Mittwoch

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Heute haben
Felix Hartlaub * 1913
Hanna Johannsen * 1939
Peter Rosei * 1946
Franz Böni * 1952
Geburtstag

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Alle Zeitungen dürften heute wohl voll sein mit Berichten über den Tod von Harry Rowohlt. Er starb vorgestern in der Nacht zum gestrigen Bloomsday. Wie passend. Seine Kumpels haben sicherlich schon auf ihn gewartet und im ein gutes Glas Guinness bereitgestellt. Oder auch gleich ein paar mehr.

Die Südwestpresse Ulm berichtet heute unter „Köpfe, Klatsch, Kurioses“
Rowohlt unvergessen
Der am Montag 70-jährig gestorbene Kolumnist und Übersetzer Harry Rowohlt hat seine Spuren auch in Ulm und Neu-Ulm hinterlassen, wo er oft, ja öfter zu seinen berühmt-berüchtigten Marathonlesungen mit Alkohol und Zigaretten aus der Plastiktüte zu Gast war. Im Roxy. Im Konzertsaal Neu-Ulm. Im Bahnhof Neu-Ulm. Und natürlich in den Buchhandlungen, bei Hofmann und bei Jastram. Ulm ist in die Rowohlt-Geschichte eingegangen, weil der schlampig daherkommende Vollbart-Typ nach einer Lesung bei Christiane und Nick Hofmann spät nachts vom Portier als Penner verdächtigt und nicht ins Hotel hineingelassen wurde. Das verbreitete Rowohlt dann wie sein gesamtes Leben süffisant und bundesweit zum Nachteil Ulms in anderen Städten und in seiner Kolumne „Pooh’s Corner“ in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Dort wurde nach einem Auftritt auch Samy Wiltscheks Jastram am Judenhof von Rowohlt verewigt mit dem wunderbaren, auch per Brief persönlich nach Ulm zugestellten Vers: „,Apporta unam Astram!/ Roboro me ad Jastram‘, wie der Lateiner sagt, wenn er sich noch ein Bierchen genehmigt, um sich für den Gang zur Buchhandlung Jastram in der Schuhhausgasse 8 zu stärken.“ Noch ein Spruch gefällig? So was Blödes wie eine Platzgasse könne es nur in Ulm geben, denn: Entweder Platz. Oder Gasse.

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Einband

Rian Visser, Noëlle Smit: „Theodor trödelt“
Aus dem Niederländischen von Meike Blatnik
Tulipan Verlag 12,90
Bilderbuch ab 4 Jahren

Die Entdeckung der Langsamkeit für Kinder und für uns Vorleser gleichzeitig. Für was brauche ich da noch Nadolnys großartigen Roman, oder die Unmengen von Ratgebern und Wellnessangebote. In der Hektik unserer Tage und dem unglaublich großen Angebot an (Bilder)-Büchern, haben wir vielleicht dieses Buch, das 2008 in den Niederlanden herausgekommen ist, auch übersehen.
Jetzt aber in aller Ruhe:
Wie jeden Morgen drängelt die Mutter, dass ihr Sohn Theodor endlich in die Gänge kommt. Es ist Zeit fürs Frühstück und für die Schule. Auf dem ersten Bild, unter dem Titel, sehen wir den kleinen noch im Schlafanzug mit seinem Schnuffeltier laut gähnen. Da wird seine Mutter mal wieder Zeitprobleme bekommen. Mama hat es eilig, aber Theodor hat, wie jeden Morgen, schrecklich viel zu tun: Er muss unbedingt noch einen Turm bauen, ein Liedchen auf dem Klavier spielen und seine Autos richtig ins Regal räumen, da Mama sie beim Staubsaugen immer irgendwie, aber nie richtig einsortiert. Auf der Straße gibt es Blumen zu bewundern und im Bus gibt es nichts Wichtigeres, als mit einer alten Dame zu plaudern, die irgendwo noch etwas Süßes für Theodor in ihrer großen Tasche hat. Aber Mutter zieht Theodor schon an der Hand raus aus dem Bus und rauf auf den Schulhof, der komischerweise ganz leer ist. Wo sind denn all seine Schulfreunde? Auch im Flur sind alle Kleiderhaken schon belegt. Komisch? Aber merkwürdiger ist noch, dass Herr Vogel ganz ruhig auf einem Stuhl sitzt, wo er doch sonst immer etwas zu tun hat. Theodor rennt in seine Schulklasse, informiert seine Lehrerin und Herr Vogel wird von zwei Sanitätern ins Krankenhaus gebracht. Theodor ist der große Held, da er Herrn Vogels Leben gerettet hat. Nur gut dass er zu spät gekommen ist. Davon hat allerdings seine Mamá nichts, denn Theodor trödelt weiter, sieht dies und das und sie verpassen mal wieder den Bus. Wobei Theodor meint, sie seien doch genau richtig für den nächsten.
Dieses bunte, etwas altertümlich gemachte Bilderbuch ist ein prima Plädoyer für etwas mehr Muse für sich selbst und für einander. Hier lernen wir, dass wir den Kleinen mehr Zeit lassen sollen und wir uns mehr Zeit für die Kleinen nehmen sollen.

