Mittwoch 13.Juli


Heute haben
Gustav Freytag * 1816
Isaak Babel * 1894
Georg Hensel *1923
Wole Soyinka * 1934
Helga Königsdorf * 1938
Milena Moser * 1963
Geburtstag
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„Wo ein großes Gefühl das Herz erschüttert und den Menschen vorwärts treiben möchte, wirft die Erde ihren Schmutz daran, und das Schöne verkümmert, und alles Große wird lächerlich gemacht.
Gustav Freytag
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Susanne Link empfiehlt:


Femi Kayode: „Light Seekers
btb € 16,00

Dr.Philip Taiwo ist aus den USA, wo er den größten Teil seines Erwachsenenlebens verbracht hat, mit seiner Familie, auf Wunsch seiner Frau, in sein Heimatland Nigeria zurückgekehrt.
Er arbeitet als investigativer Psychologe und ist Gastdozent an der Polizei Akademie in Lagos.
Sein 1.Fall führt ihn nach Port Harcourt, um den Lynchmord an drei Studenten aufzuklären.
Spannend und informativ. Die 460 Seiten habe ich richtig gerne gelesen und freue mich auf den 2.Teil.
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Hardy in London

Herzliches Dankeschön an Hannah und Greg und Söhnchen Jonah. Dort durfte ich 2 Tage mich wie zuhause fühlen.
Gestern tatsächlich dann nicht Fahrrad gefahren, dafür viel viel gelaufen und London auf mich wirken lassen. Eine mehr als beeindruckende Stadt mit dermaßen vielen Sehenswürdigkeiten. Man könnte Wochen hier zubringen und hätte doch nicht alles wirklich gesehen. Mein Aufenthalt gleicht mehr einem kleinen Streifzug.
Heute Abend dann das Spiel gegen die Spanierinnen. Ich freu mich drauf.

Und noch einen tollen Fußballabend durfte ich in Brentford erleben und war danach echt platt, denn auch ich hab, wie unsere tollen Spielerinne, wirklich alles gegeben im Stadion.
Davor gab es noch einiges an Programm: Greenwich Park und die Museen in Kensington hab ich besucht, wobei ich nur im Skulpturen Museum drin war, da die anderen hoffnungslos überlaufen waren.
Jetzt bin ich in drei Tagen tatsächlich über 110 km durch London geradelt. Komplett verrückt. Und ich kann sagen, es gibt auch in London eine Fahrradspur inmitten allem Trubel und ich hab mich zumindest sicher im Großstadtverkehr gefühlt.
Heut Nacht schlaf ich wieder im Zelt hinterm Hotel vom DFB und morgen mach ich mich dann langsam auf den Weg Richtung Kent und Küste. Ich will nochmal baden im Meer, um danach zur Fähre in Dover weiterzustrampeln, mit der Hoffnung, daß die Felge hält.

Samstag, 9.Juli


Heute haben
Ann Radcliffe * 1764
Johanna Schopenhauer * 1766
Gerhart Pohl * 1902
Hermann Burger * 1942
Amélie Nothomb * 1966
Geburtstag
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Wahre Worte sind nicht schön.
Schöne Worte sind nicht wahr.
Laotse
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Unser Kinderbuchtipp:


Benjamin Gottwald: „Spinne spielt Klavier
Geräusche zum Mitmachen
Carlsen Verlag € 18,00

Ich dachte zuerst, dass das wieder ein Buch mit Geräuschen innen drin ist. So eines mit Chip. Dann aber die große Überraschung. Das dicke Buch mit 160 knallbunten Bildern animiert zum Geräusche machen, die zu der jeweiligen Illustration passt. Großartig. Ich stelle mir gerade vor, wie es in einer kleiner Kita-Gruppe zugeht, wenn die Kinder den brüllenden Löwen sehen, oder die Waschmaschine im Schleudergang, oder die Fußballerin, die den Ball ins linke obere Eck knallt. Oder die Seite mit dem Kuss und die mit dem Pups. Usw, usw…
Ein herrlicher Spaß, hauptsächlich wenn es dann so richtig laut zugeht.

Ausgezeichnet mit dem Hamburger Bilderbuchpreis.

