Dienstag, 5.September

Heute haben
Christoph Martin Wieland * 1733
August Wilhelm von Schlegel * 1767
Heimito von Doderer * 1896
Arthur Koestler *1905
Lily Brett 1946
Geburtstag
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„Der Wein gibt Witz und stärkt den Magen.“
Christop Martin Wieland
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Unser Buchtipp:


Jami Attenberg: „Bis hierher war’s ein weiter Weg

Mein ach so grandioses Leben als Autorin
Aus dem Amerikanischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 26,00
All the Way to Meet You
Writing Myself Home
Amerikanische Ausgabe € 14,90

Seit ihrem ersten Buch in deutscher Übersetzung, „Die Middlesteins“, haben wir alle folgenden Neuerscheinungen der us-amerikanischen Autorin bei uns auf dem Neuerscheinungstisch. Als sie noch in Brooklyn lebte, fuhr sie jährlich für ein paar Monate nach New Orleans, um einen weiteren Roman zu schreiben. Mittlerweile lebt sie dort fest.
Mit Bis hierher war’s ein weiter Weg hat sie einen weiteren Höhepunkt in ihrem Schaffen erreicht.
Das Reisen steckt Jami Attenberg wohl in den Genen, denn ihr Vater war schon Handlungsreisender. Und so zieht sich dieses Thema durch ihr autobiographisches Buch. Stundenlange, tagelange Fahrten auf ihren Lesereisen und zu Veranstaltungen mit ein paar handvoll ZuhörerInnen, präg(t)en ihren Alltag. Reise ich oder laufe ich weg, kann man im Buch lesen. Aber es ist auch eine Reise durch ihr Werk, durch Literatur allgemein und eine Reise durch ihr bewegtes Leben als Frau, das sie mit unglaublichem Humor beschreibt, sich selbst auf die Schippe nimmt, obwohl es einige Aufs und Abs gibt.
Jami Attenberg erzählt dies nicht chronologisch, sondern mäandert mal hier- mal dorthin und hüpft durch die Zeiten. Ihr ist mit diesem Roman-Essay eine wunderbare Liebeserklärung an die Kunst des Schreibens gelungen.
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Haben Sie Lust auf einen Vater-Sohn Roadtrip in einem ollen Camper durch das vereiste Niemandsland in den USA? Auf die Geschichte der alten Mutter als Schwimmerin, die ins Vergessen hinübergleitet? Oder auf das Porträt zweier Frauen aus verschiedensten Jahrhunderten in den Marschlande bei Hamburg? Oder auf das Buch des Jahres in Schweden?
Dann kommen Sie doch heute abend zu uns in die Buchhandlung.

Clemens Grote liest, im Rahmen unserer 1.Seite, aus vier neuen Romanen.
Der Eintritt ist wie immer frei.
Wir beginnen pünktlich.
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Afrika und der Klimawandel
Mit voller Wucht

Von Sandra Biegger, SWR auf tagesschau.de

Die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent verursachen einen Bruchteil der klimaschädlichen Treibhausgase – bekommen die Folgen der Erderwärmung aber mit voller Härte zu spüren. Das zeigt ein Bericht der Weltwetterorganisation.
Die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf feiert in diesen Tagen Geburtstag. Vor 150 Jahren wurde sie gegründet, um die weltweite Zusammenarbeit der meteorologischen Dienste voranzutreiben. Immer häufiger beschäftigt sich die UN-Organisation auch mit den globalen Auswirkungen des Klimawandels, die bereits auf der ganzen Welt zu spüren sind.
Afrika habe aber besonders darunter zu leiden, sagt Chris Hewitt von der WMO. Es sei zwar nicht Aufgabe seiner Organisation, Fragen globaler Gerechtigkeit zu klären, die Fakten seien jedoch klar. „Die afrikanischen Länder stoßen weniger CO2 aus als andere Regionen der Welt. Dennoch sind sie gleich stark vom Klimawandel betroffen – wenn nicht noch mehr“, erklärt er.

Den kompletten Artikel finden Sie hier.

Mittwoch, 21.Juli

Heute haben
Hans Fallada * 1893
Ernest Hemingway * 1899
Mohammed Dib * 1920
Brigitte Reimann * 1933
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Im Zwielicht

Mein Herz
Meine Seele
Was ist mit dir
So frage ich dich
Wenn du die Augen öffnest
Im Zwielicht zwischen Tag und Nacht
Und du nicht weißt
Ob es hell wird oder dunkel
Ob das Leben
In den Tod mündet
Oder der Tod ins Leben
Wie alt du bist oder wie jung

Was ist
Mit dir, mit mir
So frage ich mich
Wenn das Bewusstsein im Schmerz versinkt
Immer wieder versinkt und
auftaucht
Ein gefaltetes Papierschiffchen
Auf dem Meer der Zeit
Allein irgendwo
Zwischen Vergangenheit und Zukunft
Zwischen Mutter und Tochter
zwischen Vater und Sohn

