Mittwoch

Heute haben
G.Garcia Márquez * 1927
Günter Kunert * 1929
Geburtstag.
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Am kommenden Dienstag, den 12.März um 19 Uhr liest Fee Katrin Kanzler
bei uns in der Buchhandlung aus ihrem Buch:

Kanzler

Fee Katrin Kanzler: „Die Schüchternheit der Pflaume
Frankfurter Verlagsanstalt € 19,90

So beginnt der Roman:

Die Schüchternheit der Pflaume

Du kennst die mehlige Schicht, die eine frische Pflaume hat. Was sie matt macht und blassblau statt dunkel, diese dünne Schicht, dieses Anstandspuder überm tiefen Violett, die Schüchternheit der Pflaume. Wenn du die Pflaume anfasst, reibt sich diese Schicht ab, und die Pflaumenhaut beginnt zu glänzen.
Eine Tomate essen, auf offener Straße. Wie dich die Passanten ansehen. Weil du beißt, saugst, mit den Lippen, der Zunge das Überfließen des kernigen Safts verhinderst. Tomatenkuss.
Das saugende Geräusch beim Öffnen einer Kaffeepackung. Die plötzliche Entspannung des Goldpakets, das Weichwerden des Kaffeepulvers, das beim Zusammendrücken
das Geräusch von feuchtem Sand macht. Du wirst merken, wie interessant solche Quisquilien sein können.
Mich begeistern Kleinigkeiten. Das Schöne ist überall, und wichtig. Wer es nicht sieht, geht unter. Zugegeben, wer es sieht, auch. Aber zusammen mit der Schönheit unterzugehen, das ist es, worauf es ankommt.

Fee Katrin Kanzler auf facebook.
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AB

U.D.Bauer: „O. T.“
Statt eines Nachwortes: Max Dax im Gespräch mit U. D. Bauer
Bandnummer: 339
Limitierte Ausgabe, in hochwertiges und bedrucktes Naturpapier gebunden, Fadenheftung, Lesebändchen, Buchgestalter: Friedrich Forssmann
Andere Bibliothek / Aufbau Verlag € 34,00

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O. T. zitiert, was uns im Museum begegnet: Werke „Ohne Titel“ in die Welt zu entlassen. U. D. Bauer kennen wir als Bildende Künstlerin. Ihr erstes literarisches Werk erzählt, was zunächst nicht der Rede wert scheint; die Geschichte eines Schriftstellers, der seinen Roman schreibt. Aber wie das U. D. Bauer gelingt, das haben wir bisher in der Literatur noch nicht gelesen – kein einziges Wort stammt von der Autorin selbst. „Mich gibt es gar nicht.“ O. T. ist wie ein Mosaik, ein Cut-up aus 3000 Zitaten der Welt- und Trivialliteratur und der Poesie. Die Liste der Zitierten reicht wortgewaltig von Dante bis Joyce, von Shakespeare bis Tolstoi – und wir erkennen alle klassischen Romanthemen einer Familiengeschichte: Dreiecksbeziehungen, Betrug, Totschlag, Inzest, romantische Sonnenaufgänge und einsames Verzweifeln am Schreibtisch. Das System „Zettel’s Traum“ begegnet uns wieder, ein vielstimmig erzähltes Universum aus Fundstücken und Aufgespürtem.
Sieht so der virtuos wie originell gefügte Endpunkt der Literatur aus? O. T. fügt der Diskussion um copy-and-paste, um Originalität und Autorschaft eine neue Facette hinzu. Und en passant wird O. T. zum Manifest für die Freiheit und Grenzenlosigkeit der Kunst.
Soweit der Verlag dazu.
Und vielleicht noch das:
„Ein Glücksfall!“ Alexander Kluge

Mich hat das Buch zuerst vom Einband her interessiert. Sie machen schon sehr schöne Bücher, die Andere Bibliothek. Dazu noch der Titel: „O.T.“ und das angehängte * dazu.
Im Innenteil geht es genauso schön weiter. Wunderbares Papier, zweifarbiger Druck.
Beiges Papier auf dem der Text wie auf weißen Papierschnitzeln aufgeklebt aussieht. Alles sehr fein und dezent. Aber doch irgendwie herausgeschnitten und neu verwertet. Dazu noch jede Menge Verweisnummer am Ende. 2857 sind es um genau zu sein.
U.D.Bauer hat also diesen Roman komplett aus Zitaten der Literatur zusammengetragen, -geklaut. Jedoch immer schön hingewiesen, woher sie es hat. Es geht los mit Bert Brecht, Nr.3 „Müßiger Leser“ ist von Cervantes und geht bis zum letzten Wort „Ende“ (Nr.2857) von Calvino. Dazwischen jede Menge Trivialliteratur, also nicht nur der hohe Kanon des Bildungsbürgertums.
Um was geht es aber im Roman?
Ein Schriftsteller will einen Roman schreiben. (Da sind wir ja schon fast wieder bei Calvino) Er macht sich Gedanken über seine Arbeit, sein Leben, er träumt und schreibt. Es gibt also wirklich eine Handlung, wobei die zu vernachlässigen ist. Schöner sind die Gedankensprünge, die Ideen, die dem Schriftsteller durch den Kopf hüpfen. Und was verwunderlich ist: Es ist wirklich flüssig lesbar. Irgendwann stören die Anmerkungszahlen nicht mehr, oder Sie wollen das gar nicht mehr sofort wissen, woher das Zitat kommt, sondern schauen am Ende einer Seite erst nach. Allerdings macht es auch Spaß bei den Hinweisen schauen und im Text dann das Zitat suchen. Vielleicht kennt man es ja.
Insgesamt also doch ein schönes Vergnügen. Wenn auch nicht ganz günstig. Dafür aber umso schöner. Zusätzlich sind die Exemplare der Erstauflage nummeriert. Dieses Exemplar trägt die Zahl 993.
Im Anhang ein Interview der Autorin mit Max Dax, in dem viel Erhellendes über die Denk- und Herangehensweise von U.D.Bauer erzählt wird.
Leider habe ich nicht mehr Fotomaterial, um Ihnen die Machart des Buches zu zeigen. Schauen Sie also in Ihrer Buchhandlung nach.
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„Disgrace“ von J. M. Coetzee
(gefunden bei UNYPL)