Montag, 29.April


Heute haben
Konstantinos Kavafis * 1863,
Egon Erwin Kisch * 1885
Walter Mehring * 1896
Walter Kempowski * 1929
Lilian Faschinger * 1950
Geburtstag
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Best of Winfried Hermann Bauer
(Jahreszeiten)

Märzmorgen

Noch ist es kalt!
Nebel hängt zwischen den Bäumen
Und verwehrt mir den Blick auf die Welt
So scheint es
An den Ästen halten sich Braune Blätter
Neben ängstlichen Knospen, die warten
Nur das Moos leuchtet grün auf Stämmen und Stümpfen
Ein Schauer läuft mir über den Rücken
Während sich mein Blick
An die wenigen bunten Blüten klammert
Im modernden Laub
Als wären sie ein Zukunftsversprechen
An dem auch der Specht mit Nachdruck zimmert
Still stehe ich und schaue nach oben
Hin und hergerissen
Zwischen Aussichtslosigkeit und Hoffnung
Von den Zweigen tropft die Zeit
Da plötzlich
Öffnen ein paar Sonnenstrahlen den Himmel wie eine Verheißung…
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Ein Fimtipp:


„Morgen ist auch noch ein Tag“
Im Original: „C’è ancora domani“
Regie / Hauptdarstellerin: Paola Cortellesi
Italien 2023 / Deutschland ab 04/2024
118 Minuten

Paola Cortellesi gelang mit ihrem ihrem Regiedebüt „Morgen ist auch noch ein Tag“ in mehrfacher Hinsicht ein großer Erfolg. In Italien ist sie als Schauspielerin und Moderatoren bekannt, hat mit ihrem Erstling Filme wie „Barbie“ an der Kinokasse abgehängt und wurde zum meistbesuchten Film des Jahres 2023.



Die Geschichte spielt 1946 in Rom und erzählt, wie die Mutter und Hausfrau Delia täglich der physischen und psychischen Gewalt ihres Ehemannes und ihres Schwiegervaters ausgesetzt ist. Anderseits spricht Paola Cortellesi damit ein immer noch aktuelles Thema in der italienischen Gesellschaft an.
Der Schwarzweiss-Film erinnert an den italienischen Neorealismus, bricht aber immer wieder mit modernen Einschüben, wie z.B. in der Musik, die im Hintergrund zu hören ist.
Delia wohnt prekär im Untergeschoss, hält sich und ihre Familie mit vielen Gelegenheitsjobs über Wasser,. Zuhause ändert sich sofort die Stimmung, wenn der Vater und Ehemann die Szene betritt. Dies alles wird mit einer ungewöhnlichen Kombination aus Tragik und leiser Komik erzählt, die dem Film seine einzigartige Leichtigkeit gibt.
Delia befreit sich Schritt für Schritt aus ihrer Enge, möchte nur das Beste für ihre Tochter, die sich mit einem jungen Mann aus der Mittelschicht verlobt hat. Als sie merkt, dass der zukünftige Schwiegersohn im gleichen Fahrwasser wie ihr Ehemann fährt, muss sie handeln. Dabei spielen ein Brief und ein amerikanischer Soldat eine wichtige Rolle.
„Morgen ist auch noch ein Tag“ bleibt einem lange im Gedächtnis und selten haben wir so viel über einen Film geredet. In Ulm läuft er ab und an im italienischen Original.

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Heute Abend ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung.
Ein Glücksabend mit Stefi Rösch

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Ab Mittwoch heisst es wieder Radeln mit Lust und Laune.

