Donnerstag, 3.August

Heute haben
Leon Uris * 1924
PD James * 1920
Christoph Geiser * 1949
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Sommernacht

Niedergangen ist die Sonne,
Doch im Westen glänzt es immer;
Wissen möcht ich wohl, wie lange
Dauert noch der goldne Schimmer?
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Unser Tipp des Tages:

Arno Schmidt: „Es gibt keine Seligkeit ohne Bücher
Über das (Vor)Lesen, Sammeln und Schreiben
Herausgegeben von Bernd Rauschenbach
Suhrkamp Verlag € 15,00

„Erste Lektüre: schlimmer als die erste Liebe!“

Ein Leben ohne Bücher? Für Arno Schmidt unvorstellbar! Sein Vater, ein unpoetischer Wachtmeister, hatte dem Dreijährigen immerhin Karl May und Jules Vernes vorgelesen. Rasch lernte er selbst lesen und konnte sich frei im Fantasiereich der Literatur bewegen. Als junger Mann begann Arno Schmidt in Antiquariaten nach raren Büchern zu stöbern, und seine ersten literarischen Versuche schrieb er in buchähnliche Kladden. Dieser Band versammelt Texte Arno Schmidts zum Thema »der Schriftsteller und das Buch«; er führt die Leser in das »Gewölk von Braun und Gold« alter Bibliotheken, die Schmidt so liebte.
Bernd Rauschenbach hat aus den literarischen Radiosendungen, den sogenannten „Nachtprogrammen“ eine umfangreiche Auswahl getroffen.
Weitere Taschenbuchausgaben sind auch gerade erschienen und vervollständigen diese neue Edition.

Foto: Wilhelm Michels / Arno Schmidt Sonderseite

Leseprobe
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Gestern, am 2.August 2023, war Earth Overshoot Day, zu Deutsch: Erdüberlastungstag. Das bedeutet, dass die Menschheit am heutigen Tag bereits alle Ressourcen aufgebraucht hat, die der Planet innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Im Jahr 1973 lag der Earth Overshoot Day im Dezember. Seitdem wird der Ressourcenverbrauch der Menschheit immer größer. Auch für Jana Rettig vom BUND-Naturschutz ist der heutige Tag bezeichnend. Denn so viel wie der Mensch verbraucht kann die Natur nicht regenerieren. Heute bräuchte es rund 1,7 Erden um den Bedarf der Menschen zu decken. Gemessen am Deutschen verbrauch wären es sogar rund 3 Erden. Für die jungen Menschen bei Fridays for Future bedeutet jeder Tag nach dem Earth Overshoot Day ein Tag auf Kosten zukünftiger Generationen. Deshalb wollen sie auch weiterhin demonstrieren.

https://www.regio-tv.de/mediathek/video/heute-ist-earth-overshoot-day/

Dienstag, 22.Dezember


Hans Leifhelm
Winterwald

Ich geh‘ in einen Winterwald hinein,
der Winterwald muss voller Wunder sein.

Die Tannen stehen enge angeschmiegt,
soweit das Land in tiefer Schneelast liegt.

Und keine Spuren gehen durch den Wald
als vom Getier – und die verwehen bald.

Und manchmal ist ein Seufzen in den Bäumen,
wie Kinder seufzen unter tiefen Träumen.

Der Schnee liegt weiß, so weit ich wandern will;
Da werden alle Menschenwünsche still.
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Gestern frisch eingetrudelt:

Georg Patzer: „Arno Schmidt und Ulm“
Spuren 121
Deutsche Schillergesellschaft € 4,50

Ein kleines Heftchen mit 16 Seiten über eine kleine Geschichte, die schon so oft erzählt worden ist. Fast wäre Arno Schmidt an der HfG angestellt worden. Aus vielen Gründen hat dies allerdings nicht geklappt.
Schmidt war auf der Flucht in ein anderes Bundesland, da er ein Gerichtsverfahren in Trier am Hals hatte. Kein Geld, keine großen Perspektiven. Dann der Ruf nach Ulm.
Aber die Chemie stimmte nicht. Ein paar Jahre später bekommt er nochmals ein Angebot, das er erneut ablehnt.
Es hätte wohl auch nicht gepasst.
Sehr fein gestaltet, mit vielen Fotos, macht diese kleine Arbeit von Georg Patzer viel Vergnügen.
Demnächst soll noch etwas zu diesem Thema erscheinen. Ich bin gespannt.

