Freitag, 18.Dezember

Die Weihnachtsinstallation von Christel Müller in unserem Kinderbuchfenster

Der gestrige Tag war wieder voll mit Rechnungen schreiben und verpacken, verschicken und ausfahren, damit Ihre bestellten Bücher noch rechtzeitig bei Ihnen ankommen.
Als ich dann kurz vor 19 Uhr meine Runde mit dem Lastenrad drehen wollte, fingen die Glocken der Ulmer Kirchen zu läuten an.
Am Abend des 17.Dezembers 1944 wurde Ulm zu 80 % zerstört. Alte KundInnen berichteten mir immer wieder im Buchladen von ihren Erinnerungen. So saß ich also auf dem Fahrrad auf dem leeren Münsterplatz, auf dem normalerweise der Weihnachtsmarkt brodelt und hörte den Glocken zu.
Zu Hause angekommen begann das Konzert mit Daniel Barenboim und seinem Ostwest Diwan Orchester zu Ehren von Beethovens Geburtstag. Das 3.Klavierkonzert und die 5.Sinfonie standen auf dem Programm.
Bewegt und mit Tränen in den Augen sah ich diese jungen Menschen aus Israel und Palästina mit Abstand und Mundschutz und hörte dieser unglaubliche Musik,
Da merkte ich erst, was uns allen fehlt und wie gut es tut, bei all dem vielen Gerede dieser Tage, so etwas miterleben zu dürfen. Diese Musik in einem leeren Konzertsaal.

Auf der ARD Mediathek können Sie das Konzert anschauen:

https://www.3sat.de/kultur/musik/250-jahre-ludwig-van-beethoven-bonn-100.html


Das ist auch der Grund, warum ich Ihnen das neue Buch von Colum McCann ans Herz lege.
Apeirogon“ (übersetzt von Volker Oldenburg) ist im Rowohlt Verlag für € 25,00 erschienen und erzählt in einer sehr eigenen Art von zwei Männern (einem Israeli und einem Palästinser), die beide ihre Töchter mit 10 und 13 Jahren in diesem Konflikt verloren haben. Getroffen haben sie sich in einer Vereinigung, die sich für Frieden und Versöhnung in diesem Gebiet stark machen.
Mit einer riesigen Menschlichkeit und Wärme erzählt McCann von diesen Schicksalen, wie ich es selten in der Literatur gelesen habe.
Vielleicht (nein: ganz bestimmt) passt dieses Buch zur Musik von Beethoven, die so viele Facetten in sich beinhaltet und mir Kraft und Mut und Zuversicht gibt.

Leseprobe

Mittwoch, 30.September

Heute haben
Ferdinand von Saar * 1833
Truman Capote * 1924
Élie Wiesel 1928
Jurek Becker * 1937
Werner Schmidli * 1939
Cecilia Ahern * 1981
Geburtstag
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Christian Friedrich Hebbel
Dies ist ein Herbsttag

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
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Eine Entdeckung:

Grigory Sokolov. „Beethoven / Brahms / Mozart“
Deutsche Grammophon
Doppel-CD plus einer DVD € 29,99

Ich nehme mir die CD-Box zur Hand und bin erstaunt, dass neben den beiden CDs noch eine DVD mit einem Konzert aus Turin dabei ist.
Kurz nach den ersten Tönen, merke ich, dass dies etwas besonderes ist. Die Stücke kenne ich, aber irgendwie hat Sokolov einen besonderen Anschlag, oder Spieltechnik. Ich schaue über den Pianisten nach und bin erstaunt über die Informationen, die ich über ihn bekomme.
Er gilt als Antistar, gibt keine Interviews, tritt nicht mit Orchester auf und es gibt keine Studio-Aufnahmen von ihm. Die Deutsche Grammophon durfte Konzerte des vergangenen Jahres aufnehmen und hat nun einen Zusammenschnitt veröffentlicht.
Beethoven und Brahms steht auf dem Programm. Frühes und spätes, nicht die Hits der beiden Komponisten, sondern kurze Stücke, denen Sokolov jedes Mal einen eigenen Ton gibt. Und wenn es denn mal langsam und leise wird, ist es schon fast unwirklich schön.
Daniel Barenboim nennt ihn den derzeit besten Pianisten und wenn wir hören, wie locker er mit den Fingern über die Tasten gleitet und das am Ende eines Konzertes und mit siebzig Jahren, da hat der Meister wohl recht.
Schön auch die vielen Zugaben, für die Sokolov berühmt ist.