Dienstag, 14.November


Heute haben
Carlo Emilio Gadda * 1893
Astrid Lindgren * 1907
Eric Malpass * 1910
Carola Stern * 1925
Marianne Fritz * 1949
Geburtstag
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„Zivilcourage kann auch heißen, Ängsten Ausdruck zu geben.“
Carola Stern
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Unser Filmtipp:


Im Ulmer Roxy läuft im Obscura Kino „Anatomie eines Falls„.
Ein unglaublich guter Film, der vom Drehbuch und von der Regie auf die Schauspielerin Sandra Hüller zugeschnitten worden ist. „Anatomie eines Falls“ wurde mit der Goldenen Palme 2023 ausgezeichnet und Sandra Hüller steht wohl auf der Liste für einen Oscar.
Während der 150 Minuten befinden wir uns lange in einem Gerichtssaal, in dem verhandelt wird, ob die Ehefrau schuld am Tod ihres Mannes ist. Es jedoch gerade das Gegenteil von einem us-amerikanischen Gerichtsthriller. Er arbeitet mit ganz anderen Mitteln und hauptsächlich mit der unglaublichen schauspielerischen Leistung von Sandra Hüller.
Den Trailer packte ich hier nicht dazu. Ich will nicht zu viel verraten und Sie finden ihn überall im Netz.
Ich kann nur soviel sagen: Gehen Sie in diesen Film. Sie erwartet ein cineastisches Meisterwerk.
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In der Vorschau wurden gleich zwei Romanverfilmungen angekündigt.
Seethalers: „Ein ganzes Leben“ läuft ja schon seit Wochen.


Claire Keegans Buch „Das dritte Licht„, im Original „Foster„, kommt als „The Quiet Girl“ demnächst ins Kino. (Dass sie sich nicht auf einen Titel einigen konnten?)
Ein Lieblingsbuch von mir. Eine schmale sehr bewegende, ruhige und doch dramatische Geschichte.
Die Verfilmung hat jede Menge gute Besprechungen bekommen. Ich bin gespannt.

Und dann noch Ottessa Moshfegh düsterer Roman: „Eileen„, den es im Deutschen schon länger als Taschenbuch gibt.
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Auf tagesschau.de gefunden:

UN-Bericht
347 Millionen Kindern in Südasien mangelt es an Wasser

In Südasien leiden mehr Kinder an Wasserknappheit als in jeder anderen Weltregion. Dort seien 347 Millionen Menschen unter 18 Jahren „einer hohen oder extrem hohen Wasserknappheit ausgesetzt“, so das UN-Kinderhilfswerk UNICEF.
In Südasien leiden weltweit am meisten Kinder an Wasserknappheit. Insgesamt sind es 347 Millionen, wie eine Analyse des UN-Kinderhilfswerks UNICEF zeigt. In der bevölkerungsreichsten Region der Welt lebten mehr als ein Viertel aller Kinder. Gleichzeitig gebe es dort aber nur vier Prozent des Wassers in der Welt.
„Sicheres Wasser ist ein Grundmenschenrecht, aber Millionen von Kindern in Südasien haben nicht genügend zu trinken in einer Region, die von Überschwemmungen, Trockenheit und anderen extremen Wetterereignissen, die zunehmend vom Klimawandel ausgelöst werden, geplagt ist“, sagte der für die Region zuständige UNICEF-Chef, Sanjay Wijesekera. …

Den kompletten Bericht finden Sie hier:
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/wasserknappheit-asien-100.html

Mittwoch, 21.Juni


Heute haben
Jean Paul Sartre * 1905
Helmut Heißenbüttel * 1921
Erik Neutsch * 1931
Wulf Kirsten * 1934
Francoise Sagan * 1933
Adam Zagajewski * 1945
Ian McEwan * 1948
Jane Urquhart * 1949
Robert Menasse * 1954
Geburtstag
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Gewitter ist auch nur Wetter, halt etwas erregt.
Manfred Hinrich
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Eine Überraschnung:


John Cage (Text), Lois Long (Illustration): „Matsch!“
Das Backbuch
Aus dem Englischen von Ruth Keen
Kunstmann Verlag € 16,00
Bilderbuch ab 3 Jahren

