Mittwoch

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Arthur Conan Doyle * 1859
Johannes R.Becher * 1885
Robert Neumann * 1897
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Aris Fioretos:Die halbe Sonne
Ein Buch über einen Vater
Übersetzt aus dem Schwedischen von Paul Berf
Hanser Verlag € 18,90

Aris Fioretos ist wohl ein sogenannter Weltbürger. Sein Vater ist Grieche, seine Mutter Österreicherin. Seine Muttersprache ist Schwedisch. Deutsch und Griechisch hat er in Schweden gelernt. Studiert und gelehrt hat er in den USA. Nebenbei auch immer wieder Texte veröffentlicht. Vor ein, zwei Jahren erschien von ihm der hervorragende Roman: „Der letzte Grieche“ und jetzt dieser Text, der nicht Roman, nicht Erzählung, keine Biografie und kein Essay ist. Was er ist: Einfach klasse!
Das Buch steht seit Wochen bei uns im Regal mit den Neuerscheinungen und ich wollte ihn schon immer mitnehmen, da mir Fioretos‘ erster Roman so gut gefallen hat. Nun war es also so weit. Und ich wurde nicht enttäuscht. Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Es ist noch eine Steigerung.
Aris Fioretos nähert sich seinem Vater, einem Vater, dem Vater vom Totenbett bis zu seiner (des Vaters) Geburt. Der Text, die Abschnitte verlaufen also gegen die Zeitrichtung. Im ersten Abschnitt erfährt er vom Tod des Vaters und Grossvaters, danach befindet sich der Sohn mit ihm in der Aussegnungshalle. Im nächsten Kapitel erfahren wir, wie es zum Sturz des Vaters kam und wie er sich dabei schwer verletzte und bettlägrig wurde.
Der Vater ist vor der Militärdiktatur in Griechenland geflüchtet, hat 30 Jahre in Schweden gelebt und gearbeitet, bis er sich in Griechenland wieder eine Existenz aufbaut. Die Familie ist auch sonst immer auf Achse. Alle zwei Jahre ziehen sie um. Dieses Reisen spiegeln sich auch in der Schreibweise des Autors wieder. Sie hat eine große Leichtigkeit und in den Griechenalndpassagen spüren wir die Sonne herunterbrennt. Fioretos beschreibt kleine (unbedeutende) Details und verleiht somit dem Roman eine ganz eigene Poesie, die dann zum Leuchten anfangen, wenn er das Motiv der Sonne, der aufgeschnittenen Orange, der Streichholzschacheln der damaligen Zeit beschreibt. Die Sprache wirkt oft so einfach und gerade dadurch strahlt sie umso mehr.

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