Samstag, 27.Januar

Heute haben
Lewis Carroll * 1832
Ilja Ehrenburg * 1891
Mordecai Richler * 1931
Ismail Kadaré * 1936
Benjamin von Stuckrad-Barre * 1975
Paolo Cognetti * 1978
Geburtstag.
Heute ist der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.
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„If you don’t know where you are going, any road will get you there.“
Lewis Carroll
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Passt für einen geruhsamen Sonntagnachmittag:

Alex Capus: „Das kleine Haus am Sonnenhang
Hanser Verlag € 22,00

Es sind die neunziger Jahre in Italien. Alex Capus bezieht ein einsam stehendes Steinhaus am Sonnenhang eines Weinbergs unweit eines kleinen Dorfs. Im Winter schwillt der Fluss derart an, dass der Weg zur Hauptstraße nicht mehr passierbar ist. Im Sommer zirpen die Grillen und die Glühwürmchen leuchten. Capus verbringt viel Zeit in diesem kleinen Idyll, im Sommer mit seiner Freundin, Besitzerin eines gelben Renault 4, und vielen Freunden. Dann werden Schaukelstuhlrennen auf den Terrassen veranstaltet, Schießwettbewerbe mit dem rostigen Luftgewehr und abendliche Gesangsfeste. Nach ihrer Abreise genießt er die Einsamkeit und widmet sich dem Schreiben seines ersten Romans.
Alex Capus schreibt aber nicht einen der vielen Romane über ein Steinhaus in Italien und die lokale Küche und Gebräuche. Er geht einen Schritt weiter und erzählt über sich, über sein Schreiben und was das alles mit seinen vielen Besuchen in der Bar Da Pierluigi zu tun hat. Wie und in welcher Form tauchen Menschen und Episoden und seinen Romanen auf? Was ist eigentlich das wirkliche Leben und was Fiktion? Kann es wirklich sein, dass er fünf Söhne hat? So etwas lesen wir eigentlich nur in Büchern. Warum hieß der Tankwart im Dorf Walther? Er muss zur Zeit der deutschen Besatzung geboren worden ein. Welche Geschichte steckt dahinter?
Capus schreibt auch über ein / sein zufriedenes Leben. Er muss im Sommern nicht von Strand zu Strand hüpfen. Ihm genügt einer – wenn er gut ist. Er isst sich nicht durch alle Pizzasorten, wenn ihm die Pizza Fiorentina (mit ein wenig Knoblauch) gut schmeckt. Was bleibt von unserem Leben, wenn wir mal nicht mehr sind? Welche Spuren hinterlassen wir und welche Gedanken von uns spuken auch in der Zukunft weiter?
Alex Capus hat in seinem autofiktionalem Roman viel über sich preisgegeben und unterhält uns prächtig mit seiner klugen, ruhigen Plauderei. Ein Buch für einen gemütlichen Sonntagnachmittag, zum Weitergeben, Darüberreden und Nochmalslesen.

Donnerstag, 12.August

Heute haben
Miguel Torga * 1907
Karl Mickel * 1935
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Was für ein Aufatmen

Was für ein Aufatmen
Wenn der Regen endlich nachlässt
Wenn Blitz und Donner nurmehr ein Echo sind
Und sich Äste und Blätter
Die der Sturm aus den Bäumen gerissen hat
Im Dampf der Straßen dem Unvermeidlichen
fügen

Was für ein Aufatmen
Wenn plötzlich ein Lichtstrahl
Scharf wie ein Schwert
Die drohenden Wolkenberge durchtrennt
Und dir die Sicht freigibt
Auf das makellose Blau
Dahinter

Wenn jetzt noch ein Regenbogen aufleuchtet
Der dir ein bisschen Glück verheißt
Oder einen neuen Anfang
Was für ein Aufatmen
Vielleicht glaubst du sogar
Einen Augenblick
Zu verstehen…
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Claudi Wiltschek empfiehlt:


Alex Capus: „Eine Frage der Zeit
dtv € 10,90


Dank der Südwestpresse vom 10.August kann ich hier eines meiner alten Lieblingsbücher besprechen. Den Dampfer aus Capus‘ Roman gibt es immer noch und letztens gab es ein großes Foto davon. Über 100 Jahre ist es her, als in Papenburg ein Schiff gebaut, wieder zerlegt und nach Afrika in hunderten von Kisten gebracht wurde. Am Tanganjikasee wird alles wieder zusammengesetzt und von den stolzen deutschen Kolonialherren damit herumgeschippert. Der 1.Weltkrieg bricht aus, nun wird es als Kriegsschiff umgebaut um gegen die feindlichen anderen Kolonialisten rund um den See zu kämpfen. Capus hat daraus einen genialen Roman gemacht, den ich immer noch sehr gerne empfehle. Vor Jahren las ich schon mal, dass es dieses Schiff immer noch im heutigen Tansania gibt, genutzt wurde es als Ausflugsdampfer. Jetzt scheint es doch nicht mehr zu gebrauchen zu werden und fristet im Hafen von Kigoma ein ungewisses Dasein.
Ein tolles Buch : spannend, geistreich, politisch und eine gute Portion Satire steckt auch noch drin.