Vor ein paar Wochen erschien dieses Lesebuch:

Arno Schmidts Zettel´s Traum. Ein Lesebuch

„Arno Schmidts Zettel’s Traum“
Herausgegeben von Bernd Rauschenbach.
Mit einführenden Texten von Susanne Fischer.
Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag.
Gestaltung und Satz Friedrich Forssman
Suhrkamp Verlag € 25,00

Zettel’s Traum – ein großformatiges Buch mit 1300 Seiten und 10 Kilo Gewicht.
Alle kennen wir es. Aber wer hat es gelesen? Innerhalb von 50 Jahren wurde es immerhin 25.000 Mal verkauft.
Bernd Rauschenbach hat hier eine Best-Of Version zusammengestellt und führt uns durch die einzelnen Kapitel dieses Mythos-Werkes.
Spannend auch, dass wir hier nicht in drei Spalten lesen, sondern in einer leicht lesbaren Form.
Ja, es stimmt, durch die Einführungstexte von Susanne Fischer, bekommt man Lust, wieder reinzublättern. Das Format (als größeres Taschenbuch mit Fadenheftung) lässt sich überall mitnehmen.
Hier also die Möglichkeit, aus einem „unlesbaren“ Buch eine spannende Lektüre zu machen.


Freitag, 18.November

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Heute haben
Richard Dehmel * 1863
Klaus Mann * 1906
Margaret Atwood * 1939
und Compay Segundo Geburtstag.
Es ist der Todestag von Marcel Proust.
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Richard Dehmel
Die stille Stadt

Liegt eine Stadt im Tale,
ein blasser Tag vergeht;
es wird nicht lange dauern mehr,
bis weder Mond noch Sterne,
nur Nacht am Himmel steht.

Von allen Bergen drücken
Nebel auf die Stadt;
es dringt kein Dach, nicht Hof noch Haus,
kein Laut aus ihrem Rauch heraus,
kaum Türme noch und Brücken.

Doch als den Wandrer graute,
da ging ein Lichtlein auf im Grund,
und durch den Rauch und Nebel
begann ein leiser Lobgesang
aus Kindermund.
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Gleich zwei Bücher mit Gedichten und Texten von Rühmkorf sind diesen Herbst erschienen. Jetzt gerade das Reclam Bändchen „Rühmkorf zum Vergnügen“, das von Susanne Fischer herausgegeben wurde. Zuvor schon das dicke, mächtige Werk „Sämtliche Gedichte“, herausgegeben von Bernd Rauschenbach. Und wer jetzt ein wenig die Ohren gespitzt hat, merkt sicherlich, dass dahinter die Mitarbeiter der Arno Schmidt Stiftung stehen. Fischer und Rauschenbach waren letzten Sommer bei uns in der Buchhandlung, um Briefe von Schmidt vorzutragen. Jetzt also Rühmkorf. Bernd Rauschenbach geht mit einer Combo und Rühmkorf Gedichten auf Tour. Vielleicht können wir diesen Abend auch einmal in der Literaturwoche in Ulm miterleben. Das wäre schön.

978-3-15-019214-6

Rühmkorf zum Vergnügen
Herausgegeben von Susanne Fischer
Reclam Verlag € 6,00

978-3-498-05802-9

Peter Rühmkorf: „Sämtliche Gedichte 1956 – 2008
Mit einer Auswahl der Gedichte von 1947 – 1955
Herausgegeben von Bernd Rauschenbach
Rowohlt Verlag € 39,95

Peter Rühmkorf wurde 1929 geboren und verstarb 2008. Er war ein Künstler in allen Richtungen. Prosa, Lyrik, Zeichnungen … alles kein Problem für ihn. Gekonnt zeigte er sich in allen Bereichen als großer Künstler. Und war es nicht der Umschlag des Buches „Der Hüter des Misthaufens“, der mich als junger Buchhandelslehrling fasziniert hat?
Peter Rühmkorf war nie der ganz einfache Gedichteschreiber, doch eher der politische, der kritiker Dichter, der sich einmischte. Mal frech, mal melancholisch, aber auch als Schriftsteller mit viel Witz. Er steht damit in der Tradition der großen Dichter wie Heine und Bellmann, der seine Liebe zum Leben, zum Alkohol, zur Liebe und zum Jazz in seinen Texten auslebte.
Susanne Fischers Vorwort ist so klug und erhellend, dass wir mit diesem Wissen noch mehr Vergnügen an ihrer Textauswahl haben.

