Donnerstag, 15.Februar

Heute haben
Johann Jakob Wilhelm Heinse * 1746
Elke Heidenreich * 1943
Miranda July * 1974
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Winter am See

Stumm
Liegt der See
Felsen frieren am Ufer
Eisschollen starren
Gen Himmel
Während die Sonne
Über den Horizont späht
Hineinhorcht
Und auf das Seufzen wartet
Im Eis
Auf mildes Wehen
Auf Bersten und Krachen
Auf tauende Kanten
Und der Welt
Erwachen
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Diane Broeckhoven: „Ein Tag mit Herrn Jules
Aus dem Niederländischen von Isabel Hessel
Unionsverlag € 12,00

„Ein ganz liebenswertes, kleines, schönes Buch darüber, wie Rituale uns helfen, große Verluste zu überwinden.“
Schreibt das heutige Geburtstagskind Elke Heidenreich.

Seit vielen Jahren wird Alice durch den Kaffeduft aus der Küche geweckt. Ihr Mann vollzieht dieses Ritual mit großer Liebe und Fürsorge.
So auch heute an diesem Wintertag. Der Duft zieht ins Schlafzimmer. Alice erinnert sich, dass der autistische Nachbarsjunge David gegen später zu einer Partie Schach mit Jules kommen wird.
Als sie die Küche betritt, ist der Kaffee aufgebrüht, der Tisch gedeckt, ihr Ehemann Jules sitzt jedoch tot auf dem Sofa. Nach dem Schock beschließt Alice noch einen Tag mit ihrem Ehemann zu vebringen. Einen letzten Tag, sie beiden zusammen. Auch David wundert sich nicht und sagt dann auch, dass das ja nur noch die Hülle von Herrn Jules sei.
Alice erinnert sich in dieser, nicht mal 100 Seiten starken Geschichte, an ihr gemeinsamen Leben mit Jules. Und: Alice hat noch das eine oder andere mit Jules zu klären, worüber sie nie gesprochen haben.

Vor einigen Tagen haben wir hier „Salzwasser“ von Charles Simmons vorgestellt. In diesem schmalen Roman geht es auch um den Tod und Erinnerungen. „Ein Tag mit Herrn Jules“ ist ein weiteres Buch aus dem C.H.Beck Verlag, das jetzt mal wieder als Taschenbuch veröffentlicht wurde.

Dienstag, 23.Januar

Heute haben
Clara Reeve * 1729
Stendhal * 1783
Camilla Collett * 1813
Sergej Eisenstein * 1898
Anna Maria Jokl * 1911
Derek Walcott * 1930
Joao Ubaldo Ribeiro * 1941
Geburtstag
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„Das ist doch eine sehr seltsame Sache: Man hat etwas geschrieben und es ist mal erschienen – und das Leben ist völlig anders weitergegangen, die Welt ist völlig anders weitergegangen, alles hat sich verändert.“
Anna Maria Jokl
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Endlich wieder lieferbar:

Charles Simmons: „Salzwasser
Asu dem Amerikanischen von Susanne Hornfeck
C.H.Beck Verlag 14,00

Es sind oft die ersten Sätze eines Romanes, die erste Seite, sogar das erste Wort, das uns aufmerksam werden lässt. Anna Kareninas Beginn ist weltberühmt und „Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank.“ des Romanes „Salzwasser“ enthält schon alle Elemente dieser wehmütig schönen Geschichte.
Charles Simmons erzählt hier die Erzählung „Erste Liebe“ von Iwan Turgenjew nach. Er hält sich streng an das Gerüst und den Plot der Geschichte. Und doch ist es ein sehr gegenwärtiges Bild der großbürgerlichen Gesellschaft im Sommer an der Ostküste der USA. Sie kennt keine Sorgen, ist weltoffen und doch sieht es hinter den jeweiligen Fassaden ganz anders aus.
In der Rückschau von 30 Jahren berichtet der Erzähler von seiner ersten Liebe. Vielmehr über die Zeit der Liebe vor der ersten Liebe, als eine junge Frau mit Tochter in den Sommerferien bei der Familie auftaucht. Liebe und Schmerz, Sehnsucht und Heimlichkeiten verbindet Charles Simmons zu einem luftig leichten und doch hochdramatischen schmalen Roman. Er klingt fast wie eine Novelle.
Ich glaube, es war das damalige Literarische Quartett, das diesen Roman hochgelobt und den Autor in Deutschland bekannt gemacht hat. Jetzt hat der Beck Verlag dieses schmale Meisterwerk (mal wieder) veröffentlicht und in dieser Taschenbuchausgabe passt es in jede Tasche und wir können beruhigt das Smartphone steckenlassen und „Salzwasser“ herausziehen. Wir haben sicherlich mehr davon.

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Einladung zur Gründungsveranstaltung am 26.01.2024

Liebe Mitglieder und Unterstützer*innen der Donau-Energie eG, liebe Interessierte,
mit den besten Wünschen für ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2024 möchten wir Sie, wie bereits
angekündigt, ganz herzlich zu unserer Gründungsveranstaltung am Freitag, den 26. Januar um 18 Uhr im Stadthaus Ulm einladen. Es erwartet Sie ein informativer Abend mit Raum für Ihre Fragen. Vorstand, Aufsichtsrat und die Aktiven der Donau-Energie eG stellen sich vor. Wir freuen uns außerdem, dass wir hochkarätige Vortragende begrüßen dürfen:

Prof. Gerd Heilscher, Technische Hochschule Ulm
Die Rolle der Donau-Energie bei der regionalen Energiewende

Almut Petersen, Aufsichtsratsvorsitzende der Bürgerwerke eG Heidelberg
Bürgerenergiegenossenschaften: warum sie so wichtig für das Gelingen der Energiewende sind und wie sie kooperieren können.

