Mittwoch, 27.September

Heute haben
Grazia Deledda * (Nobelpreis 1926)
Franz Hodjak * 1944
Irvine Welsh * 1958
Wolfgang Hermann * 1961
Tanja Kinkel * 1969
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Der Nebel ist der Weichzeichner der Natur
Unbekannt
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Unser Buchtipp:

Feurat Alani: „Der Geschmack von Aprikoseneis“
Le parfum d’Irak

Mit Illustrationen von Léonard Cohen
Aus dem Französischen von Annette von der Weppen
Karl Rauch Verlag € 24,00

Ein Roman in 1.000 Tweets. Jeder Beitrag hat 140 Zeichen. Also 140.000 Zeichen für die Erinnerungen des irakischen Autors und Journalisten Feurat Alani. Er zeigt uns sein Land, wie er es als Kind erlebt hat, wie der Irak sich im Laufe der Zeit, durch Kriege und Terror unwiderbringlich verändert hat. Aber er erinnert sich auch an seine erste Liebe und verbindet es mit dem Geschmack von Aprikoseneis. Überhaupt erwarten uns in diesen Beiträgen eine Vielzahl von (unbekannten) Düften und Gerüchen.
Was im ersten Moment als schwierig zu lesen aussieht, entwickelt eine Dynamik. Jeder Tweet eröffnet eine neue Sichtweise, ein Erinnerungsgedanke und Bilder, die wir selbst im Kopf haben.
Durch die Zeichnungen von Léonard Cohen verwandelt sich das Ganze fast zu einem Kunstwerk.
Eines, das sich über Jahre hinzieht und uns sowohl ein ganzes Land, als auch einen einzelnen Menschen näherbringt.
Ausgezeichnet mit dem renommiertesten Journalistenpreis Frankreichs, dem Prix Albert Londres 2019.


In der Leseprobe können Sie die Texte auch richtig lesen und nicht nur erahnen.
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Alexander Granachs Autobiographie
Da geht ein Mensch!


Eine musikalische Lesung mit Berit Fromme – Dörfler
Rezitation und Dramaturgie, Gesang, Percussion, Gitarre, Akkordeon, Rav, Hang, Shruti, Cajon.
In diesem Programm kommt der, um die Jahrhundertwende in Ostgalizien geborene, Alexander Granach, auf die Bühne. Er hat zwei Weltkriege überlebt. Seine Heimat wurde vernichtet.
Als Jude wurde er verfolgt, als Schauspieler von Stalin verhaftet, im Amerikanischen Exil starb er nach einer Blinddarmoperation. Seine Leidenschaft Schauspieler zu werden, das Menschliche zu verkörpern und das Leben zu preisen, hat ihn besonders gemacht. Seine Autobiographie macht Hoffnung, dass der Krieg und deren Betreiber durch eine innere Haltung besiegt werden können!

Eintritt: 15 € regulär / 12 € ermäßigt / 5 € Studenten/Schüler
Spielort: akademietheater ulm – blackBox – Zinglerstrasse 35, 89075 Ulm
Spieltermin: 14.10.2023 – 20 Uhr


Über die Künstlerin:
Berit Fromme – Dörfler

Die Wahlbayerin wurde im 64 in Dillenburg geboren; Staatsexamen in Klavier, Gesang und Germanistik an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt, Diplom Sprecherziehung/Schauspiel an der staatlichen Hochschule für Musik und darstellenden Kunst Stuttgart. Bis 1999 war sie Altistin des Rundfunk – Vocalensembles Frankfurt unter der Leitung von Ralf Otto. Das Engagement an die Akademie der für darstellende kunst Ulm adk-ulm für das Fach Gesang und Sprechbildung, schloss eine Lehrtätigkeit an der kasachischen staatlichen Schauspielschule und dem deutschen Theater Alma Ata/ Kasachstan, für fünf Jahre, mit ein.
Lehraufträge seitdem u.a. an der akademie für darstellende kunst ulm adk-ulm, Medien Akademie München, Theater Werk München, Schauspiel München,  Akademie Bayrischer Genossenschaften Beilngries, Gastengagements u.a. am Theaterhaus Stuttgart, Theater Nürnberg, Theatre Capucine / Luxembourg.