Nichts Höheres möchte der Reim, als freudig mit den Ohren gelöffelt und der Seele als ein Lockruf eingeflüstert werden. Und nichts Edleres hat er im Sinn, als den Zusammenklang des tragisch Getrennten, fatal Auseinandergerissenen, umständehalber Zerteilten wenigstens für einige Atemzüge lang als möglich erscheinen zu lassen.,schreibt Peter Rühmkorf

Bernd Rauschenbach als Herausgeber der sämtlichen Gedichte von 1956 bis 2008 (mit einer Auswahl der Gedichte von 1947 bis 1955) war sicherlich längere Zeit beschäftigt, bis er diesen Prachtband mit über 600 Seiten zusammengestellt hat. Schön in der Ausstattung, prall von mit Gedichten. Einfach großartig.

Ein kleiner Wind, das wars

Ein kleiner Wind, das wars,
Mehr hielt uns nie,
Und des Mondes goldener Arsch
In der luftleeren Melancholie.

Für heut und allemal,
Wohin unser Herz uns trieb,
Es ist scheißegal,
Woran es hängen blieb.

Und ich berufe mich
Auf das was uns sterblich macht.
Süß und septemberlich –
Es ist eine süffige Nacht.

Wildernd im Ungewissen

Wildernd im Ungewissen,
Im Abflußrohr der Zeit,
Etwas Größe unter den Nagel gerissen,
Etwas Vollkommenheit.

Wir haben um neunzehn Uhr Syringen gebrochen
Und brachen Duft und Gram;
Flieder, mein lieber Mann, wir haben Flieder gerochen,
Wenn der Mond über Deutschland kam.

Im wenig Dauerhaften
Von Wind und Schein verführt –
Weiß ich, ob wir die Sterne verkraften
Bis man uns abserviert?

Bis daß wir abtreten müssen,
Schotter des Schicksals über die Fläche gestreut –
Etwas Größe unter den Nagel gerissen,
Etwas Vollkommenheit.

Sanfte Dämmerung, und mit herabgelassener Hose

Sanfte Dämmerung, und mit herabgelassener Hose,
Mit abgelegtem Jackett,
Spür ich noch einmal des Sommers tiefe Narkose
Hinter dem Ektoderm, hinterm Skelett.
Jage noch einmal die Träume, die nichts mehr erfassen,
In das Feld mit dem Klee.
Dies ist die Stunde, sich hemmungslos fallenzulassen,
v = g · t.
Dies ist die Stunde mit gelockerter Sehne,
Schwimmt Hand und Fuß davon,
Schmerzlich hinter der Endmoräne
Tönt das Akkordeon.
Und da ist kein Widerspruch
In allem, was geschieht,
Wenn der seidene Wind den Lupinengeruch
Über die Ebene zieht.

Samstag

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Bilder aus dem Büchle „Tea Time“, Jaja Verlag

Heute haben
William Butler Yeats * 1865
Fernando Pessoa * 1888
Dorothy Sayers * 1893
Anna Maria Ortese * 1914
Geburtstag

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Zum 150.Geburtstag von W.B.Yeats

Wine comes in at the mouth
And love comes in at the eye;
That’s all we shall know for truth
Before we grow old and die.
I lift the glass to my mouth,
I look at you, and I sigh.
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Unser Buchtipp für’s Wochenende:

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Eve Bunting: „Yard Sale“
Illustrationen von Lauren Castillo
Candlewick Press € 16,90

Wir kennen die Situation in dieser Form ja gar nicht in Deutschland. In den USA ist das wohl üblich. „Yard Sale“, sprich Flohmarkt im eigenen Garten vor dem Haus. So geht es auch Callie und ihrer Familie. Sie ziehen aus ihrem Haus aus in eine kleinere Wohnung und können dorthin nicht alles mitnehmen. Einfach zu wenig Platz. Der kleinen Callie ist dies gar nicht recht, weil da doch viele ihrer Sachen dabei sind. Zum Beispiel auch ihr Kinderbett, das ihre Mutter für $10 verkaufen will. Eine Interessentin will aber nur $5 bezahlen, weil doch auf der Kopfseite ein paar Striche auf dem Holz zu sehen sind. Aber weiss denn niemand, dass Callie diese Striche gemacht hat. So oft hat sie nämlich „Goodbye Moon“ gelesen. Als sich dann noch jemand für ihr kleines rotes Fahrrad interessiert und es schon aufladen will, greift Callie ein und klammert sich ans Hinterrad. Ihr Vater erklärt ihr, dass es vor der neuen Wohnung keinen Gehweg und viel Verkehr gibt und dass sie deshalb das Fahrrad nicht mitnehmen können. Schweren Herzens trennt sich unsere Callie von ihrem Rad, handelt jedoch eine mögliche Rückgabe mit dem Kunden aus.