Zum Ausklang gibt es eine Poster-Ausstellung zu unseren Arbeitsbereichen und die Möglichkeit, bei einem kleinen Sektumtrunk miteinander ins Gespräch zu kommen.

Freundliche Grüße
Das gesamte Team der Donau-Energie eG
Wir schaffen die Energiewende in der Region Ulm und Neu-Ulm
Donau-Energie eG, Ostpreußenweg 36, 89075 Ulm
info@donau-energie.org
www.donau-energie.org

Vorstände: Dr. Wilfried Clauß, Eugen Schlachter
Aufsichtsratsvorsitzender: Manfred Bächle

Mittwoch, 10.Januar


Heute haben
Annette von Droste-Hülshoff * 1797
Ingeborg Drewitz * 1923
Jutta Treiber * 1949
Yasmina Khadra * 1955
Antonio Munoz Molina * 1956
Giselher W.Hoffmann * 1958
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„Solange ich lebe, habe ich nicht einfach nur zu atmen, sondern diese Art Kraft, die ich durchs Atmen aufnehme, habe ich auch nach außen zu tragen.“
Ingeborg Drewitz
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Werner Bätzing: „Homo Destructor“
Eine Mensch-Umwelt-Geschichte
Von der Entstehung des Menschen zur Zerstörung der Welt
C.H.Beck Verlag € 32,00

Der große Natur- und Alpenforscher Werner Bätzing, legt in seinem großen Werk dar, dass ein weiter so nicht mehr geht. Der Mensch hat bis zur Industriellen Revolution im Einklang mit der Natur gelebt. Er hat darauf geachtet, dass die vom Menschen benutzte Natur sich wieder erholen konnte und ihm auch im neuen Jahr wieder zunutze war. Erst in der Moderne setzt sich ein Denken und Handeln durch, das Natur und Umwelt kurzfristig vernutzt, ohne an ihre Erhaltung und an die Auswirkungen für die Zukunft zu denken, so der Autor. Mittlerweile wird deutlich, dass ein solches Denken und Handeln die gesamte Umwelt immer mehr zerstört und letztlich zur Selbstzerstörung des Menschen führt.
Diese etwas andere Menschheitsgeschichte ist prall voll mit Informationen, stark gegliedert und mit einem großen Anhang versehen.
In Kapitel 3 geht es um die „Jäger- und Sammler-Gesellschaft“. Im nächsten über „egalitäre Bauerngesellschaften“, bis er im 10. Kapitel zum „Beitrag der Mensch-Umwelt-Geschichte zur aktuellen Umweltkrise“ kommt. Diese Kapitel sind wiederum unterteilt und bieten somit einen guten Überblick auf diesen 450 Seiten.
Werner Blätzings Lösung? Für ihn ist klar, dass nur ein Weniger in allen Bereichen die große Umweltkatastrophe lindern kann. Weniger soll aber nicht als Verzicht gesehen werden, sondern als Chance sich wieder selbst zu verwirklichen. Zu merken auf was es wirklich ankommt. Dies, und auch seine anderen Lösungsansätze, sind nicht durch eine Revolution, oder (wie im Moment) durch kleine, innerstaatliche Veränderungen, zu erreichen. Seiner Meinung nach werden auf uns große Veränderungen zukommen. Sowohl was Migration und Lebensräume angeht, als auch was z.B. das Finanzwesen betrifft.
So bleibt für ihn nur, unser Wissen, unsere Möglichkeiten einzusetzen, mit weniger wieder ein besseres, erträglicheres Leben zu sichern.

Leseprobe
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Gestern auf tagesschau.de:

EU-Klimadienst Copernicus
„Wärmer als in den vergangenen 100.000 Jahren“

Es wird immer wärmer auf der Erde: Im vergangenen Jahr lag die globale Temperatur laut EU-Klimawandeldienst Copernicus 1,48 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900 – ein neuer Höchstwert.
Das vergangene Jahr ist laut EU-Klimawandeldienst Copernicus nur knapp unterhalb der 1,5-Grad-Schwelle geblieben. Die Temperatur lag global 1,48 Grad höher als im Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900, wie Copernicus zum Bericht „Global Climate Highlights 2023“ mitteilte.
„Es ist wahrscheinlich, dass die Temperaturen 2023 wärmer waren als in den vergangenen 100.000 Jahren“, sagte Samantha Burgess, stellvertretende Direktorin des Copernicus Climate Change Service (C3S). Klimaforschende können das historische Klima indirekt etwa aus Baumringen oder Luftblasen in Gletschern rekonstruieren.
Dass das Jahr das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1850 war, hatte Copernicus bereits im Dezember mitgeteilt. Es sei davon auszugehen, dass noch im Januar oder Februar 2024 ein Zeitraum von dann 12 Monaten über der 1,5-Grad-Schwelle liege, hieß es nun.

