Freitag, 24.November


Heute haben
Laurence Sterne * 1713
Carlo Collodi * 1826
Frances Hodgson Burnett * 1849
Margaret Anderson * 1886
Naruddin Farah * 1945
Arundhati Roy * 1961
Marlon James * 1970
Geburtstag
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“If you’re happy in a dream, does that count?”
Arundhati Roy aus: „The God of Small Things“
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Im Wunderland der Bücher
Lektüre zwischen den Jahren
Herausgegeben von Gesine Dammel“
Insel Verlag € 6,00

Weiss wie Schnee
Wintergeschichten
Herausgegeben von Christine Paxmann
Wunderraum Verlag € 20,00

Rechtzeitig zur Advents- und Weihnachtszeit erscheinen neue literarische Anthologien.
Die kleinen Büchlein aus dem Insel Verlag, „Lektüre zwichen den Jahren“, sind eigentlich schon Kult und früher gab es Sammler, die die Jahrgänge im Regal zu stehen hatten.
Else Lasker-Schüler, Karl-Heinz Ott, Theresa Walser, Hanns-Josef Ortheil sind nur einige der AutorInnen, die z.T. Originalbeiträge beigetragen haben.
Der Verlag hat dieses treffende Zitat mitabgedruckt.
„Vielleicht gehört es überhaupt zum Genuss des Lesens, dass man den Reichtum seiner eigenen Gedanken entdeckt.“ (Max Frisch)
Leseprobe

Winterlich wird es dann in der Auswahl von Christine Paxmann. Die Geschichten aus der Weltliteratur werden von Illustrationen umrandet und zaubern uns in eine Welt aus vergangenen Zeiten bis in die Gegenwart. Eine Vor-Lesebuch für die ganze Familie.
Mark Twain, Horst Evers, Alexander Puschkin, Christine Nöstlinger sind einige der AutorInnen.
Bemerkswert die sehr persönlichen Weihnachtsliederanalysen von Daniel Glattauer.
Leseprobe

Mittwoch, 29.Dezember

Heute haben
William Gaddis * 1922
Brigitte Kronauer * 1940
Geburtstag
und es ist Rilkes Todestag.

Gestern kam die Meldung, dass am 24.12.2021 Birgit Vanderbeke im Alter von 65 gestorben ist. Hinter dem Link finden Sie einen alten Text von ihr, den sie für unsere Buchhandlung geschrieben hat. Vielen Dank dafür und gute Reise liebe Birgit.

https://www.birgitvanderbeke.com/single-post/2002/05/07/Melusine-Huss-in-memoriam
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Emanuel Geibel (1815-1884)
Leichter Sinn

Und wie wär‘ es nicht zu tragen,
Dieses Leben in der Welt?
Täglich wechseln Lust und Plagen,
Was betrübt, und was gefällt.
Schlägt die Zeit dir manche Wunde,
Manche Freude bringt ihr Lauf;
Aber eine sel’ge Stunde
Wiegt ein Jahr von Schmerzen auf.

Wisse nur das Glück zu fassen,
Wenn es lächelnd dir sich beut!
In der Brust und auf den Gassen
Such‘ es morgen, such‘ es heut.
Doch bedrängt in deinem Kreise
Dich ein flüchtig Mißgeschick,
Lächle leise, hoffe weise
Auf den nächsten Augenblick.

Nur kein müßig Schmerzbehagen!
Nur kein weichlich Selbstverzeihn!
Kommen Grillen, dich zu plagen,
Wiege sie mit Liedern ein.
Froh und ernst, doch immer heiter
Leite dich die Poesie,
Und die Welle trägt dich weiter,
Und du weißt es selbst nicht wie.
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Unser Tipp des Tages:


Arundhati Roy: „Azadi heißt Freiheit
Aus dem Englischen von Jan Wilm
S.Fischer Verlag € 24,00

Bekannt geworden ist die indische Autorin mit ihrem Roman: „Der Gott der kleinen Dinge“. Ungefähr zehn Jahre später folgte „Das Ministeriums des äußersten Glücks“. Mit diesem Buch habe ich sie im Literaturhaus Stuttgart erlebt und war schwer bewegt von der klugen, freundlichen, politisch engagierten Frau.
In den Jahren zwischen den beiden Romanen schrieb sie viele politische Texte.
„Azadi“ besteht aus Essays aus den Jahren 2018 bis 2021, die Jahre, in denen der indische Ministerpräsident Modi zum zweiten Mal gewählt worden ist und Indien in einen rein hinduistischen und, wie Frau Roy schreibt: einen faschistischen, Staat umbauen will.
Dies versucht er mit allen Mitteln und unterdückt alle kritischen Stimmen mit vehementer Gewalt.
Dagegen schreibt Arundhati Roy an und bringt viele Tatsachen ans Licht, die hier nicht durchgesickert sind. Schonungslos untersucht sie Umweltzerstörung, Ausbeutung und Überwachung und das inmitten der Corona-Pandemie.