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„Welche Droge passt zu mir?“ mit Tini Prüfert.
Nur noch am Mittwoch, 17.Juni und Mittwoch, 24.Juni jeweils um 19:30 in der Podium.bar im Theater Ulm.

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Heute abend um 19:30 in der Ulmer Stiege:
Annette Köhn stellt ihren Jaja-Verlag und ihre Machwerke vor

Dienstag

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Heute in der Literaturwoche:
„Small Parts Isolated And Enjoyed“
Ein Abend mit Verleger Markus Hablizel

Ortsveränderung wegen unbeständigem Wetter: Café Schneiderei um 19:30 Uhr

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Heute haben Geburtstag:
Anna Wimschneider * 1919
Erich Segal * 1933
Joyce Carol Oates * 1938
Alexandra Marinina * 1957
Robert Schneider * 1961

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Der Jaja Verlag zu Gast in der Literaturwoche Ulm 2015.
Letzte Woche habe ich das kleine Koch- und Backbüchle „Tea-Time“ vorgestellt.
Morgen, Mittwoch, den 17.Juni ist die Verlegerin Annette Köhn ab 19:30 in der Stiege und redet über ihren Verlag, über ihre Machwerke und über „Tobisch“.
Eintritt: frei

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Joachim Brandenberg: „Tobisch“
Jaja Verlag € 23,00
Comicbuch, Hardcover-Fadenheftung

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Der Jaja Verlag schreibt über diesen herrlichen Comic, die großartige Graphic Novel und das wunderbar schön gemachte Buch:

Hier nun das Rezept für ein meisterliches Comicmachwerk:
Man nehme:
Eine alte Kurzgeschichte des virtuosen O. Henry, einen talentierten und gewieften Comic-Autor mit seinen modernen Werkzeugen der Bildbearbeitung, sowie viel Raffinesse und Sorgfalt.

Und man bekommt:
Eine Literaturadaption in Form einer ästhetisch geradezu überrealistischen Graphic Novel. Und schließlich lässt man das alles in bester Jaja Verlags-Manier ganz wunderbar drucken & elegant binden, mit sogar echtem Leinen am Rückensteg und Lesebändchen!

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Die Geschichte handelt vom deutschen Einwanderer Tobisch, der auf der Suche nach seiner verschollenen Verlobten die ganze Stadt mit handgezeichneten und ausführlichen Steckbriefen tapeziert. Über die wird Johann, ein weiterer Einwanderer aus Deutschland auf Tobisch aufmerksam und nimmt sich seiner an. Er versucht ihm zu helfen, aber auch von seinen Sorgen abzulenken, was bei dem durchweg manisch wirkenden Tobisch nicht recht gelingen will. Die beiden geraten in einen Strudel der Ereignisse, von einem Besuch auf Coney Island, über die Prophezeiung einer Wahrsagerin, neuer Bekanntschaften mitsamt Verständigungsproblemen und konträren Beweggründen, bis schließlich Tobisch seine Geschichte selbst zu Ende dichtet.

