
Von Christine Berenbeck
Am Thema Künstliche Intelligenz kommt man derzeit nicht vorbei – auch nicht an der Frage, wer am Ende eigentlich Verantwortung für die Entscheidungen einer autonom sich selbst steuernden KI übernehmen wird. Bruce Holsinger hat mit „Die letzten zehn Sekunden“ einen Familienroman darüber geschrieben, wie diese Frage urplötzlich im Hier und Jetzt existenziell groß werden kann.
Die fünfköpfige Famile Cassidy-Shaw ist an der US-Ostküste mit einem KI-gestützt voll autonom fahrenden SUV unterwegs. Der 17jährige Charlie sitzt am Steuer, chattet auf seinem Mobiltelefon. Neben ihm sein Vater Noah mit dem Laptop auf dem Schoß. Auf dem Rücksitz befinden sich Ehefrau Lorelei (beruflich erfolgreich im Bereich Informatik und Philosophie unterwegs) mit ihrem Notizbuch sowie die Geschwister Alice und Izzy, beide mit dem Handy beschäftigt. Es kommt zu einem Zusammenprall mit einem entgegenkommenden Auto. Die Familie Cassidy-Shaw überlebt. Die Insassen des anderen Autos sterben noch am Unfallort.
Nun beginnt eine Geschichte, in der es neben den rechtlichen Auseinandersetzungen über den katastrophalen KI-Unfall um Schuld, Verantwortung, Gewissen, Liebe, Lügen und Geheimhaltung innerhalb der Familie selbst geht. Hinzu kommt ein brisanter zweiter Handlungsstrang, der das unselige Schicksal der Cassidy-Shaws noch einmal zynisch spiegelt. In der direkten Nachbarschaft wohnt ein typischer Techmilliardär, und ausgerechnet Charlie (der 17jährige am Steuer) verliebt sich in dessen Tochter. Das kann ja nicht gut gehen…
Alles in allem flott geschrieben, psychologisch anregend und mit viel Diskussionsstoff auch nach Ende der Lektüre.