Was ist mit uns
So frage ich dich
Gibt es eine Ankunft oder
Gibt es nur eine Wiederkehr
Welchen Weg, welche Sicherheit
Wie kann ich überhaupt fragen
Solange ich durch Neptuns Nebel irre
In dem ich wie ein Blinder
Nach den Händen greife
Die sich mir aus dem Nichts entgegen strecken
Als wollten sie mein Schiffchen
Auf Kurs halten

Wie kann ich es wagen…
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Jami Attenberg: „Ist alles deins!“
Aus dem Amerikanischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 24,00

Wieder steht eine Familie im Mittelpunkt. Alles ist nicht mehr so, wie es einmal wahr. Trump ist an der Regierung, die Stadt New Orleans ist noch vom Hurrikan Katrina gezeichnet und die einzelnen Familienmitglieder kämpfen mit ihren eignen Macken und ums persönliche Weiterleben. Das dominante Familienoberhaupt Victor Tuchman kommt mit einem Herzinfarkt in Krankenhaus und löst damit bei allen Personen unterschiedliche Reaktionen aus. Der Sohn der Familie verweigert den Besuch im Krankenhaus, die Tochter fährt nur hin, um mit der Mutter zu reden. Diese ist gefangen im Fitnesswahn und zählt jeden Schritt auf den langen Fluren.
Jami Attenberg lässt die einzelen Personen zu Wort kommen und baut damit ein Mosaik zusammen, das sie mit Witz und Ironie unterfüttert, obwohl die gescheiterten Lebenseinstellungen nicht mehr zu retten sind.
Eine Welt im Umbruch, die Menschen darauf in Verwirrung und kaum ein Halt, um sich daran festzuhalten. Machtspiele und Abhängigkeiten zeigt sie messerscharf hier im Kleinen, und gleichzeitig sehen wir diese Kombination überall, wenn wir uns umschauen.
Ein Roman, der sich in einem Rutsch lesen lässt.

Leseprobe
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Hafenkonzert: Somewhere Beyon the Sea
Mit „Dogs of the Bay“


Bekannte Süß- und Salzwasser-Songs = „Hafenkonzert“:
1. in „Pauls Biergarten“ (Neu-Ulm) am 22.07., 19 – 21.30 Uhr 
2. in der „Kunstzone“ Pfuhl am 24.07., 20.00 Uhr
Eintritt frei 
mit dabei: unser „Vorleser“ Clemens Grote                                  
Reservierung@pauls-biergarten.de        
kunstzonepfuhl@gmx.de    

Tel. 0731/2630058     
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Schon über € 500 haben sich in unseren Kunden-Spendenkässle
und durch die € 1,00-Aktion angesammelt.
Wir machen weiter.
Vielen Dank für’s Mithelfen.                                   

          

Donnerstag, 30.Januar

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Heute haben
Adalbert von Chamisso * 1781
Richard Brautigan * 1935
und Barbara Wood * 1947
Thomas Brezina * 1963
Geburtstag
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Ricarda Huch
Uralter Worte kundig

Uralter Worte kundig kommt die Nacht;
Sie löst den Dingen Rüstung ab und Bande,
Sie wechselt die Gestalten und Gewande
Und hüllt den Streit in gleiche braune Tracht.

Da rührt das steinerne Gebirg sich sacht
Und schwillt wie Meer hinüber in die Lande.
Der Abgrund kriecht verlangend bis zum Rande
Und trinkt der Sterne hingebeugte Pracht.

Ich halte Dich und bin von Dir umschlossen,
Erschöpfte Wandrer wiederum zu Haus;
So fühl ich Dich in Fleisch und Blut gegossen,

Von Deinem Leib und Leben meins umkleidet.
Die Seele ruht von langer Sehnsucht aus,
Die eins vom andern nicht mehr unterscheidet.
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Attenberg_Nicht_mein_Ding

Jami Attenberg: „Nicht mein Ding“
Aus dem Englischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 22,00