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Der Soundtrack zum Film:

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Ein Nachklapp auf die Lesung mit Bernd Rauschenbach am vergangenen Freitag bei uns in der Buchhandlung

Mittwoch

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Heute haben
Saul Bellow * 1915
Maurice Sendak * 1928
Peter Kurzeck * 1943
Geburtstag

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Gestern hat Tex Rubinowitz die Literaturwoch 2015 eröffnet.
Vor einem vollen Saal der Ulmer Museumsgesellschaft erzählte er aus seinem Leben und wie er schon einmal in Ulm, bzw. Neu-Ulm war. Nämlich als Medizintestperson.

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annette = Verlegerin des Jaja Verlages

Letztes Jahr hat es nicht geklappt, dass Annette Köhn zur Literaturwoche nach Ulm gekommen ist. Wir haben sie ausgeladen, weil an diesem superheissen Tag das Fussballhalbfinale in Brasilien mit deutscher Beteiligung war und die Straßen leergefegt. Nun soll es aber klappen. Während dieser Literaturwoche stellt der Jaja Verlag in der TAT-Galerie in Neu-Ulm (gleich hinter der Donaubrücke rechts, von Ulm kommend) aus und am Mittwoch, den 17.Juni ist Jaja Verlegerin Annette Köhn in der Stiege (knapp vor der Donaubrücke links, von Ulm kommend) anwesend und wird über ihren Verlag erzählen. Bei uns im Schaufenster haben wir einen Querschnitt der Bücher ihres Verlages ausgestellt.

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Amelie Persson: „Tea-Time! Zeit für Kaffee!“
Vegane und vegetarische Rezepte
Jaja Verlag € 5,00

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Hier kommt das dritte Rezepteheft von Amelie Persson und nach den roten „Fantastischen Geheimrezepten“ und nach „Grüner wird’s nicht“, macht der Jaja Verlag jetzt auf prozellanblau. Und in dieser blauen Stunde, der mittäglichen Stunde mit Tee und Kaffee, die in der schwedischen Heimat von Amelie Persson „fika“ genannt wird, gibt es auch Kleinigkeiten zum Schnabbulieren. Ob heisser Tee oder Eiskaffee, ob Sommer oder Winter, egal, so eine Pause tut einfach gut. Die hier abgebildeten Süßigkeiten, oder herzhafte kleinen Speisen sind alle vegan und/oder vegetarisch, glutenfrei. Na denn. Da kann ja nix mehr schief gehen. Dazu gibt es Kaffetricks, wie die berühmte Prise Salz, den einzigartigen Halsschmerzen-Killer, das Super-Sandwich und die Focaccia a l’Amelie. Den Abschluss bilden die perfekten Zimtherzen.

Mehr kulinarische Machwerke für je € 5,00 im Jaja Verlag:

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Der Jastram-Sommerwettbewerb:
Wir suchen Ihren Lieblingsleseort.
Fotografieren Sie ihn, schicken Sie uns per Mail ein Bild und schreiben Sie eine ganz kurze Beschreibung dazu. Wir veröffentlichen diese speziellen Orte anonym, oder mit Ihrem Vornamen und hoffen auf ein breites Spektrum.
Eine Dusche, haben wir schon, natürlich Liegestühle und Parkbänke.
Wir sind gespannt, was noch alles kommt. Lesen kann man ja überall: Im Bus, im Fahrstuhl, an der Haltestelle und beim Frühstück (soll man aber nicht).

Auf unserem Blog meinlieblingsleseort.tumblr.com sammeln wir die Bilder.

