Mittwoch, 12.Juni

Heute haben
Johanna Spyri * 1827
Djuna Barnes * 1892
H.C.Artmann * 1921
Anne Frank * 1929
Christoph Meckel *1935
Wolfgang Herrndorf * 1965
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe

In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

aus: Faust. Der Tragödie erster Teil, Nacht, Geist zu Faust
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Caz Hildebrand und Jacob Kenedy: „Die Geometrie der Pasta
Die perfekte Form + Die perfekte Sauce = Das perfekte Essen
DuMont Verlag € 28,00

Nudeln sind das Wohlfühlgericht schlechthin – schnell, simpel und einfach lecker. Aber eines sind sie nicht: langweilig. Denn die Welt der Pasta ist – anders als dieses Buch – keinesfalls nur schwarz und weiß. Ihrer Form, Vielfalt und Kombination sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Ihre Expertise als Kochbuchgestalterin hat Caz Hildebrand schon in der Zusammenarbeit mit Nigella Lawson und Yotam Ottolenghi unter Beweis gestellt. Jetzt gelingt es ihr mit ihrem minimalistisch-grafischen Design, die oft als gewöhnlich angesehene Nudel als Hauptdarstellerin ins Spiel zu bringen. Das Buch enthält einhundert Saucenrezepte des hoch- gelobten Kochs Jacob Kenedy, dessen Restaurant Bocca di Lupo schon als ‚möglicherweise bester Italiener Englands‘ bezeichnet wurde.
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al dente. Pasta & Design
Ausstellung im HfG-Archiv, Am Hochsträß 8, 89081 Ulm
7. Juni 2024 – 19. Januar 2025
Das Projekt wird kuratiert von Dr. Stefanie Dathe, Dr. Martin Mäntele und Linus Rapp.
Ausstellungskatalog av edition € 34,00
Erscheint ca. 17.6.24



https://www.swr.de/swrkultur/kunst-und-ausstellung/museum-ulm-ausstellung-al-dente-pasta-design-100.html?mediaId=863eab0a-6066-33d0-a483-1ec971d5126c&

Was hat Pasta mit Design zu tun? Ob rustikale Orecchiette, elegante Tagliatelle oder kugelige Spätzle: Pasta, Spätzle und Nudeln kommen nicht zufällig in ihre Form, denn sie alle sind Ergebnis langer Traditionen, regionaler Kochkünste und nicht zuletzt auch der Hände und Maschinen, die sie fertigen. Eine formschöne Gestaltung gefällt nicht nur unseren Augen, auch unserem Gaumen schmeichelt eine harmonisch geschwungene Nudel besonders gut. Design als schöpferische Tätigkeit macht aus einem undefinierten Teigstück ein beliebtes Lebensmittel, das heute weltweit in serieller Massenfertigung auf die Teller kommt. Denn von einer Nudel allein ist noch niemand satt, geschweige denn glücklich geworden.

Von der Hand zur Maschine, aus der Keramikdose ins Weltall, vom Plakat zum Kommerz, aus dem Kochtopf ins Museum: Die Ausstellung „al dente. Pasta & Design“ beleuchtet die vielfältigen Berührungspunkte von Teigwaren und Gestaltung. Sie spürt der Frage nach, wie die Nudel in ihre Form kommt und was mit ihr in Küche und Designbüro gemacht wird. Zwischen Nudelholz und Industrie, Marketing und Nachhaltigkeit, Design, Handwerk und Kunst betrachtet sie die praktischen Formgeber in Küche und Industrie, das verlockende Kommunikationsdesign mit Plakaten, Verpackungen und Werbung, extravagante Pasta-Entwürfe von internationalen Stardesignern und Kreatives aus Kunst, Kommerz und Küchenhelferszene.

Den passenden Rahmen findet die Ausstellung in der ehemaligen Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG), wo in den 1960er-Jahren Walter Zeischegg an der ersten Designerpasta überhaupt gearbeitet hat. Seither haben sich immer wieder internationale Architekten, Produkt-und Automobildesigner neuer Pastaformen angenommen, von Philippe Starck über Giorgio Giugiaro bis Walter de Silva.