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Hardy on Tour


Tag 43
48 km von Hertford zum Community Stadion Brentford

Da hab ich mich so auf die letzte Etappe zum Stadion gefreut und mich mit Deutschland Trikot und Fahne auch dementsprechend ausgestattet und dann bricht mir ne Speiche und ein paar Kilometer weiter wieder dieses markerschütternde Geräusch und die zweite Speiche war hinüber. Tja, zum Glück hab ich es bis zu John’s Cycle Laden geschafft und der gute Kerl hat sich dann echt viel Zeit genommen und hat mein Hinterrad wieder komplett gerichtet und auch versucht die Spannung der Speichen auszutrarieren.
Danke John !!!!
Dann gut 20 km durch Vororte von London, auch nicht wirklich ein Vergnügen und schließlich stand ich nach gut 5000 geradelten Kilometern tatsächlich vorm Stadion in Brentford. Mitten drin in diesem Stadtteil von London und von außen gar nicht auf den ersten Blick wahrzunehmen.
WOW-Gefühl und Freude in mir.
Es folgten Begegnungen mit zahlreichen Fans rund um’s Stadion und beim bierseligen Treffpunkt vom DFB Fan Club beim Gunnersbury Pub. Klasse !!!
Und doch nichts im Vergleich zu dem tollen Fußballfest unserer Mädels in ihrem Auftaktspiel, Das hat richtig Laune gemacht, nicht nur wegen des Ergebnisses.
Danke für diesen tollen Tag!!!!
Mein Zelt schlag ich jetzt in einem verwaisten Park in unmittelbarer Nähe zum Hilton Hotel auf. Dort übernachten unsere Nationalspielerinnen und zudem finden dort (angeblich meist indische) Hochzeiten statt und ich hab noch ordentlich Musikbeschallung.

Freitag, 8.Juli

Heute haben
Jean de la Fontaine * 1621
Walter Hasenclever * 1890
Josef Hora * 1891
Richard Aldington * 1892
Shirley Ann Grau * 1929
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„Bei Regierungs- und Versicherungsgebäuden ist bereits das Hauptportal eine Hintertür.“
Walter Hasenclever
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Sehrij Zhadan: „Laufen ohne anzuhalten
Aus dem Ukrainischen von Sabine Stöhr
Haymon Verlag, broschierte, fadengeheftete Ausgaben € 16,90

Der diesjährige Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zeigt in dieser schmalen Erzählung aus dem Jahre 2016 eines seiner Hauptthemen in einer konzentrierter Form und ließ mich lange rätseln, auf was die Geschichte hinausläuft.
Ja, laufen, das war der eigentliche Grund, warum ich zu diesem Titel griff. Und der junge Mann in der Erzählung beginnt auch nach Zeit wieder mit Laufen. Früher war er schnell und lief locker längere Strecken. Jetzt, Jahre und vielen Zigaretten später, brennt ihm die Lunge.
Er besucht seinen Vater, seinen Patenonkel, seine strenge Lehrerin, zu denen er früher aufgeschaut, sich vor ihnen gefürchtet hat. Jetzt sind es alte Menschen. Vergesslich, verwahrlost, stumm und zurückgezogen in ihren sehr einfachen Wohnungen. Er läuft einer jungen Frau über den Weg, der er die Einkäufe heimträgt und die sich als seine Ex-Frau herausstellt. Sie beginnt zu weinen und verflucht ihn und die anderen jungen Männer und wirft ihn aus der Wohnung. Ihm selbst bleibt nicht mehr viel Zeit, um zu seinem Treffpunkt zu kommen. Dort erschließt sich dann, warum er noch einmal heimgekommen ist, aber keine Heimat mehr gefunden hat.
Obwohl diese Geschichte einige Jahre alt ist, trägt sie den aktuellen Brennstoff in sich.
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Hardy on Tour
Tag 42

Überall gibt es sehr gepflegete öffentliche Toiletten

85 km Hertford nach Huntington

Heute gibt es gar nicht groß etwas zu berichten und auch kaum Fotos. Seit dem frühen Nachmittag bin ich jetzt 40 km von London Mitte und 50 km vom Stadion in Brentford entfernt auf einem Campingplatz. Hier jetzt nochmal Wäsche waschen und das ein und andere vorbereiten für das „Abenteuer“ 5 Tage London.
Ich freue mich sehr auf das Fußballspiel morgen Abend und bin gespannt wie ich in London mit dem Fahrrad so klar komme.
Über die Fahrradplattform „warmshowers“ hab ich ab Montag für 3 Nächte eine Bleibe gefunden. Um die Nächte davor muß ich mich morgen dann noch kümmern.