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Ihre Freundin aus der Nachbarschaft taucht auf, ist traurig, dass Callie wegzieht und will vielleicht ihren kleinen Bruder weggeben und Callie könnte dann bei ihr einziehen. Das findet Callie jedoch nicht so gut. Da wären wohl sie, als auch ihre Eltern traurig. Alle Dämme brechen jedoch, als eine ältere Dame Callie fragt, ob sie auch zu verkaufen sei. Jetzt sehen wir, wie Mama und Papa mit glasigen Augen Callie umarmen und ihr eindringlich sagen, dass sie nie, nie, nie verkäuflich sei. Sie gehören immer zusammen. Das beruhigt unsere Kleine und sie kann nun Interessenten beraten, die noch Lust auf ihre alten Sachen haben. In der neuen Wohnung ist noch alles leer, Callie meint, sie freut sich auf ihr lustiges Klappbett und irgendwie werden sie diesen neuen Fleck passend für sich machen.
So ein rührendes Bilderbuch habe ich schon lange nicht mehr in der Hand gehabt. Die Nacherzählung liest sich vielleicht trauriger, als es ist. Eve Buntings Geschichte lässt uns teilhaben an der großen Veränderung um Callie. Es geht darum, wen du hast und nicht was du hast. Die Bilder von Lauren Castillo liebe ich ganz einfach. Vor einiger Zeit habe ich ihr letztes Bilderbuch vorgestellt („Nana In The City“), in dem es um Angst in der großen Stadt geht. Herrlich. Weiter so.

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Am Donnerstagabend lasen Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach aus den Briefen von Arno Schmidt. Hier zwei kleine Eindrücke:

Und gestern hatten wir Bernd Rauschenbach als Vortragender seiner eigenen skurilen Erzählungen zu Gast.

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Das weitere Programm der Literaturwoche Ulm

Montag

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Heute haben
Charles Reade * 1814
Marguerite Yourcenar *1903
Sara Paretsky * 1947
Lutz Seiler * 1963
Geburtstag

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Werner Färbers wöchentliche UNGEREIMTHEIT DER WOCHE
(Reihe: Der abgeschlossene Kurzkrimi)

ENDE ALLER PLAGEN – 46

Auf dem Einkaufszettel hatte
er ihr notiert in schöner Schrift:
Eine Falle für die Ratte
und eine Packung Rattengift
zwecks Beendigung der Plagen.
Als er das Gift verabreicht hatte,
hörte sie ihn grad‘ noch sagen:
„Die Falle ist dann für die Ratte.


UNGEREIMTHEIT DER WOCHE

(aus: UNGEREIMTHEITEN VON A-Z-A 2015 Kalender)

DER XIAOSAURUS

Zur Kreidezeit warb irgendwann
ein starker Xiaosaurus-Mann
mit einer fürchterlichen Schau
um eine Xiaosaurus-Frau.

Er hat vergeblich sie umworben.
Deshalb sind sie ausgestorben.

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Morgen beginnt die Literaturwoche Ulm mit der literarischen Allzweckwaffe
Tex Rubinowitz. Wir sind gespannt, was uns an dem Abend alles erwartet.

Dienstag, 09. Juni um 19:30 Uhr
Eröffnung der Literaturwoche Ulm 2015 mit Autor und Zeichner Tex Rubinowitz
Ort: Museumsgesellschaft Ulm, Neue Straße 85, 89073 Ulm
Eintritt frei

2014 war der Autor, Satiriker und Karikaturist TEX RUBINOWITZ der überraschende Sieger des renommierten Klagenfurter Bachmannpreises mit seinem Text „Wir waren niemals hier“. Seine satirisch-eigenwillige Art des Erzählens lernen wir an diesem Abend kennen. Rubinowitz stellt seinen neuen Roman „Irma“ vor. An diesem Abend sind auch erstmals seine Zeichnungen zu sehen, die als Ausstellung ab dem 11. Juni im Foyer der Stadtbibliothek Ulm zu sehen sind.