Jami Attenbergs neues Buch ist gestern auf deutsch erschienen. Immer etwas komisch bei Übersetzungen, denn in den USA erscheint demnächst ihr nächster Roman, der dann auch wieder seine Zeit braucht, bis er auf deutsch zu lesen ist.
Bekannt geworden ist Jami hier durch ihren Roman „Die Middlesteins“. Danach erschien ein älteres Buch von ihr, dann „Saint Mazie“ und jetzt „Nicht mein Ding“, das allerdings im Original doch anders heisst („All Grown Up“)
Zum Inhalt:
Andrea lebt in New York, Brooklyn, Williamsburg, ist 39, Single und kinderlos, also genau so, wie und wo Jami selbst lebt und wohnt. Ihre Wohnung hat Sicht auf das Empire State Buildung, das sie täglich in allen Varianten abzeichnet, skizziert, malt. Ja, malen sollte sie, aber sie bekommt es nicht mehr auf die Reihe. Und als ihr dann noch dieser unglaubliche Anblick dieses weltberühmten Gebäudes verbaut wird, ist es wieder ein kleines Steinchen, das aus ihrer Biografie fällt.
Was wird aus ihrem Leben mit Ende 30? Warum muss sie sich dauernd rechtfertigen? Vor ihrer Mutter, vor ihrem Bruder mit seiner todkranken Tochter?. Was ist so besonders daran, allein zu leben, keine feste Beziehung zu haben. Allerdings ist Andrea genau danach auf der Suche. Sie trinkt manchmal zuviel, kauft immer wieder Drogen, nimmt nach langen Nächten in verschiedenen Clubs, Männer mit nach Hause, um danach festzustellen, dass dies alles nicht der richtige Weg ist, den sie sucht.
Die kurzen Kapitel sind mit Frauennamen überschrieben und sollen die Sträke dieser Frauen herausstellen, so Jami Attenberg. Und das gelingt ihr diesesmal mit noch mehr Witz, als in den Vorgängerbücher. Sie bringt die Probleme in kurzen Sätzen auf den Punkt. Andrea ist frech, laut und gleichzeitig auch sehr nachdenklich, verletzlich, freundlich und charmant. Ob dieses Buch nun in Williamsburg oder in Berlin spielt, ist egal. Es sind überall die gleichen Probleme. Mit und ohne Empire State Buildung.
Jami Attenberg wird immer besser und steigert sich von Buch zu Buch.

Leseprobe

Jami Attenberg liest bei uns in der Buchhandlung.
Donnerstag, den 30.April um 19 Uhr.
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Wenn Sie sich jetzt schon den Attenberg-Termin aufnotiert haben, dann vermerken Sie noch unsere nächste „1.Seite“ am kommenden Dienstag, den 4.Februar um 19 Uhr.

Clemens Grote wird aus folgenden Büchern vorlesen:

Patrick Svensson: Das Evangelium der Aale
Katja Oskamp: Marzahn mon amour
George Saunders: Fuchs 8
und
Jami Attenberg: Nicht mein Ding

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Freitag, 28.Juni

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Heute haben
Luigi Pirandello *1867
Helen Keller * 1880
Frank O’Hara *1926
Rafael Chirbes * 1949
Geburtstag
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Anna Louisa Karsch  (* 01.12.1722, † 12.10.1791)
An den Wein

Wein! ich möchte dich bald haßen,
Ich bin deiner Allmacht feind,
Denn du willst mir meinen Freund
Immer nicht vom Becher lassen.
Du bist meiner Freuden Dieb,
Könnt ich dich doch ganz verachten.
Milon hat dich gar zu lieb,
Und mich läßt er schmachten. –
Loben wollt ich die Begier,
Wein zu trinken halbe Nächte,
Wenn mein Milon nur mit mir
Manchen Abend zechte;
Aber nun trinkt er den Wein
Mit den Männern ganz allein.
Ha ihr Männer, ha ihr Zecher,
Amor jag euch von dem Becher
Durch die Pfeile, die im Köcher
Aufgesammlet sind zur Pein
Aller Herzenbrecher.
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Ehemaenner von Jami Attenberg

Jami Attenberg: „Ehemänner“
Aus dem Englischen von Barbara Christ
btb € 11,00

„Die Middlesteins“ waren ein schöner Erfolg. Das Nachfolgebuch „Saint Mazie“ ging leider etwas unter. Jetzt gibt es ihren ersten Roman bei uns als Taschenbuch. Etwas zögerlich ging ich an den ersten Roman der Autorin ran, da solche Rückgriffe oft nicht glücklich sind. Hier jedoch – weit gefehlt. Jami Attenbergs Erzählduktus, ihr Witz und Aktualität zeigt sich hier schon.
Allein der Einstieg, als Martin Miller, der Künstler und Ehemann von Jarvis in seinem Atelier von der Leiter und ins Koma fällt, ist schon sehr komisch und böse.
Was danach kommt ist Jarvis‘ Trauer, das Zurückziehen aus und Abschotten von der Welt. Erst ein Treffen mit drei attraktiven jungen Männern, jungen Vätern in einem Waschsalon lässt die ehemals flippige Jarvis auftauen und wieder zurückkehren in das Treiben im Stadtteil Williamsburg in Brooklyn. Jami versteht es sehr gut diese Künstlerszene zu beschreiben. Wir sehen förmlich die Typen, wie sie am Tresen hängen und sich wichtig geben.
Mit neugelerntem Schwung versucht Jarvis Tritt zu fassen. Die Bilder ihres Mannes werden (durch sein Koma) immer wertvoller und begehrter. Als Martins Agentin eine Gesamtschau in der MoMA organisieren will, sichtet Jarvis das Gesamtwerk ihres Mannes. In diversen Schuhkartons findet sie kompromittiernde Fotos, die ihre Sicht auf ihren Mann komplett verändert. Diese Initialzündung veranlasst sie, sich dem wirklichen Leben nicht mehr zu verschließen und Probleme direkt und kompromisslos anzugehen. Das passt natürlich nicht allen, die Kapital aus dem Werk ihres Mannes schlagen wollen.
Gleichzeitg verschärft sich die Lage um ihren komatösen Mann, nachdem bekannt geworden ist, dass Jarvis ihn von allen Maschinen abschalten lassen will.
Ein bisschen viel für einen Roman, meinen Sie vielleicht. Ja, könnte schon sein. Aber Jamie versteht es perfekt diese unterschiedlichen Stränge intelligent zu bündeln und die Geschichte(n) schneller werden zu lassen. Immer intensiver und lauter werden die letzten Kapitel. Aktuell, kritisch, kritisierend endet dieser Roman, der mit einem Paukenschlag begonnen hat und mit einem Feuerwerk endet.