Hier geht es zum kompletten Artikel.
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Bericht von Munich Re
Unsummen durch Unwetter

Naturkatastrophen haben laut dem Rückversicherer Munich vergangenes Jahr Schäden von 250 Milliarden Dollar verursacht und Zehntausende Menschenleben gefordert. In Nordamerika und Europa gab es so hohe Gewitterschäden wie noch nie.
Erdbeben, Wirbelstürme, Überschwemmungen, Unwetter und sonstige Naturereignisse haben 2023 weltweit Schäden von 250 Milliarden Dollar angerichtet und kosteten 74.000 Menschen das Leben. Das berichtet der Rückversicherer Munich Re in der neuen Ausgabe seines jährlichen Naturkatastrophenreports.
Die Zahl der Todesopfer sei die höchste seit 2010, sagte Ernst Rauch, der Chef-Geowissenschaftler des DAX-Konzerns. Die meisten Opfer forderte die verheerende Erdbebenserie in der Türkei und Syrien im Februar mit 58.000 Toten. Auch mit Blick auf die volkswirtschaftlichen Schäden von 50 Milliarden Dollar war dies die schlimmste Naturkatastrophe des vergangenen Jahres.
Die Munich Re dokumentiert seit Jahrzehnten die weltweiten von der Natur verursachten Zerstörungen, da dies für die Berechnung der Versicherungsbeiträge von Bedeutung ist. Das Geschäft des Konzerns besteht darin, die Risiken von Versicherungsunternehmen abzusichern.

Hier geht es zum kompletten Artikel.

Montag, 11.Dezember


Heute haben
Christian Dietrich Grabbe * 1801
Alfred de Musset * 1810
Paul Kornfeld * 1889
Nagib Mahfus * 1911
Alexander Solschenizyn * 1918
Grace Paley * 1922
Geburtstag
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“Let us go forth with fear and courage and rage to save the world.”
Grace Paley
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Wir ziehen wieder ein besonderes Buch aus dem Regal:


Francois Cheng: „Fünf Meditationen über den Tod und über das Leben
C.H.Beck Verlag € 14,00
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Herbei, o ihr Lesenden, fröhlich triumphierend,
O kommet, o kommet nach Jastram hin!

Thomas Dietrich
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Gestern wurde der Friedensnobelpreis an die iranischen Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi verliehen.

Auf tagesschau.de gab es ein Interview:

Der iranischen Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi wurde in Abwesenheit der Friedensnobelpreis verliehen. Im Interview aus dem Gefängnis sprach sie zuvor über „Weiße Folter“ und ihren größten Schmerz. Sie befindet sich im Hungerstreik.

ARD: Sie können den Friedensnobelpreis nicht persönlich entgegennehmen. Was ist Ihre Botschaft zum Tag der Preisverleihung?

Narges Mohammadi: Ich fordere die Welt auf, die Verwirklichung der Menschenrechte im Iran, in Afghanistan und in allen Völkern der Region für einen dauerhaften Frieden zu unterstützen und Menschenrechte als absolut notwendig und als Voraussetzung für jegliche Verhandlungen, Verträge und Kontakte mit diesen Regierungen zu betrachten. Solange in den Ländern des Nahen Ostens keine Demokratie erreicht wird, wird ein dauerhafter Frieden nicht Wirklichkeit werden. Autoritäre Regierungen sind die Quelle extremistischer und terroristischer Bewegungen, die weltweit Unsicherheit, Gewalt und Instabilität verbreiten. Demokratie wird in den Ländern des Nahen Ostens nicht erreicht werden, solange in diesen Ländern Menschenrechte und Zivilgesellschaft nicht geschützt werden.

ARD: Der Friedensnobelpreis ehrt auch all jene iranischen Frauen, die seit dem Tod von Jina Mahsa Amini vor einem Jahr unter dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ gegen das Regime auf die Straße gegangen sind. Wo steht diese Bewegung jetzt?

Mohammadi: Die religiös-autoritäre Regierung hat die Befreiungsbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ mit aller Macht und mit allen Ressourcen unerbittlich unterdrückt; mit den gewalttätigsten Methoden. Die Regierung ist gezwungen, ihre Unterdrückung in alle gesellschaftlichen Milieus auszuweiten. Repression findet überall statt: In Schulen, sogar in Grundschulen, Universitäten, auf den Straßen, in Krankenhäusern, Konzerten, Stadien und Sporthallen, bei politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen. Die Menschen konfrontieren die Regierung immer mehr, indem sie sich auf kreative und vielfältige Weise in sozialen Bewegungen organisieren. Dass die Regierung ihre Unterdrückung derart ausweitet, zeigt, wie stark die Proteste sind und wie breit sie mittlerweile in der Gesellschaft verankert sind. Auch wenn der Protest nicht mehr auf der Straße ist, sein Geist ist noch da.

ARD: Sie haben in Isolationshaft die sogenannte Weiße Folter selbst vier Mal erleben müssen. Sie berichten, wie Sie und andere Insassen in zwei mal drei Meter kleine, permanent erleuchtete Zellen gesperrt werden, häufig ohne Tageslicht. Welche Wirkung hatte diese Einzelhaft auf Sie selbst?

Mohammadi: Als ich 2001 zum ersten Mal in Isolationshaft kam, war ich 29 Jahre alt. In der Zelle spürte ich nur Angst, Schrecken und Unsicherheit. Die Einzelzelle war für mich ein unbekanntes Phänomen, ich war völlig verwirrt und fassungslos. Die Verhöre bestanden nur aus Drohungen, es gab keine normalen Gespräche oder Worte. Die sich ausbreitende Stille war wie ein ständiger Schrei, der meine Gehirnzellen lahmlegte. Auch meine zweite Isolationshaft im Jahr 2010, als meine Kinder, die Zwillinge Ali und Kiana, drei Jahre und fünf Monate alt waren, war quasi tödlich. Es war ein Ort der Qual. Das Leiden dieser Zeit ist unbeschreiblich. Ich weiß nicht, wie ich es ertragen habe.
Diese Zeit ist ein endloser, schrecklicher Albtraum in meinem Inneren. Während dieser Zeit fiel ich in der Zelle mehrmals in Ohnmacht. Mein Körper war übersät mit Prellungen und Wunden. Trotz der Angst, diese Isolationshaft wieder erleben zu müssen, bin ich entschlossen, den Kampf fortzusetzen.