Leseprobe aus seinem Roman „Irma“

Weiter geht es am Donnerstag, 11.Juni um 19:30 Uhr
bei uns in der Buchhandlung.
„Und nun auf, zum Postauto!“ Ein Abend für Arno Schmidt
mit Bernd Rauschenbach und Susanne Fischer

Eintritt frei

Arno Schmidt war der geniale eigenbrötlerische Solitär der deutschen Literatur nach 1945. Sprachgewaltig und innovativ ist sein Werk. Der geschäftsführende Vorstand der Arno-Schmidt-Stiftung , Bernd Rauschenbach, sowie Susanne Fischer (Geschäftsführung, Editionen) lesen an diesem Abend aus seinen Briefen „Und nun auf, zum Postauto!“

»So! : ich hätte’s wieder mal überlebt. … Das Ergebnis? Je nun; ich bin da realistisch … Besseres, als ich bereits vorgelegt habe, werde ich wohl nicht mehr vermögen.« So Arno Schmidt an seinen Schriftstellerkollegen Hans Wollschläger nach Abschluss der Arbeit am Roman Kaff auch Mare Crisium. Überraschend offen äußert sich der einzelgängerische Autor seinen wenigen Freunden gegenüber, spitz und oftmals geradezu maliziös sind seine Formulierungen, wenn er sich etwa an seinen Verleger Ernst Krawehl wendet. Doch welchen Ton er auch anschlägt, immer schon wusste er um sein »großes Talent, Briefe zu schreiben«.

Mehr als 150 Briefe Arno Schmidts versammelt dieser Band, die meisten davon bislang unpubliziert. Unter den Empfängern finden sich Mutter und Schwester, Kriegs- und Schulkameraden, Verleger und Autoren. Die Korrespondenz gibt pointiert formulierte Einblicke in den entbehrungsreichen und ungeheuer disziplinierten Alltag und dient dabei immer auch der Selbstvergewisserung als Schriftsteller: Arno Schmidt erzählt in seinen Briefen anschaulich und witzig vom Leben und vom Schreiben.

Gleich am nächsten Tag, Freitag, 12. Juni um 19:30 Uhr liest Bernd Rauschenbach aus seinem Band mit Erzählungen „Applausordnung. 15 Auftritte“
Ort: Kulturbuchhandlung Jastram
Eintritt frei

Der Mensch ist das Tier, das auftritt.
Ob im Theater, im Fernsehen, im Radio, in Gesprächen mit Fremden, im Umgang mit Freunden, in Biergärten, Delphinshows, ja selbst im Traum:
Der Mensch verstellt sich – und entblößt sich dabei.
Immer aber spielt er eine Rolle, die nach Applaus verlangt.

Bernd Rauschenbach ist nicht nur Leiter der Arno-Schmidt-Stiftung in Bargfeld. Rauschenbach tritt als Rezitator auf und las zahlreiche Hörbuch-CDs ein, etwa zu Arno Schmidt, Kurt Schwitters, Ethan Coen, Josipovic und Grimms Märchen. Neben Arno Schmidts Werken edierte Rauschenbach auch sämtliche Gedichte von Peter Rühmkorf und veröffentlichte zahlreiche literarische Texte und Essays sowie Theaterstücke.

Am Sonntag, den 14. Juni ab 19:30 dann Hanna Münch und Heike Sauer mit ihrem Programm „Gute Aussicht„, woraus sie einen Teil bei uns in der Buchhandlung vorgestellt hatten.
Café Schneiderei, Schillerstraße 1/4, 89077 Ulm
Eintritt: 6 / 4 €

Damit aber noch nicht genug. In der Woche darauf geht es noch weiter.
Hier das komplette Programm der Literaturwoche Ulm.