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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?

Maria Leucht (Vetriebleiterin im Schöffling Verlag) empfiehlt:

1.“Der Untergang des Abendkleides“ von Ella Carina Werner im Satyr Verlag erschienen.
2.“Das Herz des Hais“ von Ulrich Becher.
Eigentlich alles von Ulrich Becher einschließlich „Das Liliputanercafé“.
3.Da fallen mir sehr viele Bücher ein. „Die Nacht von Lissabon“ von Erich Maria Remarque hat mich in jungen Jahren fasziniert. Die Erinnerungen an den Text sind aber noch zu gut, um es wieder zu lesen.

Vielen Dank !!!
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Am 24. August werden die Nominierten des Deutschen Buchpreises bekannt gegeben
und eine der Autor:innen kommt zu uns.
Wer es sein wird, wissen wir selbst noch nicht.
Auch wo es genau in Ulm stattfinden wird, auch noch nicht.

Aber das wissen wir: Donnerstag, 16.September um 19 Uhr
Eintritt € 7,00

Also springen Sie rein ins Unbekannte und reservieren Sie sich einen Platz für die Lesung.
Wir freuen uns, wenn wir uns mal wieder sehen können.
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Jaaaa, es gibt sie wieder.
Die erste Seite“ kommt als Matinee am Sonntag um 11 Uhr in die vh Ulm (Club Orange).

Wir starten einen Versuch und haben drei Termine von der vh Ulm bekommen, an denen wir unsere Bücher vorstellen können.
Mit dabei (the one and only) Clemens Grote als Vorleser.

Die Termine sind
Sonntag, 12.09. um 11 Uhr
Sonntag, 10.10. um 11 Uhr
Sonntag, 14.11. um 11 Uhr

Dauer: Wie immer eine Stunde
Eintritt: Wie immer umsonst

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.
Infos auch unter https://jastramkultur.blog/veranstaltungen/

Mittwoch

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Heute haben
Raymond Chandler * 1888
Elio Vittorini * 1908 (siehe unten)
Hubert Selby * 1928
Alex Capus * 1961
Kai Meyer * 1969
Thea Dorn * 1970
Geburtstag.
Gestern hatte ich Arno Geiger und Oskar Maria Graf vergessen.
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Lesen Vittorinis „Gespräch in Sizilien“, wenn es Sie im Urlaub dorthin verschlagen sollte. Ein großes Stück Weltlitertaur aus den 30er Jahren.
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0429

Stewart O’Nan: „Die Chance“
Aus dem Englischen von Thomas Gunkel
Rowohlt Verlag € 19,95
als eBook € 16,99
als Hör-CD gelesen von Christian Brückner € 24,99
als englisch sprachiges Taschenbuch „The Odds. A Love Story“ € 12,99

Ganz neu auf unserem Büchertisch liegt nun endlich der neue Roman von Stewart O’Nan. Und wieder verblüfft er mit seiner Geschichte. War erfrüher der Typ, der harte Geschichten erzählte, wird er von mal zu mal ruhiger und einfühlsamer mit seinen Personen. Er lässt uns teilhaben am Leben einer alten Dame, wie in seinem letzten Roman, oder nimmt uns mit auf eine letzte, verzweifelte Reise eines langverheirateten Paares, das sich komplett verschuldet hat und nur noch den Ausweg sieht, sich in der Spielbank das nötige „Kleingeld“ zu besorgen.
Gemeinsam machen Marion und Art Fowler eine Pauschal-Busreise zu den Niagarafällen, wohin sie dreißig Jahre zuvor auch ihre Hochzeitsreise führte. Im Gepäck befindet sich ihr gesamtes Barvermögen, denn Art glaubt zu wissen, wie man beim Roulette gewinnen kann. Sie schmuggeln das Geld nach Kanada ein, wechseln es in Jetons und beziehen in einem Casino eine teure Hochzeitssuite, die sie sich leisten, weil es ja ohnehin egal ist. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Gleichzeitig plant Art die Scheidung nach diesem Wochenende. Er aus finanziellen Gründen, damit nicht beiden alles genommen werden kann. Sie sieht darin jedoch eine persönliche Befreiung.
O’Nan nennt seinen Roman eine Liebesgeschichte, was sie tatsächlich auch ist. Denn sein Ton ist nicht derjenige, der mit dem Seziermesser an die Sache herangeht und eiskalt dieses Paar auseinandernimmt und sie vor dem Nichts zurücklässt. Nein, es ist fast heiter, etwas skuril und liebenswert, wie er die Episoden an den Niagarafällen, im Bus und im Hotel in Worte fasst. Obwohl Marion Art sich nicht mehr viel zu sagen haben, obwohl Marion die Annäherungsversuche ihres Mannes eher lästig sind, obwohl ihre Ehe und ihr weiteres Leben auf der Kippe stehen, hält O’Nan zu ihnen und schreibt einen fast tröstlichen Roman über Zuversicht, Hoffnung und „Die Chance“, die einem im Leben oft bleibt.So nutzen die beiden diese Gelegenheit, setzen ihr komplettes Barvermögen an diesem Wochenende in der Spielbank ein.

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