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Samstag

Das Programm der Literaturwoche Ulm

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Heute haben
Pierre Corneille * 1606
Alexander Puschkin * 1799
Thomas Mann * 1875
Joyce Carol Oates * 1938
Geburtstag

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„Am Abend hat man so ’nen Blick bis raus aufs Meer. Drunten befindet sich das Armenviertel. Also, malerisch, muss man sagen!“

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Gerhard Polt: „Da fahnma nimmer hin“
Von Urlaubsspießern und Möchtegernabenteurern: bitterböse Urlaubsimpressionen von Gerhard Polt mit musikalischen Intermezzi des feurigen Trio Converso aus Neapel
Kein & Aber Verlag Doppel CD € 19,90

Polt macht Urlaub. Hört sich nach einem Titel aus der Polt-Krimi-Serie aus Österreich an. Nein! Gerhad Polt nimmt uns mit in den Urlaub. Der beginnt, wenn man zum ersten Mal im Stau steht, wenn die Kinder brüllen, die Frau zickt und der Mann am Steuer sich das Pinkeln verkneift, um noch ein paar Kilometer zu machen. Schließlich haben wir doch ein ganzes jahr dafür und daraufhin gearbeitet. Da darf man sich doch auch mal erholen.
Aber: Im Urlaub gibt es halt auch die vielen Ausländer, die kein deutsch verstehen. Sogar, wenn wir es auf schwäbisch versuchen, klappt es nicht. Die Städte sind verstopft. Die mittelalterliche Architektur sieht kein schnelles Durchkommen durch die schmalen Gassen vor. Dann sind auch noch die Parkplätze voll. Wenn dann noch Migräneanfälle und Durchfall dazukommen. Mahlzeit!
Nicht viel besser sind die All-inclusive-Reisen in ferne Länder und den Hotels hinter Maschendraht. Da ist es noch das Wenigste, wenn die Dusche tropft.
Gerhard Polt auf zwei CDs und dazu noch napolitanische Evergreens vom Trio Converso. Da kann nach einer Tarantella nur noch „O sole mio“ kommen.
Na dann Prost.

Die Videos sind nicht passend zur CD; ist bei Polt jedoch egal.
Ich wünsche Ihnen ein schönes, erholsames Wochenende.


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Teil 2 des kurzen Einblickes in das neue Programm von Hanna Münch und Heike Sauer.

Die komplette Schau dann am Sonntag, den 14.Juni ab 19:30 im Café Schneiderei auf dem ROXY-Gelände.
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In der TAT-Galerie hängen Werke des engagierten Jaja Verlages.
Am Mittwoch, 17. Juni um 19:30 Uhr ist die Verlegerin Annette Köhn
in der Stiege in Ulm.

Wenn Sie wissen wollen, wo die TAT-Galerie und Stiege ist: Fragen Sie uns im Laden.

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Dienstag

Heute haben
Georg Christoph Lichtenberg *1742
George Sand * 1804
Warlam Schalamow * 1907
Juan Carlos Onetti * 1909
Franca Magnani * 1925
Cat Stevens / Yusuf Islam * 1947
Prinzessin Diana * 1961
Geburtstag.
Der letzte Eintrag ist für alle Roylisten unter uns.
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Hier ein paar der vielen Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg

Der Weisheit erster Schritt ist: alles anzuklagen,
Der letzte: sich mit allem zu vertragen.

Das Gefühl von Gesundheit
erwirbt man sich nur durch Krankheit.

Es gibt Menschen, die reden soviel,
dass sie sich auch selbst noch ins Wort fallen.

Viele Spötter meinen, reich an Geist zu sein,
und sind doch nur arm an Takt.

Sowie nicht jeder träumt, der schläft,
so schläft nicht jeder, der träumt.
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Und das ist das andere Geburtstagskind mit einem 43minütigen Konzert

http://www.youtube.com/watch?v=71daXSDS8eI

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Nach dem gestrigen Fussballspiel sollten wir uns vielleicht besser um arabische Schriftzüge kümmern, ich habe jedoch ein Lehrbuch, ein Bilderbuch über chinesische Schriftzeichen in den Laden bekommen, das ich vorstellen will.