Mittwoch

Termine der Literaturwoche Ulm

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Heute haben
Detlev von Liliencron * 1844
Martin Gregor-Dellin * 1926
Allen Ginsberg * 1926
Monika Maron * 1941
Philippe Djian * 1949
Norbert Gstrein * 1961
Geburtstag.
Es ist der Todestag von Franz Kafka und Arno Schmidt
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„Zweifellos ist in mir die Gier nach Büchern. Nicht eigentlich sie zu besitzen oder zu lesen, als vielmehr sie zu sehen, mich in der Auslage eines Buchhändlers von ihrem Bestand zu überzeugen.“
Franz Kafka., aus: Tagebücher, 11.11.1911

„Und was heißt schon New York? Großstadt ist Großstadt;
ich war oft genug in Hannover.“
Arno Schmidt

Am Donnerstag, den 11.Juni lesen Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach aus den Briefen von Arno Schmidt, die unter dem Titel „Und nun auf, zum Postauto!!“ bei Suhrkamp erschienen sind.
Beginn ist 19:30.
Der Eintritt ist frei.
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Buchtipp des Tages:

Roma

Jakob Straub: „Roma Rotunda“
Text von Mark Gisbourne
Deutsch, Englisch
96 Seiten, 37 Abb.
19,50 x 38,50 cm
gebunden, Leporello
Verlag Hatje Cantz € 45,00

Ja, Sie haben richtig gelesen. Es ist ein Leporello. Und was für eins. 18 Meter (in Worten: achtzehn) lang ist dieses Buchkunstwerk und verneigt sich somit in voller Länge vor den 36 Kuppeln in Rom, bei denen wir uns normalerweise fast die Halswirbel ausrenken, wenn wir sie anschauen wollen.

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(Bildrechte: Hatje Cantz)

Der Berliner Grafikdesigner und Fotograf Jakob Straub (*1975) reiste in den letzten Jahren immer wieder nach Rom, um mit seiner analogen Mittelformatkamera Kuppeln im Innern von Kirchen und Profanbauten zu fotografieren. Dabei interessierte ihn nicht unbedingt die Kirchengeschichte, sondern betrachtete diese Formen und Farben nach architektonischen und ästhetischen Gesichtspunkten. Wie Mandalas, wie Blumenbilder, Kristalle liegen diese Kuppelbilder vor uns und wir stauen über die Symetrie, die Struktur und die Farbgebung, als wären es Gemälde und keine dreidimensionalen Kuppeln. Diese Himmel lassen uns stauen, genauso wie Marco Lodoli u.a. in seinen „Insel in Rom“ schreibt. Er beschreibt die Scheinkuppel in Sant Ignazio und meint, dass so eine Kuppel, die gar keine ist, jeden Rombesucher umhaut. Und so ähnlich geht es uns auch mit diesen fotografierten Kuppeln. Schöner ist es wahrscheinlich nur, wenn wir direkt vor Ort sind. Aber da heisst es erstmal suchen und finden und auf geeignete Öffnungszeiten hoffen (was nicht so einfach sein dürfte). Hier liegen diese Kunstwerke vor ihnen und das Blättern in einem so langen Leporello hat ein ganz eigene Aussagekraft.

Dienstag

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Heute haben
Edmond Huot de Goncourt* 1822
Vitezslav Nerval * 1900
Erich Hackl * 1931
Geburtstag
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Heute auf dem Kalenderblatt des Harenberg Literaturkalender 2015 entdeckt:

Friedrich Hebbel
Der junge Schiffer

Dort bläht ein Schiff die Segel,
Frisch saust hinein der Wind;
Der Anker wird gelichtet,
Das Steuer flugs gerichtet,
Nun fliegt’s hinaus geschwind.

Ein kühner Wasservogel
Kreist grüßend um den Mast,
Die Sonne brennt herunter,
Manch Fischlein, blank und munter,
Umgaukelt keck den Gast.

Wär‘ gern hinein gesprungen,
Da draußen ist mein Reich!
Ich bin ja jung von Jahren,
Da ist’s mir nur ums Fahren,
Wohin? Das gilt mir gleich!

Und auf geht’s in die neue Woche!
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Buchtipp:

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Ruth Schweikert: „Wie wir älter werden“
S.Fischer Verlag € 21,99
als eBook € 18,99

10 Jahre musste wir auf den neuen Roman von Ruth Schweikert warten. Es hat sich gelohnt. Nachdem ich gelesen habe, dass die 49jährige Autorin fünf Söhne hat, wundert es mich sowieso, wie sie so einen verschachtelten, vertrackten Roman auf die Beine gestellt hat.

Auf dem Esstisch lagen die Carmina von Horaz. Jacques hatte nachts geblättert darin, als der Hustenreiz endlich nachließ, und wie so oft war er hängen geblieben an jenem Gedicht, das mit Integer vitae begann und von der Begegnung mit einem Wolf erzählte, der den Dichter nicht anfiel, obwohl (oder gerade weil?) er keine Waffen bei sich trug; seine einzige Waffe war das integere Leben, das der Erzähler offenbar führte, frei von Schuld und Frevel; darin stimmte Jacques mit Horaz überein; die Wölfe, die Bedrohungen und Gefährdungen, die Angriffe in seinem und auf sein Leben waren nie von außen gekommen, sondern hatten ihren Ursprung, die verborgene Höhle, in der sie heranwuchsen, stets in ihm selbst gehabt.