Donnerstag, 21.September

Heute haben
HG Wells * 1866
Leonard Cohen * 1934
Klaus Kordon * 1934
Stephen King * 1947
Frédéric Beigbeder * 1965
Geburtstag
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„There is a crack, a crack in everything
That’s how the light gets in“
Leonard Cohen
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Clemency Burton-Hill: „Ein neues Jahr voller Wunder

Klassische Musik für jeden Tag / Band 2
Aus dem Englischen von Barbara Neeb, Ulrike Schimming und Katharina Schmidt
Diogenes Verlag € 29,00

Die preisgekrönte Violinistin und Moderatorin Clemency Burton-Hill hat einen zweiten Band ihres Musikkalenders veröffentlicht. Wieder hat sie 365 klassische Musikstücke herausgesucht und stellt sie uns in einem kurzen Text vor. (Was machen wir bloß im nächsten Jahr, in dem es 366 Tage gibt?) Unterschiedlichste Musikrichtungen sind vertreten, genauso wie beim ersten Band, den wir so oft verkauft haben. Für heute steht im neuen Band Choralmusik aus England auf dem Programm.
Es ist der Autorin wieder ein Anliegen, dass wir aus klassischer Musik Kraft für unseren Alltag finden, aber auch Ruhe und Inspiration. Vielleicht legen wir abends dann die passende Musik auf, oder hören uns die Playlist auf apple music an.
Und als immerwährender Buchkalender können wir Ein neues Jahr voller Wunder jederzeit in den kommenden Jahren benutzen.

Clemency Burton-Hill, geboren 1981 in London, ist Autorin, Radio- und Fernsehmoderatorin und preisgekrönte Violinistin. Sie moderiert Klassiksendungen auf BBC Radio 3 und ist Kreativchefin bei WQXR, dem New Yorker Klassikradio. Als Kulturjournalistin schreibt sie zudem auch für The Economist, The Financal Times, The Guardian und The Observer. Als Violinistin hat sie unter der Leitung von Dirigenten wie Daniel Barenboim in einigen der wichtigsten Musiksäle der Welt gespielt. Sie ist Mitbegründerin des mehrfach ausgezeichneten Aurora Orchestra und lebt mit ihrer Familie in London und New York.
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Heute abend geht es u.a. mit einem Trawler ins ewige Eis und in die tiefsten Tiefen.
Lassen Sie sich überraschen, was die acht Tentakelen des Riesenkalamar zu erzählen haben und was Luca Kieser über sein Erstlingswerk berichtet.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Klimastreik-Freitag

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Am kommenden Freitag werfen wir für jedes Buch, das Sie bei uns kaufen, € 1,00 in ein Spendenglas. Lassen Sie jetzt Ihre Bücher zurücklegen, bestellen Sie Ihre Bücher und holen Sie diese am Freitag bei uns ab, damit wir möglichst für Geld für Seawatch zusammenbekommen. Vielen Dank.

Heute haben
Wilhelm Hauff * 1802
Carlo Levi * 1902
Gerti Tetzner * 1936
Geburtstag
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Wilhelm Hauff
Amor der Räuber

Nach dem Italienischen

Die Unschuld saß in grüner Laube,
Sie hielt ein Täubchen in dem Schoß;
Und Amor kam: »Gib mir die Taube;
Ein Weilchen nur gib deine Taube«,
Die Unschuld ließ sie lächelnd los,
Doch hielt sie Täubchen an dem Band,
Das sich um Täubchens Flügel wand.