Freitag, 12.April

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Heute haben
Alexander Ostrowski * 1823
Gustav Lübbe * 1918
Tom Clancy * 1947
Antje Ravic Strobel * 1974
Geburtstag
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Ostergeschichten von Silvia Trummer

Gelb ist die Farbe der Saison, sagt die Verkäuferin in der Modeabteilung, die Leute hätten in diesem kalten Frühling ein Bedürfnis danach, obwohl es nicht allen stehe.
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Susanne Link empfiehlt:

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Andreas Schlüter: „City Crime – Der Lord von London“
Tulipan Verlag € 12,00
Jugendbuch ab 10 Jahren

Nachdem die Geschwister Finn und Joanna schon in Florenz, Prag, Berlin, Paris
und Stockholm „ermittelt“ haben, sind sie nun mit ihrer Mutter in London
gelandet – auf dem Kinderfest der Queen, im Garten des Buckingham Palastes.
Und genau dort spricht sie ein entfernter Verwandter der Königsfamilie an
und bittet um Mithilfe bei der Aufklärung des legendären Postraubes.

Ziemlich spannend und mit großartiger Landeskunde erzählt Andreas Schlüter
für Jungs und Mädchen ab 10 Jahren.
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In den nächsten Wochen gibt des Anke Raums Hühner.
Jeden Sonntag unter dieser Adresse.
Viel Vergnügen.

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Am kommenden Mittwoch ist das Theater Ulm wieder Gast bei uns.

Wort-ReichDie Lesereihe: Sagenhaftes und Gespenstisches
Mittwoch, 17. April 2019, 19 Uhr, Kulturbuchhandlung Jastram, Eintritt: € 8,00

Als sich die Menschen noch untereinander durch Erzählen unterhielten, waren Legenden und Sagen beliebter abendlicher Gruselstoff. So verbreiteten sich diese Geschichten über Ländergrenzen hinweg, unter anderem auch die von jenem mit einem Fluch belegten Seefahrer, der nur durch die Liebe einer Frau erlöst werden kann. Richard Wagner vertonte die Sage vom Fliegenden Holländer in seiner gleichnamigen Oper – die Neuinszenierung am Theater, aber auch der aktuelle Ballettabend „Das kalte Herz“ sind Anlass für „Wort-Reich“, eine literarische Reise in die Fabelwelt der übernatürlichen Wesen und seltsamen Erscheinungen zu unternehmen. Gewidmet haben sich dieser faszinierenden Sphäre ja nicht nur dubiose Groschenheft-Schreiber, sondern stets auch Dichter von Rang. Aus der Fülle an unheimlichen Geschichten der Literaturgeschichte stellen Ihnen die Schauspieler Stephan Clemens und Nicola Schubert gemeinsam mit Chefdramaturg Dr.Christian Katzschmann Werke aus alter oder jüngerer Vergangenheit vor: ein Lektüre-Abend mit Gänsehaut-Charakter, aber auch Heiterkeit, musikalisch begleitet vom Oboisten Felix Goldbeck.
Karten gibt es direkt in der Buchhandlung.

Samstag, 14.Januar

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Heute haben
John Dos Passos * 1896
Anatoli Rybakow * 1911
Rudolf Hagelstange * 1912
Yukio Mishima * 1925
Marek Hlasko * 1934
Andreas Steinhöfel * 1962
Geburtstag
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Zadie Smith:London NW
Aus dem Englischen von Tanja Handels
Goldmann Taschenbuch € 9,99

Als das Buch im Original herauskam, hat es die New York Times zu einem der zehn besten Romane des Jahres 2013 gewählt und jetzt ist es als Taschenbuch erschienen.