Wie kann es sein, dass so ein Standardwerk zum Matschkuchenbacken noch nie übersetzt worden ist. Der Musiker John Cage (ja der) und die Designerin Lois Long haben dieses Kinderbuch in den 50er Jahren herausgebracht. So lange mussten wir darauf warten, bis wir endlich wissen, wie man einen super Sandkuchen macht. Da gehört nämlich nicht nur Siebesand, Wasser und ein Förmchen dazu. Wir brauchen die richtige Technik, die passenden Steine und anderes Zubehör dazu:
Dies alles wird uns Schritt für Schritt erklärt und für Fortgeschrittene gibt es noch eine Anleitung für einen Geburtstagskuchen mit Pusteblumen-Kerzen.
„Matsch!“ heisst das Buch ganz einfach und es steckt so voller Phantasie und Lebensfreude, die in allen Kindern steckt und die wir Erwachsene so dringend benötigen.

Leseprobe
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Heute abend um 19 Uhr im m25, Münsterplatz 25
„Der laute Frühling“
Dokumentationsfilm über den Klimawandel


In der globalen Klimabewegung setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass es so nicht weitergehen kann und dass wir einen Systemwechsel brauchen. Der Film schaut mit Hilfe von animierten Sequenzen in die Zukunft und beschreiben, wie jene tiefgreifende gesellschaftliche Transformation, die wir brauchen, aussehen könnte. 
Anschließend besteht Gelegenheit zum Austausch mit Vertreter*innen der Beteiligten: PV-Netzwerk Donau-Iller, unw e.V., Lokale Agenda Ulm 21, BUND, REA Ulm, FFF Ulm/Neu-Ulm.


Montag, 30.Januar


Heute haben
Adalbert von Chamisso * 1781
Hans Erich Nossack * 1901
Barbara Tuchman * 1912
Claudio Rodriguez * 1934
Richard Brautigan * 1935
und Barbara Wood * 1947
Thomas Brezina * 1963
Geburtstag
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Heinrich Wilhelm Gerstenberg (1737 – 1823)
An eine Rose

Du kleine Rose, glaube mir,
Du sollst Lucindens Busen schmücken.
Ich selber will dich ihr
Itzt auf den vollen Busen drücken.

Dann sag ich: „Mädchen, küsse mich,
Sieh, dies hat Flora dir geweihet.
Sieh, wie die Rose sich
Schon über ihre Stelle freuet:“

Doch untersteht ein Jüngling sich
Dich von dem Busen abzubrechen:
Dann, Rose, räche mich,
Dann musst du ihn gewaltsam stechen.

Doch wenn in meines Mädchens Brust
Nach mir sich zarte Wünsche regen –
O die geliebte Brust !
Dann hauch ihr süßen Duft entgegen.
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Unser Buchtipp:


Claire Keegan: „Kleine Dinge wie diese und Das dritte Licht
Übersetzt aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser
Jeweils € 20,00, schön in Leinen gebunden

Claire Keegan war für mich eine der Entdeckungen aus dem letzten Jahr. Ihre Erzählung, ihr schmaler Roman „Kleine Dinge wie diese“ habe ich lange nicht beachtet, nach der Lektüre war ich jedoch hellauf begeistert. Jetzt hat der Steidl Verlag „Das dritte Licht“ neu herausgebracht und wieder ist es ein herausragender Lesegenuss.
Bei beiden Büchern hatte ich Furcht, dass etwas Schlimmes passiert, da die Kurzinhaltsangabe bei „Das dritte Licht“, oder das Nachwort bei „Kleine Dinge“ so etwas vermutenließen. Dies war jedoch nicht der Fall und es sind jeweils Männer die ein großes Herz haben und dies auch durch ihre Taten nach und nach zeigen.
So auch in „Das dritte Licht“, in dem die Erzählerin davon berichtet, wie sie als Mädchen zu ihrer Tante und ihrem Onkel geschickt wird, da ihre Eltern sehr ärmlich leben, der Vater Trinker ist und die Mutter gerade noch ein Kind (zu den anderen) bekommt. So ist eine Mitesserin am Tisch weniger sehr passend.
Bei den Verwandten angekommen, erlebt das Mädchen einen schönen Sommer mit viel Zuneigung und Liebe. Ein Geheimis lastet auf dem Ehepaar, das gegen Ende auch aufgeklärt wird, aber sich nicht auf das freundliche Verhältnis der drei auswirkt. Im Gegenteil.
Auf unserem Büchertisch liegt ein Stapel dieses schmalen Bändchens und ich lege es Ihnen ans Herzen. Die Lektüre wird sie nicht unberührt lassen.