ARD: Sie haben andere Folteropfer interviewt, die der Film „Unbreakable“ nun erstmals im deutschen Fernsehen zeigt. Mit diesen Interviews haben sie zeigen können, wie politische Häftlinge psychisch gebrochen und zu falschen Geständnissen gezwungen wurden, aufgrund derer ihnen die Verurteilung und teilweise auch die Hinrichtung droht. Was hat Sie während Ihrer Interviews am meisten bewegt?

Mohammadi: Was mich schockierte und was für mich schwer zu fassen war, waren die Auswirkungen und Folgen der Einzelhaft. Selbst die Menschen, deren Isolationshaft schon Jahrzehnte her war, sprachen von den immer noch anhaltenden Auswirkungen auf ihren Geist, ihre Seele und sogar ihren Körper. Es ist eine erschreckende Wirklichkeit. Und trotzdem erhalten Menschen, die Einzelhaft durchleben mussten, weiterhin keine Behandlung für diese Traumata. Das liegt daran, dass so wenig über diese Art der Folter bekannt ist. Die Berichte von Menschen, die in Isolationshaft waren und Weißer Folter ausgesetzt waren, sind unerträglich. Ich musste die Gespräche mehrmals unterbrechen, weil Erzählungen wie jene über erzwungene Geständnisse so verstörend waren. Ich denke oft an diejenigen, die in Isolationshaft erzwungene Geständnisse abgelegt haben und hingerichtet wurden. Ihre Geschichten sind mit ihnen begraben.Trennung von den Kindern „wie Sterben“

ARD: Sie waren jahrelang im Gefängnis und kämpfen weiterhin. Gibt es Momente, in denen Sie schwach sind?

Mohammadi: Während die Jahre meines Lebens hinter den Mauern des Evin-Gefängnisses vergingen, war es immer mein Ziel, gegen die Ungerechtigkeit aufzustehen und zu kämpfen. Dreimal nahmen mich Regimekräfte fest, trennten mich von meinen Kindern und brachten mich ins Gefängnis. Da zweifelte ich jedes Mal an meiner Überlebensfähigkeit. Das Wort „schwierig“ ist definitiv nicht laut und deutlich genug.

Die Trennung von Kiana und Ali war fast wie Sterben. In den Momenten, in denen ich über das Fehlen einer Mutter während Alis und Kianas Kindheit und Jugend nachdenke, überkommt mich manchmal eine erdrückende Traurigkeit, die mich denken lässt, dass ich das nicht überlebe – auch wenn ich durch diese lange Trennung nicht besiegt werde. Für meinen Einsatz für Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie habe ich als Frau, Mutter und Mensch alles aufgegeben und das bereue ich nicht. Aber das gilt nicht für meine Kinder Ali und Kiana. Ich bedaure, dass ich nicht bei ihnen sein kann.

Das Gespräch führte Katja Deiß, HR

Über das Leben von Narges Mohammadi sendet das Erste um 23:35 Uhr die Dokumentation „Unbreakable – Mein Freiheitskampf im Iran“.


Rowohlt Verlag € 14,00

Dienstag, 25.April

Heute haben
Claude Mariac * 1914
Albert Uderzo * 1927
José A.Valente * 1929
Per Gunnar Evander * 1933
Elfriede Czurda * 1946
Geburtstag
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Adolf Schults (1820-1858)
Tief und Hoch

Tief im dunklen Tann
Vollbringt sein Werk der Zimmermann:
Axtschläge hör ich dröhnen,
Die Säge hör ich stöhnen:
Wie drückt die Sorge so sehr,
Wie ist das Leben so schwer!

Hoch über sonniger Au
Jubelt die Lerche im Himmelsblau:
Den Fittig seh ich sie schwingen,
Ich höre sie jauchzen und singen:
Wie herrlich ist’s hier in den Höhn,
Das Leben wie leicht, wie schön!
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Franziska Grillmeier: „Die Insel
Ein Bericht vom Ausnahmezustand an den Rändern Europas
C.H.Beck Verlag € 24,00