Doch kaum hat er die weiße Taube;
So schneidet er den Faden ab;
Und höhnisch lachend mit dem Raube
Entflieht der Räuber aus der Laube
Und nimmer kehrt der lose Knab.
Und als ihr Täubchen nimmer kam,
Ward sie dem Räuber ewig gram.
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Foto: Kezban Özcan

Leonard Cohen: „Thanks For The Dance“
Sony CD € 20,00

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 Oh, wer dachte, diese CD ist eine Zusammenstellung von Restmaterial, das nicht zur Veröffentlichung taugt, liegt falsch. Leonard Cohens Sohn hat den Auftrag seines Vaters übernommen, seinen Wunsch erfüllt und diese Musikstücke fertiggestellt. Leonard Cohen hat zum Teil nur seine Gesangsstimme aufgenommen. Vorgetragene Gedichte ohne Instrumente, die wir jetzt in voller Pracht erleben dürfen. Wer Cohens letzte Platte noch im Ohr hat, merkt, dass dies eine Fortsetzung, eine Weiterführung ist. Unglaublich gute Stücke mit hervorragenden Musikern aufgenommen, fangen den Geist des alten Barden perfekt ein. Ich will mich nicht weit aus dem Fenster lehnen, aber hier ist den Cohens ein kleines Meisterwerk gelungen.

 

Samstag, 12.November

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Heute haben
Oskar Panizza * 1853
Hans Werner Richter * 1908
Michael Ende * 1929
Geburtstag.
Aber auch Neil Young, Grace Kelly, Loriot und Auguste Rodin.
Und Leonard Cohen ist tot.
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Christian Morgenstern
Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus;
alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.
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Leonard Cohen ist tot. Vor ein paar Tagen erschien seine neues CD „We Want It Darker“.

If you are the dealer, I’m out of the game
If you are the healer, it means I’m broken and lame
If thine is the glory then mine must be the shame
You want it darker
We kill the flame

Magnified, sanctified, be thy holy name
Vilified, crucified, in the human frame
A million candles burning for the help that never came
You want it darker

Hineni, hineni
I’m ready, my lord
……

Ein Album voller Abschiede und biblischer Figuren und Zitate.
„Hineni, hineni – I’m ready my Lord“, singt er. „Hineni“ ist Hebräisch und bedeutet „Hier bin ich“, es ist das Wort, das Religionsurvater Abraham einst zu Gott sagte, als dieser ihn zu sich zitierte und von ihm verlangte, seinen Sohn Isaak zu opfern.
„I’m ready, my lord“. Wie das gemeint hat, weiß ich nicht, zumal er doch 120 Jahre alt werden wollte.

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Columbia CD € 18,00

 


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Wer die Lesung von Silke Knäpper am vergangenen Donnerstag verpasst hat, der hat wirklich etwas verpasst. Einrahmt in die Akkordeon Musik von Ivan Antonic war es wirklich ein gelungener Abend. Silke Knäppers Buch „Hofkind“ können Sie bei uns auf dem Neuerscheinungstisch finden.

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Mittwoch, 21.September

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Heute haben
HG Wells * 1866
Leonard Cohen * 1934
Klaus Kordon * 1934
Stephen King * 1947
Frédéric Beigbeder * 1965
Geburtstag
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„Famous Blue Raincoat“

It’s four in the morning, the end of December
I’m writing you now just to see if you’re better
New York is cold, but I like where I’m living
There’s music on Clinton Street all through the evening.
I hear that you’re building your little house deep in the desert
You’re living for nothing now, I hope you’re keeping some kind of record.

Yes, and Jane came by with a lock of your hair
She said that you gave it to her
That night that you planned to go clear
Did you ever go clear?

Ah, the last time we saw you you looked so much older
Your famous blue raincoat was torn at the shoulder
You’d been to the station to meet every train
And you came home without Lili Marlene

And you treated my woman to a flake of your life
And when she came back she was nobody’s wife.

Well I see you there with the rose in your teeth
One more thin gypsy thief
Well I see Jane’s awake —

She sends her regards.

And what can I tell you my brother, my killer
What can I possibly say?
I guess that I miss you, I guess I forgive you
I’m glad you stood in my way.

If you ever come by here, for Jane or for me
Your enemy is sleeping, and his woman is free.

Yes, and thanks, for the trouble you took from her eyes
I thought it was there for good so I never tried.