„Das dritte Licht“ („Foster“) wurde mit dem renommierten Davy Byrnes Award ausgezeichnet und in Irland als „The Quite Girl“, ebenfalls preisgekrönt, verfilmt.
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Am Dienstag in einer Woche, am 7.Februar ab 19 Uhr, gibt es wieder eine „1.Seite“
und wir stellen Ihnen vier neue Bücher vor.
Mit dabei natürlich Clemens Grote als Vorleser.
Der Eintritt ist frei.
Wir beginnen pünktlich.

Mittwoch, 5.Juni

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Heute haben
Federico Garcia Lorca * 1898
Otto F.Walter * 1928
Ermanno Cavazzoni * 1947
Thomas Kling * 1957
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Conrad Ferdinand Meyer
Eingelgte Ruder

Meine eingelegten Ruder triefen,
Tropfen fallen langsam in die Tiefen.

Nichts, das mich verdroß! Nichts, das mich freute!
Niederrinnt ein schmerzenloses Heute

Unter mir – ach, aus dem Licht verschwunden –
Träumen schon die schönern meiner Stunden.

Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern:
Sind im Licht noch manche meiner Schwestern?
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Britta Teckentrup: „Fische, Fische überall“
Aus dem Englischen von Angelika Leik
Prestel Verlag € 20,00
Sachbilderbuch ab 6 Jahren

An die einhundert Bilderbücher hat Britta Teckentrup illustriert. Vieles zuerst bei englischen Verlagen, da sie dort studiert und lange gewohnt hat. Hier in Deutschland wurde sie durch ihre Suchwimmelbücher bekannt und schuf wahre Meisterwerke zum Thema: Federn und Eier. Die Nacht, der Mond, der Fuchs, Bäume und das Wetter, die Bienen tauchen bei ihren Büchern auf. Ja, die Natur scheint ihr sehr wichtig zu sein.
Jetzt also Fische. Überall Fische. Überall finden wir sie. Nicht nur in den Ozeanen. Und es gibt sie in allen Formen und Farben. Dies zu illustrieren ist Teckentrups große Stärke. Sie sind klein und dick, groß und sehr lang, die leuchten, sie blinken, sie sind stachelig, könnern sich verändern und gut verstecken. Sie leben an der Oberfläche und aber auch ganz tief unten am Meeresgrund.
Wie lange gibt es Fische schon? Von was ernähren sie sich? Wie sehen sie von innen aus? Können Fische erwachsen werden? Aber auch: Was macht unser Müll, die wir in die Meere kippen mit den Fischen?
Dies und viel mehr finden wir in diesem großen Bilderbuch mit vielen, vielen leuchtenden, collageartigen Bildern.
Warum das Buch allerdings in China gedruckt werden musste? Vielleicht sollte sich der Verlag darüber auch mal Gedanken machen.