Franziska Grillmeiers Aufzeichnungen erzählen detailliert und mit großem Einfühlungsvermögen vom Alltag an Europas Grenzen und vergegenwärtigen die systematischen Rechtsbrüche, die dort tagtäglich begangen werden. Ein genauso bewegender wie erschütternder Bericht über jene, deren Ausgrenzung nach ihrer Ankunft in Europa kein Ende nimmt, und über die unmenschliche Realität an den Rändern der Europäischen Union.
Die Journalistin Franziska Grillmeier ist 2018 auf die griechische Insel Lesvos gezogen, wo sich zwischenzeitlich das größte Fluchtlager Europas befand. In ihrem Buch nimmt sie auch die Momente zwischen den Schlagzeilen in den Blick, taucht tief in die Lebenswirklichkeit der geflüchteten Menschen ein und zeigt, wie sie sich nach ihrer Ankunft in Europa erneuten Traumatisierungen widersetzen müssen. Grillmeier bewegt sich in Moria, in der Hafenstadt, im Norden der Insel und reist an weitere europäische Grenzorte, an denen die Systematik der Ausgrenzung ähnlich funktioniert. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Geflüchteten selbst, die in zahllosen Gesprächen zu Wort kommen und deren Lebenswege erzählt werden. Die Autorin zeigt, was das Lagerleben mit einem Menschen macht – und reflektiert zugleich, wie das Inselleben auf sie selbst zurückwirkt: Während Grillmeier als Beobachterin aus freien Stücken kommen und gehen kann, endet dort für die Geflüchteten die Erzählung des offenen Europas. Auch die Kriminalisierung der humanitären Hilfe, der Abbau der Pressefreiheit, die Überlastung der Inselbewohner:innen und der Zynismus der Politik in Brüssel und Athen spielen eine zentrale Rolle. So zeichnet Grillmeier durch ihre stillen, doch eindringlichen Begegnungen ein erschütterndes Bild der Menschenrechtsverletzungen an den Rändern der Europäischen Union.   

Bei der Lektüre des Buch steigt bei mir Wut auf. Wut über die Arbeit von PolitikerInnen in Berlin und in Brüssel, die mit Menschenleben spielen.

Dieser Zynismus wird mal wieder vom FDP Minister Wissing auf die Spitze getrieben.

Mehr als 25.000 Menschen sind in den vergangenen zehn Jahren im Mittelmeer ertrunken. Allein in diesem Jahr 2.400. Nicht zu vergessen die mehr als 60 Menschen, die vergangenen Sonntag vor der Küste Süd-Italiens gestorben sind.
Die Ampel-Koalition will die zivile Seenotrettung stärken. Insgesamt erhält sie acht Millionnen Euro.
Doch Verkehrsministerium Volker Wissing, der den Koalitionsvertrag mitunterschrieben hat, plant eine Änderung der Schiffsicherheitsverordnung. Damit wird die Arbeit der Ampel torpediert. Denn die damit einhergehenden Sicherheitsauflagen können Seenotrettungsschiffe kaum erfüllen. Sie bedeuten Umbauten, Versicherungshürden und erhebliche Mehrkosten. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Die zivile Seenotrettung darf nicht behindert werden.“ Doch nichts anderes tut das Verkehrsministerium.
Die Schiffe von Sea Watch, SOS Humanity und Sea Eye retten jedes Jahr Hunderte von Menschen und Volker Wissing arbeitet dagegen. Sein Arbeiten gegen Maßnahmen, um die anrollendes Klimakatastrophe abzumildern, sind ja schon schlimm genug. Dies jedoch ist menschenverachtend.
Wie können Sie noch schlafen, Herr Wissing?
Was sagen Sie Ihren Kindern und Enkelkindern?
„How dare you!“, sagte Grete Thunberg und ich wiederhole dies gerne.
„Wie können Sie es wagen!“

Hier geht es zu einem weiteren Bericht zu diesem Vorgehen und zu einer Petition:

https://weact.campact.de/petitions/stopp-herr-wissing-seenotrettung-darf-nicht-behindert-werden

Montag, 17.April

Heute haben
K.P.Kavafis * 1863
Tania Blixen * 1885
Thornton Wilder * 1897
Udo Werner Steinberg * 1913
Cynthia Ozick *1928
Rolf Schneider * 1932
Nick Hornby * 1957
Geburtstag
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Wolfgang Borchert
Das graurotgrüne Großstadtlied

Rote Münder, die aus grauen Schatten glühn,
girren einen süßen Schwindel.
Und der Mond grinst goldiggrün
durch das Nebelbündel.

Graue Straßen, rote Dächer,
mittendrin mal grün ein Licht.
Heimwärts gröhlt ein später Zecher
mit verknittertem Gesicht.

Grauer Stein und rotes Blut –
morgen früh ist alles gut.
Morgen weht ein grünes Blatt
über einer grauen Stadt.
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Jetzt als Taschenbuch erschienen und wer das Buch in der gebundenen Ausgabe noch nicht gelesen hat, sollte dies jetzt nachholen. Es lohnt sich.

Gabriele von Arnim:
Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

Rowohlt Verlag € 14,00

Ein Paar, beide erfolgreich, großer Freundeskreis, finanziell und gesellschaftlich bestens situiert. Sie denkt an Trennung. An dem Tag, als Sie ihn damit konfrontiert, wird er abends mit einem Schlaganfall in die Klinik eingeliefert. Alles kommt anders. Es gibt einen zweiten Infarkt und viele Komplikationen. 10 Jahre dauert dieses gemeinsame ganz andere Leben, mit einem Mann der sich nicht mehr artikulieren, aber nach wie vor ganz klar denken kann. Freunde werden weniger. Schwer zu ertragen und zu verstehen für Menschen, denen Gesellschaft und Kommunikation immer sehr wichtig und notwendig war. Plötzlich sind sie zu zweit, angebunden ans Haus und Reisen geht auch nicht mehr. Er ist der Kranke und sie ist die Frau des Kranken. Das neue Leben erscheint düster und farblos, doch es sind zehn Jahre mit neuen erstaunlichen Farbnuancen, von der Autorin so ehrlich und überzeugend erzählt. Das Miteinander, das vor der Krankheit keines mehr war, ist nun wahrhaftig und trotz allem meistens gut.
Es ist schwierig, die richtigen Worte für dieses wunderbare Buch zu finden. Selten habe ich so ein kluges, feinfühliges Buch gelesen. Es ist in keinster Weise deprimierend. Es ist so positiv, trotz aller Katastrophen, Zusammenbrüchen, Ängsten und Zerissenheiten zwischen Aufopferung, Würde und Selbstfürsorge.