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ShaoLan Hsueh: „Chineasy“
Chinesisch ganz easy
Edel Verlag € 17,95

Chinesisch gilt als eine der komplexesten Sprachen der Welt und ist aufgrund der Schriftzeichen für Europäer schwer zu erlernen. Diese Erfahrung machte auch die Chinesin ShaoLan Hsueh, die mit ihren Kindern in London lebt. Als sie ihnen Chinesisch beibringen wollte, geriet sie schnell an ihre Grenzen. Zu fremd waren ihnen Zeichen und Systematik. Mit einer genialen Idee erleichterte sie das Verständnis enorm – und nicht nur für ihre Kinder! Sie ordnete den Zeichen einfache Bilder zu, die als visuelle Eselsbrücken fungieren.
Damit kann nun jeder ganz spielerisch chinesische Zeichen lernen!

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Dabei erkennen wir schnell, wie aus einem Schriftzeichen, wenn wir es leicht verändert verdoppeln, ein anderes, verwandtes Wort entsteht. So z.B. Mund – schreien, oder Baum – Hain – Wald. Sonne – Sonnenaufgang – glitzern – Osten – überprüfen. Ursprünglich hatte dieses letzte Zeichen (überprüfen) die Bedeutung „Floß“. Und da wir zum Überprüfen, zum Nachforschen ein Floß brauchen …
Gelernt habe ich auch noch das Zeichen für „schön“, das hier sehr einem Schaf ähnelt. Ha!
Wenn wir weiter blättern entstehen ganze Sätze, die wir übersetzen können. Oder zumindest überprüfen, was dann dabei herauskommt. Es folgt „Peter und der Wolf“ in dieser graphisch-chinesischen Variante und ein Glossar mit den verwendeten Zeichen.
Insgesamt ein prima Bilderbuch für Kleine und vielleicht ein erstes Lehrbuch für Große. Auf jedenfall ein Augenschmaus und großer Spass für alle.
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Nicht vergessen: Heute abend „Erste Seite“ im Rahmen der Literaturwoche mit Büchern aus kleinen Verlagen mit Clemens Grote, Florian Arnold und Silvia Trummer.
Am Freitag dann Annette Köhn mit ihrem Jaja Verlag.
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Samstag

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Heute haben
Jean-Jacques Rousseau * 1712
Anton Philipp Reclam * 1807
Luigi Pirandello * 1867
Eric Ambler * 1905
Jürg Federspiel * 1931
Marlene Streeruwitz * 1950
Geburtstag.
Morgen sind
Giacomo Leopardi * 1798
Antoine de Saint-Exupèry * 1900
und Oriana Fallaci * 1930
die Geburtstagskinder und es werden die Rechte am „Kleinen Prinzen“ frei.
Deshalb gibt es demnächst eine Neuübersetzung von Herrn Enzensberger. Wobei die bisherige von Frau Edl ist, die auch Anna Karenina neu übersetzt hat.
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Gestern abend stellte bei uns der Buchhandlung Thomas Brandt sein Buchprojekt „Das Gedächtnis der Dinge“ vor und las gemeinsam mit Birte Horn einige Passagen aus der Text-und Bildsammlung.
So erfuhren wir einiges über eine russische Blechdose, über die Handhabung eines uralten Dosenöffners, und warum im Buch eine alte DDR-Badehose und ein Vorderteil eines Presslufthammers abgebildet sind. Erinnerungen und witzige Momente wechselten sich ab und nach der Lesung wollten die ZuhörerInnen gar nicht mehr nach Hause und saßen bei dieser lauen Sommernacht draußen auf unserem Bänkle.
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Und wo wir schon beim Sommer sind, der ja gerade angefangen hat, stelle ich Ihnen heute das Gedichtbändchen: „Gedichte für einen Sommertag“ vor.