Leseprobe
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Hier noch ein ganz spezieller Tipp:

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Die Satanszwerge von Sylt
Die wortreichen Sieben

Die Frieseninsel Sylt hat ein schreckliches Geheimnis. Jahrhundertelang ruhte es unter dem Sand, wurde erst zur Legende und geriet dann in Vergessenheit. Doch der mysteriöse Tod eines Insulaners bringt den Syltern die Erkenntnis: Das Böse ist wieder da…und es hat einiges nachzuholen! Geisterjäger John Sinclair und sein Kollege Suko müssen alle Kräfte mobilisieren, um ihren Gegnern Einhalt zu gebieten – denn sie sind klein, heimtückisch und zahlreich: Die Satanszwerge von Sylt. Schnallen Sie sich an für eine Achterbahnfahrt durch die Untiefen des Trash: Spannend, komisch und zu 99% ernst gemeint. Ein Kultklassiker der Groschenromane als Livehörspiel für Augen, Ohren, Zwerchfell und die ultimative Gänsehaut.

Ensemble: „Die wortreichen Sieben“
Regie: Fabian Gröver
Musik: Benjamin Künzel
Mitwirkende: Christel Mayr, Tini Prüfert, Stefan Maaß, Gunther Nickles, Florian Stern, Benjamin Künzel, Fabian Gröver und Benedikt Paulun

Veranstalter: ROXY gemeinnützige GmbH
Termine:
Samstag, 8.Juni
Dienstag, 11.Juni
Dienstag, 18.Juni
Jeweils um 20 Uhr.
Eintritt: € 14,00

Mittwoch, 30.Januar

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Heute haben
Adalbert von Chamisso * 1781
Richard Brautigan * 1935
und Barbara Wood * 1947
Thomas Brezina * 1963
Geburtstag
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Adelbert von Chamisso
Der Spielmann

Im Städtchen gibt es des Jubels viel,
Da halten sie Hochzeit mit Tanz und mit Spiel.
Dem Fröhlichen blinket der Wein so rot,
Die Braut nur gleicht dem getünchten Tod.

Ja tot für den, den nicht sie vergißt,
Der doch beim Fest nicht Bräutigam ist:
Da steht er immitten der Gäste im Krug,
Und streichelt die Geige lustig genug.

Er streichelt die Geige, sein Haar ergraut,
Es schwingen die Saiten gellend und laut,
Er drückt sie ans Herz und achtet es nicht,
Ob auch sie in tausend Stücke zerbricht.

Es ist gar grausig, wenn einer so stirbt,
Wenn jung sein Herz um Freude noch wirbt.
Ich mag und will nicht länger es sehn!
Das möchte den Kopf mir schwindelnd verdrehn!

Wer heißt euch mit Fingern zeigen auf mich?
O Gott – bewahr uns gnädiglich,
Daß keinen der Wahnsinn übermannt.
Bin selber ein armer Musikant.
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Neu auf DVD:

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„Gundermann“
Regie: Andreas Drese,
Schauspieler: Alexander Scheer/Anna Unterberger u a, D 2018, FSK ab 0
DVD € 15,99

Ins Kino habe ich es nicht geschafft, obwohl mir viele Freunde dazu geraten haben. Na, hätte ich es doch mal besser gemacht. Diese Verfilmung des Lebens und seines Werkes als Liedermacher, Rockmusiker und Baggerfahrer im Braunkohltageabbau ist großartig. Der Zugang zu seinem eigenwilligen Leben erfolgt über die Musik und die Texte und Melodien spiegeln gleichzeitig seine Gefühle, sein Leben wieder.
1955 in der DDR geboren, blieb er bis zu seinem Tode 1984 dort und erlangte immer Erfolg mit seiner Musik. Mit seinen Vorgesetzten, der Partei eckte er öftern an, da er sich nie verbiegen ließ und die Wahrheiten, die Tatsachen direkt ansprach. Er arbeitete als IM und ging damit später auch an die Öffentlichkeit. Gundi führte ein asketischtes Leben, gegen später mit Frau Conny und vier Kindern, sagte, dass er Geld mit ehrlicher Arbeit verdienen und nicht nur von der Kunst leben wolle.
Mit nur 43 Jahren starb er 1998 an einem Schlaganfall. Wohl eine Auswirkung seines intensiven Doppellebens zwischen Bagger und Gitarre.
Mir hat der Name Gundermann nichts gesagt. Erst mit dem Kinofilm wurde ich darauf aufmerksam. Jetzt gehen mir seine Melodien und seine Liedzeilen nicht mehr aus dem Kopf.

https://www.youtube.com/watch?v=H2YJ2Xxi5pI

Auf Wikipedia gibt es einen ausführlichen Eintrag.