Gabriele von Arnim wurde 1946 in Hamburg geboren. Sie hat studiert, promoviert und zehn Jahre als freie Journalistin in New York gelebt. Danach schrieb sie u.a. für die DIE ZEIT und DIE SÜDDEUTSCHE, BR und WDR und arbeitete als Moderatorin für ARTE, den SDR/SWR und den SF. Sie schreibt Rezensionen für Zeitungen und Hörfunk, moderiert Lesungen, hat mehrere Bücher veröffentlicht und lebt in Berlin.
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Unsere Veranstaltungen in dieser und der nächsten Woche:

Mittwoch, 19.April, 19 Uhr
Janina Hecht: „In diesen Sommern“

Sparkasse Ulm, Neue Mitte
Eintritt € 17, inkl. Buffet.
Der Erlös geht an das Kinderschutzzentrum des Kinderschutzbundes Ulm/Neu-Ulm
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Österreich auf der Leipziger Buchmesse

Donnerstag, 20.April, 19 Uhr
Der Droschl Verlag stellt sich vor.

Die Verlagsleiterin Annette Knoch hat
Carolina Schutti und Bodo Hell mit im Gepäck.
Zusätzlich noch ein paar Flaschen Steirischen Wein.
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 6,00
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Österreich auf der Leipziger Buchmesse

Freitag, 28.April, 19 Uhr
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 10,00

Samstag, 15.April

Heute haben
Anatol France *1844
Edmond Jabès * 1912
Peter Ustinov * 1921
Sarah Kirsch * 1935
Rolf Dieter Brinkmann * 1940
Sibylle Lewitscharoff * 1954
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Traumverloren

Nichts ist geblieben
Kein Alaska
Keine Wüste
Kein Dschungel mehr
Kein Shangri-La
Ohne das Leid der Welt
Ohne Fieber und Gier
Ohne die Irrungen
Im großen Labyrinth
Ist alles
Verpixelt und verwischt
Inmitten der Verlorenen
Gibt es keinen Rückzugsort
Allein
Das BesinnungsLos
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Lesung mit Janina Hecht
Mittwoch, 19.April, 19 Uhr
im Studio der Sparkasse Ulm Neue Mitte
Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 2
Eintritt € 17,00

Karten für die Lesung mit Janina Hecht sind per Mail an innerwheelclub.ulm@gmx.de sowie an der Abendkasse erhältlich.
Mit den Erlösen der Veranstaltung wird das Kinderschutzzentrum des Kinderschutzbundes Ulm/Neu-Ulm e.V. unterstützt. www.kinderschutzbund-ulm.de

Spenden sind herzlich willkommen:
Inner Wheel Hilfe e.V. Ulm
IBAN: DE24 6305 0000 0021 1422 39
Verwendungszweck: Spende Kinderschutzbund

Dank an den Förderkreis der Schriftsteller:innen in Baden-Württemberg für die Unterstützung dieser Veranstaltung. www.schriftsteller-in-bawue.de


Unsere Besprechung auf dem Jastramblog im Januar:

Janina Hecht: „In diesen Sommern
C.H.Beck Verlag € 20,00

„Mein Vater, wie er ganz ruhig den Tag beginnt, nicht ausgeglichen, aber stabil. Nie schrie er am Beginn des Tages, er ging mit vorsichtigen Schritten, manchmal etwas Weiches in seinem Gesicht. Als hätte sich erst danach etwas verändert, als führten erst der Mittag und der Nachmittag in eine andere Richtung, und an jedem Morgen hätte es die Möglichkeit zu einem anderen Verlauf der Geschichte gegeben, die ich schreibe.“

Die 1983 bei Stuttgart geborene Autorin tastet sich leise und vorsichtig an „ihre“ Kindheit und Jugend heran. An die schönen Tage im Urlaub, das erste Fahren auf dem Rad, an die Sportsendungen im Fernseher mit dem Vater und das Blumenkübelbepflanzen mit der Mutter. Mit dabei ist meist ihr drei Jahre jüngerer Brüder. Diese Idylle wird durch die Gewaltausbrüche des Vaters gestört. Wenn er einen bestimmten Alkoholpegel überschritten hat, weiß niemand in der Familie, auf welche Art es dieses Mal wieder eskaliert.
In kurzen Kapiteln blättert Janina Hecht ihr „Tagebuch“ auf und nimmt uns mit auf eine Reise ins Erwachsen-, ins Unabhängigwerden mit.
Ein ruhiges Buch, das lange nachhallt.

Donnerstag, 2.Februar

Heute haben
Johann Christoph Gottsched * 1700
James Joyce * 1882
Aldo Palazzeschi * 1885
Ayn Rand * 1905
Hella Haasse * 1918
Joanna Bator * 1968
Geburtstag
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Kurt Tucholsky

Ich gucke freundlich um die Oecke
und greife voller Seelenruh
der Muse unter ihre Röcke . . .
Und dabei, Leser, siehst du zu –?

Sie quietscht. Ich grinse. Sie verstehen:
Nicht immer gilt der Klassik Maß.
Denn was wir im Verborgnen drehen,
macht uns am allermeisten Spaß –!

