Donnerstag

Heute haben
Aleksandar Tisma * 1924
Susan Sontag * 1933
Inger Christensen * 1935
Magdalen Nabb * 1947
Reinhard Jirgl * 1953
Geburtstag
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Jastram leuchtet.
Oder: Die Reste vom Weihnachts-Bücherbaum.
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ssethaler

Robert Seethaler: „Jetzt wirds ernst
Kein & Aber Verlag € 14,90

Nach dem umwerfenden Erfolg des Romanes „Der Trafikant“, den wir als gebundene Ausgabe oft verkauft, aber nicht selbst gelesen haben und erst nach der Lektüre als Taschenbuch entdeckten, habe ich mich an Robert Seethalers neuesten Roman gewagt. Es ist ja immer schwierig für mich als Leser (an den Autor denke ich schon gar nicht), nach einer so guten Lektüre, ein weiteres Werk deselben Autores zur Hand zunehmen. Die früheren Romane sind dann vielleicht noch Schreibübungen und das Buch danach ein Abklatsch des Erfolges. Na, wie mans nimmt: schwierig. „Jetzt wirds ernst“ heisst es da im wahrsten Sinne des Wortes.
„Mein Weg ans Theater war verschlungen. Unvorhersehbar. Holprig“, so beginnen die Aufzeichnungen des Helden und als ich das Buch, das ich an einem Abend durchgelesen habe, beendet hatte, kann ich nur sagen: Das ist wahr!
Dieses Leben in der Provinz beschreibt Seethaler so perfekt, dass es mir beim Lesen wie Breitwandkino vorkam. Überhaupt hat er wieder eine sehr bilderreiche Sprache, so dass alle sehr filmisch wirkt. Praktisch ein Roadmovie in einer Kleinstadt. Die Eltern führen einen Friseursalon (Papa schneidet, Mama wäscht), sechs Tage die Woche, das ganze Jahr hindurch, ohne Urlaub und unser Held wächst in dieser kleinen Welt auf. Es ist sein Zuhause, mehr als die Wohnung der Eltern. Seelthaler packt skurile, schräge Geschichten in die Aufzeichnungen, lässt uns teilhaben an seiner Kindheit, seine Zeit im Kindergarten und der Grundschule. Es kommen die ersten Kontakte zum anderen Geschlecht und der übliche Eintrag ins Zeignis: „Soziale Kompetenz mangelhaft“ hinzu. Gerade das Miteinander ist für ihn nicht so einfach. Alle Versuche mit den Mädchen etwas anzufangen, scheitern. Allein ein Junge entwickelt sich, nach einer blutigen Schlägerei, zu seinem besten Freund. Dort erträumen sie sich ihre Traumfrauen und was sie alles mit ihnen machen (würden). Doch so einfach ist das gar nicht. Bis er sich doch in eine Mitschülerin verguckt, sie immer wieder abpasst und ins Gespräch mit ihr kommt. Sie hat ständig ein kleines gelbes Heftchen in der Hand, in dem sie andauernd liest. Es stellt sich als „Die Möwe“ von Tschechow heraus. Dieses Stück wird in der Schule geprobt und für unseren Helden ist klar, wenn er Erfolg bei ihr haben will, muss er dabei auch mitmachen. Er quält sich also durch die Tschechow-Stücke, liest die Weltliteratur kreuz und quer, bis er endlich bei Shakrespeare anlangt, den er sich zum Schluss aufgehoben hat. Das mit Lore klappt dann doch nicht, weil sie sich seinen besten Freund herausgesucht hat, aber die Welt des Theaters hat sich für ihn geöffnet.
Robert Seethaler hat hier einen sehr spritzigen, witzigen, frechen Roman geschrieben, der uns diesen liebenswerten Literaturhelden ans Herz legt. Es ist ein Bildungsroman der anderen Art und erinnert an die Tradition der amerikanischen Entwicklungsromane, die oft auch mit viel Esprit, Wortwitz und Ideeeinfallt daherkommen. Ein sehr erfreulicher Lesegenuss, der allerdings die Tiefe, die „Der Trafikant“ im zweiten Teil hat, nicht erreicht. Das macht die Lektüre aber gerade so sympatisch. Es ist zwar auch wieder ein junger Mann im Mittelpunkt, aber doch entwicklet Seethaler eine ganz andere Geschichte daraus.

Hier auf der website des Autoren finden Sie unter „Leseprobe“ eine kurze Lesung aus dem „Trafikant“, aber auch mehrer Leseproben aus „Jetzt wirds ernst“, damit die sich selbst ein Bild vom Text machen können.

7 Gedanken zu „Donnerstag

  1. Das Buch ist nicht neu. Es ist bereits 2010 erstmals erschienen, also bereits vor dem „Trafikant“ entstanden. Die Neuausgabe ist wohl dessen Erfolg geschuldet.

    Schöne Grüße
    Jan Haag

    1. Ahh, danke für die Info.
      Ändert aber nix am Lesegenuss, wenn auch nicht ganz so stark, wie der Trafikant.
      Schöne Grüße zurück
      Samy

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