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Herausgeberin: Gudrun Bull
„Gedichte für einen Sommertag“
Den Sommer literarisch genießen
dtv € 7,90

Willommen liebe Sommerzeit
Rings Sonnenschein auf Wies‘ und Wegen
Duft und Wind und Lerchenlieder
Sommersneige
hat die Herausgeberin die einzelnen Kapitel genannt und wir finden AutorInnen wie Ingeborg Bachmann, Gottfried Benn, Brecht und Brockes, Busch und Buselmeier. Aber auch Hilde Domin und (natürlich) Herrn Eichendorff. Fontane darf nicht fehlen, genauso wenig wie Paul Gerhardt. George, Goethe, Hebbel, Heine, Hölderlin bis hin zu Schiller, Rückert, Trakl und Uhland geht die illustre Reihe.
Ein großer Querschnitt und sicherlich für jede Gelegenheit etwas dabei. Vielleicht legen Sie sich das Büchlein aufs Nachtkästchen und wenn Sie morgens die Augen aufmachen, öffnen Sie nicht Ihren Email-Account, sondern diese Gedichtsammlung und lassen den literarischen Sommer in Ihren Kopf.

Marie von Ebner-Eschenbach
Sommermorgen

Auf Bergeshöhen schneebedeckt,
Auf grünen Hügeln weitgestreckt
Erglänzt die Morgensonne;
Die tauerfrischten Zweige hebt
Der junge Buchenwald und bebt
Und bebt in Daseinswonne.

Es stürzt in ungestümer Lust
Herab aus dunkler Felsenbrust
Der Gießbach mit Getose,
Und blühend Leben weckt sein Hauch
Im stolzen Baum, im niedren Strauch,
In jedem zarten Moose.

Und drüben wo die Wiese liegt,
Im Blütenschmuck, da schwirrt und fliegt
Der Mücken Schwarm und Immen.
Wie sich’s im hohen Grase regt
Und froh geschäftig sich bewegt,
Und summt mit feinen Stimmen.

Es steigt die junge Lerche frei
Empor gleich einem Jubelschrei
Im Wirbel ihrer Lieder.
Im nahen Holz der Kuckuck ruft,
Die Amsel segelt durch die Luft
Auf goldenem Gefieder.

O Welt voll Glanz und Sonnenschein,
O rastlos Werden, holdes Sein,
O höchsten Reichtums Fülle!
Und dennoch, ach – vergänglich nur
Und todgeweiht, und die Natur
Ist Schmerz in Schönheitshülle.
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Johann Wolfgang von Goethe
Die schöne Nacht

Nun verlaß‘ ich diese Hütte,
Meiner Liebsten Aufenthalt,
Wandle mit verhülltem Schritte
Durch den öden, finstern Wald:

Luna bricht durch Busch und Eichen,
Zephyr meldet ihren Lauf,
Und die Birken streun‘ mit Neigen
Ihr den süßten Weihrauch auf.

Wie ergötz‘ ich mich im Kühlen
Dieser schönen Sommernacht!
O wie still ist hier zu fühlen,
Was die Seele glücklich macht!

Läßt sich kaum die Wonne fassen,
Und doch wollt ich, Himmel, dir
Tausend solcher Nächte lassen,
Gäb mein Mädchen eine mir.
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Theodor Fontane
Mittag

Am Waldessaume träumt die Föhre,
am Himmel weiße Wölkchen nur;
es ist so still, daß ich sie höre,
die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies‘ und Wegen,
die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
und doch, es klingt, als strömt‘ ein Regen
leis tönend auf das Blätterdach.
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Herrmann Hesse
Der Duft der Rose

Der Duft der Rose nimmt dich
in einen süßen Bann
rührt Dich liebkosend leise
wie eine Liederweise
mit Ahnung voller Schönheit an;
ist ohne Gleichnis rein und zart:
Du kannst es nicht ermessen,
fühlst nur ein süß Vergessen
und eine süße Gegenwart.
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Ich wünsche Ihen ein schönes Wochenende, auch wenn Regen angekündigt ist. Nutzen Sie die Zeit und nehmen Sie die heute noch gekauften Bücher zur Hand und beginnen Sie in aller Ruhe zu schmökern, damit Sie ausgeruht am nächsten Dienstag um 19 Uhr zur unserer „Ersten Seite“ kommen können. Mit damit diesmal Florian Arnold und die Schweizer Autorin Silvia Trummer.
Am kommenden Freitag ist bei uns Annette Köhn zu Gast und stellt ihren Jaja Verlag vor.
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Donnerstag