Die Wölfe von aussen und das Schweigen von innen, beherrschen dieses Buch, das mit unendlich vielen Erzählsträngen hantiert. Von den Nachkriegsjahren, über die Mondlandung, zur Olympiade in München geht es bis in die Gegenwart und zeigt, wie zwei Familien unzertrennlich miteinander verbunden sind und nicht voneinander loskommen. Die beiden alten Ehepaar hatten sich neun Jahre getrennt und in einer Familien enstanden drei Kuckuckskinder. Schweigen ist das oberste Gebot. Ein Schweigen, dass  kaum auszuhalten ist. Ein Schweigen zum Schutz der vielen Kinder und Enkelkinder, die jedoch nicht damit zurecht ommen und oft daran zerbrechen und scheitern. Ruth Schweikert erzählt diesen Roman nicht chronologisch, hüpft von einer Person zur anderen, nimmt Zeitsprünge in Kauf und macht uns das Lesen nicht leicht. Sie hat jedoch die Gabe, dies alles in einer einfachen Sprache zu erzählen, die in langen Sätzen münden und oft im letzten Nebensatz das Wichtigste präsentieren und unser Interesse wecken, wie es mit dieser Person weitergeht. Gerne würde ich ihren Schreibplan sehen, um zu schauen, wie sie dieses Personen und Handlungsstränge unter einen Hut bekommen hat.
Genau das macht auch diesen besonderen Roman aus. Wir lesen ein neues Kapitel, wissen im Moment gar nicht, wer denn dieses (Enkel)kind schon wieder ist und in welche Familie es gehört und doch lassen wir uns darauf ein, genießen die neuen Ideen und Finten der Autorin, entdecken die Zusammenhänge und bevor wir ausrufen: „Ja, jetzt weiss ich es!“, ist sie schon weiter, bei einer anderen Figur und einer neuen Geschichte. Ich ließ mich also fallen, genoß jede Seite und entdeckte immer wieder Anspielungen aus anderen Romanen, oder meinte zumindest, so etwas zu lesen. Ruth Schweikert hat mit diesem Generationenbuch einen neuen deutschen Roman hingelegt, der Maßstäbe jetzt und erst einmal eingeholt werden muss.
Lassen Sie sich auf dieses Abenteuer dieser drei Generationen und deren Wegen durch Irrungen und Wirrungen des Lebens und der Liebe ein.

Leseprobe

Vita

Ruth Schweikert wurde 1964 in Lörrach geboren und ist in der Schweiz aufgewachsen. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Zürich und ist als Schriftstellerin und Theaterautorin tätig. Von ihr erschien 1994 der vielbeachtete Erzählungsband „Erdnüsse. Totschlagen“ und 1998 ihr erster Roman „Augen zu“. 1994 erhielt sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb das Bertelsmann-Stipendium und 1999 den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung. Zuletzt erschien 2005 ihr Roman „Ohio“.
(Quelle: S.Fischer Verlag)
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Die Literaturwoche steht vor der Tür, die Handzettel sind gedruckt und werden verteilt.
Im Juni gibt es jede Menge Lesungen und Ausstellungen in Ulm und Neu-Ulm.
Kleine Verlage und große Autoren, KünstlerInnen und eine Bloggerin, ein Ingeborg-Bachmann-Preisträger und eine Theatertruppe und vieles mehr, stehen für Sie bereit.
Mehr dazu auf der Website der Literaturwoche:

Literaturwoche Ulm 2015

Bei uns in der Buchhandlung kommt es nach langer Zeit wieder zu einem Treffen mit unserem „Hausheiligen“ Arno Schmidt. Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach werden am Donnerstag, den 11.Juni aus Arno Schmidts Briefen vorlesen, die als Buch unter dem Titel: „Und nun auf, zum Postauto!!“ veröffentlicht worden sind.
Einen Tag später, am Freitag, den 12.Juni, liest Bernd Rauschenbach aus seinen Erzählungen, die gesammelt unter dem Titel: „Applausordnung“ erschienen sind.
Beginn ist jeweils 19:30