London NW ist der Nordwesten der Metropole, weit weg der Touristenströme, weit weg von dem, was wir in den Reisefüher finden und sicher nicht die Gegend, in der wir uns als Urlauber aufhalten wollen. Es ist Caldwell, ein Stadtteil mit allen Nationen der Welt, versammelt in Sozialwohnungen und Hochhaussiedlungen, so wir es aus vielen anderen Grossstädten kennen. Schreibt Jagoda Marinic u.a. über den Wedding in Berlin im Winter mit all seiner Kälte, so ist es hier in diesem Multikulti-Stadtteil Sommer. Die Hitze ist groß und die Verzweiflung der Personen nicht weniger klein. Dabei hat der Roman eine sehr komische, witzige Seite, die Zadie Smith sehr gut mit dem Tragischen verbindet.
Vier Personen, zwei Pärchen stehen im Mittelpunkt. Leah, Natalie, Felix und Nathan. Alle vier sind in dieser Gegend aufgewachsen und haben gehofft diesen (auch gefährlichen) Stadtteil zu verlassen. Aber nur Natalie scheint als Anwältin die Einzige zu sein, die es wirklich geschafft hat. Auf ihren Dinnerpartys treffen sich viel hohle Leute, mit denen Leah und Michel nichts anfangen können. Leah und Natalie (die diesen Namen angenommen hat und eigentlich Keisha heisst) sind seit ewigen Zeiten Freundinnen. Und wenn Leah viel in Club herumgehangen ist und auch Drogen nahm, war Natalie zielstrebig, fast erfolgssüchtig. Sie hat mittlerweile eine Familie mit zwei Kindern und wohnt in einem vikorianische Häuschen. Leah hingegen arbeitet als einzige Weiße in einem Büro und ihr Mann versucht vergeblich ein Kind mit ihr zu machen. Was jedoch nicht klappen kann, da sie heimlich die Pille nimmt. Sie merken schon, da brodelt es. Als ganz zu Beginn des Romans eine Fremde an der Tür von Leah klingelt und sie um Geld bittet, eskalieren die Ereignisse und die vier Personen geraten aus ihren abgefahren Wegen.
Und Zadie Smith dreht die Schraube noch weiter. Ihr Sprachstil ist komprimiert und aufs Nötigste verkürzt. Hier gibt es keine ausschweifenden Beschreibungen und lange Schachtelsätze. Smith hat gestrichen und somit den Szenen eine sehr genaue Wirklichkeit verpasst. Sie springt von einem zum anderen Kapitel. Von einer Zeit zu einer anderen. Nur als sie die Geschichte von Natalie/Keisha erzählt, sind alle Abschnitte durchnummeriert. Von 1 bis 185. Das könnte das Spiegelbild ihrer geplanten Karriere sein. Aber was bleibt, ist auch eine große Leere und der Neid auf die anderen. Zadie Smiths Hauptpersonen sind die beiden Frauen. Es sind ihre Lebenswege, die sie interessiert und an die sich mit ihrer Sprache annähert.
London NW„, das im Englischen nur „NW“ heisst, besticht durch seine Sprache, durch seinen eigenwilligen Stil und seine Mischung aus Komödie und Tragodie. Smith hat diesem Stadtteil, in dem sie selbst aufgewachsen ist, einen Roman gewidmet und es lohnt sich sehr, ihn zu lesen.

Leseprobe

1. Dienstag im Monat = 1.Seite

Heute haben
Francis Jammes * 1868
Marion Gräfin Dönhoff * 1909
Botho Strauß * 1944
T.C.Boyle * 1948
Doron Rabinovici * 1961
Geburtstag.
Aber auch Maria Callas.
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Denis Scheck interviewt T.C. Boyle

https://www.youtube.com/watch?v=3NXU7YhaTrM
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Das Beste vom Besten aus dem Januar 2014:

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Zadie Smith:London NW
Aus dem Englischen von Tanja Handels
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 19,99
Auch als eBook erhältlich.

Was natürlich schön zusammenpasst: der heute angekündigte Vertreter kommt vom selben Verlag. Bin mal gespannt, was er zu diesem Buch zu berichten hat.
Die New York Times hat es zu einem der zehn besten Romane des Jahres 2013 gewählt. Das ist ja auch ein Wort.