(aus: Fromme Gesänge)
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Unser Bilderbuchtipp:


Franz Hohler (Text) und Kathrin Schärer (Illustrationen):
Das kleine Wildschwein und die Krähen
Hanser Kinderbuchverlag € 16,00
Bilderbuch ab 3 Jahren

Das Wildschwein-Ehepaar bringt ihren Kindern bei, wie sie die Erde aufwühlen, um an Wurzeln zu kommen, oder Stängel abknicken, um Maiskolben essen zu können.
Das kleinste Wildschwein hört jedoch lieber den Vögeln zu und grunzt im Bass mit. das gelingt so gut, dass es in den Vogelchor aufgenommmen wird. Großes Kopschütteln bei den verwirrten Eltern. Das kleine Wildschwein teilt sogar seine Maiskolben mit den Vögeln. Das geht so lange gut, bis es krank wird und auch Kastanien, die der Vater extra jenseits des Gotthardpasses holt nichts mehr helfen. Immer dünner wird das Kleine. Auch der Gesang der Vögel nützt nichts mehr. Nur Kastanien aus Paris würden es retten, meint der Wildschweindoktor. Aber so weit kann kein Wildschwein rennen. Wie gut, wenn man Freunde hat, die fliegen können …

Eine herrliche Tiergeschichte von Franz Hohler und in ihrer gekonnten Art passend illustriert von Kathrin Schärer.

Leseprobe
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Hier eine kleine Vorschau unserer Veranstaltungen:

Dienstag, 7.Februar, 19 Uhr
„Die 1.Seite“

Wir stellen folgende Bücher vor:
Claire Keegan: „Das dritte Licht“
H. W. Richter: „Geschichten aus Bansin“
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“
Adi Hübel & Dietmar Herzog präsentieren ihr Buch: „Bei Anruf Wort“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Die „1.Seite“ gibt es immer am 1.Dienstag im Monat um 19 Uhr.
Also am 7.3., 4.4. … Im Mai fällt die „1.Seite“ aus.

Dienstag, 14.Februar, 19 Uhr
Jana Bürgers und ihre Zeit in der Ukraine

Im Rahmen der „Winterhilfe für die Ukraine“
des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Im Anschluß Lyrik auf ukrainisch und deutsch
Bei uns in der Buchhandlung
Eine Spendenkasse steht bereit

Dienstag, 28.Februar, 19 Uhr
SüdwestPresse Forum
Elisabeth Zoll: „Wir bleiben!“

Warum sich Frauen aus der katholischen
Kirche nicht vertreiben lassen.
Im Stadthaus Ulm
Eintritt € 6,50

Mittwoch, 19.April, 19 oder 20 Uhr
Janina Hecht: „In diesen Sommern“

Sparkasse Ulm, Neue Mitte

Freitag, 28.April, 19 Uhr
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 10,00

Mittwoch, 25.Oktober, 19 Uhr
Judith Hermann: „Wir hätten uns alles gesagt“

Ort noch nicht bekannt
Eintritt € 10,00
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Konferenz Arctic Frontiers
„Die Arktis verliert ihren Schutzschild“

Das arktische Eis schmilzt schneller als gedacht. Über die Folgen debattieren Experten auf einer Konferenz im norwegischen Tromsö. Warum die Lage trotzdem nicht ausweglos ist, erklärt Meeresbiologin Boetius im Interview.

tagesschau.de: Bei der Konferenz geht es darum, wie der Klimawandel die Arktis verändert. Wie sehen die Auswirkungen aus?

Antje Boetius: Die sind recht dramatisch, so sagen es alle hier. Ob es die Vereinigung der Bürgermeister der Arktis ist, ob es die Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Völker sind, ob Wissenschaft oder Politik – alle sind sich einig: Keine andere Region der Erde steht vor solchen Herausforderungen, denn die Erderwärmung schreitet hier drei- bis viermal so schnell voran wie im Rest des Planeten.

Und das merkt man bei Eis und Schnee, bei Extremwettern oder bei der Frage nach den Chancen der jungen Generation. Die Frage ist: Wie geht man damit um, dass diese Krise überall zu merken ist und alle betrifft?

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Das komplette Interview finden Sie hier auf tagesschau.de vom 1.2.2023

Mittwoch, 11.Januar


Heute haben
Helmut Zenker * 1949
Diana Gabaldon * 1952
Bert Papenfuß * 1956
Jasper Fforde * 1961
Katharina Hacker * 1967
Mathias Énard * 1972
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Sag ichs euch, geliebte Bäume

Sag ichs euch, geliebte Bäume?
Die ich ahndevoll gepflanzt,
Als die wunderbarsten Träume
Morgenrötlich mich umtanzt.
Ach, ihr wisst es, wie ich liebe,
Die so schön mich wiederliebt,
Die den reinsten meiner Triebe
Mir noch reiner wiedergibt.
Wachset wie aus meinem Herzen,
Treibet in die Luft hinein,
Denn ich grub viel Freud und Schmerzen
Unter eure Wurzeln ein.
Bringet Schatten, traget Früchte,
Neue Freude jeden Tag;
Nur dass ich sie dichte, dichte,
Dicht bei ihr genießen mag.
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Jetzt erst entdeckt:


Janina Hecht: „In diesen Sommern
C.H.Beck Verlag € 20,00

„Mein Vater, wie er ganz ruhig den Tag beginnt, nicht ausgeglichen, aber stabil. Nie schrie er am Beginn des Tages, er ging mit vorsichtigen Schritten, manchmal etwas Weiches in seinem Gesicht. Als hätte sich erst danach etwas verändert, als führten erst der Mittag und der Nachmittag in eine andere Richtung, und an jedem Morgen hätte es die Möglichkeit zu einem anderen Verlauf der Geschichte gegeben, die ich schreibe.“