Heute haben
Johanna Spyri * 1827
Djuna Barnes  * 1892
Sandro Penna  * 1906
H.C.Artmann * 1921
Henry Slesar * 1927
Anne Frank * 1929
Christoph Meckel * 1935
Geburtstag
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Gestern haben wir eine große Überraschungskiste des Jaja-Verlages ausgepackt. Annette Köhn, die Verlagsleiterin stellt ihren Verlag bei uns vor. Siehe unsere Veranstaltungstipps.

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Unser heutiger Buchtipp ist mal wieder eine ordentlich schräge Lektüre. Sehr zum Schmunzeln, Lachen und Staunen.

Vrhulst

Dimitri Verhulst: „Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
Luchterhand Verlag € 12,99
als eBook € 9,99

Ich hatte den schmalen Roman gar nicht beachtet. Buchtitel, die so ähnlich klingen, wie „Der Hundertjährige, der …“ sind mir suspekt. Zumal der Titel im niederländischen Original „Der Nachzügler“ heisst. Fast könnte man meinen, es gibt nur noch solche Titel, wenn sich etwas Humorvolles versteckt. Oder sie beginnen mit „Warum …“ wie gerade die SZ oder FAZ großflächig bemerkt hat. Also blieb das schmale Buch von mir ungelesen auf dem Tisch liegen. Letzte Woche kam eine vielbelesene Kundin in den Laden und nach meiner Frage, was sie denn Gutes gelesen hätte, schwärmte sie in allen Tonlagen davon. Sie hätte es in einem Rutsch durchgelesen und viel gelacht. Sie hätte es übrigens von einer Freundin bekommen. Nachdem ich dann noch gelesen hatte, dass der flämische Autor Dimitri Verhulst hinter dem sehr schrägen Film „Die Beschissenheit der Dinge“ steckt, war es dann soweit und ich kann Ihnen sagen: Auch ich habe es auf einen Satz verschlungen. Wirklich nicht schwierig. Flott und frech geschrieben und mit seinen 144 Seiten überschaubar.
Um was geht es nun eigentlich? „Bibliothekar“ macht sich immer gut im Titel. Désiré Cordier war ein solcher, aber das ist so wichtig gar nicht für die Geschichte. Er war einfach gebildet, hatte immer ein Zitat auf den Lippen und sehr zufrieden mit seinem Beruf und seinen Basteleien rund um sein Haus. Was irgendwie nicht geklappt hat, war das Leben mit seiner Frau Moniek. Aber solange er noch zur Arbeit ging, konnte er ihr locker aus dem Weg gehen. Jetzt als Rentner ist das schon etwas schwieriger. Und nachdem Moniek verkündet, dass sie aus dem Haus in eine kleiner Wohnung ziehen werden, da die Kinder aus dem Haus sind, bekommt er es mit der Angst zu tun. Wie kann er seiner Frau auf den paar wenigen Quadratmetern aus dem Weg gehen, wenn er keinen Keller und keine Werkbank mehr hat? So beschließt der 74jährige Désiré dement zu werden. Er spielt das monatelang so perfekt, dass er tatsächlich in das Pflegeheim „Winterlicht“eingeliefert wird. Die vielen Passagen, wie er seine Demenz spielt sind so witzig geschildert und Verhulst packt immer noch eine Pointe oben drauf. Im Pflegeheim hat Désiré seine Ruhe, entdeckt viele Missstände und sieht sich heillos überforderten PflegerInnen ausgesetzt, findet eine Art neue Liebe und ärgert einen alten Nazi zu Tode.
Verhulst zeigt uns, eine neue Variante des Altwerdens und in Würde Sterbens. Das auf eine sehr freche, bissige Art und nicht auf Kosten von Demenzkranken.
Ein Buch bestens geeignet für den Baggersee, die lauen Abende auf dem Balkon, oder im Wartezimmer beim Hausarzt. Ha!

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