London NW ist der Nordwesten der Metropole, weit weg der Touristenströme, weit weg von dem, was wir in den Reisefüher finden und sicher nicht die Gegend, in der wir uns als Urlauber aufhalten wollen. Es ist Caldwell, ein Stadtteil mit allen Nationen der Welt, versammelt in Sozialwohnungen und Hochhaussiedlungen, so wir es aus vielen anderen Grossstädten kennen. Schreibt Jagoda Marinic u.a. über den Wedding in Berlin im Winter mit all seiner Kälte, so ist es hier in diesem multikulti Stadtteil Sommer. Die Hitze ist gross und die Verzweiflung der Personen nicht weniger klein. Dabei hat der Roman eine sehr komische, witzige Seite, die Zadie Smith sehr gut mit dem Tragischen verbindet.
Vier Personen, zwei Pärchen stehen im Mittelpunkt. Leah, Natalie, Felix und Nathan stehen im Mittelpunkt. Alle vier sind in dieser Gegend aufgewachsen und haben gehofft diesen (auch gefährlichen) Stadtteil zu verlassen. Aber nur Natalie scheint als Anwältin die Einzige zu sein, die es wirklich geschafft hat. Auf ihren Dinnerpartys treffen sich viel hohle Leute, mit denen Leah und Michel nichts anfangen können. Leah und Natalie (die diesen Namen angenommen hat und eigentlich Keisha heisst) sind seit ewigen Zeiten Freundinnen. Und wenn Leah viel in Club herumgehangen ist und auch Drogen nahm, war Natalie zielstrebig, fast erfolgssüchtig. Sie hat mittlerweile eine Familie mit zwei Kindern und wohnt in einem vikorianische Häuschen. Leah hingegen arbeitet als einzige Weisse in einem Büro und ihr Mann versucht vergeblich ein Kind mit ihr zu machen. Was jedoch nicht klappen kann, da sie heimlich die Pille nimmt. Sie merken schon, da passiert etwas. Als ganz zu Beginn des Romans eine Fremde an der Tür von Leah klingelt und sie um Geld bittet, eskalieren die Ereignisse und die vier Personen geraten aus ihren abgefahren Wegen.
Und Zadie Smith dreht die Schraube noch weiter. Ihr Sprachstil ist komprimiert und aufs Nötigste verkürzt. Hier gibt es keine ausschweifenden Beschreibungen und lange Schachtelsätze. Smith hat gestrichen und somit den Szene eine sehr genaue Wirklichkeit verpasst. Sie springt von einem zum anderen Kapitel. Von einer Zeit zu einer anderen. Nur als sie die Geschichte von Natalie/Keisha erzählt, sind alle Abschnitte durchnummeriert. Von 1 bis 185. Das könnte das Spiegelbild ihrer geplanten Karriere sein. Aber was bleibt, ist auch eine große Leere und der Neid auf die anderen. Zadie Smiths Hauptpersonen sind die beiden Frauen. Es sind ihre Lebenswege, die sie interessiert und an die sich mit ihrer Sprache annähert. Die Männer gehören dazu, sind aber fast Beiwerk.
London NW, das im Englischen nur NW heisst, besticht durch seine Sprache, durch seinen eigenwilligen Stil und seine Mischung aus Komödie und Tragodie. Smith hat diesem Stadtteil, in dem sie selbst aufgewachsen ist, einen Roman gewidmet und es lohnt sich sehr, ihn zu lesen.
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Werner Färbers Ungereimtheiten der Woche
UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (aus der Tierwelt …):
 
KRÖTE UND FROSCH CCLCXXII

Am Rand des Teichs sitzt eine Kröte

und spielt dort – nicht wirklich leise –
auf ihrer neuen Schilfrohrflöte
eine schräg klingende Weise.
 
D’rauf empört sich durchaus heftig
der im Teich lebende Frosch.
Als er sie beschimpft recht deftig,
ruft die Kröte: „Halt deine Gosch!“
 
Wenn man von solchen Dingen hört,
bei manch einem die Frage keimt:
„Weshalb fühl’n sich die zwei gestört?“
Womöglich nur, weil es sich reimt?
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UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (Traumberufe und Leidenschaften):
DER DACHDECKER
 
Der Dachdecker erklettert forsch
ein Dach, welches schon reichlich alt,
um nachzusehen, ob es morsch.
Plötzlich verliert er seinen Halt.
 