Dienstag, 19.September

Heute haben
William Golding * 1911
Carlo Fruttero * 1926
Stefanie Zweig * 1932
Geburtstag.
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Heute im Duden Gedichte Kalender:

Wer für andre nur weiß, der trägt wie ein Blinder die Fackel,
Leuchtet voran und geht selber in ewiger Nacht.

Johann Gottfried Herder
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Unser Buchtipp:

Jami Attenberg:Ehemänner
Aus dem Englischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 24,00

Jami Attenbergs viertes Buch hat es als erstes nach Deutschland geschafft. „Die Middlesteins“ waren ein schöner Erfolg. Das Nachfolgebuch „Saint Mazie“ ging leider etwas unter. „All Grown Up“ ist in den USA schon erschienen und kommt bei uns 2108. Der Schöffling hat jetzt Jamis ersten Roman übersetzen lassen und präsentiert uns „Ehemänner“ in diesem Herbst. Etwas zögerlich ging ich an den ersten Roman der Autorin ran, da solche Rückgriffe oft nicht glücklich sind. Hier jedoch – weit gefehlt. Jami Attenbergs Erzählduktus, ihr Witz und Aktualität zeigt sich hier schon.
Allein der Einstieg, als Martin Miller, der Künstler und Ehemann von Jarvis in seinem Atelier von der Leiter und ins Koma fällt, ist schon sehr komisch und böse.
Was danach kommt ist Jarvis‘ Trauer, das Zurückziehen aus und Abschotten von der Welt. Erst ein Treffen mit drei attraktiven jungen Männern, jungen Vätern in einem Waschsalon lässt die ehemals flippige Jarvis auftauen und wieder zurückkehren in das Treiben im Stadtteil Williamsburg in Brooklyn. Jami versteht es sehr gut diese Künstlerszene zu beschreiben. Wir sehen förmlich die Typen, wie sie am Tresen hängen und sich wichtig geben.
Mit neugelerntem Schwung versucht Jarvis Tritt zu fassen. Die Bilder ihres Mannes werden (durch sein Koma) immer wertvoller und begehrter. Als Martins Agentin eine Gesamtschau in der MoMA organisieren will, sichtet Jarvis das Gesamtwerk ihres Mannes. In diversen Schuhkartons findet sie kompromittiernde Fotos, die ihre Sicht auf ihren Mann komplett verändert. Diese Initialzündung veranlasst sie, sich dem wirklichen Leben nicht mehr zu verschließen und Probleme direkt und kompromisslos anzugehen. Das passt natürlich nicht allen, die Kapital aus dem Werk ihres Mannes schlagen wollen.
Gleichzeitg verschärft sich die Lage um ihren komatösen Mann, nachdem bekannt geworden ist, dass Jarvis ihn von allen Maschinen abschalten lassen will.
Ein bisschen viel für einen Roman, meinen Sie vielleicht. Ja, könnte schon sein. Aber Jamie versteht es perfekt diese unterschiedlichen Stränge intelligent zu bündeln und die Geschichte(n) schneller werden zu lassen. Immer intensiver und lauter werden die letzten Kapitel. Aktuell, kritisch, kritisierend endet dieser Roman, der mit einem Paukenschlag begonnen hat und mit einem Feuerwerk endet.
Ich freue mich schon auf den neuen Roman von ihr.

Leseprobe

Donnerstag

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Heute haben
Anatol France * 1844
Peter Ustinov * 1921
Sarah Kirsch * 1935
Rolf Dieter Brinkmann * 1940
Sibylle Lewitscharoff * 1954
Geburtstag.

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Ein später Wochengruß von Werner Färber, der am Mittwoch, 1.Juli abends bei uns in der Buchhandlung sein wird.

Wilhelm Busch gewidmet:
 
WALDSPAZIERGANG
 
Es ging ein frisch verliebtes Paar
lustwandelnd auf des Waldes Wegen.
Die zwei war’n blind für die Gefahr:
Es kam ihnen ein Bär entgegen.
 
Der Bär tat das, was Bären tun,
wenn zwei so selbstvergessen.
Zufrieden brummte er: „Tja nun“,
und hat das Paar gefressen.