Mittwoch 31.Oktober

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Heute haben
John Keats * 1795
Nadeschda Mandelstam * 1899
Jean Amery * 1912
Dick Francis * 1920
Geburtstag
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John Keats
Ode to Autumn

Season of mists and mellow fruitfulness,
Close bosom-friend of the maturing sun;
Conspiring with him how to load and bless
With fruit the vines that round the thatch-eaves run;
To bend with apples the mossed cottage-trees,
And fill all fruit with ripeness to the core;
To swell the gourd, and plump the hazel shells
With a sweet kernel; to set budding more,
And still more, later flowers for the bees,
Until they think warm days will never cease,
For Summer has o’er-brimmed their clammy cell.

Who hath not seen thee oft amid thy store?
Sometimes whoever seeks abroad may find
Thee sitting careless on a granary floor,
Thy hair soft-lifted by the winnowing wind;
Or on a half-reaped furrow sound asleep,
Drowsed with the fume of poppies, while thy hook
Spares the next swath and all its twined flowers;
And sometimes like a gleaner thou dost keep
Steady thy laden head across a brook;
Or by a cider-press, with patient look,
Thou watchest the last oozings, hours by hours.

Where are the songs of Spring? Ay, where are they?
Think not of them, thou hast thy music too,—
While barred clouds bloom the soft-dying day,
And touch the stubble-plains with rosy hue;
Then in a wailful choir, the small gnats mourn
Among the river sallows, borne aloft
Or sinking as the light wind lives or dies;
And full-grown lambs loud bleat from hilly bourn;
Hedge-crickets sing; and now with treble soft
The redbreast whistles from a garden-croft,
And gathering swallows twitter in the skies.
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Filmtipp der Woche:

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Mustang
Regie: Deniz Gamze Ergüven
Frankreich/BRD/Türkei, 2015
FSK ab 12 freigegeben

Fünf Schwestern, die am Meer in der Türkei bei Onkel und Oma wohnen, verabschieden sich am letzten Schultag von ihrer Lehrerin und statt mit dem Bus heim zu fahren, tollen sie und ein paar Jungs im Meer. Dies löst eine gewaltige Lawine aus. Der unbändige Freiheitsdrang und der Zusammenhalt der fünf Mädchen wird auf große Proben gestellt.
Mit lichten und zarten Bilden setzt der Film ein Gegengewicht zum dramatischen Geschehen. Zarte Gefühle gegen tradierte Brutalität.
Und mitten drin die Jüngste der Schwestern. Lale nimmt die Zügel in die Hand und rettet, was zu retten gilt.
Ein starker Film, der Mut macht, ein Film, der einen traurig und erfüllt zurücklässt.
Dazu noch die Musik von Warren Ellis und Nick Cave.

Nominiert für den Oscar 2016.
Nimoniert für den Golden Globe 2016.
Überwältigend“ (New York Times)
Ja, genau. Sag ich doch.
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Heute abend ab 19 Uhr ist das Theater Ulm bei uns zu Gast.

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Der Jastram blog verabschiedet sich bis Sonntag. Dann darf Detlef Surrey wieder ran.

Dienstag, 30.Januar

Heute haben
Adalbert von Chamisso * 1781
Richard Brautigan * 1935
und Barbara Wood * 1947
Thomas Brezina * 1963
Geburtstag
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Adelbert von Chamisso
Der Spielmann

Im Städtchen gibt es des Jubels viel,
Da halten sie Hochzeit mit Tanz und mit Spiel.
Dem Fröhlichen blinket der Wein so rot,
Die Braut nur gleicht dem getünchten Tod.