Leseprobe

Montag

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Heute haben
Laurence Sterne * 1713
Carlo Collodi * 1826
Frances Burnett * 1849
Erich Scheurmann * 1878
Nuruddin Farah* 1945
Arundhati Roy * 1961
Geburtstag.

Und in einem Monat ist es so weit:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=FVFFTyBo_Yw]
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[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=XvfYUXBaF6M]

geschenk

„Das Geschenk der Götter“
Regie Oliver Haffner, 2013

Jetzt habe ich es endlich auch geschafft und habe diesen „Ulmer“ Film angeschaut. Es ist wohl die meistgesehenste Independentproduktion des Jahres. Das auch zurecht.
Ulm als zweite Hauptperson des Filmes zeigt sich von seiner grauen, kalten, neblig-winterlichen Seite, wie wir es auch gerade seit Wochen erleben.
Zum Inhalt:
Anna ist Schauspielerin in einem „kleinen Stadttheater“. Ulm halt, und wird vom Intendaten sehr freundlich und gekonnt (siehe „Up in the air“) nicht für die nächste Spielzeit übernommen. Der Intendant im wahren Theater Ulm spielt einen Arbeitsamtangestellten, der gleich mal von der Schreibmaschine verscheucht wird.
Nun steht Anna vor dem Nichts und fährt mit ihrem Roller ins Arbeitsamt, das (im Film) im Gebäude der ehemaligen Hochschule für Gestaltung (HfG) untergebracht ist. Übergangsweise wird ihr eine kleine Gruppe Schwervermittelbarer zugewiesen, die statt eines Computerkurses, einen Theaterkurs von ihr bekommen sollen. Dass dies nicht so einfach ist, wie es sich vielleicht anhört, kann man erkennen, als die Gruppe sich zum ersten Mal trifft. Es sind Menschen unterschiedlichen Alters, die fast alle den Mut an eine Zukunft verloren haben. Personen, die ein halbes Leben gearbeitet haben und nun einem sehr ungewissen Zeitraum entgegenschauen. Ausser Dimitri vielleicht, der Grieche, der nie den Schnabel halten kann und seinen Traum von der ersten griechischen Kneipe in der Stadt träumt, in der es nur Vegetarisches zu essen gibt. Aber auch er ist blitzeblank, wie er später selbst zugibt und sein Kneipenschiff auf der Donau bleibt weiterhin verschlossen und versiegelt.
So versucht Anna ihr Glück und stellt sich voller Optimismus vor die Gruppe und stellt sehr schnell fest, dass „Antigone“ von Sophokles das ideale Stück zum Üben wäre, da es hier wie dort um Gerechtigkeit geht.
Es ist ein Film zum Lachen und Weinen. Diese Komödie hat starken Tiefgang, wenn es um die Einzelschicksale der verschiedenen „Schwervermittelbaren“ geht. Es gibt Winner und Looser heisst es zweimal im Film und hier sind eindeutig die Verlierer am Start. Als das Programm vom Arbeitsamt dann auch noch gekippt wird, bekommt der Film und die Personen eine eigene Dynamik, die soweit geht, dass die Truppe drei Auftritte im Großen Haus des kleinen Stadttheaters bekommt.
Am Schönsten sind die Szenen, in denen die Personen plötzlich aus sich herausgehen. Wenn dem jungen Arbeitslosen, der nicht gut lesen kann, von seiner Mitspielerin das Reclamheftchen mit dem Text abgenommen wird und er frei spricht. Oder die Mutter zweier Kinder, deren Mann nicht vorhandene Vögelschwärme am Himmel beobachtet, plötzlich, nachdem sind sonst kaum einen Ton herausbekommt, der Leiterin Anna eine Antigone-Passage an den Kopf wirft, als diese (Anna) gerade das Handtuch schmeissen will. Grossartig. Das sind dann Momente, in denen man gerne heulen möchte, nachdem wir ordentlich oft in dieser Komödie zum Lachen gebracht werden.
Ein gelungener Film, über den ich gar nicht mehr verraten will und den ich nicht nur Ulmern weiterempfehlen möchte.
Hier läuft er im Kino im ROXY.
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Neue Woche, eine neue Ungereimtheit von Werner Färber:

UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (Ratgeber):

SCHNARCHEN

Wenn sein Gaumensegel flattert,
laut und rhythmisch Nacht für Nacht,
wenn es raspelt, sägt und knattert,
ist sie um den Schlaf gebracht.

Gemartert durch den Dauerkrach,
versucht sie es mit einer Klammer.
Er streift sie ab, wird nicht mal wach,
in ihrer Not greift sie zum Hammer.

Mehr von und mit Werner Färber finden Sie hier.