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Vor Wochen habe ich den neuen Roman von T.C.Boyle („Hart auf hart“) hier vorgestellt und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass demnächst ein anderer amerikanischer Roman erscheint, der sich auch sehr kritisch mit den dortigen Verhältnissen auseinandersetzt. Jetzt ist es soweit.

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Russell Banks: „Verstoßen“
Aus dem Englischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 24,95

In seiner Umgebung kriegt keiner mit, ob The Kid gute oder schlechte Sachen macht, und wenn die Leute seinen richtigen Namen wüssten, würden sie ihn auch nicht anders behandeln, es sei denn, sie wüssten den Namen aus dem Internet, worauf Kid es wirklich nicht anlegt. Wie den meisten Männern, die unter der Causeway-Brücke wohnen, ist ihm gerichtlich untersagt, ins Internet zu gehen, doch als er eines Nachmittags von der Arbeit im Mirador zurückradelt, spaziert er einfach in die Stadtteilbibliothek an der Regis Road, als hätte er jedes Recht, sich dort aufzuhalten.

Ein harter Einstieg, der mir als Leser keine Chance gibt, mich in diese neue Situation anzunähern. Wir sind sofort mittendrin und erfahren dann auch gleich, was er in der Bibliothek will. Die Bibliothekarin ist ihm am PC behilflich, macht ihm die gesuchte Seite, den Plan ihrer Stadt, auf, sucht die gewünschte Straße und öffnet ein Zusatzprogramm, in dem sichtbar wird, wo welche Sexualstraftäter wohnen. Denen ist es nämlich verboten sich näher 500 Meter einer Institution mit Kindern zu nähern, oder dort zu wohnen. Jegliche Schule, Kindergarten, Kinderspielplätze und Schwimmbäder sind damit gemeint und es ist diesen Menschen kaum möglich einen Ort zum Wohnen zu finden, der diesem Gesetz entspricht. Die Bibliothekarin findet die Straße, klickt und es ploppen diverse rote Fähnchen auf, die den kompletten Namen, Adresse, Bild und Straftat sichtbar machen. Auch ihn. Voller Panik verlässt er den Ort, den er gar nicht für diesen Zweck besuchen hätte dürfen.
Er, genannt The Kid, kommt wegen einer Dummheit ins Gefängis, bleibt dort nicht lange und muss danach zehn Jahre lang, rund um die Uhr eine elektronische Fussfessel tragen. Dadurch ist er immer lokalisierbar. Für die Energieversorgung ist erst selbst zuständig und wenn er den einen Dollar für’s Aufladen nicht hat, bedeutet das, dass er für sehr lange Zeit einsitzen werden muss. Diese Fussfessel bedeutet auch, dass sie im sehr heissen Florida (dort spielt der Roman, der Ort und Land nicht nennt) leicht zu erkennen ist. The Kid war als Jugendlicher wohl pornosüchtig, flog nach kurzer Zeit aus der Armee, weil er Porno-DVDs in Umlauf brachte und tappte etwas später in eine wirkliche dumme Falle. Passiert ist damals wirklich rein gar nichts. Doch das Gesetz hat ihn zum Sexualstraftäter gestempelt und die Gesellschaft stösst ihn aus. Ihm bleiben nur drei Orte in seiner Stadt (wahrscheinlich Miami). Zwei Geländeabschnitte am Meer, irgendwo abgeschieden von der nächsten Bebauung. Oder ein Platz unter einer Autobahnbrücke, dort wo schon mehrere Männer sich einen Platz mit Zelten und selbstgezimmerten Behausungen geschaffen haben. Dieser Flecken ist den Bürgern der Stadt natürlich ein Dorn im Auge und es kommt immer vor, dass die Polizei mit aller Gewalt diese Ausgestossenen vertreibt und ihre „Stadt“ zerstört. Wer sich wehrt, wer irgendwo einen nicht erlaubten Unterschlupf findet, fährt sofort wieder ein. Zehn Jahre muss The Kid diese Fessel tragen und wir können uns vorstellen, dass er danach ein gebrochener Mann ist, wenn er es überhaupt so lange „in Freiheit“ aushält. Jobs zu finden ist natürlich auch nicht leicht. Wenn man keinen Wohnort vorweisen kann, wenn man sich nicht in der Nähe von Kindern aufhalten darf, dann bleibt nicht viel übrig. Und diese Jobs sind dann auch miserabel bezahlt und wahrscheinlich vergleichbar mit Sklavenarbeit.
Russell Banks hat hier einen Roman vorgelegt, der sich sehr kritisch mit der amerikanischen Justiz auseinandersetzt. Genauso wie bei T.C.Boyle kennt diese Gesellschaft keine Gnade und auch kein Vergessen. Die elektronische Überwachung ist allmächtig und es ist gar nicht daran gedacht, Straftäter wieder zu resozialisieren. Abschieden ist der Alltag. Diese Menschen sollen aus dem Alltag verschwinden, nicht mehr zu sehen sein und den Traum vom schönen Leben nicht stören. Dass es allerdings auch Menschen mit viel Geld und besten Beziehungen treffen kann, schildert Russell Banks anhand eines Politikers, der kurzfristig unter der Brücke Schutz sucht.
„Verstossen“ ist ein Roman mit großer Aktualität, geschrieben wie ein Thriller und dennoch ein Entwicklungsroman, dessen Ende vollkommen offen bleibt.
Mehr blieb wirklich die Spucke weg.