And Jane came by with a lock of your hair
She said that you gave it to her
That night that you planned to go clear —

Sincerely, L. Cohen
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Nils Petter Molvaer: „Buoyancy“

OKeh CD € 19,99

Nils Petter Molvaers neues Album hat es wieder in sich. Sorgte er schon mit seinen ersten Platten für Furore und hat er doch beim Label ECM große Erfolge gefeiert. Wahrscheinlich wollte er aber nicht bis an sein Lebensende im ECM-Sound weiterproduzieren und ist im Moment beim Label OKeh gelandet. Und wie! Wer von dieser Platte nicht süchtig wird. Er überrascht, zieht alle Register, lässt uns staunen und wundern. Kaum wippen wir mit der kleinen Zeh, nimmt seine Musik eine andere Wendung. Wobei man ehrlicherweise sagen sollte, dass es dieses Mal ein wirkliches Bandalbum geworden ist und keine Solo-Trompeten-Scheibe mit Anhang.
Die Band, das sind Geir Sundstöl (Gitarren, Banjos) und der ehemalige Madrugada-Schlagzeuger Erland Dahlen (Drums, Percussions, Xylofon, Klavier). Beide waren schon auf seinem Vorgänger „Switch“ (2014) zu hören. Jo Berger Myhre (Bass, Keyboards, Gitarren) ist neu in dieser Formation. Dazu noch Molvaers Trompete und allerlei elektronische Effekte. Eine Band mit einer sehr großen Breite, was die Instrumente und der daraus entstehende Sound betrifft.
All zu viel gibt es im Moment nicht zu hören. Auf youtube habe ich eine Reinhörprobe gefunden, die andeutungsweise zeigt, wo Molvaert und seine Band einzuordnen sind.

Beginnt die Band etwas schwülstig (fast wie Pink Floyd (Sorry Mr Fisherman)), klingt es fast minimalistisch im zweiten. Höhepunkte sind da schon die Tracks 5 und 7 mit längeren Stücken, die ein wahre Freude sind. Ich denke, ein Live Konzert mit den Jungs wäre eine Reise wert.
Uns bleibt erst mal die CD, die man wirklich mehrfach anhören sollte, um das Können der Band zu realisieren.
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Die Shortlist für den Deitschen Buchpreis ist bekannt.
Hier sind die letzten sechs Titel, aus denen Clemens Grote am kommenden Dienstag vorlesen wird:

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald (S. Fischer)
Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis (Frankfurter Verlagsanstalt)
André Kubiczek: Skizze eines Sommers (Rowohlt Berlin)
Thomas Melle: Die Welt im Rücken (Rowohlt Berlin)
Eva Schmidt: Ein langes Jahr (Jung und Jung)
Philipp Winkler: Hool (Aufbau)

Montag

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Heute haben
Andrej Belyi * 1880
Karin Boye * 1900
John Arden * 1930
Ulrich Plenzdorf * 1934
Carlo Lucarelli * 1960
Geburtstag

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Gert Heidenreich: „Nächte mit Leonard“
Erinnerungen zu Leonard Cohens 80. Geburtstag am 21.9.2014
Jahresgabe 2015
Für die Freunde des Maro Verlages
Maro Verlag je € 5,00

Version „Revolution“ von Carolin Flammang
Version „Zensur“ von Ines Korbacher
In Zusammenarbeit mit der Deutschen Meisterschule für Mode / Designschule München

Die Jahresgaben des Maro Verlages sind immer für eine Überraschung gut. Hier können Sie noch richtige Entdeckungen machen. Dass es dieses Jahr gleich zwei davon gibt, ist umso schöner, denn den wunderbaren Text von Gert Heidenreich hat Benno Käsmayr in zwei Versionen „Revolution“ und „Zensur“ drucken lassen. Die Gestaltung übernahm jeweils eine Studentin der Designschule München. Der selbe Text und doch zwei grundlegend andere Heftchen. Auf den ersten (und den zweiten) Blick würde man dies nicht vermuten.

