie so.
Erst stopf ich mir mein Pfeifchen
Dann pfeif ich mir ein Lied
Und hab’ ich gerade nicht Hunger
Dann hab ich Appetit

Kommt geradewegs ein Dirndl her
Trägt einen Korb mit Äpfeln schwer
Ihr Fuß ist nackt, ihr Kleid ist rauh
Doch ist ihr Auge treu und blau
Erst stopf ich mir mein Pfeifchen
Dann pfeif ich mir ein Lied
Auf die Äpfel hab ich Hunger
Auf das Dirndl Appetit
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Umso mehr ich mich im Netz umgeschaut habe, destomehr musste ich schmunzeln und lachen. Daniel Handler ist wirklich nicht auf den Mund gefallen. Im Theater würde man sagen, er sei ne Rampensau. Er weiss sich zu präsentieren und der Erfolg vonEine Reihe betrüblicher Ereignisse, das er unter seinem Pseudonym Lemony Snicket geschrieben hat, gibt ihm mehr als Recht. Hier nun sein neues Buch, in dem es jede Menge Illustrationen gibt, die wirklich nicht nur als Beiwerk zu betrachten sind.
Bitte klicken Sie sich durch die Links durch. Gerade seine Interviews in Grand Central, oder das Loblied auf Bibliotheken sind sehr prima.

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Daniel Handler:43 Gründe, warum es aus ist
Mit Illustrationen von Maira Kalman
Übersetzt aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
Hanser Verlag € 18,90
als eBook € 14,99
Das amerikanische Original „Why We Broke Up kostet € 12,99

Daniel Handler interviewt Menschen in der New Yorker Grand Central Station, die sich auch getrennt haben.
Daniel Handler und Maira Kalman reden über ihr Buch.
Und hier singen sie sogar noch ein Loblied auf Bibliotheken.
Maira Kalman redet in der MOMA über ihre Kunst.
Hier kommen Sie auf die „Whywebrokeupproject“-Seite und können Ihre Trennung(en) in zwei Sätzen formulieren. Gleichzeitig gibt es noch viele Infos zum Buch und zu den Illustrationen.

Min, eigentlich Minerva, die römische Göttin, die … (so erklärt sie jedem Fremden ihren Namen) und Ed treffen aufeinander. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein und auch der Freundeskreis ist sehr erstaunt, als sie anfangen sich zu „daten“. Min lebt praktisch in der Welt alter Filme, zitiert zu jeder Situation den passenden Film; Ed, der Co-Kapitän der Basketballmannschaft steht eher auf einfache Rockmusik und witzige Filme. Aber eigentlich gibt es ausser Basketball und Herumhängen nicht viel in seinem Leben. Ach ja: Ausser dass halt alle Mädels scharf auf ihn sind. Aber nun sind die beiden ein Paar geworden. Oder vielmehr: Sie waren ein Paar. Min packt ihm nämlich eine Kiste, in die sie 43 Gegenstände packt, die mit ihren Beziehung zutun haben/haben. Chronologisch erkärt sie uns nun was es mit deinen Sachen auf sich hat. Eine Kinoeintrittskarte, ein Spielzeugauto, ein Stück eines Posters, Ohrringe, ein Zuckerstreuer, bis hin zu einer Kondompackung. Aus Mins Sicht bekommen wir nun mit, warum die Beziehung in die Brüche ging (Why we borke up). Sehr witzig und frech (so ist Daniel Handler im wahren Leben wohl auch) erfahren wir nun die ganze, wahre Geschichte von Anfang bis zum Schluss, wobei es eh nur ein paar Wochen/Monate waren. Aber: Ist es wirklich die ganze Wahrheit? War es denn wirklich so? Das überlasse ich Ihnen als Leser und Leserin. Denn, wir lesen ja nur das, was Min erzählt und irgendwie ist sie doch auch schon sehr speziell und eigen. Vielleicht hat sie sich die eine und andere Situation auch passend zurechtgebogen. Handler meint dazu, dass sich Ed als zweiter Erzähler nicht geeignet hätte, da seine Äußerungen zu Min, ihrer Beziehung und dessen Ende wohl auf einen Bierdeckel gepasst hätte. Nicht so bei Min: es sprudelt nur so aus ihr heraus. Handler hat hier ein großes Stück Jugendliteratur erzählt. Diese wenigen Wochen der beiden Teenager sind so detailgenau nachvollziehbar und wenn wir uns etwas zurücklehnen, fallen uns sicherlich auch ganz ähnliche Situationen aus unserer Vergangenheit ein. Ach ja: Handler hat ein Blog eingerichtet, auf dem Sie in zwei Sätzen Ihre Trennungssituation aufnotieren können/sollen. Da sind sehr besondere Einträge zu finden.
Ich wünsche diesem Buch sehr viel Erfolg und noch mehr Leser und Leserinnen.