Ja tot für den, den nicht sie vergißt,
Der doch beim Fest nicht Bräutigam ist:
Da steht er immitten der Gäste im Krug,
Und streichelt die Geige lustig genug.

Er streichelt die Geige, sein Haar ergraut,
Es schwingen die Saiten gellend und laut,
Er drückt sie ans Herz und achtet es nicht,
Ob auch sie in tausend Stücke zerbricht.

Es ist gar grausig, wenn einer so stirbt,
Wenn jung sein Herz um Freude noch wirbt.
Ich mag und will nicht länger es sehn!
Das möchte den Kopf mir schwindelnd verdrehn!

Wer heißt euch mit Fingern zeigen auf mich?
O Gott – bewahr uns gnädiglich,
Daß keinen der Wahnsinn übermannt.
Bin selber ein armer Musikant.
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Gehen Sie unbedingt in den Film „Weit“. Seit 50 Wochen läuft er in deutschen Kinos, hat sich zu einem der erfolgreichsten unabhängigen Filme entwickelt. „Weit“ zeigt die Reise von Gwen und Ptrick, die drei Jahre immer nach Osten gereist sind und zu dritt (mit dem in Mexiko geborenen Bruno) wieder in Freiburg angekommen sind.

Prolog

Uns zieht es hinaus.
Mit Rucksack, Zelt und nur dem, was wir wirklich brauchen.
Und das alles über Land.
Nie den Kontakt zur Erde verlieren.
Immer Strecke spüren.
Über die Meere mit dem Schiff,
denn jeden Meter wollen wir mit all unseren Sinnen wahrnehmen,
mit Zeit reisen.



Wir lernen Grenzen kennen.
Wollen lernen was Verzicht heißt und was Genuss bedeutet.
Es ist der Versuch nicht mehr als 5 Euro am Tag auszugeben.
2 oder 3 Jahre.
Vielleicht mehr, vielleicht weniger.
Wir folgen unserem Weg, sind nichts Besonderes,
hören lediglich auf das Gefühl im Bauch.
Dabei sind Spontanität und Neugierde unsere engsten Begleiter. 



Wir verlassen unser Zuhause, um zu lernen was für andere Heimat bedeutet.
Und es wird einen Film geben.
Irgendwann.
Denn dann sind wir so weit in den Osten gereist,
dass wir über den Westen wieder zurück gekehrt sind.

Schauen Sie sich den Trailer an, gehen Sie ins Kino, egal zu welcher Uhrzeit und in welchem Saal es spielt. Und wenn Sie es nicht schaffen, ab Mitte Februar haben wir hoffentlich diese einzigartige Reise als DVD im Buchladen. Zusammen mit dem Reisetagebuch und der Musik auf CD.

Diese Bilder, diese verschiedenen Menschen werden Sie nicht mehr loslassen. Nicht, dass wir nun unbedingt auch losziehen müssen. Aber wir merken, dass sich Afghanistan nicht nur auf ein politisches Land aus den Nachrichten reduziert, sondern dass es dort auch Menschen gibt. Mit Freude und Lachen, mit Gastfreundschaft und Hoffnungen. Ob in der Mongolei oder Georgien, Mexiko oder Russland – überall gibt es hilfsbereite Menschen. Alle auf dieser einen Welt, egal, was in Davos entschieden wird.

