Buchtipp Krimi: Christoffer Petersen mit seiner Grönland-Reihe „Sieben Gräber für den Winter“ (2025) und „Sechs Schatten im Eis“ (gerade erschienen)

Von Sebastian Lehmann

Das (noch) eisige und dünn besiedelte, zugleich riesige Grönland ist ein Hotspot auf der geopolitischen Landkarte, nicht erst seit Donald Trumps Interventionen, Dänemarks und Europas Antwort darauf sowie jetzt gerade im aktuellen deutschen Sachbuch-Bestseller Nr. 1: Robert Habeck: Arctic Meltdown. Der Kampf um Grönland ist ein Welt-Thema der Zeit.

Wer das, die kritische und international beäugte Lage des geografisch riesigen aber politisch ganz kleinen Grönlands durch etwa die USA, Russland und China, aber auch durch die europäischen Anrainerstaaten publizistisch schon deutlich früher erkannt hat, ist der dänische Krimiautor Christoffer Petersen. Mit seiner Reihe rund um den frühpensionierten und körperlich aufgrund eines Dienstunfalls schwer versehrten indigenen (Ex-)Polizisten David Maradse, der auch im vorgezogenen Ruhestand das Ermitteln nicht lassen mag. Bisher auf Deutsch: „Sieben Gräber für den Winter“ (2025) und gerade erschienen: „Sechs Schatten im Eis“. Mehr mögen bitte folgen, denn die einfach, aber eindrücklich geschriebenen Kriminalromane sind Bestware..

Es geht in diesen Krimis von Petersen (der sieben Jahre in entlegenen Orten Nordgrönlands als Lehrer gearbeitet hat) im großen Rahmen um die Lebensweise der Einheimischen und um ihr Verhältnis zu Dänemark, vor allem aber auch zur ganzen Welt. Es gibt neben der großen Politik parallel immer einen klassischen Krimi- und Thriller-Plot, der mit seinen beteiligten Charakteren zudem literarisch sehr gut verarbeitet wird. Hauptfigur ist der lakonische dauerversehrte, lebensfrustierte und introvertierte Grönländer Maradse. Und als irritierende Nebenfigur gibt es seine viel lebhaftere, zudem ethnisch, sprachlich und kulturell deutlich hybrider daherkommende Geliebte, die Polizistin Petra. U.v.m., an interessanten Personen.

Über die großen weltweit bedeutsamen Themen um Grönland als potentiell geopolitische Beute der Zeit, spätestens seit Trumps Einvernahme-Drohungen, wird bei Petersen auch jenseits des Krimi-Plots diskutiert: Sicherheitspolitik, Rohstoffe, Dänemark-Abhängigkeit, die unselige Geschichte Grönlands als dänische Kolonie, die gegenwärtigen Unabhängigkeits-Bestrebungen, der bedrohliche Klimawandel und die umstrittenen kulturellen Traditionen wie etwa die Waljagd. Das (politisch) kleine Grönland geht eben alle Europäer an. Und die Welt.

Sehr interessant und lesenswert, das alles. Man möge sich vorstellen, dass der derzeit in Dänemark tätige Robert Habeck Christoffer-Petersen-Krimis liest und der Krimi-Däne „Arctic Meltdown“. Sie würden beide etwas davon haben. Grönland ist literarisch heiß.