Dienstag, 20.Februar

Heute haben
Johann Heinrich Voß * 1751
Heinz Erhardt * 1909
Julia Franck * 1970
Geburtstag
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„Man macht gewöhnlich viele Worte, wenn man nichts zu sagen hat.“
Heinz Erhardt
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Unser Literaturtipp:

Alia Trabucco Zerán: „Mein Name ist Estela
Aus dem Spanischen von Benjamin Loy
Hanser Berlin Verlag € 24,00

Die Hausangestellte Estela berichtet. Sie erzählt langausholend. Sie fordert ihre Gegenüber auf, genau zuzuhören. Zum ersten Mal bekommit sie eine Stimme, nachdem sie sie zwischenzeitlich verloren hat. Estela hat sieben Jahre in einem Haushalt gearbeiten. Sie war Tag und Nacht für diese Familie zuständig. Gelebt hat sie in einer Kammer neben der Küche, die so klein war, dass es nur eine Schiebtür gab. Der Roman spielt in Chile, in dem die Klassenunterschieden schon immer hoch waren und nach Jahren der Diktatur, hat sich dies noch verschärft. In den Zeiten des Turbakapitalismus ist für die ehrgeizige Mutter und den autoriären Vater ein Dienstmädchen durchsichtig, ohne Namen. Nana. Nur Nana. Als Estela mit ihrer Arbeit begonnen hat, kam die Tochter des Hauses, Julia, auf die Welt. Mit ihr hat Estela eine besonder Verbindung, zumals sie auch die meiste Zeit mit ihr verbringt und nicht die Eltern.
Julia ist tot und Estela erzählt nun über diese sieben Jahre Arbeit. Über ihre Einsamkeit, über einen streunenden Hund, den sie heimlich durchfüttert, über ihre Mutter im fernen Süden Chiles, über die Eltern, die ihre Tochter erdrücken und ihre keine Luft zur eine gesunde Entwicklung geben. Julia und Estela verbindet diese Einsamkeit und doch sind auch hier unüberbrückbare Standesschranken, die zu einer Eskalation am Ende des Romanes führen.
Ein extrem starker Roman, der nicht mit Klischees arbeitet und durch die ruhige und bestimmte Art von Estelas Vortrag vor Gericht ein Drama mit Ansage aufzeigt, das wahrscheinlich Alltag für viele Bedienstete ist.

Leseprobe

Alia Trabucco Zerán, geboren 1983 in Santiago de Chile. Ihr Debütroman „Die Differenz“ (2021) wurde für den International Booker Prize nominiert und 2022 mit dem British Academy und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet.
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Donnerstag, 22.Februar um 19 Uhr
Elena Fischer. „Paradise Garden“
Haus der Begegnung
, Felix Fabri Saal
Grüner Hof 7, 89073 Ulm

Ich danke für die tolle Kooperation.