Auf dem Bauche, Kopf voran,
flott rutschend am Kamin vorbei,
stellt fest der pflichtbewusste Mann:
Das alte Dach ist einwandfrei!
 
Um den Absturz zu verhindern,
greift er nach der Regenrinne
und kann so sein Tempo mindern.
Kurzfristig hält die Schwerkraft inne.
 
Im Gegensatz zum Dache ist
die Regentraufe höchst marod.
Doch weil vorm Bauernhaus liegt Mist,
entgeht der Dachdecker dem Tod.

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Heute abend gibt es eine neue und letzte „Erste Seite“ in diesem Jahr.
Im Januar dann unsere obligatorische „Erste Seiten“- Pause.
Dafür liest die in Ulm geborene Autorin Verena Güntner am Freitag, 16.Januar um 19 Uhr aus ihrem aktuellen Roman: „Es bringen“, der im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.
Sie gelangte mit einem Auszug aus dem Buch bis in die Finalrunde des OpenMike Wettbewerbes, belegte den dritten Platz beim MDR Literaturpreis und erhielt den Kelag-Preis beim Ingeborg Bachmann Wettbewerb.
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Freitag

Heute haben
Friedrich Rückert * 1788
Jakob van Hoddis * 1887
Juan Rulfo * 1918
Achim Bröger * 1944
und James Bond-Darsteller Pierce Brosnan * 1952
Geburtstag
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Jakob van Hoddis
Andante

Auf blühen Papierwiesen
Leuchtend und grün
Da stehen drei Kühe
Und singen kühn:

„O Wälder, o Wolken
O farbige Winde
Wir werden gemolken
Geschwinde, geschwinde …

In goldene Eimer
Fließt unser Saft
In farbige Reimer
Ergießt unsere Kraft

Wir stehen hier, im Chor beisammen,
Auf knotigem Beine
Und die Kräfte der Erde sind
gesammelt zu frohem Vereine.“

Sie bocken bei Tag und sie trillern bei Nacht.
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Nach ein paar extrem gefüllten Tagen in London, hat mich der Alltag wieder.
Die Verlage dtv und Hanser haben 30 BuchhändlerInnen nach London eingeladen und sich nicht lumpen lassen.
Michael Köhlmeier las aus seinem neuen Roman über die Freundschaft zwischen Churchill und Chaplin vor und plauderte mit Autoren Philipp Blom („Der taumelnde Kontinent“) über den Umgang mit Wahrheit und Phantasie bei einem Roman- und einem Sachbuchautoren. Der Shakespeare-Übersetzer Frank Günther zündete im Vortragsraum des Globe Theatre ein Feuerwerk ab und legte die Problematik des Übersetzens dar. Nach seinem extrem witzigen Vortrag und donnerndem Applaus ging es dann ins Theaters. Anhand einer kleinen Führung bekamen wir Einblick die den Bau und das Theaterspielen der damaligen Zeit. Gleichzeitig wurden Kulissen aufgebaut für eine Neuinszinierung, die einen Tag später Premiere hatte. In der nahe gelegenen Tate Modern gab es Mittagessen und die Möglichkeit das Museum zu erkunden. U.a. auch die großartige Ausstellung der Cut-Outs von Henri Matisse. Aber noch nicht genug. Nachmittags interviewte der Feuilleton-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in London den Autoren Matt Haig, der gerade bei dtv seinen neuen Roman „Ich und die Menschen“ herausgebracht hat. Am nächsten Tag im Goethe Institut: Der leitende Redakteur im Kunstressort der FAZ, Niklas Maak, hielt einen Vortrag über das Leben in der Zukunft (und in der Gegenwart) „Wie wollen wir leben?“. Er führte uns auch ein wenig durch unser Viertel South Kensington, zeigte uns architektonische Besonderheiten, erzählte über seine vielen bekannten Bewohner. Und genau in diesem Moment lief ein kleiner, alter Mann durch unsere Gruppe in ein Taxi und entpuppte sich als Charlie Watts von der Rolling Stones. Im Reform-Club, in den man nur als Mitglied kommt, durfte wir in den Räumlichkeiten der Bibliothek den Autoren Niclas Wolz und Philipp Blom lauschen. Bei Wolz geht es um die deutsche Marine im Ersten Weltkrieg und Bloms Referat hatte sein neues Buch „Die zerissenen Bücher“ zum Inhalt und stellt die Jahre zwischen den Kriegen dar. Der Club war schon an sich etwas Besonderes mit seinem Dresscode und den älteren Herren, die vor flackerndem Ofenfeuer in ihren Sesseln saßen und Zeitung lasen. In diesem Club beginnt und endet auch der Roman „In achtzig Tagen um die Welt“ und wir durften auch nur mit Jacket, Krawatte und „richtigen“ Schuhen die Räumlichkeiten betreten. Als ich abends mit den Rauchern auf der Straße stand, kam ein Herr über die Straße gesprungen und band sich währenddessen seine Krawatte. Als er die Stufen hochging, sagte ich zu ihm, dass das aber jetzt in allerletzten Sekunde sei, sagte er lachend: „Blood rules“ und tauchte in den Club ein.
Und so komme ich auch auf unser heutiges Geburtstagskind Pierce Brosnan. Denn im James Bond-Film: „Man stirbt nur zweimal“ gibt es eine Fechtszene mit Madonna, die in diesem Club spielte. Mit den Geldern dieser Vermietung konnte die Glaskuppel des Renaissance Gebäudes renoviert werden.
Trotz des vollen Programmes (ich habe nicht alles aufgezählt), blieb noch Zeit für Besuche im Pub mit Bier und (fish and) chips, Museumsbesuche und eigene Erkundungen in der Stadt.
Auf dem Jastram Fotoblog finden Sie eine kleine Auswahl der „literarischen“ Eindrücken.