„Was denn, sind manche von uns schlimmer als andere? Ach komm. Das kaufe ich dir nicht ab.“
„Wär aber besser, Mann. Wer wegen Vergewaltigung hier ist oder wegen sogenannter sexueller Kontakte mit Teen-agern, der steht ganz oben. Wie der alte Paco da. Er behaup-tet, er ist ein Vergewaltiger. Stimmt vielleicht, vielleicht auch nicht. Dann kommen die, die wegen sexueller Kontakte mit kleinen Jungs verurteilt sind. Und darunter stehen die, die wegen sexueller Kontakte mit kleinen Mädchen gesessen haben. Und ganz, ganz unten stehen die Babyficker. Es gibt auch noch andere Kategorien. Schwul und hetero zum Bei-spiel. Heteros stehen auf einer höheren Stufe als Schwule.“
„Also, ich bin auf jeden Fall hetero. Und ich bin kein Babyficker. Gott! Ist ja ekelhaft.“
„Ekelhaft, ja? Ich sag doch, es gibt eine Art Einstufung.“
„Was ist mit dir, Kid? Wo stehst du in der Rangordnung?“
Kid wendet sich ab und steckt den Kopf in sein Zelt.
„Finden Sie’s selbst raus, Mann. Ich muss meinen Pitbull füttern.“

Leseprobe
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Marco Kerler liest morgen abend bei uns in der Buchhandlung.
In der Südwestpresse kam ein toller Bericht über ihn.
„Marco Kerler am lyrischen Puls der Zeit“
Freitag, 17.April ab 19 Uhr.
Eintritt frei.

Montag

Heute haben
Johann Christoph Gottsched * 1700
Annette Kolb * 1875
James Joyce * 1882
Also Palazzeschi * 1885
Ayn Rand * 1905
Hella Haasse * 1918
Geburtstag
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Russell Banks: „Verstoßen“
Aus dem Englischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 24,95

T.C.Boyle: „Hart auf hart“
Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
Hanser Verlag € 22,90