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Gert Heidenreich hat mit dieser Erzählung einiges bei mir wieder wachgerüttelt, freigeschaufelt und nach oben gewühlt. Er ist zwar fast 15 Jahre älter als ich und doch machte ich sehr ähnliche Erfahrungen wie er.
Heidenreich beschreibt, wie es sich anfühlte, wenn man eine neu LP in Händen hielt, die Platte mit der weissen Hülle herausgleiten ließ, die schwarze Scheibe aus ihr zog und vorsichtig auf den Plattenteller legte. Das erste ganz leiste Knirschen beim Aufsetzen des Saphirs. Ja, Herr Heidenreich, so war das bei mir auch. Ich besaß (und besitze immer noch nicht) keine Cohen-Scheibe und doch begleitet er mich die vergangenen 40 Jahre. Auf jedem Fest, wenn die Gitarren herausgezogen wurden, wurden Lieder von ihm gespielt und es gab immer Fraktionen für und gegen ihn. Er war kein lauter Sänger wie Dylan, von ihm kam die Kraft aus seinen Texten. Darauf musste man sich zuerst einlassen. Aber dann war es um Einen geschehen. Heidenreich bringt Brassens, Moustaki und Brel ins Spiel und stellt doch die Einzigartigkeit von Cohen heraus.
Für Heidenreich war diese Musik zuerst nicht kompatibel mit der Nachkriegszeit, wie er sie erlebte. An die poltische und gesellschaftliche Situation, in der über die Zeit vor 1945 nicht (mehr) gesprochen wurde und Nazigrößen wieder in gehobenen Positionen saßen. Die daraus resultierende Radikalisierung und Politisierung der westdeutschen Studentenschaft erlebte er hautnah mit. Er schreibt von fast auswegslosen Situationen, die etwas von Depression und Lethargie an sich hatten. Dass dieses Gemisch dann bis zur RAF führte und der gnadenlosen, rasch und neu gesetzlich verankerten Jagd nach Intelektuellen, haben wir selbst mitbekommen. Und dabei gab es immer die ruhigen Lieder von Leonard Cohen, der sich nicht in den Vordergrund sang, oder laut, direkt, politisch auf der Bühne war, sondern seine Lyrik in den Raum, seine Zeilen zur Verfügung stellte.

Es waren sanfte Abende mit ihm, nach aufregenden Demonstrationen, geschrienen Protesten, gebrüllten Forderungen. Als hätte seine leise Nachdenklichkeit und volksliedhafte Musikalität uns zu uns selbst zurückgeführt. … Während ich das schreibe, brennen Kriege an zahllosen Plätzen unseres kleinen Globus. Man nennt sie Konflikte. Und ich erinnere mich, was Leonard im Jahr, als die Mauer fiel – befragt, was er von der Zukunft erwarte – geantwortet hat: Murder, Mord und Totschlag.

Wie gesagt: Ein toller Text in zwei Versionen. Jede kostet € 5,00 und sind mindestens das Doppelte wert. Sie können also, wenn Sie so rechnen, locker auch beide Heftchen kaufen. Wir haben sie vorrätig.

Dienstag

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Heute haben
Henryk Sienkiewicz * 1846
Leo Lionni * 1910
Morthon Rhue * 1950
Nicolas Vanier * 1962
Geburtstag

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Davide Longo: „Der Fall Bramard“
Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner
Rowohlt Verlag € 19,95
eBook € 16,99
„Il Caso Bramard“ € 32,00