Hier nochmals ein großes Dankeschön an die Verlage.
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Samstag

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Lieber LeserInnen und Leser des Jastramblogs,
ich verabschiede mich für eine knappe Woche vom offiziellen Blog und von meinem Buchladen. Die Verlage dtv und Hanser haben einen Schwung BuchhändlerInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach London eingeladen. Inklusive einiger Autoren. Und ich darf auch mit. Aus der großen Stadt melde ich mich dann spontan und in anderer Form.
Bis dahin alles Gute,
Samy Wiltschek

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Mittwoch

Heute haben
Joris-Karl Huysmans * 1848
George Saiko * 1892
Henriette Hardenberg * 1894
William S. Burroughs * 1914
Richard Yates * 1926
Inka Parei * 1967
Terézia Mora * 1971
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Wal

Selja Ahava: „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm
mare Verlag € 20,00
Aus dem Finnischen von Stefan Moster, der selbst ausgezeichnete Romane schreibt.

Es ist eines dieser Bücher, in das wir uns sofort verlieben. Der Titel lässt einige Fragezeichen aufkommen, das Bild vielleicht auf etwas Japanisches schließen und der Autorenname Selja Ahava bringt uns auch nicht viel weiter. Sie wurde 1974 geboren, studierte Dramaturgie an der Theaterhochschule Helsinki und schrieb Drehbücher für Filme und Fernsehserien sowie Hörbücher, bevor sie diesen Roman veröffentlichte. Selja Ahava hat fünf Jahre in London verbracht und lebt seit ihrer Rückkehr nach Finnland mit ihrer Familie in Porvo. So kommen wir der Sache schon etwas näher und können erahnen, was es mit dem Titel auf sich hat.
In 45 Kapiteln auf ca. 220 Seiten, erzählt uns die Autorin aus dem Leben von Anna, die hochbetagt in einem Londoner Altenheim lebt und so langsam die Erinnerungen durcheinanderbringt, oder auch ganz verliert.
Aufgewachsen ist sie in Finnland, gelebt hat sie im Sommer auf einer kleinen Insel, einer Schäre. Das Holzhaus, in dem sie wohnten, war sehr karg eingerichtet und gerade dieses Einfache war es, was ihr und ihrem Mann Antti gefallen hat. Nach einem tragischen Unfall verliert sie den Boden unter den Füßen und beginnt wieder sich ein neues Leben zu gestalten. Anna Lehtonen fischt in ihrem Gedankenmeer, bringt viel durcheinander, sieht manche Dinge anders, als sie vielleicht wirklich waren. Erinnert sich an den selben Vorfall jedesmal etwas anders. Die einzelnen Kapitel sind nicht chronologisch sortiert, sondern purzeln bunt gemischt durcheinander. Als LeserIn stolpern wir das eine oder andere Mal über Passagen, die wir schon kennen, aber etwas anders wiedergegeben werden. Es entstehen Gedächtnislücken, die Anna mit viel Phantasie selber ausfüllt. Oft mit Wunschgedanken, wie es hätte sein können. Aber sie erinnert sich natürlich noch an den Wal, der seinerzeit die Themse hochgeschwommen ist, da er sich verirrt hatte, da er verwirrt war. Selja Ahava erzählt dies in einer einfachen poetischen, ruhigen Sprache, nimmt uns mit auf eine Zeitreise, die mich sehr gefesselt hat. Alles in allem ein gelungenes Buch, sowohl vom Inhalt, als auch von der Ausstattung.
Finnland ist Messeschwerpunktland auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse und ich wünsche diesem Buch und seiner Autorin einen großen Sack voll Anerkennung, Lob und einen riesigen Umsatz.