Das wurde dann doch noch ein sehr amerikanischer Sonntagnachmittag, der mir die Lust auf weitere Besuche in New York fast schon verdorben hat. „Verstossen“ habe ich zu Ende gelesen und danach gleich T.C.Boyles: „Hart auf hart“ durchgefressen. Dieses Buch ist letzte Woche erschienen. Das Buch von Russell Banks kommt Ende Februar auf den Markt.
Unglaublich, wie beide Autoren sich mit dem us-amerikanischen Rechtssystem auseinandersetzen. Gnadenlos und ohne Chance sind ihre Protagonisten darin verfangen und haben keine Möglichkeit, sich dagagen zu wehren. Es ist manchmal nicht zum Aushalten, wenn wir über diese Aussichtlosigkeit lesen.
Bei Banks ist es ein junger Mann (The Kid) mit etwas über zwanzig, der nach kurzer Zeit bei Militär entlassen worden ist und nach einer Dummheit im Gefängnis landet. Nachdem er seine kurze Haftstrafe abgebüßt hat, wird er während der Bewährungszeit rund um die Uhr elektronisch überwacht. In seiner Stadt darf er sich fortan nicht mehr frei bewegen. Er hat keine andere Wahl, als ein Dasein unter einer Autobahnbrücke am Rande der Gesellschaft zu fristen. 750 Meter musser sich von allen Schulen, Kindergärtane, Spielplätzen, usw. fernhalten. Da bleibt nicht viel übrig. In seinem Fall nur noch drei Flecken rund um die Stadt in Florida, aus der er sich auch nicht bewegen darf. Er wird zum Geächteten, dem nur die Wildnis bleibt. Und das im 21.Jahrhundert. Was das noch mit Menschenrechten zutun hat, weiss ich auch nicht.
Bei T.C. Boyle spielt die Handlung in Nord-Kalifornien, meist in den Wäldern, in denen sich Adam herumtreibt. Es beginnt allerdings auf Costa Rica. Sten, ein pensionierter Lehrer, und seine Frau Caroleen, sind auf einer Kreuzfahrt und unternehmen einen Landausflug. Die Fahrt im klapprigen Bus schildert die wahnsinnige Hitze und die Unlust des Busfahrers, der die paar wenigen Passagiere in den Urwald fährt. dort angekommen, wird die Reisegesellschaft von drei jungen Männern bedroht und überfallen. Sten, der in diesem Moment hinter einer Hütte stand, sieht dies aus der Entfernung, wird von dem Mann mit der Pistole aufgefordert auch dazuzukommen. Auf dem Weg zur Gruppe erkennt Sten, wie jung die Räuber sind, nimmt den Anführer in den Schwitzkasten und bricht im dabei das Genick. Was nun folgt, bleibt für Sten und seine Frau, sehr vage. Wann kommt die Polizei, was passiert mit Sten? Nach langem Warten in der Behörde, beschließt Sten wieder an Bord des Kreuzfahrtschiffes zu gehen. Dort taucht auch sehr schnell die Polizei auf, die ihn jedoch nicht verhaftet, sondern als Held laufen lässt.
Nach dieser Eingangsepisode sind wir dann den Rest des Romanes in Kalifornien. Sara, eine Frau, die einer rechtsgerichteten Bewegung angehört, die gegen Globalisierung, Staatsgewalt ist und hinter allem eine Verschwörung sieht, wird von der Polizei angehalten, da sie keinen Sicherheitsgurt beim Fahren anhat. Natürlich legt sie diesen Gurt nie an. Wer sollte es ihr auch befehlen. Als sie sich weigert, ihren Führerschein vorzuzeigen (Warum auch!), wird sie mit Gewalt aus dem Auto gezerrt und landet im Gefängnis. Parallel dazu stecken die Polizisten ihren Hund in ein Tierheim. Da er beim Ingewahrsamnehmen jemanden gebissen hat, muss erdort für drei Wochen bleiben, da nicht sicher ist, ob er Tollwut hat. Diese verworrene Situation eskaliert, als Sara einen Tramper mitnimmt, der mit Rucksack und Armeekleidung den Daumen in die Luft hält. Dies ist der etwas jüngere Adam, der Sohn des Lehrerehepaares. Er ist schizophren, machte schon in der Schule ständig Schwierigkeiten. Seine Eltern hatten ihn nicht mehr im Griff und haben alle Hoffnung aufgegeben. Er lebt allein in der Wildnis, erwirschaftet es Geld von einem Mohnfeld, sieht überall Feinde, Ausserirdische, und ist schwer bewaffnet. Nur Sara findet so langsam Zugang zu ihm. Dieses Gemisch wird zum Sprengstoff und zeigt auch hier die brutale Gewalt, die von den Gesetzen und den Gesetzeshütern ausgeht. Auch hier gibt es keine Entrinnen, keine großen Hilfe. Jeder ist auf sich gestellt.
Boyle hat einen unglaublich spannenden, schnellen Roman geschrieben, in dem er wieder einmal seine große Kritik an den USA in einen Thriller verpackt. Er sagt selbst in einem Werbevideo, dass dies ein Thriller und natürlich ein Bestseller sei. Dabei verzieht er keine Mine und lädt sein Gewehr durch, das er bisher dezent in der Hand gehalten hat. Eine gute Inszenierung, die ich nur als Satire akzeptieren kann.
Beide Romane packen heisse Eisen an, klagen die Überwachungsmechanismen an, zeigen die Macht des Internets und das Ausgeliefertsein, wenn wir Daten im Netz hinterlassen. Während Russel Banks, in Deutschland schon ein paar Krimis veröffentlicht hat, die Schraube immer weiterdreht, Kid keine Chance lässt, obwohl er klar im Kopf ist und sich sehr gerne in die Gesellschaft integrieren will und uns immer tiefer in die Verstrickungen seiner Mitmenschen hineinzieht, erzählt Boyle sehr gradlinig, jedoch nicht weniger spannend seine Geschichte, deren Ende sich dann auch irgendwann vorhersehbar ist. Was bei Banks bis auf die letzten Seiten offen bleibt.

Donnerstag

Heute haben
John Donne * 1572
Gottfried Ephraim Lessing * 1729
Lord Byron * 1788
August Strindberg * 1849
Francis Picabia * 1879
Erika Runge * 1939
Wilhelm Genazino * 1943
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John Donne
Brak of Day

‚Tis true, ‚tis day; what though it be?
O wilt thou therefore rise from me?
Why should we rise, because ‚tis light?
Did we lie down, because ‚twas night?
Love which in spite of darkness brought us hither
Should in despite of light keep us together.

Light hath no tongue, but is all eye;
If it could speak as well as spy,
This were the worst that it could say –
That being well, I fain would stay,
And that I loved my heart and honour so,
That I would not from her, that had them, go.

Must business thee from hence remove?
Oh, that’s the worst disease of love!
The poor, the foul, the false, love can
Admit, but not the busied man.
He which hath business, and makes love, doth do
Such wrong as when a married man doth woo.
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Gestern war es soweit!
Jami Attenbergs „Middlesteins“ wurde ausgeliefert und ich habe die Bücher sofort ins Schaufenster dekoriert, da sich der Vertreter des Schöffling Verlages um 9 Uhr angekündigt hat. Das ist sicherlich ne schöne Überraschung für ihn.