Es gibt Bücher, die einen innerhalb ein, zwei Seiten nicht mehr loslassen und die wir am Schluß gleich nochmals lesen wollen oder müssen, weil wir den Roman zu schnell gelesen und wohl einiges überlesen haben.
In Davide Longos neuem Buch, seinem dritten Roman, ist es mir so gegangen.
Wir kennen den italienischen Autoren von seinem phänomenales Erstlingswerk „Der Steingänger“. Ein Buch, das durch seine karge Sprache, knarzigen Typen und steinigen Landschaft faszinierte. Nach seinem zweiten Buch „Der aufrechte Mann“, einem gross angelegten Italienepos, kehrt Longo wieder zurück in die Bergwelt des Piemont. Und wieder sind wir zu Beginn dort, wo die Steingänger sich bewegen. In den Bergen, ohne Menschen, ohne Tiere. Nur das Gestein, das Wetter und Corso Bramard, der mal wieder auf einer einsamen Tour unterwegs ist. Sein Dorf liegt am GTA, dort wo immer mehr Touristen durchwandern, aber doch so abgelegen, dass sie im Roman keine Rolle spielen und die Dorfbewohner sich und ihre Geschichte(n) haben.
Corso Bramard, ein mitfünfzigjähriger Einzelgänger, war der jüngste und beste Polizist in der Region und hatte eine große Karriere vor sich. Als er einem Frauenmörder auf der Spur war, ganz nah dran, den Fall zu lösen, wird seine Frau getötet und seine kleine Tochter verschwindet. Diese Ritualmorde wurden nie aufgeklärt, da sie in kein Tätermotiv passten. Seitdem ist er nicht mehr der, der er war. Er hat seinen Dienst quittiert, hat das Trinken angefangen und wieder aufgehört und arbeitet seit Jahren wenige Stunden in der Woche als Lehrer. Zurückgezogen, fast ohne Freunde und fest verwurzelt mit seinen Bergen, versucht er über das, was vor 20 Jahren passiert ist, hinwegzukommen. Aber so einfach ist das nicht, denn er bekommt jährlich einen Brief des Mörders, der ihn beobachtet und ihn nicht zur Ruhe kommen lassen will. Als in diesem Jahr noch ein Haar im Brief mit dazugepackt ist, ein Haar, das von einer der getöteten Personen sein kann, wendet sich Corso an seinen alten Partner, der immer noch bei der Polizei ist und überzeugt ihn, den Fall nochmals aufzurollen, dem Wenigen nachzugehen, was in den Akten zu finden ist. Ihm wird eine punkige junge Polizisten zur Seite gestellt, die zwar rotzfrech ist, aber unorthodox und schnell das liefert, was Longo von ihr fordert.
Ein perfektes Trio für einen Krimi. Aber Davide Longo bricht mit diesem Genre immer wieder, führt uns auf falsche Spuren, lenkt ab, zitiert Bücher und Lieder, taucht mit uns in die gewaltige und brutale Natur ein, um plötzlich den Faden wieder aufzunehmen. Das Ganze ist so packend in kurzen Kapiteln geschrieben, in denen Corso Bramard und ein älterer feiner Herr, der einiges abzuhaken hat, abwechselnd erzählen und uns Seite um Seite auf die Folter spannen.
Wenn Sie einen Krimi lesen wollen, der vielleicht gar keiner ist. Wenn Sie am Ende des Romanes plötzlich merken, dass sie wohl dies oder jenes überlesen haben und schnell noch mal zurückblättern, dann sind Sie hier bestens aufgehoben.
Für mich das spannendste Buch des Frühjahrs, das ich furchtbar gerne aus der Krimiecke herausholen möchte.

Leseprobe

Ein Lied zieht sich durch das ganze Buch und Longo zitiert immer wieder Textzeilen daraus. Hier die erste Strophe von Leonard Cohens „Story of Isaac“ und ein Livemitschnitt aus dem Jahre 1985.

Leonard Cohen
Story Of Isaac Lyrics

The door it opened slowly,
My father he came in,
I was nine years old.
And he stood so tall above me,
His blue eyes they were shining
And his voice was very cold.
He said, „I’ve had a vision
And you know I’m strong and holy,
I must do what I’ve been told.“
So he started up the mountain,
I was running, he was walking,
And his axe was made of gold.

https://www.youtube.com/watch?v=-y36zbbuX7w

Nachtrag:
Eines der Bücher, die Corso liest, ist ein alter Roman von Yasunari Kawabata.
Nachdem ich die Lektüre von Davide Longo beendet hatte, griff ich zu Alejandro Zambras: „Bonsai“. Der beginnt mit folgendem Zitat:

„Die Jahre vergingen, und die Einzige,
die sich nicht veränderte,
war das Mädchen seines Romans.“
Yasunari Kawabata
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Heute abend ab 19 Uhr.
„Die erste Seite“
Clemens liest aus folgenden vier neuen Büchern:

Russell Banks: Verstoßen
Barbara Honigmann: Chronik meiner Straße
Sifiso Mzobe: Young Blood
Matthew Thomas: Wir sind nicht wir

Donnerstag

Heute haben
William Blake * 1757
Alexander Blok * 1880
Stefan Zweig * 1881
Alberto Moravia * 1907
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Stefan Zweig
In tiefer Nacht

So mitternächtig alle Gassen,
Die silberblank der Mond durchzieht
So blaß und stumm die Häusermassen …
Hinauf zu schlummernden Gelassen
Klingt sonnetrunken noch mein Lied.