Die 1983 bei Stuttgart geborene Autorin tastet sich leise und vorsichtig an „ihre“ Kindheit und Jugend heran. An die schönen Tage im Urlaub, das erste Fahren auf dem Rad, an die Sportsendungen im Fernseher mit dem Vater und das Blumenkübelbepflanzen mit der Mutter. Mit dabei ist meist ihr drei Jahre jüngerer Brüder. Diese Idylle wird durch die Gewaltausbrüche des Vaters gestört. Wenn er einen bestimmten Alkoholpegel überschritten hat, weiß niemand in der Familie, auf welche Art es dieses Mal wieder eskaliert.
In kurzen Kapiteln blättert Janina Hecht ihr „Tagebuch“ auf und nimmt uns mit auf eine Reise ins Erwachsen-, ins Unabhängigwerden mit.
Ein ruhiges Buch, das lange nachhallt.

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Lützenrath wird geräumt.
Hier geht es zum Liveticker des WDR:
https://www1.wdr.de/nachrichten/luetzerath-live-ticker-raeumung-garzweiler-tagebau-100.html
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Jury der „Sprachkritischen Aktion“
Klimaterroristen“ ist Unwort des Jahres 2022

Im Zuge der Protestaktionen von Klimaaktivisten ist unter anderem der Begriff „Klimaterroristen“ gefallen. Der Begriff wurde nun zum Unwort des Jahres 2022 gekürt. Die Aktivisten würden damit „kriminalisiert und diffamiert“, hieß es zur Begründung.

Der Begriff „Klimaterroristen“ wurde zum Unwort des Jahres 2022 gekürt. Das gab die sprachkritische „Unwort“-Aktion in Marburg bekannt. Der Ausdruck sei im öffentlichen Diskurs benutzt worden, um Aktivisten und deren Proteste für mehr Klimaschutz zu diskreditieren, begründete die Jury ihre Wahl.

Sie kritisierte die Verwendung des Begriffs, weil Aktivistinnen und Aktivisten mit Terroristen „gleichgesetzt und dadurch kriminalisiert und diffamiert werden“. Gewaltlose Protestformen zivilen Ungehorsams und demokratischen Widerstands würden so in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt, rügte die Jury. Zudem verschiebe der Begriff „den Fokus der Debatte von den berechtigten inhaltlichen Forderungen der Gruppe hin zum Umgang mit Protestierenden“. Der Ausdrucke zähle zu einer Reihe von weiteren Begriffen aus der öffentlichen Debatte, die Aktivistinnen und Aktivisten sowie deren Ziele diffamierten – unter anderem „Ökoterrorismus“ oder „Klima-RAF“.

Den kompletten Artikel gibt es auf tagesschau.de


Dienstag, 22.November


Heute haben
George Eliot * 1819
André Gide * 1869
William Kotzwinkle * 1943
Valery Wilson Wesley * 1947
Viktor Pelewin * 1962
Geburtstag
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Anja Kampmann
moorchaussee

am ende beginnt die marsch
das land dehnt sich in flachen carrées
um die man hunde führt und müde beine
laufen alles ist alltäglich
im herbst spurten die rehe schneller
als der geist zu den aufleuchtenden lichtern
laternenumzüge martinsbrot
inzwischen sind feuer verboten
aber das rauschen hier ist wie
der himmel und zeigt oben weitere straßen
ums moor ziehen sie jetzt zäune
auf den schildern bleiben die entfernungen stets
exakt. und der himmel ist geflutet
mit heimwegen die im dunkeln
unsicher blinken.
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Unser Buchtipp:


Yuval Noah Harari: „Wie wir Menschen die Welt eroberten“
Übersetzt von Birgit Niehaus
Illustriert von Richard Zaplana Ruiz
dtv € 20,00
Kinder/Jugendbuch ab 10 Jahren

Den erfolgreichen Buchautor Harari lässt sein Thema „Menschheitsgeschichte“ nicht los und das ist gut so.
Nach seinem (immer noch) sehr erfolgreichem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ folgten noch zwei weitere Bände über die Gegenwart und unsere Zukunft. Danach zwei Graphic Novels „Sapiens“ und jetzt noch einmal ein Buch für Leser:innen ab 10 Jahren.
Und wieder spannt er einen großen Bogen von der Entstehung der ersten Menschen, bis hin zu den Problemen unserer heutigen Zeit, wie zum Beispiel Klimakrise, Pandemie und die zunehmende, übergriffige Digitalisierung.
Wie konnte sich dieser körperlich relativ schwache Affe zum Herrn der Welt aufschwingen? Und was musste er tun, um sich die Erde untertan zu machen? Und was ist daraus entstanden und was können wir aus dieser Entwicklung lernen?
Yuval Noah Harari nimmt sich dafür Zeit und möchte diese Geschichte für Jugendliche in vier Bänden erzählen.
Hier also „Unstoppable Us“ Band 1, wie die Reihe im Original heißt.

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Heute Abend:

Dienstag, 22.November, 19 Uhr
Dr.Martin Mäntele stellt uns Otl Aicher vor.

100 Jahre Otl Aicher, 100 Plakate im HfG-Archiv
Eintritt frei

Achtung!!
Alle, die zum Vortrag kommen, erhalten eine Freikarte für die Otl Aicher-Ausstellung oben in der HfG
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