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Jami Attenberg: „Die Middlesteins“
Aus dem Englischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 21,95
als eBooks € 16,99
als amerikanisches TB € 8,99

„Die Middlesteins“ haben mich von der allerersten Seite an begeistert!
Jonathan Franzen

Dieser Roman ist ein Juwel: rasant, bewegend und herzzerreißend ehrlich. Die Moral der Geschichte: Wir sind nichts ohne unsere Familie.
New York Post

Ein interessante Geschichte hat nun sein vorläufiges Ende gefunden. Irgendwie spannend zu sehen, wie das alles geworden ist und was sich vielleicht noch daraus entwickelt.
Angefangen hat das bei meinem ersten Aufenthalt in New York und meinem Besuch in der Buchhandlung WORD in Brooklyn. Dort um die Ecke wohnt Jami Attenberg und ist mit den Mädels dort in der Buchhandlung befreundet. Es war die Zeit, als ihr neues Buch „The Middlesteins“ kurz vor der Veröffentlichung stand und alle irgendwie ganz hippelig waren. Als sie in der Buchhandlung ankündigten, dass es signierte Exemplare des nagelneuen Buches geben werde, habe ich mich sofort gemeldet und bekam Wochen später tatsächlich ein Päckchen aus Brooklyn.

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Sofort stürzte ich mich auf die Lektüre, da mittlerweile WORD die „Middlesteins“ im Buchregal mit folgendem Spruch bewarb: „9 von 10 Buchhändler empfehlen dieses Buch. Der 10. ist ein Idiot“. Da kann ja nichts schiefgehen dachte ich und wurde mehr als belohnt.
Jami Attenberg erzählt die Geschichte der Middlesteins, einer jüdischen Familie mit zwei Kindern in einem Vorort von Chicago. Schon als Kind hat Edie Middlestein gerne gegessen und als Ehefrau und Mutter gehört essen zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens. Als sie ihren Beruf nicht mehr ausführen kann und die Situation mit ihrem Mann immer prekärer wird, zieht dieser aus, da er Edies Weg in die Katastrophe vorhersieht. Ihre Tochter Robin, ihr Sohn Sohn Benny und seine Frau Rachelle versuchen ihre Mutter zu retten, sie von dieser Fresssucht zu heilen. Aber irgendwie bekommen sie das nicht hin und stehen sich gegenseitig im Weg.
Jami Attenberg schafft diese Geschichte mit so großem (Wort)witz und Empathie für ihre Figuren zu erzählen, dass wir alle Protagonisten verstehen können. Schildert sie Richard Middlestein in einem Kapitel als richtig fies und gemein, so findet sie kurz vor Schluss des Abschnitts eine radikale Wendung (in wenigen Worten) und wir verstehen ihn wieder und können seine Reaktionen gut nachvollziehen. Alle kommen zu Wort, jede(r) zeigt uns seine Sicht der verwickelten Dinge und was alle nicht verstehen können, ist, dass Edie tatsächlich einen Mann findet, der sie vergöttert. Ihre Schwiegertochter (eine militante Gesundheitsfanatikerin) schaut dieser Situations fassungslos zu. Wie kann es sein, dass ihre dicke, kranke Schwiegermutter einen Liebhaber hat, der sie auf Händen tragen würde, wenn er es könnte?
Die aberwitzige Familiengeschichte hat auch mich von der ersten Seite fasziniert und Jami überraschte mich ein ums andere Mal mit ihren Formulierungen.

Nach der Lektüre habe ich den Vertreter des Schöffling Verlages gefragt, ob das nicht ein Buch für dessen Programm sei, zumal dort sich noch andere amerikanische Autorinnen tummeln, die auch zu Jami Attenbergs Favoriten zählen. Es hat gedauert, es wurde immer konkreter, der Verlag unterschrieb einen Vertrag mit Jami Attenbergs Agentin, bis ein Termin auf der Vertreterkonferenz im Verlagssitz in Frankfurt anstand, bei dem ich über das Buch reden sollte, um es den deutschen Vertretern schmackhaft zu machen. Alles war schon unter Dach und Fach, bis der Bahnstreik im Herbst mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Aber: sie haben das sehr gut ohne mich gemacht (haha) und heute war es dann soweit. Der Auslieferungstermin wurde vorgezogen, da Christine Westermann das Buch in ihrer TV Sendung auf NDR heute abend hochhält und loben wird. Anfang Februar gibt es eine Besprechung in „Brigitte“. Etwas Besseres kann einer literarische Neuerscheinung nicht passieren. Das freut mich natürlich sehr und ich halte Jami auf dem Laufenden, wobei sie sicherlich mit „Westermann“ und „Brigitte“ nicht viel anfangen kann.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre.

Hier gibt es eine Leseprobe und einen Bericht im Buchmarkt über WORD, Jami, die Middlesteins, den Schöffling Verlag und mich.