Montag

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Sonntagmorgen
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Heute haben
Wolfgang Amadeus Mozart * 1756
Lewis Carroll * 1832
Ilja Ehrenburg * 1891
Mordecai Richler * 1931
Ismael Kadaré * 1936
Benjamin von Stuckrad-Barre * 1975
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Sonntagnachmittag
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Uljana Wolf:meine schönste lengevitch
Kookbooks € 19,90
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„sist zappenduster im gedicht, welche sprache es wohl spricht?“
Uljana Wolf bringt jedoch Licht ins Gedicht. In allen Sprachen und allen Variationen. Sie mixt, schüttelt und rührt. Damit verliert sie nicht den Rhythmus, den Fluss (flow), die Form. Wenn die Texte (halb)laut gelesen werden merken wir das viel besser, als beim stillen Genießen.

DOPPELGEHERREDE

ich ging ins tingeltangel, lengevitch angeln. an der garderobe bekam jede eine zweitsprache mit identischen klamotten, leicht gemoppeltes doppel. die spiegel aber zeigten nur eine von uns, ich schluckte: kalte spucke, spuk. hinten hoppelten wortkaninchen aus ashberys hut. zum ballsaal dann, mit meinem zwilling zirkumstanzen, am tresen ein köpfchen kaffee mit mrs. stein. dass ich gespenster seh!, rief plötzlich aus der nische, wo das denken dunkeldeutsch blieb, mr. veilmaker im schlafanzug der philosophen. ein kressekästchen vor der brust, verblüfft: wächst auf einem weißen blatte! ohne alle erde! wurzellos! ich wollte nach paar samen fragen, doch mein zwilling sprang, ging schwofen mit dem mann. wer schatten hat, muss für die spots nicht sorgen, sagte mrs. stein, packte ihre knöpfe ein.

Uljana zitiert, klaut, trägt zusammen. Der Esel aus dem Märchen der Brüder Grimm taucht auf. Genauso wie der Schnee vor meiner Haustüre. Unsere Kanzlerin, „deren sache es ist, sich in gehauchtes nichts zu verwandlen?“ darf auch mitmachen.
„wenn es zeit ist für orangen, ist keine zeit, no time at all, für nichts. ich esse nur orangen, at least they exist, wenn sonst nicht viel ist.“, passt gut in meine Orangenzeit.

KLEINE STERNMULLREDE

sist zappenduster im gedicht, welche sprache es wohl spricht? sternnase anstellen, tasten, fahnden. schmale fläche hier, seidene falz. könnten tofuwürfel sein. oder toffee, wenn die ränder schroffer wären. an den rändern liegt so manches, nur wo lieg ich? verweilung, auch am vertrautesten nicht. lange gänge, mischung der schichten, luft rundum – will sagen: terrine. oder terriersnack. ach käm ich weg, nach draußen, wo die fahnen der namen wehen, ich fänd ein wort für meine lage. aber wo nehm ich, wenn in dunklen regalen, wo so ein sauberes sprechen, eigen rechts und feigen links? ich höre husten, dumpfes traben. naht er schon, der hundefreund? ein grenzermund? oder trecker, ja: verkauf die mal.

Die Texte von Iljana Wolf machen einfach Spaß, sind aktuell und unverständlich. Glasklar und witzig und in diesem schmalen Büchle finde ich Zeile, die ich beim ersten Lesen nicht bemerkt habe. Tauchen die ungefragt auf? Ich traue der Autorin alles zu, da hinter den Buchstaben immer ihre schelmische Art zu entdecken ist. Sie hat ein feines Gewebe, ein Spinnennetz produziert, das einen gefangen hält, nicht so schnell losslässt. Das Netz lässt sich aber auch als Tache benutzen, in die wir unsere eigenen Fundstücke packen können.

„diese sprache war mal firn, dann feriendings, die leuchtet jeden heim. und wo soll das sein: ‚schnurz‘.“