Montag

Heute haben
Paul Verlaine * 1844
Sean O’Casey * 1880
Jean Giono * 1895
Uwe Timm * 1940
Gert Heidenreich * 1944
Geburtstag
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Rasmus Gabriel Schöll empfiehlt:

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Rachel Kuschner: „Flammenwerfer“
Rowohlt Verlag € 22,95
als E-Book 19,99
„The Flamethrowers“ als TB € 14,99
als amerikanisches E-Book € 13,95

Cool, coolness, grandios am coolsten!
Ungefähr so lässt sich Rachel Kushners Roman: „Flammenwerfer“ zusammenfassen.
Das Cover Bild des Buches, hat Rachel Kushner, bevor auch nur ein Wort geschrieben war, an ihre Wand gepinnt und es hat sie dazu inspiriert, die Geschichte von Reno, der schnellsten Frau der Welt zu schreiben.
„Ich war, kaum zu fassen, die schnnellste Frau der Welt, 496,493 Stundenkilometer. Ein offizieller Rekord für das Jahr 1976…“
Es ist schon merkwürdig, dass so verdammt viele und so verdammt gute Bücher aus den USA kommen. Aber wir nehmens mit Freuden hin.
Zunächst, wir haben es mit keiner stringent durcherzählten Geschichte zu tun. Das Buch lebt und wird durchlebt in Vor- und Rückblenden, deren Bedeutung erst im Laufe der steigenden Seitenzahl ersichtlich wird. Also nicht unbedingt, die “ Ich lese noch fünf Seiten Bettlesegeschichte“.
Reno, so der Name der Hauptperson, ist jung und schön, nicht das Rachel Kushner dies erwähnen würde, nur man bekommt als Leser mit der Zeit so eine Ahnung. Sie liebt das Motorradfahren, sie liebt die Geschwindigkeit und ein freies Leben. Sie rast über Salzseen, verliebt sich in einen New Yorker Künstler, Sandro Valera, der ganz nebenbei Spross einer italienischen Reifen- und Motorrad-Dynastie ist. Sie braust durch die New Yorker Kunstszene der 70er Jahre, voller Leidenschaft und Feuer. Reno, auf der Suche nach ihrer eigenen künstlerischen Identität, nach ihrem eigenen Ausdruck. Um es so richtig krachen zu lassen, besucht sie mit Sandro zusammen dessen aristokratische Familie am Comer See und gerät mitten in die römischen Unruhen des Jahres 1977.
Die ganze Zeit dachte ich beim Lesen, oh mann, das ist ja wie wenn Godard und Fellini zusammen einen Film gemacht hätten.
Das Buch ist sicher nicht für jedermann und knapp 600 Seiten eignen sich nicht als Versuch. Und dennoch, allein die Geschichten in der Geschichte sind richtig gut.
„Es war ein Desaster. Ich hätte nicht fahren sollen. Aber er rief mich irgendwann an und klagt verzweifelt. Drei Uhr nachts, und er beklagt sich … Saul, hab ich gesagt, möchtest du, dass ich das Kaninchen hole und es dir bringe? Soll ich das tun? – Mensch, Ronnie, sagt er, ich will dir das nicht zumuten. Aber wenn ich ehrlich bin, würde es mir unheimlich viel bedeuten. Du könntest meinen Jaguar nehemen. Und ich dachte, scheiß drauf, warum nicht? …“

Ein Mann soll für einen anderen Mann ein Kaninchen durch halb Amerika fahren. Der Mann gibt sich sehr viel Mühe. Aber als er endlich ankommt, hört er ein Jaulen des anderen Mannes. Das Kaninchen ist tot!
Diese Geschichte ist mit soviel Humor, Witz und Charme erzählt. Vielleicht ist es auch Godard, Fellini und Tarantino, die da zusammen ein Buch geschrieben haben.
Sicher, es sind die 70er Jahre und man muss schon ein gutes Pfund geschichtliches Interesse mitbringen, Aber hey: Godard, Fellini und Tarantino!

Leseprobe

Ein kleiner Nachtrag:
In der Autobiografie von Kim Gordon, der Gründerin, Sängerin und Bassistin von „Sonic Youth“, einer unabhängigängen Alternativ-Rock-Punk-Band aus New York, steht folgender Satz:

„Als ich Rachel Kushners Roman „The Flamethrowers“ las, konnte ich das darin beschriebene Gefühl, jung zu sein in New York und am Rande der Kunstszene zu leben, sehr gut nachvollziehen. Und das U-Bahn-Foto bildete diese Ungewissheit und auch diese Zeit sehr ghenau ab. Ich liebe es.“

Gordon
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UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (… aus der Tierwelt)
 
DIE LACHSFORELLE – CCLCXXXII
 
An eines Flusses Quelle
schoss die Lachsforelle
weit übers Ziel hinaus.
 
… aus!
SOMMERZEIT
 
Eingeführt vor vielen Jahren,
hat man dich, o Sommerzeit,
um damit Energie zu sparen.
Diese Idee schien blitzgescheit!
 
Längst ist inzwischen allen klar,
dass jener Spareffekt blieb aus.
Trotzdem heißt es auch dieses Jahr:
man muss ’ne Stunde früher raus.
 
Ein paar gibt’s, die es nie kapieren,
und die kommen am Montag dann,
weil sie vergaßen zu justieren
die Uhr, ’ne Stunde später an.
 
© Werner Färber

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Morgen abend um 19 Uhr:
Literalotto
Spaß und Literatur mit Florian Arnold und Rasmus Schöll