Leseprobe
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Am 22. März 2014 ist Indiebookday!
Was ist der Indiebookday?
Sie lieben schöne Bücher?
Am Indiebookday können Sie das allen zeigen.
Es geht ganz einfach: Hier klicken.

Mittwoch

Gestern war ich etwas zu vorlaut und habe Irmgard Keuns Geburtstag um einen Tag nach vorne verlegt.
Sie hat heute erst ihren Feiertag.
Gestern hatten dafür u.a.
K.J.Huysmans * 1848
W.S.Burroughs * 1914
Geburtstag.

Und Huysmans ist seine Büro-Erzählung endlich wieder lieferbar und bei uns im Laden zu finden.
Wie immer sehr schön in der Friedenauer Presse erschienen.
Auf diesem Blog habe ich ihn schon besprochen.

Um jetzt noch ein komplettes Durcheinander zu produzieren.
Heute haben noch Bob Marley * 1945
und Emilia Geburtstag, die heute sieben jahre alt wird.
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„Paris“
A Three-Dimensional Expanding City Skyline
€ 9,90

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11 x 10 cm, 30 Seiten und ausgeklappt eine Länge von 1,50 m (hinten und vorne).
Ein kleines Wunderwerk, das sich wunderbar in der Tasche transportieren lässt und auf dem Tisch dann seine wahre Größe zeigt.

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Die Illustrationen sind so schön altbacken und jenseits von allen modernen Trends.
Ein Stadtplan zeigt auch noch den Standort der verschiedenen Sehenswürdigkeiten und machen dieses Leporello im Schuber zu einem pefekten Geschenk.

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„London“, „New York“, „The Metropolitan Museum of Art“ und „Royal Palaces of London“ gibt es auch noch in dieser Art. Und so haben Sie meterweise Sehenswürdigkeiten auf kleinstem Format. Da hält kein iPad mit.

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Eduardo Galeanos Buch: „Kinder der Zeit“ lässt noch etwas auf sich warten.
Ich versorge Sie aber noch mit einem weiteren Textschnipsel.

August
6
Die Bombe Gottes

Im Jahre 1945, starb, während dieser Tag anbrach, Hiroshima. Beim weltweiten Debut der Atombombe wurden die Stadt und ihre Menschen in einem einzigen Augenblick zu Kohle.
Die wenigen Überlebenden irrten verstümmelt wie die Nachtwandler zwischen den rauchenden Ruinen umher. Sie waren nackt, auf ihren Körpern hatte die Hitze die Kleider eingebrannt, die sie trugen, als die Bombe explodierte. Auf den Resten der Mauern hatte der Blitz der Bombe die Schatten dessen hinterlassen, was da gewesen war: eine Frau mit erhobenen Armen, ein Mann, ein angebundenes Pferd …
Drei Tage später hielt Präsident Harry Truman eine Radioansprache.
Er sagte:
„Wir danken Gott, dass er die Bombe in unsere Hände gelegt hat, und nicht in die Hände unserer Feinde; und wir bitten ihn, dass er uns in ihrem Gebrauch seinen Wegen und seinem Willen entsprechend führe.“
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Von der Lesung mit Priya Basil aus ihrem Buch: „Die Logik des Herzens“ gibt es nun auch Fotos, die Matti an diesem Abend gemacht hat. Danke dafür.

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