Die Straßen sind so traumesselig
Und sprechen leis mein Lied zurück.
Und lauter, voller wirds allmählich
Und bald erdröhnt es hell und fröhlich
Das Lied von meiner Liebe Glück.

Es dringt durch dunkle Fensterläden
So leise trägts der laue Wind.
In tiefem Traum umfängt es jeden
Mit seinen feinen, feinen Fäden
Die Mutter Sehnsucht um uns spinnt,

Daß sich die Mädchenherzen dehnen
Im dunklen Banne seiner Macht,
Und immer heißer wird ihr Sehnen,
Und glühend rinnen brennende Tränen
Hinein in die stumme, verschwiegene Nacht.

Doch mein Lied und ich, wir schreiten
Immer nur weiter, immer nur zu
In die silberblinkenden Weiten
Hin zu den blendendsten Seligkeiten
Hin zu Dir, oh Geliebte Du …

Ein paar Verse …

Ein paar Verse zum Erwachen,
Liebste, nimm in deinen Tag!
Eine frohe froh zu machen,
Sei, was sie entschulden mag,

Daß sie sich so ernst bemühen
Und so voll gemessen sind,
Statt zu flammen, statt zu glühen,
Statt zu flackern wie ein Wind,

Statt dich brennend zu umfangen,
Bis du, Liebe, Herz und Hand,
Stirn und Lippen, Brust und Wangen
Loderst in beseeltem Brand.
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Jochen Fischer, Sabine Ries: „Einfach genial!
Über 40 weltberühmte Erfindungen aus Baden-Württemberg
Silberburg Verlag € 19,90

Wir wussten es ja schon immer und werden deswegen auch von den anderen Deutschen belächelt: Wir sind halt schon Käpsele. Ob wohl zerstritten (Badener versus Württemberger) bilden wir halt schon eine gemeinsame Macht, was Patente und Erfindungen anbelangt. Endlich hat sich ein Verlag getraut und zumindest 40 weltberühmte Erfindungen vorzustellen.
Wussten Sie, dass Pustefix, UHU und dieser klebrige Mückenfänger, der bei jeder Oma von der Küchendecke hin und schwarz vor Fliegen war, alle hier aus dem Ländle kommen? Obwohl es (im Moment) noch früh am Morgen ist, möchte ich  die Spätzlespresse erwähnen und auch den Teddybären, der bei den Kleinen noch im Bett liegt. Die bekommen dann auch noch Brausepulver, bevor der Vater mit der Motorsäge loszieht. Natürlich mit dem Auto, oder dem Taxi. Alles von hier.
Windkraftanlagen und Plastikdübel, genauso wie der Pistenbully, die Funkuhr und die No-Rewind-Filmteller und noch einiges mehr. Und das sind ja nur die weltberühmten Erfindungen. Da muss es ja noch jede Menge andere nützliche Dinge geben, die wir im Alltag benutzen und die hier erfunden worden sind.
Viele Fotos und Dokumente runden die kurzen informativen Texte ab.
Viel Vergnügen damit. Im Buchladen gab es schon einige große Lacher und
Ooohs und Aahs.
Auf Libreka gibt es eine sehr ausführliche Leseprobe. Sie können fast durch das Buch klicken.
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Und das kam gerade im Radio:

Leonard Cohen
Famous Blue Raincoat

It’s four in the morning, the end of december
I’m writing you now just to see if you’re better
New york is cold, but I like where I’m living
There’s music on clinton street all through the evening.
…..

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=6fMnF0Fvdpo]