Zwischen Handfertigung, vollautomatisierten Hightech-Pressverfahren und Pasta aus dem 3D-Drucker liegen nur zwei Jahrhunderte. So erzählt die Geschichte der Pastaformgebung zugleich vom wechselvollen Miteinander von Innovation und Technologie. Die Ausstellung „al dente. Pasta & Design“ im HfG-Archiv Ulm lädt mit einem multisensorischen Erlebnis dazu ein, die vermeintlich uns allen bekannte Teigware neu zu entdecken und Spaß an einer formschönen Gestaltung von Nudel und Objekt zu finden.

Open Call: al dente. Nudel gesucht! Wir suchen Entwürfe für eine neue Nudel.
Alle Infos auf nextmuseum.io
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Stadtbibliothek Ulm
„Kultur auf Stufen“

Mi, 12.6., 19:30 Uhr
Freilichtforum der Glaspyramide
Eintritt frei

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ anlässlich der 75 Jahre Grundgesetz

Schauspieler Roman Knižka und das Bläserquintett OPUS 45 nehmen das Grundgesetz von seiner Entstehung bis heute unter die Lupe. Zu Gehör gebracht werden literarische, philosophische und humoristische Texte u. a. von Susanne Baer, Max Czollek, Heinz Erhardt, Herta Müller, Heribert Prantl, sowie Sitzungsprotokolle des Parlamentarischen Rats, Briefe, Telegramme, Zeitungsartikel u. v. m. Die Musik für Bläserquintett stammt u. a. von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Paul Taffanel, August Klughardt, Richard Wagner, u.a.

Montag, 12.Juni


Heute haben
Johanna Spyri * 1827
Djuna Barnes * 1892
H.C.Artmann * 1921
Anne Frank * 1929
Christoph Meckel *1935
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Nach-Richten

Du glaubst
Du wärest bereit
Nach all den Einschlägen
Und Häutungen
Im Säurebad
Wie oberflächlich
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Ein unglaublich starkes Buch:


Carl Nixon: „Kerbholz
Aus dem Englischen von Jan Karsten
CukturBooks Verlag € 24,00

Eine Londoner Familie fliegt nach Neuseeland, da der Vater mit der dortigen neuen Arbeit einen großen Schritt auf seiner Karriereleiter nach oben machen kann. Bevor er seine Arbeit antritt, unternehmen sie gemeinsam eine kleine Rundreise mit dem Auto. In einer dunklen, regnerischen Nacht kommt das Auto von der Straße ab und stürzt in eine tiefe, unzugängliche Schlucht. Nur die Kinder überleben. Sie werden nach zwei Tagen von zwei Outlaws gerettet. Diese bringen die Kinder nicht in die nächste Stadt, sondern erkennen in ihnen gut zugebrauchende Mitelfer auf ihrer Farm. Immer wieder werden die drei mit einer Fahrt in die nächstgelegene Stadt vertröstet.
Für die Kinder beginnt ein ganz eigener Kampf um ihre Freiheit.
Carl Nixons Kapitel sind nicht immer chronologisch angeordnet. Er springt in verschiedene Zeiten, so dass wir die Versuche der Tante der Kinder, die in London lebt, mitbekommen, die fünf Jahre lang versucht herauszufinden, ob es noch Überlebende „ihrer“ Familie gibt und was überhaupt passiert ist.
Ein Roman, der immer spannender wird, in dem sich die schleichenden Veränderungen aller Beteiligten zeigen, in dem die Hoffnung auf Freiheit nie untergeht und in dem es spannend bis (wirklich) zur letzten Seite bleibt.
Und ausserdem habe ich endlich gelernt, was ein Kerbholz ist und was der Spruch mit dem Kerbholz bedeutet.