Freitag, 18.August

Heute haben
Elsa Morante * 1912
Alain Robbe-Grillet * 1922
Ulrich Woelk * 1960
Geburtstag.
Aber auch Roman Polanski, Robert Redford und Harald Schmidt.
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Im Duden Gedichtekalender gefunden:

August Kopisch
Die Roggenmuhme

Laß stehn die Blume!
Geh nicht ins Korn!
Die Roggenmuhme
Zieht um da vorn!
Bald duckt sie nieder,
Bald guckt sie wieder:
Sie wird die Kinder fangen,
Die nach den Blumen langen!
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Judith Fülle, Producerin bei Akzente Film, bat mich, ob ich nicht auf die Romanverfilmung von „Tigermilch“ der Autorin Stefanie de Velasco hinweisen könnte, der bei ihnen gedreht worden ist .
Mache ich gerne, zumal mir der Roman sehr gut gefallen. Schwer verkäuflich, aber starker Stoff. Der Film lief gestern in den Kinos an, den Jugendroman gibt es schon als Taschenbuch.

Judith Fülle hat mir drei Kino-Freikarten versprochen.
Also bitte schnell melden und ich verschenke sie.

0731- 67137
info@jastram-buecher.de

Hier geht es zur Filmkritik in der ZEIT

 

9783462047530
Stefanie de Velasco:Tigermilch
Kiepenheuer & Witsch € 9,99

Dienstag, 20.Juni

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Heute hat
Kurt Schwitters * 1887
Geburtstag

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Kurt Schwitters
An Anna Blume

Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir!
Du, Deiner; Dich Dir, ich Dir, Du mir, – – – – wir?
Das gehört beiläufig nicht hierher!

Wer bist Du , ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?
Die Leute sagen, Du wärest.
Laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht.

Du trägst den Hut auf Deinen Füßen und wanderst auf die
Hände,
auf den Händen wanderst Du.

Halloh, Deine roten Kleider, in weiße Falten zersägst,
Rot liebe ich, Anna Blume, rot liebe ich Dir.
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, – – – – – wir?
Das gehört beiläufig in die kalte Glut!
Anna Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute?

Preisfrage:
1.) Anna Blume hat ein Vogel,
2.) Anna Blume ist rot.
3.) Welche Farbe hat der Vogel.

Blau ist die Farbe Deines gelben Haares,
Rot ist die Farbe Deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid,
Du liebes grünes Tier, ich liebe Dir!
Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, – – – – wir!
Das gehört beiläufig in die – – – Glutenkiste.

Anna Blume, Anna, A – – – – N – – – -N- – – – -A!
Ich träufle Deinen Namen.
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg.

Weißt Du es Anna, weißt Du es schon,
Man kann Dich auch von hinten lesen.
Und Du, Du Herrlichste von allen,
Du bist von hinten und von vorne:
A – – – – – – N – – – – – N – – – – – -A.
Rindertalg träufelt STREICHELN über meinen Rücken.
Anna Blume,
Du tropfes Tier,
Ich – – – – – – – liebe – – – – – – – Dir!
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Francesco Giustozzi: „50 Kulissen 50 Filme
Übersetzt von: Christine Schnappinger
Knesebeck Verlag € 9,95

Katz‘ Delikatessen, Louis‘ Restaurant und weitere 48 andere Kultkulissen finden sich in dem kleinformatigen Buch, das wir heute vorstellen. 50 mal raten, um was für einen Film es sich handelt. Wer gut aufgepasst hat, wer sich mit den alten Klassikern auskennt, ist hier klar im Vorteil. Zum Teil sehr einfach. Dann wiederum total verzwickt, da sich die Häuser doch sehr ähneln und wir auf klitzekleine Details achten müssen, wie zum Beispiel eine Telefonzelle, oder eine Leuchtreklame. Ich höre Sie schon rufen: „Oh Mist, ja ich kenne den Film, ich erinnere mich an die Szene, aber mir fällt der Filmtitel nicht ein!“. Oder andersherum, daß Sie beim Spickeln in der Lösung sagen: „Ja klar, den Film habe ich doch auch gesehen!“

Viel Vergnügen beim gemeinsamen Rätseln mit Freunden an einem dieser herrlich warmen Sommerabende. Wenn Sie nicht genug davon haben, es gibt in gleicher Ausstattung auch noch „50 Delikatessen – 50 Filme“.

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