„Neuseeland war das letzte Land der Welt, das von Menschen besiedelt wurde. Mich interessiert der historische Prozess, wie Menschen nach Neuseeland kommen und dann durch das Land verändert werden. In „Kerbholz“ sind es drei Kinder aus der englischen Oberschicht, die plötzlich auf sich allein gestellt mit dieser rauen Landschaft und den Bedingungen, die sie dort vorfinden, zurechtkommen müssen. Mir schien dies ein Spiegelbild der Geschichte Neuseelands zu sein.“
Carl Nixon
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Donnerstag

Heute haben
Johanna Spyri * 1827
Djuna Barnes  * 1892
Sandro Penna  * 1906
H.C.Artmann * 1921
Henry Slesar * 1927
Anne Frank * 1929
Christoph Meckel * 1935
Geburtstag
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Gestern haben wir eine große Überraschungskiste des Jaja-Verlages ausgepackt. Annette Köhn, die Verlagsleiterin stellt ihren Verlag bei uns vor. Siehe unsere Veranstaltungstipps.

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Unser heutiger Buchtipp ist mal wieder eine ordentlich schräge Lektüre. Sehr zum Schmunzeln, Lachen und Staunen.

Vrhulst

Dimitri Verhulst: „Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
Luchterhand Verlag € 12,99
als eBook € 9,99

Ich hatte den schmalen Roman gar nicht beachtet. Buchtitel, die so ähnlich klingen, wie „Der Hundertjährige, der …“ sind mir suspekt. Zumal der Titel im niederländischen Original „Der Nachzügler“ heisst. Fast könnte man meinen, es gibt nur noch solche Titel, wenn sich etwas Humorvolles versteckt. Oder sie beginnen mit „Warum …“ wie gerade die SZ oder FAZ großflächig bemerkt hat. Also blieb das schmale Buch von mir ungelesen auf dem Tisch liegen. Letzte Woche kam eine vielbelesene Kundin in den Laden und nach meiner Frage, was sie denn Gutes gelesen hätte, schwärmte sie in allen Tonlagen davon. Sie hätte es in einem Rutsch durchgelesen und viel gelacht. Sie hätte es übrigens von einer Freundin bekommen. Nachdem ich dann noch gelesen hatte, dass der flämische Autor Dimitri Verhulst hinter dem sehr schrägen Film „Die Beschissenheit der Dinge“ steckt, war es dann soweit und ich kann Ihnen sagen: Auch ich habe es auf einen Satz verschlungen. Wirklich nicht schwierig. Flott und frech geschrieben und mit seinen 144 Seiten überschaubar.
Um was geht es nun eigentlich? „Bibliothekar“ macht sich immer gut im Titel. Désiré Cordier war ein solcher, aber das ist so wichtig gar nicht für die Geschichte. Er war einfach gebildet, hatte immer ein Zitat auf den Lippen und sehr zufrieden mit seinem Beruf und seinen Basteleien rund um sein Haus. Was irgendwie nicht geklappt hat, war das Leben mit seiner Frau Moniek. Aber solange er noch zur Arbeit ging, konnte er ihr locker aus dem Weg gehen. Jetzt als Rentner ist das schon etwas schwieriger. Und nachdem Moniek verkündet, dass sie aus dem Haus in eine kleiner Wohnung ziehen werden, da die Kinder aus dem Haus sind, bekommt er es mit der Angst zu tun. Wie kann er seiner Frau auf den paar wenigen Quadratmetern aus dem Weg gehen, wenn er keinen Keller und keine Werkbank mehr hat? So beschließt der 74jährige Désiré dement zu werden. Er spielt das monatelang so perfekt, dass er tatsächlich in das Pflegeheim „Winterlicht“eingeliefert wird. Die vielen Passagen, wie er seine Demenz spielt sind so witzig geschildert und Verhulst packt immer noch eine Pointe oben drauf. Im Pflegeheim hat Désiré seine Ruhe, entdeckt viele Missstände und sieht sich heillos überforderten PflegerInnen ausgesetzt, findet eine Art neue Liebe und ärgert einen alten Nazi zu Tode.
Verhulst zeigt uns, eine neue Variante des Altwerdens und in Würde Sterbens. Das auf eine sehr freche, bissige Art und nicht auf Kosten von Demenzkranken.
Ein Buch bestens geeignet für den Baggersee, die lauen Abende auf dem Balkon, oder im Wartezimmer beim Hausarzt. Ha!

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